ZSK, Rogers, Rumkicks, 08.01.2026 in Dortmund, FZW - Bericht von Fö
ZSK, Rogers, Rumkicks, 08.01.2026 in Dortmund
Grund meiner Anwesenheit ist natürlich nicht der Wunsch nach Selbstgeißelung, sondern erstens ein Date mit André (immer schön!) sowie zweitens: die Wahl der Vorband.
Also, Bühne frei für RUMKICKS! Die drei Südkoreanerinnen sind ja eigentlich so gut wie jedes Jahr hier auf Tour, hab ich bisher aber immer verpasst. Jetzt, 10 Minuten von der eigenen Haustür entfernt, ist das dann ja wohl ein Muss. Außer, die ca. 50 Euro Eintrittspreis schrecken einen ab, was ja auch echt nachvollziehbar ist. Ich hoffe doch, dass von der Kohle auch was bei der Vorband hängen bleibt.
Eintrittspreis also schon mal Grund zur Kritik. Vielleicht scheitern Rumkicks deswegen bei ihrem Versuch, hier einen "Punkrock-Jungen" im Publikum zu finden. Als dann jemand mit schmierigen Popper-Haaren aufzeigt, sorgt das durchaus für Lacher. Ansonsten stimmt die Iro-Quote immerhin auf der Bühne.
Und überhaupt, für Unterhaltung ist gesorgt. Die Band spricht manchmal englisch, manchmal koreanisch, meistens aber deutsch. Und so blitzt durch, dass sie nicht nur feinen Humor haben und sich nicht allzu ernst nehmen, sondern auch mal gegen das Publikum pöbeln können und ansonsten auch ganz viel angepisste Wut bis Freude rauslassen. Stark!
Rumkicks (oder Rumsticks, wie sie später noch genannt werden...) jedenfalls gefallen mir nicht nur in den Ansagen, auch musikalisch hat das Hand und Fuß und Ecken und Kanten, ist aber auch eingängig und mitreißend. Mal hat es was von Ramones, mal fühle ich mich an Snuff erinnert oder an so manchen neueren Fat-Wreck-Kram à la Bombpops oder Bad Cop / Bad Cop.
Also, Daumen hoch und die Poppunk-Nietenfraktion ist begeistert, ebenso wie wir. Bisschen mehr Spielzeit hätte ich gut gefunden und die Band auch, sagt mir mein koreanisch. Aber bei drei Bands an nem Donnerstag muss halt ein Zeitplan eingehalten werden, das Leben ist kein AZ. Trotzdem sagt der Mathematiker in mir, wenn Rogers 120 Sekunden ihres Intros & Outros und ZSK 60 Sekunden ihrer Zugabepause abgegeben hätten, wären wir alle zufriedener gewesen.
Dann ROGERS! Auch kein unbekannter Name, einige sprechen gar von einer Co-Headliner-Tour mit ZSK. Und sie haben sogar Fans! Einer davon ist mein Vater, der plötzlich hinter mir steht. Wer hat hier denn jetzt wen schlecht erzogen?
Untersuchungen der Bierschinken-Wissenschaftsredaktion haben ergeben, dass Bands aus Düsseldorf eine um 500% höhere Wahrscheinlichkeit haben, beschissene Musik zu machen. Ob die da was im Trinkwasser haben? Wir vermuten, dass es irgendwas mit geographischen Besonderheiten zu tun hat. Und vielleicht ist es dort auch einfach gar nicht so leicht, sich zwischen den Toten Hosen und Karneval zu behaupten, also macht man einfach beides.
Es gibt Konfetti, Bälle und eine Polonaise (ausgerechnet zum Cover von Gebrüder Blattschuss), aber mich kann das alles gar nicht mehr schocken. Ich hab mir einfach den ganzen Tag über eingeredet, dass das bestimmt ganz übertriebene Fremdschäm-Rockstar-Show wird, dass ich das heute sogar noch ganz human finde.
