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Donnerstag, 24.03.2016: Interview mit Mr. Irish Bastard


Mr. Irish Bastard (das Mr. steht nicht für Münster!) begeistern nun schon seit einiger Zeit auf sämtlichen Bühnen sämtliche Fans von irisch geprägtem Folkpunk, auf der aktuellen Tour hatte Herr Irish Bastard himself sogar zwischen zwei Pints noch Zeit, uns ein paar Fragen zu beantworten...

Zwen: Ich wollte jetzt eigentlich fragen, wie die Tour läuft, aber so richtig seid ihr ja noch gar nicht auf Tour.
MIB: Wir sind im April mit Saltatio Mortis auf Tour. Da spielen wir 12 oder 13 Konzerte. Landauf landab. Die ersten Läden sind auch schon ausverkauft. Karlsruhe ist ausverkauft und irgendwas wird umverlegt.

Zwen: Also, doch auf Tour. Habt ihr denn bis hierhin irgendwelche Verluste gemacht?
MIB: Nö, alles gut.

Zwen: Also, immer noch fit? Gestern habt ihr euch ja auch geschont, wie ich gehört habe.
MIB: Genau, ne, alles gut. Fit und munter.
Morgen spielen wir in München, Backstage, mittlere Halle. Da sind wir einmal im Jahr.

Zwen: Ihr stoßt ja mit eurer Musik schon eher in eine Lücke. Also, ich kenne zumindest in unserem Raum, also NRW, eher wenige Bands, die Punk machen und das mit Irish Folk verbinden. Ich meine in Amerika gibt es das ja schon mehr und es scheint ja auch angenommen zu werden. Würdet ihr euch mehr Bands wünschen, die solche Musik machen, damit ihr nicht so alleine seid?
MIB: Es gibt ja schon viele andere Bands, die in dem Genre unterwegs sind. Wir sind vielleicht etwas gitarrenlastiger und in dem Fahrwasser der großen amerikanischen Bands unterwegs. Außerdem gibt es ja schon ein paar Bands, die auch die Musik machen. Fiddlers Green zum Beispiel. Aber du hast Recht, es ist ein relativ dünn besetztes Genre.

Zwen: Liegt das vielleicht auch daran, dass diese Musik zu machen erstmal von der ganzen Organisation her sehr schwierig ist. Ich meine bei einer Punkband ist das ja noch relativ einfach. Du brauchst Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, haste alles zusammen. Bei euch stelle ich mir das schwierig vor erstmal die Leute zusammen zu kriegen.
MIB: Absolut, ich meine, komischerweise kannten wir uns ja aus der Vergangenheit. Bevor wir mit Mr. Irish Bastard angefangen haben, spielten wir ja alle in einer Band, die soundtechnisch gar nicht so weit entfernt war von dem was wir jetzt machen. Dann haben wir uns aber alle in verschiedene Windrichtungen verteilt und dann habe ich 2005 Pogues in Dublin gesehen. Dann hatte ich Lust wieder was zu machen und habe die Leute mit denen ich vorher zu tun hatte angerufen und gefragt "Sag' mal haste Bock was zu machen?". Weil, wie du auch sagst, ist natürlich ungewöhnlich, dass man Banjo oder Tin Whistle am Start hat, weil das sind wirklich seltene Instrumente. Von daher einen guten Tipp an jeden, der in einer Band spielen möchte: Lernt verrückte Instrumente, dann kommt ihr immer rein.

Zwen: Ja klar, es gibt ja auch 3000 Gitarristen, aber Banjo spielt wohl echt nicht jeder.
Wie ist das denn bei euch? Ihr habt ja keinen Dudelsack. Liegt das daran, dass in eurem Bekanntenkreis das keiner spielt oder habt ihr euch gesagt, das machen alle und deswegen wollen wir das nicht.
MIB: Ich glaube wir mögen einfach keinen Dudelsack.
Das könnte auch sehr viel damit zu tun haben.

