Lagwagon, Bokassa, 07.08.2026 in Lindau, Club Vaudeville - Bericht von Lux
Lagwagon, 07.08.2026 in Lindau
Geil. 2002 sah ich eine meiner Lieblingsbands zum ersten Mal live im Club Vaudeville in Lindau. Heute, über 20 Jahre später, werden LAGWAGON an ebendiesem Ort eine HOSS-Full-Album-Show abliefern. Hoffentlich wird eine "zünftige" Performance geboten, immerhin befinden wir uns in Bayern. Support übernimmt die Combo BOKASSA aus Norwegen.
Ihren eigenen Stil beschreiben BOKASSA als Mischung aus Stoner, Metal, Hardcore und Punk. Ich weiß nicht ob das bewusster Etikettenschwindel ist um den Slot der Vorband für heute Abend zu rechtfertigen, aber was ich höre ist einfach nur ganz klassischer, relativ eingängiger Stonerrock. Es ist schon sehr voll und heiß im legendären Club Vaudeville und so entscheiden wir uns nach 1 1/2 Liedern, den Raum wieder Richtung Biergarten zu verlassen.
Pünktlich zum ruhigen und schon auf Platte kaum hörbaren Bass-Intro und dem ikonischen ersten Satz der Kids don't like to share-Lyrics ("And now you're searching for that new messiah!") skatepunken sich Joey Cape und Co. auf die Bühne. Ich liebe den Club Vaudeville so sehr und dennoch habe ich manchmal echt Probleme mit dem Sound. An manchen Stellen im Raum muss man wirklich kurz raten welcher Song gerade gespielt wird. obwohl man eigentlich jeden davon auswendig kennt. Zumindest wenn man, wie ich, die HOSS, als sie gerade der heiße Scheiß war (und auch noch lange danach), hoch und runter gehört hat.
HOSS war mein erstes LAGWAGON-Album. Die Band hat sich in meiner Gunst in den letzten Jahrzehnten immer weiter nach vorne gespielt und ich hab mir eigentlich jede Platte am Erscheinungstag besorgt. Anders geht es mir mit NOFX, die waren mir ab 2012 irgendwie egal. Joey Cape ist halt auch einfach deutlich sympathischer als Fat Mike und ein wirklich großartiger Songwriter mit gewohnt lässiger Bühnenpräsenz. Die Band zeigt sich gut gelaunt und redselig, das Publikum trägt die positiven und heimeligen Vibes durch den Saal. So als würden sich 300 alte Kumpels und Kumpelinnen mal wieder treffen. Leider versteht man die Ansagen sehr schlecht.
Die Altersschnitt bewegt sich zwischen 39 und 45 und die Bude ist voll. Voll mit Baseballkappen, die die mittlerweile unvermeidbaren Halbglatzen verdecken und voll mit verschwitzten Bandshirts beliebter Melodic-Punk-Kapellen der 90er Jahre. Das eine oder andere bekannte Gesicht taucht auf. Menschen mit denen man nie ein Wort gewechselt, die man aber schon vor soundsoviel Jahren bei Band XY gesehen hat. Allerdings noch in frischerem Aggregatzustand. Einfach cool so eine Szene.
Die Altersschnitt bewegt sich zwischen 39 und 45 und die Bude ist voll. Voll mit Baseballkappen, die die mittlerweile unvermeidbaren Halbglatzen verdecken und voll mit verschwitzten Bandshirts beliebter Melodic-Punk-Kapellen der 90er Jahre. Das eine oder andere bekannte Gesicht taucht auf. Menschen mit denen man nie ein Wort gewechselt, die man aber schon vor soundsoviel Jahren bei Band XY gesehen hat. Allerdings noch in frischerem Aggregatzustand. Einfach cool so eine Szene.
Ich sehe LAGWAGON nun zum vierten Mal live und es ist wirklich erstaunlich: 2016 spielten sie vor nicht einmal halber Hütte in Stuttgart, zehn Jahre später ist der Club Vaudeville bereits Wochen zuvor ausverkauft und die Menschen fallen sich freudig um den Hals, um in korrekter Reihenfolge SLEEP, SICK und RIFLE mitzugrölen. HOSS ist ein fantastisches Album und zeigt wahrscheinlich wie kein anderes der Band, was ihre größte Stärke im Songwriting ist. Nämlich Akkordfolgen die man nicht im ersten Moment sofort erahnt. Parallele Moll-Tonarten und interessante Halbtonschritte sowie unkonventionelle Harmonien. So klingt dann manches auch gern mal nach einem US Werbe-Jingle der 50er oder nach punkigem Jazz, wenn man genau hinhört. Noch auffälliger ist diese Herangehensweie ans Liederschreiben eigentlich nur noch bei BRACKET. Dieser kleine Ausflug in die Musiktheorie war für euch kostenlos.
