Manchester Punk Festival: Strike Anywhere, Laura Jane Grace, The Murderburgers, Dead To Me, Iron Roses, Chewie, Brendan Kelly, Throwing Stuff, Clayface, Ignite, Misconduct, Dry Socket, Toodles & The Hectic Pity, Grail Guard, 03.-05.04.2026 in Manchester (UK), - Bericht von Götz
Manchester Punk Festival, 03.-05.04.2026 in Manchester (UK)
Wir nächtigen dieses Mal in einer Doppelhaushälfte in der Vorstadt Salford. Eine herrliche Idylle in der wir auf dem Weg zum Pub immer dieselben Leute treffen. So weit weg ist es auch nicht zu den Festival-Locations; als ÖPNV-Nerd schlage ich vor, wir können da ja mal mit dem Bus oder mit dem Zug hinfahren. Es wird aber trotzdem jedes Mal eine Uber-Fahrt. Anders als in Deutschland sind dessen Preise hier eben unschlagbar niedrig.
Wer noch nichts über das Festival weiß: Die Sets finden in 5 über die Stadt verteilte Clubs (davon einer mit zwei Bühnen) statt, von denen die meisten im Laufe des Tages auch gleichzeitig bespielt werden. Unmöglich da eine Auswahl zu treffen. Zumal noch Zeit für kurze aber windige Laufwege benötigt wird. Ebenso wie für Archie's, Tesco und viele andere zwielichtige Imbisstuben
Einen guten Anfang machen GRAIL GUARD im Bread Shed. Wütender politischer Hardcore aus den Midlands. Der Laden ist bis zum Rand voll, da alle zu Beginn noch hochmotiviert sind. Und sich vermutlich zwischen Bändchenholen und Headliner die Zeit vertreiben wollen
Für alle die sich beim Saufen künstlerisch ausleben wollen gibt es übrigens im Bread Shed jetzt auch den innovativen Bierschaumdrucker für Guinness-Art
Kurz danach schon eines meiner ersten richtigen Highlights im 'Yes': TOODLES & THE HECTIC PITY sehe ich tatsächlich schon zum dritten Mal in Manchester und bin mit jedem Mal ein bisschen mehr zum Fan geworden. Verzerrte Akustikgitarre, heulender Gesang, heulende Gitarrensoli, wilde Tempowechsel. Aus irgendeinem Grund (oder all diesen) geht das richtig hart. Würde mich sehr freuen, wenn sie doch irgendwann mal nach Deutschland kommen
Mein Hardcore-Highlight in purpurner Beleuchtung: DRY SOCKET aus Portland, Oregon. Brutale Riffs; die Sängerin schreit sich die Seele aus dem Leib; wirklich sehr schönes Geballer.
Dann das Lowlight: MISCONDUCT spielen glaube ich den schlimmsten Auftritt, den ich je von einer international auftretenden Band gesehen habe. Playback-Show, goofy Schülerband-Spielchen, aber mit einem Ego, das seinesgleichen sucht. Unfassbar.
Der Sänger von IGNITE arbeitet zwar ebenfalls alle Standard-Ansagen und Posen ab, aber es ist trotzdem immer wieder schön die Songs live zu hören, wie auch hier im brechend vollem 'Gorilla'. Außerdem muss ich bei "Embrace" immer an das besoffene Live-Cover von A Wilhelm Scream denken, welches ebenfalls sehr empfehlenswert ist.
Dann fangen auch schon die "Afterparties" an. Im Rebellion spielen traditionell Cover- und Karaokebands. Zuerst RAGE AGAINST THE MACHINE mit Zack de La Rocha im Beanie. Man gibt sich Mühe, es will aber nicht so ganz zünden.
Aber dann kommt das SYSTEM OF A DOWN-Tribute und stellt den Laden einfach mal kopfüber. Die Stimme von 'Darko'-Sänger Tom und die des Gitarristen passen perfekt zu Serj und Daron alles ist tight, und die Leute rasten zurecht aus. Kann mir nicht vorstellen dass das in einer Arena besser klingen würde. Danach lauschen wir noch den Hits die die DJs auflegen...
Die erste Band die ich dann am zweiten Tag sehe ist CLAYFACE. Für mich eine Neuentdeckung, die mir aber gut gefällt. Melodischer Punk, der mit der leicht krächzenden Stimme auch ein bisschen an diverse Orgcore-Bands erinnert. Beachtlicher Bart auch.
Trotz Baked Beans bin ich noch nicht so ganz wach, sonst hätte ich mehr gepogt.
Trotz Baked Beans bin ich noch nicht so ganz wach, sonst hätte ich mehr gepogt.
THROWING STUFF sehe ich gefühlt jedes Jahr auf dem Festivalposter, ich glaube aber ich sehe sie jetzt zum ersten Mal auf der Bühne.
Haudrauf-(oder eher Werfweg-)Punk und schicke Hawaiihemden. Außerdem ein paar Songs mit einem Gastmusiker (oder Mitglied?) aus Myanmar.
Haudrauf-(oder eher Werfweg-)Punk und schicke Hawaiihemden. Außerdem ein paar Songs mit einem Gastmusiker (oder Mitglied?) aus Myanmar.