Bis auf besagten Coversong kenne ich tatsächlich kein Lied, zumindest bewusst, aber so wirklich hängen bleiben will auch nix. Außer noch das Ärzte-Cover, das aber auch nur ungefähr 7 Sekunden lang wie ein Ärzte-Cover klang und dann doch nur ein belangloser Rogers-Song wurde, aber dafür immerhin einer der stärksten im Set. Und dann gibt es da anscheinend noch eine neue Single der Rogers mit Feature von ZSK-Joshi, die, na sowas, heute Live-Premiere feiert.
Ansonsten ganz ordentliche Stimmung hier in der großen Halle und dass mein Musikgeschmack hier nicht wirklich auf seine Kosten kommen würde, war mir auch klar. Für den "neuen" Rogers-Bassisten Max war dies heute sogar quasi ein Heimspiel! Den könnten treue Besucher*innen des Bierschinken eats FZW schon mal bei uns auf der Bühne gesehen haben, damals unter dem Namen "Glass Promises". Aber das ist lange her, und die heutige Bühne ist um ein Vielfaches größer.
Was man bei all dem Klamauk natürlich auch nicht außer Acht lassen sollte: So vong Einstellung her sind Rogers, ebenso wie ZSK, ja ne durchaus stabile Band, wie Ansagen und teils auch Song-Themen zeigen. Wenn schon Wischiwaschi-Musik, dann doch bitte mit antifaschistischer Message!
Apropos Wischiwaschi-Musik! Kurze Umbaupause und weiter geht's mit ZSK. Ich hab gerade nachgeschaut: Das erste Mal gesehen habe ich die vor gut 23 Jahren, damals drehte das Debüt-Album "Riot Radio" so einige Runden auf meinem Plattenteller (wobei es, glaube ich, ein Stereo-CD-Spieler oder ein, äh, Download war). Für das Konzert habe ich eigentlich nur den Wunsch, dass sie den Titeltrack "Riot Radio" oder vielleicht sogar das großartige "Und genau da gehen unsere Wege auseinander" spielen. Spoiler: Ich wurde bitter enttäuscht. Menno!
Als Light-Version meiner Wünsche gab es immerhin "Keine Angst" und "Kein Mensch ist illegal" vom zweiten Album. Auch Hits! Ansonsten wohl eher der Fokus auf "neueren" Alben, was auch okay ist, aber die habe ich nie gehört, weil ich irgendwann eingesehen habe, dass illegale Downloads unhöflich sind. In einem Lied ging es um ein Punkfahrrad, das fand ich ziemlich schmissig!
Was ich auch zu Protokoll geben muss: Joshi ist heute erstaunlich gut bei Stimme, oder der Mensch am Mischpult versteht was vom Handwerk. Kann mich an Auftritte erinnern, wo der Gesang einfach nur unterging.
...ich kann mich auch an Auftritte erinnern, die mich einfach von Anfang bis Ende genervt haben, aber heute ist das alles voll okay. Vielleicht weil das heute, trotz großer Halle, eher Clubshow-Niveau hat und ich die Band zuletzt nur auf Festivals sah.
...ich kann mich auch an Auftritte erinnern, die mich einfach von Anfang bis Ende genervt haben, aber heute ist das alles voll okay. Vielleicht weil das heute, trotz großer Halle, eher Clubshow-Niveau hat und ich die Band zuletzt nur auf Festivals sah.
Ansagen gewohnt politisch. Dazu muss ich nur nochmal sagen: Auch wenn viele in unseren Kreisen genervt sind von so viel "preaching to the converted", und ich auch hin und wieder die Augen rolle vor so viel Monothematik: Je beschissener der Zustand unserer Welt wird, desto wichtiger werden auch Bands mit beständiger und starker Haltung. Sei es um orientierungslose Jugendliche abzuholen, aber auch um uns Antifaschist*innen darin zu bestärken, dass wir viele sind und dass wir unsere Werte und Vorstellungen von Freiheit, Gleichberechtigung und vielfältiger Gemeinschaft niemals verlieren dürfen.
