Tells Bells Festival Tag 1: Zebrahead, Agnostic Front, GOB, Ignite, Misconduct, Ryker's, Battery, 08.08.2025 in Villmar, Sportgelände - Bericht von der Redaktion
Tells Bells Festival Tag 1, 08.08.2025 in Villmar
So viel los an diesem Wochenende. Vor allem im Norden der Republik. Da ich aber wandern möchte, zieht es mich eher in den Süden, weshalb auf meinem Weg in die Alpen das Tells Bells Festival ein absolut gern gesehener Zwischenstop ist. Außerdem zaubern die Leute in Villmar jedes Mal ein extrem gutes Line Up aus den Bereichen Hardcore und Skatepunk aus dem Hut. Die Anreise war auch bei mir sehr unproblematisch und der Einlass lief auch absolut entspannt. Auch dieses Jahr schaffen wir es mit einer Reisegruppe zum Tells Bells Festival. Die Anreise gestaltet sich problemlos, die zunächst erschreckend lange Schlange am Eingang geht zum Glück zügig voran und die Eingangskontrolle erfolgt eher auf Vertrauensbasis.
Herzlich willkommen auf dem steilsten Camping-Platz der Republik! Ich bin sehr froh, dass ich dieses Jahr ebenerdig in meinem Auto schlafe. Zum Glück regnet es weder heute noch morgen und so entwickelt sich dieser Weg immerhin nicht in eine matschige Schlitterpartie. Die Gerüchte, dass das Festival im nächsten Jahr 5 Euro teurer werden soll, dafür aber Esel zum transportieren von Besucher*innen und Campingutensilien eingesetzt werden, kann ich bis heute jedoch nicht bestätigen. Stimmt es, dass diese Wiese im Normalbetrieb als Fußballplatz genutzt wird? Falls ja, Hut ab!
Da ich bereits weiß, was mich hier erwartet und ich die Show zu gleichen Teilen sehen wie auch nicht sehen möchte, entschließe ich mich nur die letzten 10 Minuten des Sets anzuschauen und was soll ich sagen? Als ich den Platz betrete, pimmeln die Musiker irgendwie so auf der Bühne herum, machen Fotos mit dem Publikum, grölen "Gotta Go" oder spielen "Bro Hymn" aufm Bass an. Hmm...das kann man als lokale Rumpelband mit unbegrenzter Spielzeit machen, aber auf einem Festival wie diesem wirkt es dann doch ziemlich fehl am Platz. MISCONDUCT ist dann die erste Band, die ich sehe. Musikalisch gefällt mir der Skatepunk der Schweden mit Hardcore-Einschlag ganz gut. Die etwas übertriebenen Animationsversuche des Sänger schmälern das Ganze allerdings etwas (nicht zum ersten Mal).
Immerhin bei "No Boundaries" und somit beim besten Lied und tatsächlich meinem unironisch 'gutem' Highlight des Sets. Hier im Bild zu sehen übrigens die (meines Wissens) einzige Frau auf der Bühne des gesamten Tages. Und das auch "nur" als Gast-Part für ein Lied.
gob habe ich mir auf der Fahrt angehört und für gut befunden, dementsprechend wohne ich dem Auftritt auch gerne bei. Tatsächlich macht die Dreier-Front mit Unterstützung des Drummers durchaus Bock. Singen tun in erster Linie die beiden Gitarristen, wobei sie sich hierbei zumeist abwechseln. Was ich bei GOB gemacht habe, weiß ich gar nicht mehr. Habe ich auf jeden Fall keinerlei Erinnerung dran.
Die Band macht Pop-Punk, hat aber auch eine ordentliche Kante. Man könnte die Mucke vielleicht als Ramones(hard)core bezeichnen. Gefühlt nach jedem zweiten Song sagt irgendwer von den Musikern "Now we go faster". Zum Schluss gibt es dann noch ein Cover von "Paint It Black". Gefällt mir zu so früher Stunde tatsächlich gut.
BATTERY covern anders als der Name vermuten lässt nicht Metallica, sondern haben stattdessen viel eigenes Zeugs, aber auch ein paar Cover von 7 Seconds ("Young till I die", "We're Gonna Fight") dabei. Insgesamt ein absolut energiegeladener Auftritt.