Auf der größten Bühne im The Union gibt BRENDAN KELLY mit seiner rauchigen Stimme ein paar Songs von The Lawrence Arms, The Falcon und seinem Soloprojekt The Wandering Birds zum besten. Ich bin voreingenommen, da ich großer Fan all seiner Projekte bin, aber ich finde das funktioniert recht gut und ist ein netter kurzweiliger Kontrast zu all dem anderen Krach. Zwischen den mit Songs gibt es dann noch trocken erzählte Sexwitze, über die er dann aber doch selber lachen muss. Außerdem gibt es den im Alter von 11 Jahren geschriebenen unveröffentlichten Song "Dicks (They're Everywhere)" zu hören.
Ich bekomme noch den ersten Song von CHEWIE mit, die ihr Album "Marrowbone Lane" spielen, dann ist es aber Zeit, im Pub ein paar Bands zu verpassen
Irgendwann später finden wir uns bei den IRON ROSES wieder. Es gibt einen bunten Haufen mit einer gehörigen Prise Glam, im Aussehen wie im Klang. Hat Ohrwurmcharakter.
Headliner im The Union sind am Samstag dann DEAD TO ME aus San Francisco. Die waren auch schon ein paar Jährchen weggewesen, sind aber jetzt wieder sichtlich erfreut wieder zu spielen, besonders außerhalb der USA.
Sehr stabile Setlist und sympathisches Gelaber.
Sehr stabile Setlist und sympathisches Gelaber.
Die Weezer-Coverband macht ihren Job sehr gut und ist sehr gut im Buddy-Holly-Look gekleidet. Ob jetzt zu wenig oder genug vom blauen Album gespielt wurde, muss jeder selbst entscheiden.
Generell ist das Tribute-Spektakel aber ganz cool, da es oft keine professionellen Coverbands o.Ä. sind, sondern aus Musiker*innen bestehen, die eh mit anderen Bands auf dem Festival spielen.
Generell ist das Tribute-Spektakel aber ganz cool, da es oft keine professionellen Coverbands o.Ä. sind, sondern aus Musiker*innen bestehen, die eh mit anderen Bands auf dem Festival spielen.
Das Pennywise-Imitat danach spielt zwar passabel ein paar Hits runter, aber im Rebellion um 1 Uhr morgens ist die erhoffte Power im Publikum nicht mehr da. Da hilft auch Bro Hymn nix. Immerhin stoßen eine handvoll besoffene Mitgröhler noch den Circle Pit an
Insiderfakten: Obwohl eine der Bühnen im Yes 'Pink Room' heißt, ist es im Archie's noch viel pinker. Und das Essen ist ein bisschen fettiger
Am Sonntag spielen auch viele geile Bands, aber wie befürchtet zeigt das Wochenende seine Spuren. Sowohl die zum Auskatern, als auch die zum Aufsaugen.
Zum Glück enthält das Trendgetränk 'Gonster' (Guiness und weißes Monster) sowohl Alkohol als auch Koffein, wie jede gute Mische
Zum Glück enthält das Trendgetränk 'Gonster' (Guiness und weißes Monster) sowohl Alkohol als auch Koffein, wie jede gute Mische
Für ein paar Top-Acts sind wir aber doch noch rechtzeitig zur Tea Time in die City gedüst: Die MURDERBURGERS hatte ich letzten Monat schonmal gesehen. Selbe Setlist, selber Spaß. Nur dass Fraser & Co. noch schneller und hektischer spielen, aufgrund der streng begrenzten Spielzeit. Und dass sie den besten digitalen Backdrop des Festivals haben. Nächstes Mal soll die Schriftart Wingdings genutzt werden.
Kein gutes Foto gemacht, aber eins meiner absoluten Highlights war auf jeden Fall auch das Set von LAURA JANE GRACE mit voller elektrischer Band. Ich hatte mich eh schon drauf gefreut, endlich ein paar Songs von ihren vielen sehr guten Solo-Veröffentlichungen zu hören. Dabei hatte ich gar nicht damit gerechnet, so viele Hits von 'Against Me!' zu hören. Es fühlt sich fast wie ein ganzes Set ebendieser an und die Stimmung ist dementsprechend stark. Gänsehaut!
Es folgen STRIKE ANYWHERE. Das erste Album 'Change is a Sound' wird anlässlich eines Jubiläums in voller Länge dargeboten. Ich wüsste jetzt auf Anhieb gar nicht ob das ihr bestes Album ist, aber erkenne einige Songs wieder, und den Rest macht auch Bock. Als Zugabe gibt es dann eh nochmal 3 der restlichen Hits. Sogar am dritten und letzten Tag ist das The Union noch gut gefüllt. Zwar denkt man sich bei jeder Band dort, dass die Show auf einer kleineren Bühne vielleicht noch geiler wäre, aber dafür musste man sich dieses Jahr dort keine Sorgen um einen Einlass-Stop machen.
Weiteren Lärm ersparen wir uns aber zwecks Ausschlafen.
Weiteren Lärm ersparen wir uns aber zwecks Ausschlafen.
Dann ist das Wochenende nämlich auch schon vorbei und Jesus ist inzwischen wieder aufgestanden. Wir besuchen nach dem Aufstehen noch das Manchester People's History Museum über die Arbeiterklasse und Arbeitskampf in Großbritannien, bevor es wieder Richtung Festland geht. Ganz klare Empfehlung!
































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