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Hexen*werk: Cunte, Menstruationsmassaker, Müde Augen, Forgotten Strings, Illi, Jolly_Wav, Ildikó, Nova Materia, 01.08.2026 in Dortmund, FZW - Bericht von der Redaktion

Hexen*werk am 01.08.2026 in Dortmund

Fö: Nachdem das Hexen*werk vergangenes Jahr schon ein spannender Ausflug war, können wir diesmal ja nicht fehlen! Das Prinzip bleibt: musikalisch sehr breitgefächert, der Fokus liegt auf der queeren Szene und darauf, zu zeigen, dass es eben kein "Hexenwerk" ist, FLINTA*-Acts zu buchen. Dazu schlägt sich im Titel der emanzipatorische Zeitgeist wieder, das Wort "Hexen" positiv zu besetzen, das ja ansonsten eine eher frauenfeindliche Geschichte hat. Im Mittelalter einfach mal Standardbegründung für von Kirche und Obrigkeiten abgesegnete Femizide! Aber damals wie heute eben auch eine Bezeichnung für Menschen, die nicht einfach tun, was das Patriarchat von ihnen verlangt.
Zum Lineup kann ich vorab wenig sagen. Ich bin null vorbereitet, kenne eigentlich nur eine Band und vertraue blind darauf, dass Itza a.k.a. Violent Witch Events da schon was schönes zusammen gestellt haben wird.
Dr. Mabuse: Was heute positiv auffällt ist, dass diese Veranstaltung wirklich die jungen Leute mobilisiert. Die Schreiber liegen diesmal wirklich arg über dem Durchschnittsalter der Zuschauenden. Ich glaube das zeigt auch, dass das FZW heute ein Safespace für alle ist. 
Björn: Das Format ist auf jeden Fall ganz cool - denn neben dem Publikum sind auch musikalisch ein paar jüngere bzw. modernere Ansätze vertreten. Das finde ich aber erst vor Ort raus, denn ich bzw. wir kommen vollständig unvorbereitet und auch eher spät am FZW an.
Fö: Ich bin so wenig vorbereitet, dass ich auch jetzt noch nachgucken muss, wer das da auf der Bühne ist: MÜDE AUGEN machen Opener in der Bar. Ein Kollektiv aus verschiedenen Städten NRWs, gegründet in Gelsenkirchen wie sie erzählen. 4 Personen, die zusammen aber auch einzeln performen.
Dr. Mabuse: Hier handeln die Texte unter anderem von Vampirismus! Gesanglich gefallen mir alle, ich wüsste zu gern, wie das mit Livemusik einer Band funktioniert. 
Fö: Ich hab's schon oft erwähnt: Mich irritiert es immer, wenn Musik bei Livekonzerten vom Band kommt. Müde Augen machen es einem da noch ziemlich einfach: Es kommt einfach sämtliche Musik vom Band, nicht nur einzelne Spuren - bis auf den Gesang natürlich. Gibt ein bisschen Singstar-Vibes, nur halt mit eigenen Songs. Die vier Protagonistinnen heißen Llou, Lunalei, Josefine und Jolly_wav, von denen letztere noch später selbst auftreten wird und darum hier erstmal nur die anderen solo zum Zuge kommen. Musikalisch irgendwo zwischen Pop und Rap, Songs zwischen Düsternis und Herzschmerz. Ich fühl mich da grad nicht so wirklich als Zielgruppe.
Dr. Mabuse: Die Person die gerade performt, hat ein Lied im Gepäck über die Phase eines Streits, wo die Beteiligten nicht miteinander kommunizieren. Das fühle ich sehr! Tatsächlich kenne ich ansonsten nur Serenade von Dover, das in die gleiche Richtung geht! Sehr gut, wie das hier emotional rüber gebracht wird! 
Dr. Mabuse: Beim späteren Soliauftritt von Jolly_wav vergesse ich Fotos zu machen. Das Publikum ist aber gut abgegangen!
Dr. Mabuse: Über FORGOTTEN STRINGS freue ich mich sehr und dass Itza die im Subrosa für das Hexenwerk „entdeckt“ hat. Erst denke ich beim Gesang an Muse, aber das deckt nur die Clean-Voice-Parts ab, danach wird es hardcore-mäßig ruppig. Sehr beeindruckende Stimmgewalt. Musikalisch ist da viel Potenzial und ich hoffe die machen noch lange so weiter. Auch die Ansagen sind schon sehr pointiert und richten sich gegen „Mackertum“, Diskriminierung und an die Betroffenen des feigen Anschlags auf den CSD in Berlin! Sehr stabile Ansichten und Überzeugungen! 