Obwohl ich ja selbst dem Saufen nicht abgeneigt bin, finde ich es auch mal gut, auf solchen Veranstaltungen kritische Stimmen zu dem Thema zu hören. Battery sind dabei jedoch niemals belehrend. Battery habe ich noch nie gesehen oder Musik gehört, hatte ich aber ganz dunkel als Straight-Edge-Hardcore gespeichert. Was sich tatsächlich als zutreffend erweist. Der sehr punkige (etwas an H2O erinnernde) Hardcore der gut aufgelegten Band geht mir gut rein.
Das Festival selbst ist übrigens ausverkauft. Heute ist der Platz auch gut gefällt. Morgen wird es dann ein wenig leerer werden.
Vielleicht nicht die motivierteste Band des Abends, das mächtige Organ des Sängers ist aber auch schon für sich beeindruckend. Da muss jetzt niemand rumhüpfen wie auf einem Pogo-Stick. Die 90er Hardcore Recken RYKER`S können auch heute noch überzeugen. Ganz zu Anfang wirkte es auf mich noch etwas träge, das gab sich aber schnell, guter Auftritt.
Zoli hat Ignite einen sehr großen Dienst erwiesen, indem er aus der Band ausgestiegen ist. Wahnsinn was Eli da für eine Energie auf die Bühne bringt und tatsächlich spielt die Band aktuell so gut zusammen, wie sie das schon sehr lange nicht (oder vielleicht auch noch nie) getan haben. IGNITE habe ich zwar vor kurzen noch aufm Rodeo gesehen, dennoch freue ich mich sehr drauf. Und wie immer voller Abriss. Die Band hat mit neuem Sänger Eli einfach unfassbar an Energie hinzugewonnen. Für mich erneut ein sensationeller Auftritt.
Außerdem gibt es eine geile Feuershow. Das Tells Bells geizt wirklich nicht rum und Songs wie "Poverty For All", "Veteran" oder "Bleeding" machen einfach soo unglaublich viel Spaß. Sänger und Band spielen hier nicht nur ein ungeheuer tightes Set, sondern springen und tänzeln auch auf und von der Bühne als gäbe es kein Morgen und damit waren sie dann auch mein absolutes Tageshighlight.
Tatsächlich höre ich die Band privat eigentlich ganz gerne, heute komme ich aber nicht so wirklich in den Auftritt rein. Ich weiß nicht, ob es an der überragenden Performance von Ignite gerade liegt oder ob die Band selbst heute einfach nicht so stark ist, wie damals beim Hütte Rockt. ZEBRAHEAD höre ich privat eigentlich nicht so, aber auf Festivals schaue ich mir das gerne mal an. Die Auftritte gleichen eher einer Party auf der Bühne als einem (normalen) Auftritt, so auch heute. Neben den sehr aktiven Musikern laufen da noch diverse andere Menschen auf der Bühne rum, die anscheinend keinen definierten Auftrag haben, aus ordentlich zu feiern. Muss man vielleicht nicht allzu ernst nehmen, aber ein launiger Auftritt ist es allemal.
Keine Ahnung, irgendwie geht mir heute die Stimme des neuen Sängers, den ich ja auf Platte (und sonst auch live) total feier, einfach nicht so wirklich rein. Dafür ist die Crew aber sehr motiviert, was Stagedives und Bootfahren angeht. Irgendwann macht die Band mal 5 Minuten Pause, weil sich irgendwer im Publikum den Fuß gebrochen hat. Das ist natürlich nett, allerdings könnte man das auch über den Auftritt im Allgemeinen sagen: Nett halt. So, ich bin müde, weshalb ich mir Agnostic Front einfach mal klemme, gute Nacht!
morgen.
AGNOSTIC FRONT touren immer noch unermüdlich. Nach einem Playback Intro und noch einem Playback Intro und einem live gespieltem Intro geht es dann auch mal los. Irgendwie müssen der (fast) 70 jährige Stigma und der 61 jährige Miret die Stunde Spielzeit ja auch überstehen. Aber dann geht es auch so richtig los, ein tolles energiegeladenes Set, wo sich so manch jüngere Band 1-2 Scheiben von abschneiden kann. Die Setlist, soweit es bei einer so großen Diskographie möglich ist, ganz gut gemischt. Dass gar nichts vom aktuellem Album kam (glaube ich) finde ich jedoch schon etwas schade. Trotzdem, guter Auftritt. So, jetzt noch schnell eins, zwei Bierchen im Partyzelt und dann ab in die Heia, bis