Radiola Riders, Red Line, 28.08.2026 in Jerewan (AM), Muha Bar - Bericht von Zwen
Radiola Riders, 28.08.2026 in Jerewan (AM)
Der beste Flughafen der Welt hat leider vor kurzem auf Digitalisierung umgestellt. Eigentlich soll man nun automatisch sein Gepäck und sich selbst einchecken. Das soll Personal, Zeit und vor allem Kosten sparen. Leider funktioniert das System natürlich überhaupt nicht, weshalb es an einem der eigentlich zügigsten Flughäfen zu massiven Verzögerungen kommt, da die Leute nun in der Regel 5x verzweifelt versuchen sich selbst einchecken, letztendlich genervt einen Notknopf drücken und dann warten müssen bis jemand vom Personal zur Stelle ist. An dieser Stelle viel Respekt ans Personal des Dortmunder Flughafens, das gerade einen echt stressigen Job machen muss, dabei aber wirklich super nett und hilfsbereit bleibt. Naja, irgendwann sind wir dann eingecheckt und unser Gepäck ebenfalls auf dem Fließband verschwunden. Der Flug nach Jerewan kann also starten!
Ein paar Stunden später sind wir auch schon im Kaukasus und was soll ich sagen? Jerewan bock! Nicht nur die Kaskaden, sondern auch viele andere Monumente und Bauten sind beeindruckend. Dazu spielt sich in den Straßen ein quirliges, aber nicht zu stressiges Leben ab. Kunst und Kultur wird hier in erster Linie gefeiert und nicht zensiert und somit ist Jerevan zu einem Safe Haven vor allem für Russ*innen geworden, die nicht so Bock haben auf Kriegsgeilheit und Autoritarismus.
Für uns geht es nach zwei Tagen in der Stadt weiter in Richtung Süden. Hierbei fahren wir durch weitläufige und sehr trockene Steppen- und Berglandschaften.
Weiter geht es nach Kapan bzw. in die Wälder nahe dem winzigen Dörfchen Vachagan. Dort parken wir das Auto und gehen zu Fuß zu unserer Unterkunft. Ihr seht diese hier im Bild. Erreichen kann man sie sonst auch via 4x4. Die 3,7 km lange Wanderung dorthin ist aber eigentlich unproblematisch. Außer natürlich ihr macht es wie wir und wartet bis Sonnenuntergang und macht sie außerdem im strömenden Regen und stellenweise Nebel. Dann ist die Tour ziemlich beschissen.
Hier im Bild ist der Mount Khustup, ca. 3100m hoch und tatsächlich von unserer Unterkunft so gut wie gar nicht zu erreichen. Unser Host ermutigt uns aber trotzdem es zu versuchen. Ihr müsst diesen Berg da als Orientierungspunkt nehmen und euch dann durch den dichten Wald schlagen. Dreht am besten alle 20 Meter um und macht ein Foto, damit ihr zurückfindet. Außerdem solltet ihr sehr laut singen, weil es sonst höchstwahrscheinlich ist, dass ihr auf Bären trefft. Naja, und das war erst der erste Teil. Wir haben uns dann entschieden lieber auf die Westflanke des Gebirgszuges zu wandern.
Nächster Stop Sevansee. Mit seiner Lage auf 1.900m ist er nicht nur der größte See Armeniens sondern auch der drittgrößte Bergsee der Welt. Wir nutzen die Zeit hier um ein bisschen Pause zu machen und am See zu hängen. Nachts wird es aufgrund der Höhenlage relativ kalt.
Als nächstes fahren wir vom See in die Waldregion Dilidschan, wobei es tatsächlich ein paar Höhenmeter nach unten geht. Irgendwie sehr ungewohnt von der Badedestination zur Wanderdestination negative Höhenmeter zu machen.
In Dilidschan dann auf eine Bärenfamilie getroffen, aber von einem streunenden Hund beschützt worden. Von Dilidschan ging es dann ins Dörfchen Antarut westlich von Jerewan.
