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Die Ausreden, Zwada, 26.10.2023 in Gjakovë (Kosovo), Drum Bar - Bericht von der Band

Die Ausreden, COMING STRAIGHT TO THE KO - Tour 2023, Teil 3

Paula: Nach dem unvorhersehbaren Erlebnis auf dem Nachhauseweg gestern, heißt es nach eine relativ kurzen Nacht auch schon wieder aufstehen, in die Polyklinik, eine weitere Impfung abholen, Apotheke abklappern und und und...
Judie: Ich hab ganz wunderbar geschlafen, wache entspannt auf und wundere mich beim Blick aufs Handy, warum Phil so gegen 3 oder so noch versucht hat anzurufen und lese nur von Paula, dass ich mich mal melden soll, wäre ne komische Geschichte passiert??? Und dann das: ein Hundebiss!!!! Au weia! Das ist ja ein Einstieg in den nächsten Konzerttag!
Paula: Haha, wie sagt man den Liebsten, dass man grad in der Notaufnahme war - ohne dass sich jemand Sorgen macht? Fail...
Paula: Monster-Antibiotika! Da freu ich mich jetzt so richtig drauf...
Logan: Hat gar nichts mit dem Bild zu tun, aber ich habe meine Pedale alle wiedergefunden. Hatte nur nicht richtig geguckt. Pff.
Paula: Ey, ein Glück! Wäre schon echt fies gewesen, wenn sich die jemand vom Zoll einfach grippt hätte! Das Bild zeig übrigens noch mal den Uni-Park und die Nationalbibliothek - ganz unscheinbar bei Tag.
Paula: Das erste Mal, dass wir als komplette Band in einem Auto sitzen auf der Anreise zum Konzert.
Logan: Merke: Ein FIAT Tipo als Limousine ist gar nich mal son geiles Auto, ist dafür recht eng im Innenraum und bietet einen äußerst kleinen Kofferraum.
Paula: Nur Vorteile!
Paula: Ich bin verwirrt. Hier heißen die Möbelläden wie deutsche Rapper. Oder halluziniere ich?
Logan: Nein, das ist korrekt. Nebenan lagen Möbelhäuser der Konkurrenz von Sido, Bushido und Kontra K.
Logan: Eins meiner Lieblingskonzerte der Tour, auch weil es erst so überhaupt nicht danach aussah.
Judie: Abgesehen von dem Hundebiss erfahren wir am Proberaum, dass es in der Drumbar in Gjakove, wo wir heute Abend spielen, kein Schlagzeug gibt und momentan kein weiteres Auto zur Verfügung steht, um eins zu transportieren. Nach einer Weile rumstehen hat irgendwer doch ein Auto aufgetrieben und wir könnten eigentlich los. Phil hat allerdings vor einer ganzen Weile eine Pizza bestellt, die nicht kommt und offensichtlich vergessen wurde. Hier hatten wir dann die Definition von hangry und es hat eine Weile gut zureden und eine ganze Tüte Backwaren gebraucht, um ihn zum losfahren zu bewegen.
Logan:  Einer der beiden Stammgäste, die schon beim Get-in im Laden abhingen, fragte woher wir kämen und sagte dann als Reaktion auf unser „Berlin“, dass er ne Weile in Tempelhof gelebt und gearbeitet habe. Ein gutes Omen? Beim Load-in habe ich fast noch eine Garnitur Bistro-Tische umgenietet und musste mit dem Rest meiner Band meckern, weil ich das Gefühl hatte, dass keiner mit uffpasst, sondern alle lieber chillen wollen.
Judie: Als wir ankamen saßen nur 2 Leute im Laden und haben gefragt, ob wir Blues spielen (kein Witz).
Paula: Ich hab vor den Bistrotischen wie verrückt gewunken. Wurde aber übersehen. So unterschiedlich kann Wahrnehmung sein. Bin aber auch noch ganz schön platt nach der Nacht. Vielleicht fand das Winken nur in meinem Kopf statt?
Paula: Stromausfall kurz vor Beginn vom Soundcheck. Panik macht sich breit - haben wir jetzt beim Aufbau die Technik im Laden geschrottet?
Judie: Kerzen standen aber schon bereit.
Paula: Ja und alle anderen erstaunlich gechillt. Der Blick auf die Fußgängerzone zeigt: Überall ist der Strom weg. Nur keine Panik, wir sollen einfach warten, das kommt schon wieder. Und tatsächlich.
Logan: Soundcheck lief improvisiert wie bei den anderen Shows, aber wir hatten inzwischen eine gute Routine entwickelt und waren einfach froh, dass der Strom hielt.
Judie: Nachdem der Strom wieder ging stellten wir fest, dass es nicht genügend Verlängerungskabel gab und einer ist nochmal losgegangen, um welche zu kaufen. Ich frage mich, wo, denn der Ort wirkt absolut ausgestorben. Ich stehe irgendwann in der menschenleeren Fußgängerzone, das einzige, was zu hören ist, ist der Muezzin, der zum Gebet ruft. Auch Orges von Zwada meint, dass wir wohl eher für uns spielen werden.
