Rock'n'Wagon: Baits, Waving The Guns, Deutsche Laichen, Dosenstolz, Nowaves, Dethroned, Skyline Green, Blossom Decay, Lohrge, Bluten, Pure Devotion, Feale, Schutt, 03.-04.07.2026 in Sandförstgen, Jugendclub - Bericht von verSemmelt
Rock'n'Wagon, 03.-04.07.2026 in Sandförstgen
Da ein Busfahrer vom "oVo" im sogenannten Rietschen einen Kumpel mit Klapprad einfach an der Bushaltestelle stehen lässt, ich diesen auflesen muss und anschließend in die Weltmetropole Sandförstgen düse erreiche ich den Zielort trotzdem nur noch zu den letzten Klängen von BLUTEN. Hätte mir wohl gefallen. Irgendwie Synthpunk? Hier noch ein Schnappschuss als ich um die Ecke biege. Dann war auch schon Schluss. Aber was mir auffällt: Es ist für Freitag um die Zeit so gut wie noch nie gefüllt. Stark.
Das Rock'n'Wagon hat derweil (wie nahezu jedes Jahr seit der Pandemie) mit Absagen zu kämpfen. Auch wenn es nicht stimmt, ich gebe einfach mal der Fusion die Schuld, welche immer eine Woche zuvor stattfindet. Ersatzband Numero Uno heißt LOHRGE und wünschen gute Besserung an Molly Punch. LOHRGE selbst machen einen übelst stabilen Auftritt und ich hab sie auch schon als Vorband von The Guilt übelst abgefeiert. Die reihen sich ein die vielen neuen Grunge-Revival Bands ein wie 24/7 Diva Heaven, Riot Spears ectpp. nur das hier noch viel mehr ein gewisser Popappeal der Musik zu Grunde liegt.
Die einzige pure Male-Band am heutigen Tage sind PURE DEVOTION und nennen ihre Musik "Mideast Blood Hardcore". Logischerweise bekommt ein Mädchen im "Moshpit" noch ne blutige Nase geschlagen. Ich hatte so 90er Jahre plus so einen Beastie Boys artigen Bass im Gehör. Nix für mich. Nach 25 Minuten war dann schon Schluss. Einige empfanden die Band als beste des Abends. Habe ich auch nix dagegen.
Ein subtile Datenerhebung gab es auch. An einer anderen Ecke konnte man noch Bandwünsche brainstormen. Da waren sehr viele passenden Bands und Künstler dabei, garniert von viel unrealistischen Unfug. Second Bandshirt war da, Awareness, Kicker, ne Chillout-Ecke. War das eine ein Tee- und Kaffeezelt? Das Gelände ist so klein und hübsch. Trotzdem verpeile ich, es alles abzugrasen.
Jetzt kommt die Partyband in Form von SKYLINE GREEN. Damit die ganz jungen Konzertteilnehmer noch dabei sein können, werden diese wohl so gelegt, dass die vor Mitternacht durch sind. An einem ansonsten musikalisch sehr breitgefächerten Freitag setzen die noch einen drauf.
7 Leute spielen sich die Seele aus dem Leib. Oft in Richtung Balkanbeats und Klezmer angelegt wird aber echt viel abgegrast von Ska bis Latin und Sachen, die man unter Worldmusic verorten könnte. Da wurden auf Weltreisen der Bandmitglieder auch Kollaborationen aus Angola und Mexiko mitgebracht. Mir gefiel die Balkansachen am Besten. Das ausgelutschte Bella Ciao darf auch mal wieder herhalten. Ab da bin ich raus.
NOWAVES aus Mücka und/oder eigentlich Dessau ziehen heute viele Tagesbesucher älteren Semesters. Guter Schachzug. Einen brandneuen Song gibt´s zu hören und mit "Lovebirds" und "Picture Of Dorian Grey" werden auch mal wieder ältere Songs aus der Versenkung gehoben. Die Tanzfläche ist wie bei allen Bands heute weiter sehr gut gefüllt. Und so war der Freitag schon irgendwie das Beste was ich bisher in dem Mikronest sehen durfte. Anschließend geht´s dann auch recht fix in heimische Gefilde.
