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Die Ausreden, Zwada, 25.10.2023 in Mitrovicë (Kosovo), 7Arte - Bericht von der Band

Die Ausreden, COMING STRAIGHT TO THE KO - Tour 2023, Teil 2

Paula: 22.10.  Nachdem wir gestern unser erstes tolles Konzert der Tour gespielt haben, heißt es heute also offiziell „erster Offday der Tour“! 
Ich freue mich über langes Auspennen und Bananen-Schokomüsli-Frühstück auf unserem kleinen Balkon mit bestem Innenstadtblick und beschalle Phil mit meiner Lieblingsmusik. Ein Ritual, dass sich über die Tour etablieren wird. Ich vermisse es!
Logan: Auf den Turm könnte man doch mal raufklettern, oder?
Judie: Mussten wir nichtmal, gibt nen Aufzug!
Paula: Das ist die katholische Kathedrale in der George. W. Bush -Avenue. Absurder wirds nicht. Die Kathedrale ist noch halb im Bau... 2010 begonnen, macht man jetzt wohl immer mal weiter, wenn Geld da ist.
Paula: 23.10. Die Band trifft sich mit der Entourage zum gemeinsamen healthy Frühstück im Fastfoodtempel. Ernüchternd: Für die Nicht-Fleischesser gibt’s nur Pommes und zum Ausgleich Krokanteisbecher/Eiskaffee.
Logan: Moment, Phil hat doch da immer Chilli-Cheese-Nuggets gegessen. Völlig fleischlos, lecker und sehr gesund.
Judie: Nach dem Essen ist uns dann aufgefallen, dass es im Keller noch eine weitere Abteilung gab, wo es zumindest Falafel gegeben hätte. Naja, nächstes Mal.
Paula: Eine Probe auf Tour im Zwada-Proberaum. Für vier noch folgende Konzerte doch n ganz guter Schnitt. Das vorm ersten Gig war ja eigentlich nur ein kurzer Technik-Setup-Soundcheck um zu sehen, ob irgendwie mit den ganzen Preamps unser Sound machbar ist...
Paula: Besuch bei Galdon im Defy Them-Studio. Logan darf ihn nun auch kennen lernen, nachdem Judie, Phil und ich beim ersten Besuch die Schnapsidee äußerten, einfach hier unsere nächsten Aufnahmen zu machen!
Logan: Cooler und kompenter Typ. Hier könnte man schon gut ein Album aufnehmen.
Paula: Der Tag endet, wie zu erwarten war, auf das ein oder andere Kaltgetränk im Space. Ich entdecke diesen ziemlich abgerockten Kinderstuhl. Und fühle mich heimisch. Exakt dieses Modell hatte ich meine gesamte Kindheit über in der elterlich Gartenlaube. Ist wohl son Ostblock-Ding. Kennt die noch jemand?
Paula: Ja, lecker Bierchen! Ein paar Monate später sitzt auf exakt dieser Sofaecke Rita Ora. Die wohl weltbekannteste Kosovarin. (Kannte ich vorher nicht. Aber wen wunderts, in Popkultur bin ich so null bewandert...)
Paula: 24.10. Wieder ein Offday und ein Frühstücksdate - die Hälfte der Band war zur Freude der anderen schon auf dem vormittäglichen Markt diverse Leckereien bummeln. 
Logan: Verstörend war nur diese 2-farbige Milch-Nusscreme. So viel Zucker in einem Glass, dass Rüdiger Nehberg damit 3 Jahre allein im Dschungel überleben könnte. Judie: Bester Schafskäse ever vom Markt (hatte ich das schon erwähnt?) für den besten Schopska Salat ever!!!
Logan: Fußgängerzonen sind der Shit! Warum gibt's sowas eigentlich nicht in Berlin?
Logan: Erster auf dem Turm.
Paula: Ha, hier mit Blick auf den zweiten Turm - der halt einfach noch nicht fertig gebaut ist. Der erste hat dafür diesen luxuriösen Aufzug!
Paula: Skyline Pristina!
Paula: Blick zur National-Bibliothek. Und im Vordergrund der Fast-Food-Tempel von gestern unter diesen Retentionsdächern.