Fö: Noch junge Band und haben heute wohl das meiste Publikum mitgebracht. Musikalisch ist da echt sehr viel drin. Vielleicht am ehesten Metalcore, aber auch sonst werden so ziemlich alle Subgenres des Alternative abgedeckt. Und gute Ansagen gibt's auch noch dazu.
Dr. Mabuse: ILLI macht Pop for sad girlies. Aber es kommt auch bei mir gut an! Krass gute Stimme. Erinnert mich manchmal an Alanis Morissette! 
Fö: Tatsächlich für mich das erste Highlight des Tages. Das sind wirklich schöne Songs, ich mag die klare und unaufgeregte Stimme und auch sonst strahlt das sehr sympathische Vibes aus. Texte handeln viel von Liebe und den schlechten Seiten von Liebe, aber das macht es nicht weniger intensiv. Ich kannte Illi bisher nur am Bass bei Cat Piss Potion, aber hier alleine mit Gitarre macht das auch sehr viel her. Toll!
Dr. Mabuse:  MENSTRUATIONSMASSAKER haben sehr viel Wut auf das Patriarchat mitgebracht. Die Wut muss raus und da sind auch Provokationen erlaubt. Mir ist es teilweise zu monothematisch, da es noch viel mehr gibt, auf das man wütend sein kann. Die Band regt uns nach dem Auftritt noch zu kontroversen Diskussionen im Biergarten an. Musikalisch finde ich die aber schon echt gut!
Fö: Für mich das zweite Highlight des Tages! Publikum noch etwas zaghaft, aber der freche Vortrag holt mich einfach ab. Muss aber sagen, ich hätte eher mehr Provokation erwartet, aber vielleicht hätte es dazu ein "männlicheres" Publikum gebraucht. Musikalisch würde ich das so unter NDW-Pop-Punk einordnen, textlich ging es viel um Selbstbestimmung und gegen Mackertum.
Björn: Hier steigen wir dann auch mal in den Abend ein und werden Teil des eher zaghaften Publikums. Bei einer der Ansagen fühlt sich dann direkt jemand hinter mir dazu ermutigt, per Zwischenruf einige Männer (und vermutlich vor allem sich selbst) von der geäußerten Kritik auszunehmen. Ist vielleicht gut gemeint, aber ich kann der Situation eine gewisse Ironie nicht absprechen... Jedenfalls, musikalisch könnte es für meinen Geschmack vor allem etwas weniger Zurückhaltung an den Drums gebrauchen, was ich wiederum ganz cool finde, ist das Songwriting und die häufige Unterstützung in Form von Backingvocals!
Dr. Mabuse: Mir fehlt heute das absolute Oberhighlight, aber wenn eine Künstlerin dem nahe kommt, dann ist es ILDIKÓ aus Stuttgart, die mit ihrem super verspäteten Zug noch gerade rechtzeitig eintrifft! Zum Glück für alle Beteiligten heute, denn das ist schon krasse Hiphop-Wortakrobatik. Auch hier ist sehr viel Wut auf das Patriarchat im Gepäck - nochmehr als Hass auf die deutsche Bahn. 
Björn: Wer hier eintönigen mittelmäßigen Rap erwartet hat (so wie z.B. ich) wird schnell eines Besseren belehrt, Ildikó ist künstlerisch schon ziemlich ausgecheckt aber gleichzeitig auch experimentell unterwegs, da wird sich mal verkleidet und die Stimme verstellt, oder es gibt einen Dancehit mit Technobeats, oder auch wirklich mal richtig soliden Rap. Dabei werden Themen von Wut und Frust bis zur eigenen Verletzlichkeit recht schonungslos auf den Tisch gelegt, das alles aber auch irgendwie sehr unbefangen und spielerisch, richtig sympathisch!
Dr. Mabuse: Der letzte Song mit Elektrobeats und Tanzeinlage ballert noch mal richtig rein! Ich hoffe sie kommt noch mal nach Dortmund, vielleicht ja zum Youth Brigade! 
Fö: Okay, das klingt ja doch ganz interessant! Muss  zugeben, ich habe Ildikó und auch den vorherigen Act jolly_wav im Biergarten verquatscht. Was auch sehr angenehm war! Sich nicht dem Druck hingeben zu müssen, sich jede Band anzuschauen, kann auch mal befreiend sein, auch wenn mir sowas wirklich immer schwer fällt.
