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Sonntag, 01.09.2019: CJ Ramone im Interview!


CJ Ramone stieg 1989 bei den Ramones als Bassspieler ein und ersetzte DeeDee, welcher die Band freiwillig, aufgrund der Strapazen und Anspannungen in der Band, verließ. Mit DeeDee verband ihn eine enge Freundschaft bis zu dessen Tode. CJ haucht mit seiner jugendlichen Energie der Band neues Leben ein und sorgte dafür, dass die Band noch bis 1996 weiter spielte und lieferte dadurch einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die Ramones heute unvergessen sind und posthum als einer der größten Punkbands aller Zeiten verehrt werden. Nach dem Ende der Ramones tat er sich mit dem Erbe, Streitereien und der Punkrockszene zunächst schwer. 2002 erschien sein erstes Soloalbum als CJ Ramone und erfreut sich dank harter Arbeit wieder neuerwachter Popularität und Beliebtheit. Schlossi und Schuldenberg hatten die freudige Ehre, CJ Ramone im Rahmen seiner 2019er Tour zu seinem aktuellen Album „The Holy Spell“ vor seinem Konzert im Helios 37 am 26.07.19 zu interviewen.


BS: In Deutschland sagen wir, dass ein gutes Leben Brüche benötigt. Ich glaube in Amerika sagt man, dass ein erfülltes Leben Höhen und Tiefen braucht: Wie geht es dir jetzt?
CJ: Ähm… Ich fühle mich jetzt, als würde ich nichts an meinem Leben ändern wollen. Ich denke, ich habe auf meinem Weg Fehler begangen, wie jeder andere auch. Sogar jetzt mache ich noch dumme Dinge. Ich denke, dass ich wirklich versucht habe, mein Bestes zu geben, den größten Teil meines Lebens. Nicht jeder kann Erfolg haben, mit allem was er macht. Dinge funktionieren nicht immer so, wie man es möchte. Aber ich glaube, dass ich immer hart genug gearbeitet habe. Für mich ist das immer das Wichtigste gewesen. Ich bin immer auf meinen Füßen geblieben und nie auf meinen Knien. Ich bin glücklich.

BS: Zu deiner Musik, das aktuelle Album „The holy spell“ und die anderen davor klingen sehr ähnlich wie die Ramones, für mich insbesondere vom Sound her nach der Acid Eaters. Ist das für dich ein Kompromiss, weil du denkst, die Leute wollen dies von dir, den Ramones-Style hören, oder würdest du sagen, dass das die Art von Musik ist, die du bevorzugst?
CJ: Wenn ich Songs schreibe, versuche ich nicht wie irgendwas/irgendwer zu klingen. Ich versuche so ehrlich zu sein, wie es geht. Meine Musik ist beeinflusst von den Ramones, aber ich denke nicht, dass alle Songs wie die Ramones klingen. Man kann in einigen auch Country-Einflüssen hören und in einigen den Metal-Einfluss. Ich denke, dass alle meine Einflüsse ein Teil meiner Alben sind. Ich versuche nicht wie die Ramones zu schreiben, ich schreib einfach von meinem Herzen. Ich meine, besonders auf dem neuen Album, der Song „Hands of mine“ unterscheidet sich sehr von den anderen Songs. Als ich ihn schrieb, fühlte ich, dass er nicht zu den restlichen Songs passt, aber er ist eben ein guter Song, daher habe ich ihn draufgelassen.

BS: Von was handelt der Song?
CJ: Ich war im Studio mit Aufnehmen beschäftigt und da waren auch die Kinder des Aufnahmeleiters, 4 und 6 Jahre alt, und ich konnte sie beim Malen und Spielen mit ihren Spielsachen beobachten. Ihre Hände waren so unschuldig und sie gaben mir die Idee, über mein Leben durch meine Hände zu sprechen. Es war sehr spontan. Ich habe nur kurz nachgedacht. Als ich den Text schrieb, ging das sehr flüssig und ich musste gar nicht viel nachdenken, ich schrieb einfach über die verschiedenen Erfahrungen meines Lebens durch meine Hände.

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BS: Stell uns doch bitte deine Band vor. Wie hast du sie gefunden? Wie kamt ihr für diese Tour zusammen?
CJ: Ich habe eine Art durchwechselnde Begleitband über die Jahre. Es haben mich schon Johnny Two Bags und David Hidalgo Jr. von Social Distortion begleitet, auch Steve Soto und Dan Root von Adolescents haben mich schon für viele Jahre begleitet. Wir haben Steve Soto im letzten Jahr verloren.
Dieses Jahr ist Pete Sosa von den Street Dogs am Schlagzeug. Steve Soto hatte ihn mir vorgestellt. Steve war mein Partner in allem, was ich als CJ Ramone tat. Er war immer der Typ, der mir dabei half, Musiker zu finden, er half mir im Studio, seine Harmonien und sein Gitarrenspiel haben einen sehr großen Einfluss auf meine Musik.
?Nathan Sander war eigentlich der beste Freund des Sohnes meines Managers. Er startete mit mir zu spielen, als er 18 war, also direkt nach der Highschool. Er ist wirklich ein technisch guter Musiker, guter Typ und harter Arbeiter. Er macht alles bei der Tour vom Beladen des Vans und der Organisation, er ist so etwas wie der Best Boy, der von allem etwas macht.
Leonard Lashley von den Street Dogs traf ich vor Jahren. Ich wollte immer mal mit ihm zusammen spielen. Er wuchs sehr working-class auf. Wir teilen wirklich viele gemeinsame musikalische Einflüsse miteinander.
Das sind die Jungs, die ich dieses Jahr um mich herum habe.