Judie: Oben auf dem Turm von vorhin haben wir ein Pärchen angequatscht, die sich auf Deutsch unterhalten haben - er hatte lange Haare und ein Wacken T-Shirt an - ob sie nicht zu unserem Konzert am Samstag im Defy Them kommen wollen. Ihre Familie kommt aus Kosovo (seine aus Hamburg) und sie konnte es gar nicht fassen, dass wir als Band aus Deutschland gekommen sind, um hier in Kosovo Konzerte zu spielen. Sie versprechen zum Konzert zu kommen. wir sind gespannt.
Paula: Vorausgreifender Fun-Fakt: Den Hamburger haben Phil und ich beim Abflug am Flughafen nochmal wieder getroffen!
Paula: Schlemmen. Schokokuchen und Eis. Und mal wieder wahnsinnig leckerer Kaffee!
Logan: Langsam fühlt sich das hier an wie ein Foodblog.
Paula: 25.10.  
Logan: Vor der Abreise in Berlin dachte ich ehrlich gesagt noch, dass wir uns Mitrovice wegen der politischen Eskalation mit einigen Toten ein paar Wochen zuvor eher knicken würden. Zwada haben uns aber glaubhaft vermittelt, dass es gerade für die Leute in der Stadt wichtig ist, das Konzert zu spielen. Dort angekommen hätte ich nichts bemerkt, wenn man vorher nichts von der politischen Situation in den Nachrichten gehört hätte.
Judie:  Jetzt geht es weiter zum ersten von 4 Konzerten in Folge nach Mitrovice. Dass wir da heute spielen, wissen wir erst seit 3 Tagen, 3 der 5 Konzerte haben sich erst nach unserer Ankunft ergeben.
Mitrovice ist – grob gesagt – so etwas wie das Belfast von Kosovo, eine geteilte Stadt, nördlich vom Fluss ist der serbische Teil, südlich der albanische, über die Brücken kann man zumindest mit dem Auto nicht rüberfahren, auf serbischer Seite ist sie verrammelt mit Betonpollern und KFOR Soldaten stehe auf albanischer Seite (oder machen ein Nickerchen im Auto, wie von Paula beobachtet).
Paula: Nee, das Nickerchen war kein Soldat, das war n stinknormaler Bulle. Später mehr dazu.
Paula: Regennasse, leergefegte Fußgängerzone in Mitrovicë bei Ankunft.
Logan: Die Location im obersten Stockwerk eines 70er-Jahre-Hochhauses ist ziemlich abgefahren, auch wenn man ein bisschen Schulbibliothekvibes beim Spielen hat, weil direkt hinter uns ein Bücherregal ist.
Judie: Ist offensichtlich ne Mischung aus Bibliothek, alternativem Kulturzentrum und Co-Working-Space. Irgendjemand hat auch die Hoffnung geäußert, dass sich vielleicht Leute aus dem serbischen Teil rüber trauen, wenn eine deutsche Band spielt. Spoiler: hat leider nicht funktioniert.
Paula: Dudi und Phil. Dudis Vater ist bekannt für den Raki, den er brennt. Nachdem mir davon schon einige Tage lang erzählt wurde, komme ich heute endlich in den Genuss desselben. Dudi hat eine kleine Plastikflasche bei, wir bekommen Gläser an der Bar und ich bin begeistert. Hilft auch ganz wunderbar gegen meine beginnende Erkältung, die ich mir wohl von Suki geholt habe. Raki hier in Kosovo hat übrigens NICHTS mit dem Raki aus der Türkei zu tun. Kein Anis, sondern eher sowas Richtung Brandy, Obstbrand mal auch eher in die Likörrichtung. Es gibt verschiedene, aber der leckerste den ich kennenlernte ist aus Granatapfel. So. Schnapsexkurs Ende.
Paula: Eigentlich war angedacht, dass wir heute auf dieser Dachterrasse mit Blick auf die Sterne spielen - Lautstärke interessiert hier keinen. Leider macht uns dieses Regenwetter n Strich durch die Rechnung und wir weichen auf drinne aus.
Paula: Diesmal beginnen Zwada! Diesmal sind wir uns auch vorm Soundcheck einig. Schön! Ich kann schon mitsingen!
Logan: Show läuft gut, aber die Leute sind insgesamt etwas reservierter als beim ersten Gig. Mag auch daran liegen, dass wir heute nicht so ultra tight sind. Dafür gibt es nach dem Gig sehr gutes Feedback und echte Begeisterung von einzelnen Konzertbesucher*innen.