Björn: Zu jolly_wav hab ich leider auch kein Foto, aber ich will noch loswerden dass diese beiden Künstlerinnen für mich auf völlig unterschiedliche Weise ein gutes Beispiel für so eine jüngere Generation an Musikschaffenden sind, die viel zu Hause an den Songs und dem Sound tüfteln und dabei vor allem viel Wert auf Qualität und Ästhetik legen, das beeindruckt mich schon sehr!
Fö: Mein drittes Highlight des Tages: CUNTE! Gut, aber die kannte ich eh schon. Hatte aber gar nicht mehr in Erinnerung, wie unterhaltsam die Ansagen sind! Das macht wirklich Spaß beim Zuhören und Zugucken. Musik ist halt Punk, bisschen ruppig und schrammelig, also die beste Version von Punk. Für den Nervenkitzel gab's noch ein bisschen Suspense in Form eines Topteils, das ständig von der Bassbox zu rutschen drohte. Irre spannend! Müssen nur aufpassen, dass dieses Showelement nicht zu sehr von der Musik ablenkt. Auftritt jedenfalls top!
Dr. Mabuse: Ist mir ein bisschen zu rumpelig, aber die Attitüde stimmt und es geht um Wohnungsnot und Mietwucher. 
Björn: Hier musste ich dann passen, bzw. fordert das mein Körper ein. Von meinem Sitzplatz im Biergarten aus komme ich allerdings zu einer recht ähnlichen Einschätzung. Die Ansagen sind außerdem spitzenmäßig!
Fö: Schließlich NOVA MATERIA aus Frankreich. Ein Duo mit diversen Reglern, Aufbauten und anderen Tonelementen auf der Bühne. Tatsächlich auch Ton im Sinne von Keramikschalen und Steinen, zumindest sah das so aus was da gegen die Tonabnehmer geschummert wurde. Das hat erstmal meine Neugierde geweckt in Erwartung einer krassen Noise-Experience, ging aber eher in die Richtung Industrial-Goth-Elektro. Musik für bleiche Leute mit langen schwarzen Klamotten, die lethargisch wippend auf den Boden starren. Irgendwie interessant, aber auf Dauer fesselt mich das nicht.
Björn: Das Duo aus Paris hätte ich erst mal nach Berlin verortet, wie dem auch sei, das Setup ist spannend aber die Musik dann doch eher zu eintönig für mich, ich schließe mich da an. Wir warten ein paar Lieder ab, ob sich da noch was tut, aber beschließen dann, lieber zu gucken, wo man noch was zu essen bekommt.
Dr. Mabuse: Die Soundkulisse ist schon eindrucksvoll, aber ich fühle es heute irgendwie nicht und verabschiede mich nach sehr netten Gesprächen allmählich nach Hause. Ein durchwachsener Abend, der aber Vorfreude auf das nächste Event macht. Gestern waren einfach die Kräuterhexen zu übermächtig, was Krach und Dynamik angeht. So eine Combo hat heute gefehlt. 
Fö: Insgesamt mal wieder ein sehr vielseitiger Abend mit nettem Publikum! Aber bei "durchwachsen" schließe ich mich an, für mich war dann doch eher wenig dabei - aber hab ja auch nicht alle Acts gesehen.


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Kommentare:

Schlossi 👤
06.08.2026 16:42
Weil ich das Wort "monothemathisch" im Zusammenhang mit Menstruationsmassaker jetzt schon paar Mal gehört habe, bisher immer von Männern: hab mir die Texte mal angehört, es geht um Körperbilder, Menstruation, Substanzgebrauch, übergriffige Dudes und die erwähnte Wut aufs Patriarchat. Gibt Bands, die weniger Themen beackern. Also, woran liegt's?
Dr. Mabuse 👤
08.08.2026 03:24
Ich würde bei einer Konzertrezension über "1914" das gleiche schreiben. Es geht monothematisch um den ersten Weltkrieg!
Punk
aus Düsseldorf
aus Dortmund
Metalcore
aus Dortmund
HipHop
aus Stuttgart
Pop, Punk, Grunge, Rap
Punk, Pop Punk
aus Berlin
Pop, Rap, Songwriter
aus NRW
Techno, Wave, Noise, Post Punk
aus Paris (FR)
Location:
FZW
Ritterstr. 20
44137 Dortmund

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