Und so gibt es auch Ansagen über Straßenschlachten und, um ein aktuelles Thema aufzugreifen, die von der US-amerikanischen ICE ermordete Renee Nicole Good. Das heißt aber auch nicht, dass jeder Song und jede Ansage voller Message war, es gab auch viel Platz für Quatsch, Nonsense und andere Themen. Also gar nicht so monothematisch wie erwartet.
Natürlich gab es auch hier wieder genug Momente, um mit den Augen zu rollen. Zum Beispiel als diese Sat-1-Bälle in die Menge geworfen werden. Oder das Werfen der Gitarre quer über die Bühne. Ohne Show geht's wohl nicht...
Vergangenes Jahr haben ZSK eine ganze Tour mit "Kinderkonzerten" gespielt. Das find ich schon ziemlich cool! Auch wenn ich nicht Zielgruppe bin, auch Kinder haben kulturelle Vielfalt verdient, wozu definitiv auch Punkrock gehört. In einer adultistisch geprägten Gesellschaft sind solche Ideen einfach genau richtig. Und wenn dann junge Besucher*innen am Punkrock hängen bleiben, umso besser. Einer von ihnen wird heute auf die Bühne geholt. Joshi fragt noch, ob man in NRW ab 11 schon saufen darf, aber dann gibt's eben Cola und Schokolade für Nils - und einen Song. Stark!
Erinnert ihr euch noch, dass Joshi beim letzten Bochum Total für einen kleinen Medienskandal sorgte, als er eine Ampel erkletterte und diese abbrach? Das beherrschte für ein paar Tage die sozialen Netzwerke und war auch ziemlich unterhaltsam. Die Ampel haben sie heute dabei und Gitarrist Arne holt sich direkt telefonisch die Bestätigung vom Bochumer Oberbürgermeister, dass sie diesen Sommer nach Bochum zurückkehren können.
So, was noch? Kein ZSK-Konzert ohne Stagedives. Heute lässt sich Joshi zum Tresen tragen, um dort eine Kiste Bier abzuholen. Profis erkennen natürlich direkt am Jever-Flaschenbier, dass die Aktion fingiert war. Ich hätte es ja authentischer gefunden, wenn er mit 20 halbvollen Wabbel-Plastikbechern zurückgesurft wäre!
Ansonsten gab es ein paar Anekoten von vergangenen Auftritten in Dortmund (ein Hotel mit Pool? Punkverräter!) und, für mich wahrscheinlich als einzigen hier überraschend, ein erneutes Feature mit Rogers. "Sommer ohne Nazis", durchaus okayer Song. Und die Stimme von Rogers-Chri kommt hier erstaunlicherweise klar rüber. Hab mich das ganze Rogers-Konzert über gefragt, warum ich kaum ein Wort von seinem Nuschelgesang verstanden hab.
So, bisschen Karneval noch. Alaaf, Helau, wollemersereinlasse, ozapftis, Kamelle, Sangria, Bumsfallera.
"Ja, dann kommen wir mal zu euch". Arne und Joshi spielen dann noch mit Akustikgitarre auf nem Case stehend in der Menge. Macht man wohl so, ist auch ganz cool. Hier hatte ich wieder die leise Hoffnung, dass "Und genau da gehen unsere Wege auseinander" gespielt werden könnte, aber, ich erwähnte es schon: Bittere Enttäuschung.
Fazit: Rumkicks beste Band des Abends, aber Rogers und ZSK tatsächlich unterhaltsamer als erwartet. Musikalisch immer noch nicht meins, zum Menschlichen kann ich nichts sagen, aber immerhin wurde die Show nicht langweilig. Und meinem Vater hat's auch gefallen.
...so, ich kram jetzt doch nochmal die alte Festplatte raus und baller "Riot Radio" in miserabler MP3-Qualität durch die Boxen.
...so, ich kram jetzt doch nochmal die alte Festplatte raus und baller "Riot Radio" in miserabler MP3-Qualität durch die Boxen.
























