Bad Cop / Bad Cop, The Menstrual Cramps, Old Chase, 04.08.2026 in London (UK), The New Cross Inn - Bericht von Zwen
Bad Cop / Bad Cop, 04.08.2026 in London (UK)
Wie ihr sicherlich wisst, hängt über Europa jetzt schon seit Wochen eine Hitzeglocke. Da ich aber nicht verantwortungsbewusster als der Kanzler sein möchte, nehme ich den Flieger und tue so als hätte nichts mit nichts zu tun. Nach einer seeehr holprigen Landung und einer Fahrt mit Bus und Bahn und Bus, die doppelt so lange dauert wie der Flug, erreiche ich endlich Hounslow und damit auch unser Budget-Hotel.
Während ich gerade das Zentrum von London ziemlich unangenehm und Arsch finde, sind es die Außenbezirke wie Lewisham oder Hounslow, die noch sowas wie Charme haben. In Lewisham/Bromley gibt es z.B. das legendäre New Cross Inn und dort spielen heute Bad Cop / Bad Cop. Ist ja nicht so als hätte ich die Band bereits vor wenigen Tagen in Viersen gesehen.
Vorab habe ich tatsächlich sehr wenig Informationen zum Konzert einholen können. Beim Ticketanbieter stand z.B. heute auch nur, dass Bad Cop / Bad Cop spielen werden. Ein DINA4-Zettel am Einlass beantwortet mir dann jedoch alle Fragen: Drei Bands werden heute insgesamt auftreten und die erste hört auf den Namen OLD CHASE.
OLD CHASE machen fröhlichen Pop-Punk mit ironischen Texten. Naja, so wirklich umhauen tut das niemanden, aber das Quartett wirkt insgesamt sympathisch und animiert zum Trinken. Musikalisch ist das genauso einfallsreich. Tut aber auf der anderen Seite niemandem weh.
Größer könnte der Kontrast zur nächsten Band wohl nicht sein: THE MENSTRUAL CRAMPS. Die machen eine ziemlich energiegeladene Show, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Queerfeministisch, sexpositiv und pro-palästinensisch. Diese Anliegen drücken sie nicht nur auf der Bühne durch viel Bewegung und eine energische Bühnenperformance aus, sie haben auch einen Tisch mit ganz viel Literatur zum Lesen mitgebracht.
Wurde in diesem Medium noch vor kurzem eine Band kritisiert, weil sie zu monothematisch unterwegs seien, kann ich derartiges überhaupt nicht über die Menstrual Cramps sagen. Das führt jedoch zeitweise zu für mich ein wenig unangenehmen Momenten, wenn sich leidenschaftlich der Situation der Menschen in Palästina gewidmet wird und dann keine 5-Minuten später ein Song für Menschen gespielt wird, die gerade Buttplugs tragen. Natürlich ist das ein generelles Problem von eher kurzweiligen Punkrockshows. Ich habe heute jedenfalls Probleme, da so schnell umzuschalten.
Im weiteren Verlauf ruft die Band zur Unterstützung von BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) auf. Ich möchte an dieser Stelle besagte Bewegung nicht nochmal auseinander nehmen. Das haben andere gefühlt 1000x schon besser gemacht. Ich persönlich denke, dass derartig breitgefächerte Boykott-Aktionen in erster Linie Privatleute treffen, die mit den schweren Menschenrechtsverletzungen in Gaza nichts zu tun haben und außerdem in der Praxis eh nichts zu bringen scheinen. So hat die EU z.B mittlerweile 21 (!) Sanktionspakete gegen Russland beschlossen.
Okay, genug Nahost. Ansonsten fiel der hier im Bild zu sehende Tartanstoff noch zu Boden. Das gehörte wohl zur Performance und gab den Blick auf frisches Periodenblut frei. Respekt, für dieses Statement und den Mut! Free Bleeding!
Für die starke Show der Menstrual Cramps gab es dann auch einen Shoutout von BAD COP / BAD COP. Ah, da sind sie ja schon. Da ich die Truppe erst vor wenigen Tagen am Niederrhein gesehen habe, ist es irgendwie ein bisschen komisch, jetzt bereits schon wieder etwas zu den Vier zu schreiben. Die Setlists überschneiden sich zwar ein wenig, aber es werden mehr Songs gespielt und es wird sich auch ein wenig mehr Zeit für Ansagen genommen.
Mein Highlight heute Abend ist "Victoria ", das mit einer längeren Ansage eingeleitet wird. Außerdem wird aufgeklärt, dass die nicht mehr ganz so neue Gitarristin Alex mit Nachnamen Windsor heißt. Um noch ein bisschen mehr mit dem New Cross Inn zu bonden, wird außerdem daran erinnert, dass die Show hier eines der letzten physischen Konzerte vor dem großen Corona-Lockdown 2020 war. Ich erinnere mich vage.
Auf dem Weg von London nach Norden verpassen wir erstmal unseren Zug und entscheiden uns dann, einen Flixbus zu buchen. Unsere Busfahrerin fährt eine sehr interessante Route und beschreibt außerdem während der Fahrt immer wieder am Telefon, was sie gerade sieht und erhält hierfür dann Instruktionen für die Weiterfahrt. Wie sich herausstellt klemmt sie aber auch bereits seit über 14 Stunden hinterm Steuer und muss erstmal ausgewechselt werden. Danach läuft es besser und so erreichen wir dann doch irgendwann gegen Abend des wunderschöne Macclesfield im Peak District.
Hach Peak District! Was eine wunderschöne Landschaft. Zwar nicht ganz so spektakulär wie die Highlands, aber doch wunderbar um durch die endlosen Hügel- und Graslandschaften zu schlendern und sobald die Füße müde und die Kehle trocken wird, im Pub einzukehren. Über Öffnungszeiten und Preise sprechen wir hier lieber nicht. Morgen geht es zurück nach Deutschland. Zum Glück nur kurz.

















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