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Lagwagon, The Virginmarys, 12.08.2026 in Berlin, SO 36 - Bericht von der Redaktion

Lagwagon, 12.08.2026 in Berlin

matsch: Als sich LAGWAGON Anfang des Jahres für Berlin ankündigen, will ich mir sofort ein Ticket sichern. All aboard the Lagwagon. Das Datum liegt aber mitten in den Sommerferien, da müssen erst noch Terminkalender abgeglichen werden. Schließlich sagen sogar noch ein paar Freund*innen zu und die Tickets schauen mich monatelang von ihrem ausgewählten Platz aus erwartungsfreudig an. Am Tag selbst möchte auch der Mond Lagwagon schauen und macht sich mit auf den Weg zum SO36. Kurz vor Beginn schiebt er sich vor die Sonne und dank einer guten Fee bin ich sogar mit einer passenden Sonnenfinsternisbrille ausgestattet, die am Tag selbst wohl Mangelware waren und bei eBay der neoliberalen Marktlogik zur Folge entsprechend hochpreisig angeboten werden. Mit meiner Brille mache ich dann noch einige Umstehende, die sich dieser Logik widersetzt haben und lieb fragen, ob sie auch mal schauen dürfen, glücklich. Eine Freundin aus unserer Gruppe fällt aus, aber dank der kurzen Dienstwege bei Bierschinken ist Stäffi schnell zur Stelle. Wir sind rechtzeitig vor Ort, verpassen wegen der Sonnenfinsternis aber die ersten Minuten des Openers.
stefffan: Ich beschließe im Juni zu Lagwagon zu gehen, obwohl mir das Konzert im vergangenen Jahr im Astra nicht so gut gefallen hat. Aber das vergesse ich bis zu dem Tag, an dem das Konzert stattfinden wird und werde durch das Angebot einer überschüssigen Karte freundlicherweise daran erinnert. Glück gehabt? We will see...
matsch: THE VIRGINMARYS spielen zu zweit mit ordentlich Druck im bereits gut gefüllten SO36. Starke Stimme und ziemlich fuzzy im Sound.
stefffan: Ich checke nix, außer, dass es unfassbar voll ist. Aber nicht heiß. Die neue Klima vom SO36 tut ihren Dienst. Ich schiebe den aufkommenden inneren Konflikt zwischen Kulturangebotsannahme und klimapolitischen Diskurs mit dem Wunsch nach einem Getränk beiseite.
matsch: Wir überlegen ob sie Briten und Geschwister sind. Erstes stimmt, zweites vermutlich nicht. Gelegentlich klingen sie wie Queens of the Stone Age oder die Foo Fighters, aber undergroundiger.
Ziemlich schnell sind sie dann durch. Ein bisschen hätten sie noch machen dürfen, aber was schaue ich mir auch zuerst die Sonnenfinsternis an.
stefffan: Auf diesem Foto erblicke ich erstmals, was da vorne wohl zu sehen war. Dieser Abend wird mir eindeutig vor Augen führen, warum 174cm Körperhöhe nur bei den Kinderkonzerten der Donots Vorteile hat.
matsch: Mit 21cm mehr versuche ich zunächst seitlich, wo sich noch auf der Stufe über mich schauen lässt, Platz zu nehmen.
matsch: Dann ertönen die Bassakkorde von "Kids don't like to share" und LAGWAGON legen los. "And now you're searching for that new messiah!"
matsch: "Hoss" wird 31 und in vollem Umfang gespielt. Entgegen einiger anderer nicht meine erste Albumwahl bei Lagwagon, aber sie haben auch kein schlechtes Album, insofern bin ich auch hier voll dabei. Joey Cape anscheinend auch, hüpft er doch direkt beim zweiten oder dritten Song von der Bühne und lässt sich durch den Raum tragen - länger als erwartet, wie er anschließend zugibt.
stefffan: Hiervon bekomme ich aus oben genannten Gründen nur dadurch etwas mit, dass Joeys Kondition durch gleichzeitiges Singen und Hüpfen schwer gefordert wird, zum Nachteil der Gesangsperformance. Ein Umstand, der sich leider das gesamte Konzert noch zeigen wird.
matsch: Die neue Klimaanlage lässt mir an meinem Platz fast schon die Beine gefrieren. 
matsch: Also ab nach vorne, die Beine ein bisschen aufwärmen. Hier kommt von der kühlen Luft nur noch bedingt was an, wie auch Gitarrist Chris Flippin anmerkt. Dafür richtet Bassist Joe Raposo seinen Bühnenventilator auch mal in die erste Reihe.
matsch: Zwischen den Songs ist es anfangs so ruhig, dass Joey irritiert fragt, was los sei.
stefffan: Ich für meinen Teil bin bis hierhin leider weniger begeistert. Ich hab die Band schon deutlich mitreißender und Joey schon deutlich fitter gesehen. Ein Blick in den Steckbrief des Sängers stimmt mich allerdings etwas milder; ob ich das in dem Alter noch so könnte, werden wir wohl erst dann sehen, wenn es soweit ist. 
matsch: Später hat er dann aber eine Kusshand für uns übrig. Als Chris Flippin Joey seine Gitarre umhängt und dieser "Alien 8" anstimmt, ist die erste halbe Stunde des Sets um und "Hoss" in seiner Gänze durchgespielt.
stefffan: Interessanterweise wird ab hier das Konzert deutlich besser. Liegt's an den Songs von Hoss? Oder an den Best-of-Hits, die vermutlich deutlich eingespielter sind? Oder sind die alle erst jetzt richtig warm?
matsch: Schlagzeugerfoto: Dave Raun schüttelt Anspruchsvolles konstant leger aus den Handgelenken.
matsch: Die hier gewünschten GOOD-RIDDANCE-Chöre gab es übrigens tatsächlich kurz zu hören (vor allem vorne links). Da wird sich deren Bassist freuen.
matsch: Altersbedingte Ruhepause, in der LAGWAGON erwähnen, dass sie das seit 36 Jahren machen und sich bedanken, dass sie es immer noch machen dürfen, weil wir immer noch kommen.
stefffan: Rührseliger Moment, in dem ich mich tatsächlich auch ein bisschen für meine davorigen abwertenden Gedanken schäme. Bis auf die Sache mit dem (vermutlich) offensichtlich mit KI gestalteten T-Shirt-Motiv, welches aber auch leider geil ist. (Die Band mit Corpsepaint vor einem brennenden Eiswagen in Deathmetal-Optik)
matsch: Mit "Bubbles" wird nicht nur der neuste Song im Set präsentiert (der allerdings auch schon wieder sieben Jahre alt ist), sondern auch der aufwendigste Bühneneffekt (vorne links im Bild leicht zu erkennen).
matsch: Nach einer oder zwei Zugaben macht sich Joey Cape schließlich ohne Rückkehr auf dem Weg zur Bar...
matsch: ...und der Rest der Band läutet das Ende eines wunderbaren Abends ein...
matsch: ...an dem man den Sänger beim Rausgehen noch an der Bar treffen kann.
stefffan: Was ich wiederum alles nicht wahrnehmen kann, da ausnahmslos ALLE außer mir und Joey Cape deutlich größer als 174cm sind. Lagwagon, die Band mit den längsten Fans der Welt. Ich hatte trotzdem Spaß. 
matsch: Bye 4 now.


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