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Agnostic Front, Raw Brigade, Wisdom in Chains, 20.02.2026 in Berlin, Astra - Bericht von matsch

Agnostic Front, 20.02.2026 in Berlin

AGNOSTIC FRONT auf "Echoes In Eternity"-Tour mit Halt im Astra in Berlin. Interessiert mich eigentlich nur bedingt, aber meinen Konzertbuddy wünscht sich Mitmenschen, die ihn auffangen, wenn er von der Bühne hechtet. Wer bin ich, ihn nicht aufzufangen? Also hin da bei nach wie vor eisigen Temperaturen.
Den Anfang in der Halle machen RAW BRIGADE aus Bogotá mit rohen (hihi) Straight Edge Songs. Ich mag Straight Edge lieber punkig, das hier ist ziemlich heftig.
Wie so oft ist zu Beginn noch viel Platz vor der Bühne, aber die Band gibt viel, um die Lücken mit Bewegung zu füllen. "Side to side, side to side!" und ein paar rennen willig hin und her.
Ein bisschen zu viel "side to side", um gemütlich zu den wüsten Songs auf der Stelle zu hüpfen und falls man am Ende noch nicht wusste, wer hier ein kraftvolles Set abgeliefert hat, gibt der Sänger einen Tipp.
WISDOM IN CHAINS kannte ich, wie auch RAW BRIGADE, vorher nicht, finde sie aber erstaunlich gut, hatte ich doch vom Bandnamen her eher metallisch schreckliches erwartet.
Ein bisschen Pogo ist möglich zu starken Singalongs. Der Sänger war mal ein anderer, sagt die eine Begleitung, den jetztigen haben sie bei McFit gefunden, mutmaßt die andere.
Melodiöser wird's heute abend nicht, deswegen lege ich eine Extraschickt vor der Bühe ein. Einen Song kenne ich, glaube ich. Das wir vermutlich der Coversong gewesen sein, der wohl von Sick Of It All stammte, wie man mir nachher sagte. WISDOM IN CHAINS haben aber mehr Hooks behaupte ich jetzt einfach mal.
Ihr seht, ich bin bestens informiert und kenne mich gut aus.
Zumindest so gut, dass ich den Gitarristen von AGNOSTIC FRONT erkenne, als er zu den Klängen von Sinatras "New York" die Bühne betritt. Zwei Fossile und drei Jüngere spielen sich durch eine metallastige, thrashige Setlist. Dazu passt, dass AGNOSTIC FRONT für das betourte Album "Echoes In Eternity" einen Vertrag mit dem Metal-Label Reigning Phoenix Musix unterschrieben haben, wie ich später recherchiere. Mein alter Schlagzeuger sagt, wenn die Bassdrum "pitschpitsch" macht, weißte Bescheid.
Roger Miret kneift die Augen zusammen und startet jede Zeile mit einem nach "bua" oder "pju" klingenden Laut. Zwischendurch kommen alle möglichen Sänger dazu und übernehmen Parts. Auf und vor der Bühne buntes Treiben. Sehr kabbelig im Pit sagt meine Begleitung.
Das liegt vielleicht auch daran, dass die Punksmasher fehlen. Aber es gibt ein Cover von den Ramones.
Im Publikum erspähe ich den Sänger von Slow Burn und einen weiteren Menschen, den ich sowohl schonmal auf einer Bühne, als auch letzte Woche im Cassiopeia gesehen habe. Das scheint mir hier dasselbe Publikum von letzter Woche zu sein, nur halt vervierfacht.
Das Ende bestreitet auch ein Sinatra Song: mit "My Way" gehen die Saallichter an. Ein bisschen pathetisch, aber ganz passend zur Attitüde von AGNOSTIC FRONT. Ich bin ganz gut angeschwitzt und habe zwischendurch eine Kreditkarte zur Garderobe gebracht. Wenn sowas verloren wird, muss es wohl ganz gut gewesen sein. 
Ein passender Anschluss an letzte Woche und ein unterhaltsamer Abend in brutaleren Hardcoregefilden. Trotzdem suche ich jetzt erst erstmal wieder den melodischeren Punk-Schwerpunkt.

Ein paar Tage später lese ich dann nochmal die Kontroverse(n) zu AGNOSTIC FRONT nach, die wir an der Garderobe nicht mehr ganz zusammen bekommen haben. Da wären laut Wikipedia Anti-Sozialstaats-Messages in alten Songs, die aber wohl nicht von Miret oder Stigma geschrieben wurden, ein fragwürdiges Cover-Artwork des Debuts, patriotische bis nationalistische Züge, antikommunistische, antianarchistische Prägung in der frühen Phase oder Roger Mirets homophobe Aussage im Flipside 1985. Uff. Wie sie dazu heute stehen, konnt ich für mich nicht zufriedenstellend herausfinden. Im Interview zum Album "The American Dream Died" (2015) will Roger mit AF "für Gerechtigkeit und Freiheit" eintreten, gibt aber zu, dass es ihm Spaß mache, "mit all dem [bezieht sich hier auf das Verwenden patriotischer Symbole] eine gewisse Kontroverse auszulösen". 1999 dementierte er die Vorwüfte des Patriotismus und glaubte, mögliche Nazis auf Konzerten zum Nachdenken bringen zu können. Nazis und Denken ist ja so eine Sache... 
Beide Interviews sind ein Weilchen her, aber ein konkretes "Ja, war Scheiße, jetzt läuft's anders" fehlt mir oder kann mir jemand Nachhilfe geben? So bleibt erstmal ein ambivalentes Geschmäckle.

Noch nicht erwähnt habe ich, dass der Bassist von AGNOSTIC FRONT an dem Abend Geburtstag hatte und Simon Gosejohann in der Schlange am Merch stand (wenn er es nicht war, gönnt er sich ein Double, das für ihn auf Hardcorekonzerte geht).


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