Zwen: Ist auch ein Argument. Ihr feiert ja demnächst schon euer 10-jähriges in Münster. Würdet ihr Münster auch als eure Homebase bezeichnen?
MIB: Ich weiß gar nicht, ob ich das so sagen würde. Früher haben wir ja sehr selten in Münster gespielt, da waren wir in China, in Japan, in England, in der Ukraine, in der Schweiz und in Österreich. Deswegen haben wir Münster nie so als Homebase empfunden. Aber jetzt kommen wir natürlich gerne wieder nach Hause und deswegen ist das schon ein gutes Gefühl.

Zwen: Homebase und Touren ist ein gutes Stichwort. Ihr wart also schon in Asien unterwegs. Wie ist das mit Amerika. Kommt ihr da gut an, oder gibt es da einfach schon zu viele Bands wie Dropkick Murphys oder Flogging Molly? Werdet ihr da überhaupt wahrgenommen?
MIB: Durch Facebook sind wir schon in Brasilien und den USA präsent. Außerdem haben wir Zeit und machen es für den halben Eintrittspreis wie Flogging Molly und Dropkick Murphys. Wir sind die günstige Variante. Muss uns nur jemand hinkarren.

Zwen: Ich hoffe nicht, dass das jetzt das einzige Argument ist und sich die Leute sagen: "Gut, Dropkick Murphys wären schon geiler gewesen, aber halt auch teurer". Im Ox war es glaube ich, dass du gesagt hast, dass es für euch wahrscheinlich schwierig wäre in Irland zu spielen.
MIB: Ist halt eine andere Musikszene. In Japan gibt es zum Beispiel eine lebendige Irish Folk-Szene. Das gibt es da jetzt in der Form nicht. Ich sag immer, wenn wir aus Münster wären und Allgäuer Blasmusik machen würden, wäre das Allgäu nicht unser erstes Ziel.

Zwen: Ist vielleicht auch eine Frage der Authentizität, wenn ihr jetzt als Münsteraner den Iren erzählen wollt, wie man Irish Folk macht.
MIB: Ich bin ja insofern vorbelastet, als dass meine Familie aus Irland kommt. Es liegt halt auch viel daran, ob man richtig englisch spricht. Dann klingt es auch - im Gegensatz zu anderen Bands, ohne jetzt zu negativ zu sein - anders und dann hat man auch ganz andere Möglichkeiten in anderen Ländern anzukommen.

Zwen: Und grundsätzlich Irland? Wärt ihr da abgeneigt?
MIB: Nee, Belfast wäre schön, Dublin wäre schön. Auf jeden Fall. Ich würde aber lieber New York und Boston spielen.

Zwen: Was war denn zuerst da? Dein Name oder der Name der Band?
MIB: Das Huhn oder das Ei?
(Zuruf aus einer dunklen Ecke: Eier!!)
Ich glaube es war wichtig für die Band eine logische Klammer zu finden, wo man weiß, dass wir eine Punk- und keine Pop-Band sind. Dadurch, dass wir die Höflichkeitsform "Mister" und dann noch das andere, das "Irish Bastard", drin haben, hat das schön zwei Polaritäten. Deswegen fand ich den Namen sehr griffig. Hat was.

Zwen: Also, können wir uns für die Frage darauf einigen, dass beides ungefähr zeitgleich kam?
MIB: Ich glaube, während die Idee gärte, kam der Name. Das war schon ein organischer Prozess. Ich glaube der Name definiert viel wer du bist und was du machst. Wenn du einen scheiß Namen hast, dann definiert dich das halt anders und durch einen guten Namen hat man mehr Möglichkeiten.

Zwen: Würdet ihr lieber vor 100 besoffenen Punks spielen, die total abreißen, aber am nächsten Tag nichts mehr wissen, oder vor einem kleinen Kreis Musikkritikern, die anerkennend mit dem Kopf nicken?
MIB: Das ist eine Fangfrage, weil die Musikkritiker berichten natürlich alle in ihren Medien. Das ist ja schon mal gut. Bei den 100 besoffenen Punks...hmm...es gibt ja den Solo-Pogo. Der Solo-Pogo ist für jedes Konzert der absolute Tod. Da haste drei Leute vor der Bühne, die besoffen Pogo machen und den Rest zurückdrängen. Das ist der schlechteste Fall. Bei 100 besoffenen Punks, die das Gegenteil machen - also Gruppenpogo - wäre das natürlich ganz geil und wenn die dann noch alle schreiben würden, wäre das natürlich das Optimum.