Judie:  Als wir beginnen, lese ich auf den Gesichtern vor allem Neugier, ich weiß nicht, ob hier überhaupt schon mal eine Band aus Deutschland gespielt hat, mit Punk als Überbegriff für Musik können viele nichts anfangen und sie sind vor allem da, um zu gucken und weil eben überhaupt etwas los ist.
Paula: Wie, nicht ultra tight?! Da war ich wohl bei nem anderen Konzert!
Logan: Note to self: Beim Gig weniger auf die eigene Gitarre starren.
Judie: Von der Publikumsreaktion her ist das wohl das am wenigsten euphorische Konzert. Ein paar Leuten gefällt es wohl nicht so und sie gehen nach ca. der Hälfte auf die Terrasse, der Rest ist durchaus wohlwollend und hat Spaß und ein paar sind auch dabei, die es richtig feiern, die beim Tanzen alles geben und und uns hinterher erschöpft sagen, wie toll sie es fanden. Einer mit breitem Wiener Dialekt ist aus Kosovo, lebt aber in Wien und macht hier gerade Urlaub. Er kündigt an, auch nach Prishtina zum Konzert zu kommen.
Paula: Die auf der Terrasse haben größtenteils aber von draußen reingeguckt (hab ich beim umdrehen gesehen!). Denen war diese ungewohnte Punkmusik einfach zu laut! Von den zwei Tanzenden ist einer "der eine Punk der Stadt". Mit dem trinke ich später noch ein Bier - der war so glücklich, dass hier endlich mal ne Punkband spielt... 
Paula: Da wir wieder mit mehreren Autos angereist sind, teilt sich die Gruppe auf. Unsere Hälfte macht noch einen Abstecher zu nem örtlichen „Space“, in dem tagsüber Workshops und Lesungen abgehalten werden. 

Logan: Nach der Show noch schnell zusammen mit dem Veranstalter Hand angelegt und alle Tische fürs Kursprogramm am nächsten Tag wieder aufgebaut. Bildungsauftrag erfüllt.
Bei der Rückfahrt fahre ich unser Auto fast frontal in eine unbeleuchtete Autobahn-Baustelle, weil der schon fertige Teil der Schnellstraße unvermittelt endet und man hart links auf eine Schotterpiste einbiegen muss. Knappet Ding. Aber allet jut jejangen. Puh.
Paula: Oh krass. Wir haben uns auf dem Rückweg irgendwo verfranst und kommen da glücklicherweise nicht lang. 
Paula: Nach dem Gig machen Phil und ich mit Suki und Maddie - der Filmemacherin - noch einen Ausflug zur besagten „Teilung“ der Stadt.
Paula: Die besagte Brücke. Es macht sich bedrückte Stimmung breit. Außer Maddie bleiben wir alle vor der Brücke stehen.
Paula: Maddie - in unseren Augen todesmutig - läuft einmal über die Brücke bis zu den Carabinieri, die den Übergang nach Nord-Mitrovica abgrenzen. Auf dem Rückweg - Herzklopfen: Maddie läuft zur kosovarischen Streife um zu filmen. Die Scheiben beschlagen, hier schläft jemand...
Paula: Danach laufen wir zum Auto, hier wird grade die Straße aufgerissen, etwas weiter vorne wurden schon große Beton-Barrikaden eingebaut. Nach der bedrohlichen Situation sind wir dann doch ganz froh, wieder ins Auto zu steigen und zurück "nach Hause", also Pristina zu fahren.
Paula: Kurze Zeit später steigen Phil und ich an einer Kreuzung in der Nähe unseres Appartement aus und laufen noch zwei Minuten durch den Park über den Unicampus. Auf diesem Gelände befindet sich die Nationalbibliothek und hier im Bild eine serbisch-orthodoxe Kirchruine, die in den 90ern hier gebaut und nie fertiggestellt wurde. Heute haust da nachts wohl ein Rudel Straßenhunde, die - tagsüber total friedlich rumlungernd - nachts offensichtlich aber sehr aggressiv werden und uns als Eindringlinge in ihr Territorium betrachten. 
Paula: Einen markerschütternden Todesschrei, ein paar nächtliche Telefonate und eine durch unseren Freund Dudi begleitete Taxifahrt in die städtische Notaufnahme später lande ich dann recht erschöpft endlich in meinem Bett. Da morgen schon das nächste Konzert ansteht und ich von den freundlichen Ärzten des Krankenhauses noch einige "Hausaufgaben" für den Vormittag bekommen habe, weiß ich, dass die Nacht kurz wird. 

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7 Arte
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