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Motorpsycho, 11.09.2026 in Dortmund, Junkyard - Bericht von Björn

Motorpsycho, 11.09.2026 in Dortmund

Aus heiterem Himmel fragt mich ein Freund vor zwei Wochen, ob ich mit zu MOTORPSYCHO kommen will. Mit dabei ist eine größere Runde an mir bekannten und unbekannten Menschen, die alle eingefleischte Fans sind. Aus derselben Runde wurde mir vor ca. 12 Jahren schonmal ein Ticket angedreht, damals für's Bürgerhaus Stollwerk in Köln. Damals kannte ich die Band kaum, hab mich aber ein wenig auf den Geschmack der Gruppe verlassen. Was ich an dem Abend erlebte war relativ traumatisierend - der Keyboarder war als Zauberer verkleidet und machte theatralische Moves ala Ronnie James Dio, die Musik war irgendwie auch eher Fantasymetal, ich habe ernsthaft an der geistigen Gesundheit meiner Freunde gezweifelt - oder zumindest daran, was sie mir zumuten. Mir wurde und wird allerdings immer wieder versichert, dass dies irgendwie im Zusammenhang mit einem einzelnen Konzeptalbum aus dem riesigen Katalog der Band ist, und das einfach eine sehr unglückliche Kombination aus meiner Entscheidung, mich mal auf die Band einzulassen, und der Entscheidung ebendieser, ausgerechnet dieses eine Album zu präsentieren. Wie dem auch sei - das ist lange her, ich habe inzwischen hier und da immer mal wieder irgendwelche Songs der Band (und der diversen Nebenprojekte) gehört und die sind tatsächlich nicht so Kacke wie das eine Konzert es mich hat vermuten lassen. Ein eingefleischter Fan werde ich wohl nicht mehr, aber es reicht dass ich spontan zusage und mich auf einen Abend mit ein paar alten Bekannten freue. Wir treffen uns also erst mal alle beim Syrer und laufen von da aus rüber zum Junkyard.
Schön dick eingepackt merken wir dort, dass das Konzert von draußen in die Halle verlegt wurde. Die Menge an Leuten lässt erahnen, dass das kuschelig werden wird. Zumindest senken wir den Altersdurchschnitt - obwohl auch in unserer Gruppe die Haare auch schon eher entweder grau oder schwindend sind. Zumindest fallen wir damit nicht auf. Schnell für zwei Euro fünfzig (Das sind 5 Mark! ;)) Jacke und Pulli loswerden, und dann irgendwie in eine Wand aus Menschen eindringen - die Band hat schon angefangen und die Halle ist schon fast bis zur Tür voll, obwohl noch sehr viele Leute draußen stehen.
Wir finden raus, dass es vorm Mischer noch ausreichend Platz gibt, yeah! Der Sound ist anfangs allerdings noch eher ausbaufähig, aber dafür angenehm leise für den ganzen Kram, den die Band scheinbar auf Tour mit sich rumschleppt. Allein der Bassist hat drei Amps und zwei riesige Boxen mitgebracht. Diesmal gibt es auch keine Zauberer auf der Bühne, die Musik ist irgendwo zwischen Prog und Stoner, da kann ich auch deutlich mehr mit anfangen.
Ob die Band mehrere Songs direkt hintereinander spielt oder das erste Lied einfach 25 Minuten geht, kann ich nicht unterscheiden. Ein bisschen unterstreicht das vielleicht auch, warum ich mit denen trotzdem nie ganz warm geworden bin, teilweise ist das schon etwas beliebig. Nach kurzer Pause geht es dann aber direkt auch weiter. Der Sound wird langsam besser, das macht es auf jeden Fall interessanter.
Bei manchen Stellen klatscht das Publikum den Takt mit. Für mich hat das immer so ein bisschen Fernsehgarten-Vibes, insgesamt halte ich es eh für besser, wenn man das Geräusche machen der Band überlässt, zumindest während sie grad spielen. Die Band ist jedenfalls zu viert, wobei der Keyboarder ab und zu auch mal Gitarre spielt. Der Bassist singt ab und zu mal, so auch der Gitarrist, wobei beides nicht unbedingt zu den Stärken der Band zu gehören scheint. Zum Glück passiert das halt auch nicht so oft...
Gegen Mitte des Sets geht dann ordentlich die Post ab, es gibt viele krumme Takte, ordentlich Riffs und Gitarrensoli, der Sound ist inzwischen auch top - richtig geil. Nach dem Highlight kann die Band die Spannung auch ziemlich lange hochhalten. Der Drummer ist auf jeden Fall ein Tier, der leistet hier richtig Arbeit und sieht dabei trotzdem nicht angestrengt aus - Respekt! Gegen Ende kommen dann irgendwann noch zwei Songs, die irgendwie beide deutlich nach "Echoes" von Pink Floyd klingen. Leider krieg ich sowas dann immer ewig nicht richtig aus dem Kopf und ich kann an sonst nix denken, gibt aber sicherlich auch schlimmeres.
Schlussendlich spielt die Band fast drei Stunden, und das so gut wie ohne Pausen. Vieles hatte dabei eher Jam-Charakter, es gab aber auch ein paar "Hits", zumindest kamen mir ein paar Lieder ziemlich bekannt vor, und auch das restliche Publikum schien da mehr mitzugehen. Über den Abend sind wir dazu noch ein kleines Vermögen für Bier losgeworden, das lässt sich in dem Laden ja leider irgendwie nie so richtig vermeiden. Bei mir hat sich die Band aber auf jeden Fall vollständig von meiner ersten Erfahrung rehabilitiert, vor allem der abgefahrene Teil in der Mitte und was der Dude an der  Gitarre teilweise so abliefert war ziemlich beeindruckend. Wir machen im Anschluss jedenfalls noch einen kleinen Abstecher in die Getränkeabteilung vom Kaufland, der Syrer wird auch noch ein zweites Mal besucht, und am Ende landet ein kleinerer Teil unserer Runde noch in der Knobelmaus, wo wir den Abend dann ausklingen lassen.


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