Zwen: Am besten 100 besoffene Punks, die alle für Bierschinken schreiben.
MIB: Das wäre natürlich das Maximum.

Zwen: Ich glaube wir haben nicht 100 Leute, die für uns aktiv schreiben....
Wie überlebt man eigentlich so eine Show vor 100 besoffenen Punks, wenn man im Anzug spielt?
MIB: Das ist unser Banjospieler. Ich trage immer schwarzes Hemd und schwarze Hose. Der spielt im Anzug.

Zwen: Ich habe mich gefragt: Wie schafft man das? Ist doch bestimmt super anstrengend, außerdem sind Anzüge ja nun nicht so super atmungsaktiv.
MIB: Ich glaube es verlangt einfach von den Bandkollegen viel Toleranz und das lasse ich jetzt mal so stehen.

Zwen: Aber ihr macht das nicht so wie andere Bands, dass ihr auf Tour bei den Shows immer die gleichen Klamotten tragt?
MIB: Dazu kann ich unmöglich was sagen.

Zwen: Okay, ihr müsst ja auch nicht alles beantworten.
MIB: Mysteriös bleiben.

Zwen: Genau.
MIB: Wir sind mysteriös. Zumindest, was unsere Klamotten angeht.

Zwen: Ich habe ja gerade auch schon gehört, dass ihr euch gestern ein bisschen geschont habt. Trotzdem die Frage: Wie viel Guinness vernichtet ihr so auf einer Tour?
MIB: Wir haben so eine Evolution durchgemacht, wo wir verschiedene Getränke ausprobiert haben. In unserer Anfangszeit hatten wir zum Beispiel eine Eierlikörphase. Was daran lag, dass wir zu der Zeit sehr viel Helge Schneider gehört haben und es gibt da so eine Helge Schneider-Geschichte mit Eierlikör. Als dann unsere Magenwände durch waren, haben wir dann was anderes ausprobiert. Ein bunter Strauss an Gift.

Zwen: Also, seid ihr nicht so festgefahren auf Guinness? Ein bisschen gewinnt man ja den Eindruck, oder ist das so ein Irish Klischee?
MIB: Ja klar, wenn es Guinness gibt - heute Abend gibt es das ja - dann trinken wir das gerne nach der Show. Manche Veranstalter sind auch total lieb und stellen uns Guinness hin. Manchmal gibt es die billige Lokalplörre, was ganz gut ist, weil es lokal ist, wäre aber schöner, wenn es nicht die Billig-Plörre wäre.

Zwen: Heute gibt's Krombacher. Ist das okay?
MIB: Oberes Mittelfeld. Aber ist okay.

Zwen: Auch nicht so mein Bier, aber besser als kein Bier.
MIB: Das ist das Schlimmste.

Zwen: Hattet ihr das schon mal?
MIB: In den Anfängen haben wir schon mal in Läden gespielt, wo der Promoter etwas restriktiver war und wir dann auch ein wenig um Bier betteln mussten.

Zwen: So in Jugendzentren, wo es nur drei Biermarken pro Person gibt.
MIB: Die Biermarke ist natürlich total verhasst. Aber inzwischen ist das okay, die Veranstalter passen immer auf, dass wir gut gepegelt den Ort verlassen.

Zwen: Das ist dann wohl der Vorteil an dem Klischee. Da wissen die Leute schon, okay da kommen die Iren, da müssen wir ordentlich was kaltstellen.
MIB: Genau, unser Publikum ist ja auch ein bisschen trinkfreudiger. Dann haben sie auch die Bar gut bestückt. Dann kommen auch alle auf ihre Kosten. Klar, das klingt jetzt sehr nach Klischee, aber ein bisschen ist es wohl auch einfach so.

Zwen: Ist ja auch gut, wenn man das Klischee ein bisschen pflegt.
MIB: Jaaaa, wenn man manche Bands fragt, sagen die: "Wir passen in keine Schublade".
Wir haben halt eine Schublade und bewohnen die auch gerne.

