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Maria Iskariot, Silk, 07.02.2026 in Berlin, Neue Zukunft - Bericht von matsch

Maria Iskariot, 07.02.2026 in Berlin

Tauwetter in der Großstadt lässt zwar auf den Frühling hoffen, ist aber meistens nasskalt und grau. So richtig Lust vor die Tür zu gehen habe ich bei grade mal 2 Grad nicht, aber erstens spielen MARIA ISKARIOT und zweitens hat sich eine Freundin als Begleitung angekündigt. Sie wird wiederrum eine Freundin mitbringen, die uns davor bewahrt schon am Freitag in der Neuen Zukunft aufzukreuzen. Der 07.02. ist nämlich gar kein Freitag. Also bei schmelzenden Eisschichten raus in die Matsche. Ein Ticket habe ich natürlich schon längst in der Tasche (bzw. in letzter Zeit wirklich oft nur noch als PDF auf dem Handy), bin ich doch spätestens seit der Besprechung von Wereldwaan äußerst gespannt auf die Liveperformance der Band. Bei Betreten des Veranstaltungsortes wundere ich mich, dass ich damit noch alleine zu sein schein. Eine halbe Stunde vor Beginn ist es nämlich noch sehr leer. 
Bei SILK dann nicht mehr, obwohl es nach hinten noch gut Luft hat. Der Vorteil ist, dass genug Platz für eigene entspannte Tanzbewegungen und gemütliches Einnehmen und Verändern der bevorzugten Beobachtungs- oder Mitmischposition bleibt.
Der Drummer startet jeden Song alleine spielend, der Bass knattert ordentlich rein, die Gitarre hängt hoch, ermöglicht aber schnelle Downstrokes und stimmlich wird die Palette von singen, schreien, jaulen, ächzen und growlen bedient. Für letzteres tauscht die Position am Bass für einen Song.
Mehr Gebrüll und ausufernde Bewegungen liefert die Bassistin. Auch die anderen drei sind sehr präsent auf der Bühne, haben Spaß und legen sich umfangreich ins Zeug.
Musikalisch ist das raue Seide. Irgendwie poppig und glänzend im Kern, aber roh und zerrend an der Oberfläche.
Zu Hause wäre es nicht meine erste Wahl, aber live überzeugend dargeboten und empfehlenswert anzuschauen. Von der Performance denke ich an Amyl And The Sniffers, The Baboon Show, Barb Wire Dolls und möglicherweise Maria Iskariot. Wir werden sehen.
Wovon SILK ordentlich verkabelt singen, weiß ich gar nicht. Ist auf jeden Fall englisch.
 Die Pause vergeht wegen bester Begleitung im Flug und schon legt der Drummer von MARIA ISKARIOT im Alleingang los. Der Beat macht Bock und setzt für die Bühnenaufgänge der anderen drei Bandmitglieder bereits die Powerstufe auf ein erstes Maximum.
Glitzergitarre und Glitzertom geben Pluspunkte in der B-Note, aber vor allem bringen MARIA ISKARIOT eine energetische, sehr präsente Performance nach Berlin, die die Kälte wegbläst. Physikalisch lässt sich das bestimmt mit so einer Bewegungsenergie-gleich-Wärme-Formel berechnen, aus kulturwissenschaftlicher Perspektive greift die autopoetische Feedbackschleife. Alle vier sind sehr wach und da und haben Spaß und das Publikum genauso. MARIA ISKARIOT zünden an, das Publikum brennt, MARIA ISKARIOT explodiert (ok, vielleicht ein bisschen doll).
Das hat zwischendurch schon sehr performative Züge, wenn Drummer Sybe Versluys im Solo versinkt, Sängerin Helena Cazaerck sich Wasser über den Kopf gießt, Gitarristin Loeke Vanhoutteghem und Bassistin      Amanda Barbosa miteinander tanzen und sich alle vier um den Drumraiser versammeln, wie um eine Feuerstelle, in dem der in den Songs thematisierte Weltwahn brennt. Trotzdem wirkt es nicht inszeniert, sondern organisch aus den Songs heraus kommend und nahbar. Die freuen sich einfach sehr, ihre Musik live zu spielen und ich freue mich sehr, sie live zu sehen.
Möglicherweise waren ein paar neue Songs dabei, "Bedankt" haben sie nicht gespielt, habe ich aber wider Erwarten nicht vermisst. "Dat vind ik lekker" kommt mit Ausflug ins Publikum und der ein oder anderen unterstützenden Stimme, bis alle "Dat vind ik lekker" zum letzten Refrain gemeinsam rufen.
Einmal reinhüpfen und weitersingen muss sein.
Nochmal reinhüpfen und weitersingen ist auch nicht verkehrt. Schweißaustausch von oben nach unten. Ist das das Wärmepumpenprinzip, von denen hausbesitzende Freund*innen immer stolz erzählen? Einfach MARIA ISKARIOT spielen lassen und schon hat sich das mit den Heizungsgesetzen.
"Wereldwaan" wird angekündigt als Song, in den die Sängerin versucht hat, den ganzen Wahnsinn der Welt zu packen und der ist live noch irrer, hat was von einer gemeinsamen Körpertherapiestunde. Gegen Ende werden die Songs langsamer, aber nicht weniger druckvoll und energetisch.
Dann ist es vorbei und die Band verschwindet durch die Tür in der Wand. Zugaberufe holen Amanda zurück, die sich etwas suchend auf der Bühne umschaut und dann runter ins Publikum steigt, das mit den Rufen schon etwas nachlässt. Also fordert sie lautstark von ihrer eigenen Band eine Zugabe. Da Sybe ebenso suchend auf die Bühne kommt, vermute ich hier keine Absprache. Als er seine Bassistin in der ersten Reihe entdeckt, folgt er ihr und sorgt für die nächste Zugaberufwelle. Die noch fehlenden zwei blicken durch die Tür, entdecken ihre Band klatschend im Publikum und betreten lachend die Bühne für einen letzten Song. Andere Bands spielen Zugabeblöcke, MARIA ISKARIOT feuern einen schnellen Song ab, der ein Cover gewesen sein könnte, auch auf flämisch war und nochmal richtig gut abging.
Die vielfältige Ladung spannend verpackten Trotzes hat live noch viel besser gezündet, als auf der eh schon tollen Platte. Im Anschluss stehen ausnahmslos alle Bandpersonen (auch der Vorband) am Merchtisch, signieren ausgiebig CDs, LPs und Shirts und quatschen auch über das Verkaufsgespräch hinaus mit lächelnden Besucher*innen.


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