Mit "That was HOSS!" wird das Albumset beendet und direkt in einen Block mit Fan-Favorites übergegangen. Joey Cape persönlich darf die ersten Akkorde von ALIEN 8 anschlagen, während der Rest der Band eine kurze Pause einlegt. Und so werden noch einmal Schlag auf Schlag und handwerklich perfekt die goldenen Gassenhauer abgefeuert. Wir bewegen uns schon langsam nach draußen, weil man mit Ü40 dieses subtropische Klima nicht mehr so leicht wegsteckt wie früher. Auch der Bierkonsum bleibt an diesem Abend human, damit man beim Heimkommen nicht den Babysitter verunsichert.
Das Alter des Publikums wird immer mal wieder anhand verschiedener Beispiele deutlich: Ein Typ sitzt komplett fertig nach zwei Songs auf dem Sessel im Foyer, wenige Minuten später sieht man ihn mit einem belebenden Heißgetränk inkl. Untersetzer beim Fachsimpeln mit einem weiteren Fan. Personen aus dem vorderen Bereich verlassen zwischendurch schlagartig und überfordert japsend die Szenerie und so mancher betrachtet bzw. belauscht die Band mit sicherem Abstand vom Biergarten aus. Die hohe Anzahl an Brillen, sowie Arm- und Beinschienen, war 2002, zumindest in meiner Erinnerung, auch sehr viel geringer. Veteran*innentreff Vaudeville.
Das Alter des Publikums wird immer mal wieder anhand verschiedener Beispiele deutlich: Ein Typ sitzt komplett fertig nach zwei Songs auf dem Sessel im Foyer, wenige Minuten später sieht man ihn mit einem belebenden Heißgetränk inkl. Untersetzer beim Fachsimpeln mit einem weiteren Fan. Personen aus dem vorderen Bereich verlassen zwischendurch schlagartig und überfordert japsend die Szenerie und so mancher betrachtet bzw. belauscht die Band mit sicherem Abstand vom Biergarten aus. Die hohe Anzahl an Brillen, sowie Arm- und Beinschienen, war 2002, zumindest in meiner Erinnerung, auch sehr viel geringer. Veteran*innentreff Vaudeville.
Schade: Am Merch-Stand gibt es leider nur Shirts und davon hat eines auch noch offensichtlich ein KI-Motiv. Bitte liebe Bands und Künstler*innen, hört sofort mit dieser Scheiße auf!
Fazit: Eine grandiose Band in einem grandiosen Laden. Vor zwei Wochen war ich bereits bei A WILHELM SCREAM im Club Vaudeville und es war leider sehr wenig los und der Club mal wieder ab der Hälfte abgehangen. Heute war er komplett offen und ich fühlte mich endgültig in meine frühen Zwanziger zurückversetzt. Wer LAGWAGON-Fan ist und noch die Möglichkeit hat, die HOSS-Tour mitzuerleben, sollte dies unbedingt tun. Wer in Zukunft vor hat, mal in der Bodenseeregion zu verweilen oder aus dem Dreiländereck kommt, dem empfehle ich dringend eine Visite im Club Vaudeville, schon allein um 53 süddeutsche, österreische und schweizer Dialekte auf einmal zu hören.
Danke Rebekka für die Fotos <3
Fazit: Eine grandiose Band in einem grandiosen Laden. Vor zwei Wochen war ich bereits bei A WILHELM SCREAM im Club Vaudeville und es war leider sehr wenig los und der Club mal wieder ab der Hälfte abgehangen. Heute war er komplett offen und ich fühlte mich endgültig in meine frühen Zwanziger zurückversetzt. Wer LAGWAGON-Fan ist und noch die Möglichkeit hat, die HOSS-Tour mitzuerleben, sollte dies unbedingt tun. Wer in Zukunft vor hat, mal in der Bodenseeregion zu verweilen oder aus dem Dreiländereck kommt, dem empfehle ich dringend eine Visite im Club Vaudeville, schon allein um 53 süddeutsche, österreische und schweizer Dialekte auf einmal zu hören.
Danke Rebekka für die Fotos <3













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