Nachdem ich mittags etwas Probleme mit der Speisefrühkartoffelsorte Colomba hatte, diese in perfekte Bratkartoffeln zu verwandeln, bin ich doch schon wieder recht zeitig am Rock'n'Wagon. Als ich aus dem Auto ausstieg wird schon ein FDP-Politiker in Form von SCHUTT gehuldigt. Schön schräger Lofi-Punk aber da ich die Band schon vorher dreimal gesehen hab, nutzt sichs langsam etwas ab. Kein Bild geschossen. Das sind schon der Ersatz für Bolzenschuss, nämlich FEALE.
Wenn ich mich recht erinner machen FEALE erstmal Emogaze, erinnern mich stark an The Breeders und ballern ganz am Ende überraschenderweise übelsten Hardcore/Neocrust aufs Parkett. War das richtig? Hab mich ziemlich verquatscht während der Band, aber dieser harte Stilbruch ließ mich positiv aufschrecken.
Dann gabs reinen Hardcore mit BLOSSEM DECAY. Nervte nicht. Also vielleicht die subjektiv (!!!) beste Band in dem Genre, die bisher auf dem Rock'n'Wagon gespielt hat nach Days Of Bloodshed. Laut Internet soll das Metalcore sein.
DOSENSTOLZ mimen den letzten und diesmal wirklich extrem kurzfristigen Ersatz für SCHLECHT. Im Nachhinein höre ich SCHLECHT, die ich vorher nicht kannte und weiß, dass die unbedingt nochmal gebucht werden sollten. Texte wie: "Nazis raus - Tampon rein - beides Scheisse - eins muss sein" passen einfach gut aufs Rock'n'Wagon.
So kurzfristig eingesprungen sehe ich die Band wohl zum allerersten Male nur zu dritt, also ihrer Stammbesetzung. Aber halt: Bei "Zombies" kommt doch noch jemand von LOHRGE auf die Bühne. Wäre doch gelacht gewesen. Exzellenter Lückenfüller.
Bei DEUTSCHE LAICHEN gab es dann die erste Rutsche an Regen. Schon ulkig, dass hier bei entsprechender Uhrzeit gut 20 Grad weniger sind als vor exakt 7 Tagen.
Tut die Stimmung aber wenig drücken. Die Songs der neuen Scheibe funktionieren live richtig gut. Selbst die stark melancholisch geprägten, die ich auf dem Werk mit dem gewagten Cover anfangs als anstrengend empfand. Die meiste Party aber bei Altbekannten wie "Emanzenlesbenschlampe". Erwartungen übererfüllt.
Während DETHRONED (da hinten in der Mitte) gehe ich mal glotzen was der neue Menschenkäfig a.k.a. Zeltplatz ohne Autos hinter den Ponys so macht.
...and the winner is BAITS from Vienna. So überrascht hat mich dann doch schon eine Weile keine Band mehr. Zuletzt vielleicht March bei Rock am Kuhteich. Das ist auch schon wieder einige Zeit her. Passiert aber ohnehin nur wenn ich dann doch mal bei einer Band im Vorfeld nicht wirklich reingehört habe. Und so wars auch etwas beim Publikum, wo ganz am Anfang noch enorme Lücken vor der Bühne zu füllen waren. BAITS brauchen etwa 2-3 Songs bis hier alles in deren Bann gezogen wird (inklusive mir).
Die pusten mich mit ihrer für Grunge extrem positiven Energie schon gewaltig um. Und auch die Interaktion mit dem Publikum wirkt nie albern. Und das ist bei mir irgendwie eine ganz schmale Gratwanderung. Chapeau!
Last but not least setzt Regen ein und ganz viel Unerschrockene feiern lahmen Rap mit WAVING THE GUNS inklusive Textsicherheit. Scheint ne große Nummer zu sein und sagen, dass sie heut noch in Erfurt waren. Fazit nach 3 Songs: Immerhin kein Autotune. Dann lieber schauen, ob bei nem Geburtstag noch jemand rumsitzt. Ansonsten: Ein ganz schickes, liebevolles und sehr abwechslungsreiches Festival mal wieder.

























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