Logan: Vor dem Konzert kam noch ein breitschultriger Typ zu mir, der mit seiner ganzen Familie inkl. etwa 9-jährigem Sohn am Start war, und sagte mir (auf deutsch), dass er Bands aus Deutschland möge – Rammstein und so.
Judie: Ja, die Leute sind echt noch gekommen, unglaublich, der Laden ist voll als wir anfangen und es dauert nicht lange und alle und alles swingt.
Paula: Ja, wobei ich ganz froh bin, die Geschichte mit den "deutschen Bands" doch erst hinterher zu hören. Ich hätte wohl das dringende Bedürfnis gehabt, diesen einen Menschen wieder rauszubitten. Aber das hat er wohl gemerkt - bzw. dass wir irgendwie doch andere Musik machen, zumindest war er anfangs wieder draußen. Umso schöner, dass seine Kinder um einiges cooler waren, begeistert beim Konzert mitgetanzt haben und uns danach in perfektem Englisch zugelabert haben. Die Tochter war noch mal jünger. Die haben wir jetzt hoffentlich nachhaltig geprägt. 
Logan: Konzert selbst war der Hammer, weil sich der Laden so schnell füllte und alle ordentlich mitgegangen sind. Haben die Leute ein bisschen mit den Ansagen geteased und es gab einfach eine super Interaktion mit allen.
Paula: Ich musste hier ganz schön mit meinen Kräften haushalten und dieser eine Scheinwerfer war superheiß. Aber besser als nichts sehen - und es hat wirklich richtig Spaß gemacht. Wie die alle getanzt haben!
Logan: Hinter der Bar haben die Leute immer die Hängelampen so angestoßen und schwingen lassen. Getränkeumsatz dürfte gut gewesen sein. Unverständnis erntete nur meine Ansage, dass ich keinen Alkohol trinke, gegenüber den diversen Leuten, die mich danach auf einen Drink einladen wollten.
Logan: Der Rammstein-Fan kam auch noch mal an mit einem dicken Grinsen im Gesicht, feierte es ab und verglich uns mit Joy Division. In jedem Fall geiler als Rammstein.
Judie: Zu mir kam nach dem Konzert ein Mittfünziger, der für den Abend seine Lederjacke rausgeholt hatte. Er konnte auch Deutsch, nahm meine Hand in beide Hände und sagte: "Danke, dass ihr hier seid!" und ich hatte auch einmal einen ganz dicken Kloß im Hals und brauchte dringend ein Peja, um den runterzuspülen.
Paula: Danach wieder Zwada. Ich bin ganz froh, dass ich nicht noch länger warten musste mit auspowern!
Paula: Orges, der Bassist von Zwada lässt sich vor einem Song plötzlich das Mikro geben um eine Ansage zu machen. Ich glaube, ohne mich an den genauen Wortlaut erinnern zu können, er erzählt von meinem Hundebiss in der letzten Nacht und dass echte Punx dann trotzdem am nächsten Tag mit voller Power Konzerte spielen. Darauf trinke ich ein Bier.
Judie: Ich hatte schon vor dem Gig eins in der Hand und als Paula mich mit ganz großen Augen anguckte und sagte: "Könnte ich vielleicht ein ganz kleines Schlückchen abhaben?" war die nein-vernünftig-sein-kein-alkohol-bei-Antibiotika-Einstellung irgendwie dahin.
Paula: Ja. Die sollen alle erzählen, watt se wollen. Mir gings danach nicht schlechter. Eher im Gegenteil. Pure Vernunft darf niemals siegen.
Logan: Es kamen auch Leute zu unserem improvisierten Merchstand, wollten Shirts und probierten die an. Für Überraschung sorgte unsere Ansage, dass die Shirts etwas kosten sollten. Nachfrage bei Zwada bestätigte, dass viele kosovarische Bands ihre Shirts verschenken. Wieder was gelernt.
Paula: Hier übrigens Gastauftritt Logan bei Zwada! War das geil! Hab leider vergessen, welcher Song es war...
Paula: Nach dem Konzert bin ich ganz schön platt. Trotzdem schmecken hier Bier und Tequila ganz hervorragend und ich freue mich nach anfänglichen Startschwierigkeiten heute über dieses doch so tolle Konzert. Und morgen gehts auch direkt weiter!

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Location:
Drum Bar
Sylejman Hadum Aga
50000 Gjakove (Kosovo)
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