Selbstverständlich bin ich hier nicht zum Spaß, sondern um den ersten 4.000er meines Lebens zu besteigen. Die höchsten Berge Armeniens finden sich nämlich im Aragaz-Gebirge. Diese Gebirgskette ist eigentlich ein Vulkan und besteht aus insgesamt vier Gipfeln. Während der Südgipfel noch relativ leicht zu machen ist, ist der Westgipfel schon deutlich anspruchsvoller und die anderen beiden lassen sich nur mit entsprechender Ausrüstung machen. Egal, mich interessiert heute vor allem der Westgipfel. Den Südgipfel nehme ich dann auf dem Rückweg mit. Verglichen mit anderen Hochtouren, die ich in diesem Sommer gemacht habe, war das sogar relativ simpel.
Okay, ein bisschen Kraxel- und Kletterei war dabei, aber da man das Ganze bereits auf ca. 3200 Höhenmeter startet eigentlich recht komfortabel.
Ein letztes Mal geht es noch zurück nach Jerewan. 2 1/2 Wochen waren wir jetzt hier und ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass wir uns zu viel Zeit in Armenien gelassen hätten. Klar, viele verbinden Armenien mit Georgien und andersrum, aber zum einen war ich bereits in Georgien und zum anderen wäre das einfach zu knapp gewesen.
Bevor es aber endgültig zurückgeht, noch schnell ein lokales Konzert mitnehmen! Natürlich in der Muha Bar. Der Nr. 1-Anlaufstelle für kleine DIY-Konzerte im Punk/Metal/Alternative-Bereich hier in Jerewan. Dort spielen heute RED LINE aus Kapan (da waren wir vor zwei Wochen; ihr erinnert euch vielleicht) und RADIOLA RIDERS. Ich habe keine Ahnung, wo letztere herkommen. Ich vermute, dass das zugezogene Locals sind, aber vielleicht kommen sie auch aus dem Universum.
Musikalisch geht es heute so in die Stoner und Garage-Richtung. RED LINE hatten in der Vergangenheit ziemlich viele Wechsel an den Drums, weshalb die aktueller Schlagzeugerin noch sehr neu dabei zu sein scheint. Sie macht ihren Job aber sehr souverän. Die Grundrhythmen werden sehr zielsicher angesteuert.
Trotzdem liegt meine Aufmerksamkeit heute abend eher bei der Saitenfraktion und das liegt nicht nur an den Schuhen des Bassisten. Sowohl was da auf den Klampfen zum Besten gegeben wird, als auch der Wechselgesang überzeugen mich komplett und obwohl ich absolut gar nichts verstehe, gefallen mir die in Armenisch vorgetragenen Songs tatsächlich am besten. Reinhören kann man z.B. hier. Wie bei Stoner üblich, geben die Aufnahmen aber meiner Meinung nach nicht wieder, wie genial diese Band live ist.
Kurze Pause. Wir gehen mal raus und schnappen etwas frische Luft. Nach einer schier endlosen Trockenheit hier in Jerewan kommt jetzt endlich der Regen. Dementsprechend ist die Nacht angenehm frisch.
Als wir reinkommen, spielen die RADIOLA RIDERS bereits. Wie unterschiedlich Stoner Rock doch sein kann! Während Red Line gerade sehr innovativ unterwegs waren und in ihre Musik sehr viele Elemente armenischer Folk-Musik gemischt haben, gehen die Radiola Riders einen eher klassischen Weg. Außerdem wechselt hier auch die Sprache, in der Ansagen gemacht werden, ins Russische.
Der Sänger spielt wohl eigentlich auch Gitarre, trägt aber heute einen fetten Gips. Da ich jedoch kein russisch kann, kann ich seinen Ausführungen dazu nicht ganz folgen. Die Band hat ganz gut Power und wirkt sehr routiniert, dennoch glaube ich, dass das Ganze nochmal eine Nummer mehr knallt, wenn die Frontperson ihre Gitarre hat bzw. die Finger vernünftig bewegen kann.
Ansonsten ist die Band aber sehr gut eingespielt und vor allem die Drums sind stark getimet. Auch wenn der Gitarrist keine Schuhe trägt, sind die Radiola Riders für mich ein sehr gelungener Abschluss zu einer insgesamt sehr gelungenen Reise durch Armenien. Jetzt geht es noch auf eine sehr lange Heimreise mit einem Zwischenstopp in Athen und dann einer Flixbusfahrt von Frankfurt, bis dann endlich todeserschöpft ins Bett gefallen wird.























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