Zwen: Ist halt auch immer die Frage, wenn solche Bands das sagen, ob das dann auch wirklich stimmt.
MIB: Ja, das ist das andere. Dann hörst du die und denkst dir, och, ich hätte da schon eine Schublade.

Zwen: In einem älteren Artikel habe ich gelesen, dass ihr euch mehr oder weniger selbst verwaltet. Jetzt seid ihr bei Uncle M, also schon 'nem ziemlich fetten Label...
MIB: Ne, wir pflegen zu Uncle M freundschaftliche Beziehungen und um unser Booking kümmert sich auch eine Agentur, aber was Platten und Produktion angeht, betreiben wir mit Reedoo immer noch unser eigenes Label. Wir sind also immer noch ein selbst verwaltetes Jugendzentrum.

Zwen: Also immer noch D.I.Y. und Punkrock-Spirit?
MIB: Absolut. Du kannst ja auch viel alleine machen. Das Internet stellt dir halt viele Möglichkeiten. Es stellt dich auch vor einige Probleme. Wie du den ganzen Kram bezahlen willst zum Beispiel, aber es gibt dir eine Plattform. Das heißt du bist unabhängig. Ich finde, wenn du Musik machst, ist das das wichtigste, dass du unabhängig bleibst. Wir haben halt völlige künstlerische Freiheit.

Zwen: Ihr wollt das dann wohl auch nicht abgeben, dass ihr sagt, wäre zwar weniger Arbeit, aber...
MIB: Also, wenn da draußen jetzt jemand ist, der Bierschinken liest und ein unwiderstehliches Angebot hat, werden wir das gerne nehmen.

Zwen: Ich bin ja etwas pessimistisch, dass die großen Label-Bosse unser kleines Fanzine lesen, aber wer weiß....
Jetzt haben wir noch gar nicht gar nicht über das neue Album geredet. Das ist für mich immer ein bisschen schwierig, dazu Fragen zu formulieren, deswegen würde ich einfach mal sagen, dass du drei, vier Sätze dazu sagst.
MIB: Für uns war das letzte Album, dass im Mai letzten Jahres erschienen ist, ein wichtiger Evolutionsschritt, da wir unsere Arbeitsweise geändert haben. Wir sind in ein anderes Studio gegangen und haben uns einen Produzenten dazu geholt. Das ist auch ganz wichtig, dass jemand anderes noch seine Meinung zu der Musik abgibt. In einer Band ist das ja meist so, dass der eine sagt, die Welt ist eine Kugel und der nächste sagt, die Welt ist flach und dann einigt man sich darauf, dass die Welt ein Tetraeder ist. Die Welt ist aber kein Tetraeder. Deswegen war es für uns wichtig, dass noch jemand dabei ist, der dann auch mal sagt, dass diese oder jene Idee Kappes ist. Deswegen war das für uns auch eine wichtige Entwicklung.

Zwen: Abschließende Worte?
MIB: Trinkt euer lokales Bier.

Zwen: Was ist denn das lokale Bier hier in Essen? Ich komm ja aus Dortmund.
MIB: Das weiß ich auch nicht.

Zwen: Ja, im Ruhrgebiet ist das ja auch sehr traurig. Die ganzen Brauereien, die es hier noch zu Kohlezeiten gab, wurden ja alle mehr oder weniger von Großkonzernen übernommen. In Dortmund gehört ja jetzt alles zu DAB und die gehören wiederum zu Radeberger-Gruppe. Eigentlich gibt es nur noch Bergmann Bier. Das ist so eine ganz kleine Hausbrauerei.
MIB: Aber es gibt ja im Süddeutschen viele Mini-Brauerein. Ich weiß nicht wie's im Ruhrgebiet aussieht.

Zwen: Relativ schlecht.
MIB: Also, in Süddeutschland trinken wir immer das lokale Bier. Manchmal ist das etwas gewöhnungsbedürftig. Schwere Plörre. Ist aber schön die lokale Braukunst zu unterstützen, muss ja nicht immer das ganz Große sein.

Zwen: Ja, dann bedanke ich mich mal für das Interview.
MIB: Ich hab' zu danken.


Zwen 03/2016
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