BS: Wie hast du Steve Soto getroffen?
CJ: Steve und ich haben uns vor langer Zeit getroffen. Ein Freund von mir, Joe Sib, Besitzer von SideOneDummy-Records in California, und ich trafen uns schon, als ich noch bei den Ramones war. 1998 tourte dessen Band, 22 Jacks, und Steve war der Bassist. Wir tourten zusammen in Australien. Als Steve und ich uns trafen, wurden wir sehr schnell Freunde. Steve liebte und kümmerte sich wirklich um die Musiker mit denen er spielte und die Musik im Allgemeinen. Wir teilten diese Gemeinsamkeit. Als ich mein erstes Soloalbum 2012 „Reconquista“ aufnahm, nahm ich die Platte zweimal auf und es gefiel mir nicht. Also rief ich Steve an: „Ich brauche Hilfe. Ich habe hier eine Handvoll guter Songs, aber ich habe Probleme, sie aufzunehmen.“ Steve hat das Ganze übernommen. Und machte alles andere. Er holte Jay Bentley von Bad Religion, Frank Agnew von Adolescents, Dennis Casey von Flogging Molly u.a. Die Leute, die da auf der Platte zusammen kamen, das war wirklich unglaublich. Steve war dabei sehr wichtig, da ich gerade erst wieder zur Musik zurück kam, er hat das alles organisiert.

BS: Du hast diesen Sommer einige Shows mit „Me first and the Gimme Gimmes“ gespielt. Wie kam es dazu und wie oft habt ihr im Vorfeld geprobt?
CJ: Wir haben nicht viel geprobt, eine Probe um genau zu sein. Wir haben in einem kleinen Venue in der Nähe des ersten Auftritts geprobt.
Ich bin letzten Juli nach Nord-Kalifornien gezogen, in der Ecke leben auch die Leute von Me First. Sie nahmen über meine Bookingagentur Kontakt zu mir auf, um herauszufinden, ob ich daran interessiert wäre, mit ihnen zu spielen. Ich war anfangs skeptisch, weil mein Bassstil anders ist als auf ihren Platten. Aber ich dachte, es wäre eine gute Herausforderung für mich. Also sagte ich zu. Im letzten Jahr spielten wir eine Show in Montreal zusammen und es lief toll.
Dieses Jahr haben Bad Religion eine neue Platte aufgenommen, so dass Jay Bentley nicht an der Europa-Tour teilnehmen konnte, also riefen sie mich an und fragten, ob ich an Bord sei. Ich sagte zu, weil es passen würde mit meiner eigenen Tour im Anschluss. Wir hatten eine Probe, und insgesamt hat es viel Spaß gemacht.
Ich singe nur aufgrund des Songwritings und weil es schwer ist, Sänger zu finden. Aber es ist super, einfach nur Bass zu spielen und wirklich in der Lage zu sein, die Musik zu fühlen und in sie einzutauchen und Spaß auf der Bühne zu haben.

BS: Eine Frage, die in eine ähnliche Kerbe haut. Deine letzten Platten erschienen auf Fat Wreck. Wie kam der Kontakt zustande?
CJ: Steve Soto! (Pause) Steve Soto war mein Partner. Er half mir auf alle erdenkliche Art in so vielen Dingen. Ohne Steve wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

BS: Du bist nun schon so lange Musiker, kannst du bitte der jüngeren Generation erzählen, was der Unterschied ist zwischen Musiker sein in den 90ern und jetzt?
CJ: In den 90er war es noch eine ganz andere Szene, die Musikindustrie war noch ganz anders organisiert. Eine Szene startete in einer Stadt. Einige Bands standen an der Spitze. Die Plattenfirmen wurden aufmerksam und nahmen einige unter Vertrag. Du konntest von einem Independent-Label zu einem Majorlabel wechseln. Majorlabel konnten dir ein riesiges Budget geben, dich mit Geld überhäufen, um auf Tour zugehen, Tourbus und alles. Es war ein ganz anderer Weg, um eine große Band zu werden. Nun ist das ganz anders. Nun muss man viel kreativer sein. Man hat zwar mehr Werkzeuge, die man selbst benutzen kann, um Dinge selbst zu machen, aber jetzt liegt es wirklich an einem selbst herauszufinden, wie man seine Band dorthin bekommt, dass man davon leben kann.
Auf der einen Seite ist Einiges schwieriger heutzutage, in anderen Punkten wiederum leichter.

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BS: Wir haben gehört, dass dies deine letzte Tour sein würde. Aber dann haben wir im Internet das Zitat gefunden, und da wendest du dich explizit nur an Amerikaner und Kanadier…was ist los?
CJ: Nein, ich kann nicht mehr in einem Van touren. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Dieses Jahr ist mein dreißigstes Jahr auf Tour. Und ich habe immer in Vans getourt. Es ist hart für den Körper. Ich werde immer noch Konzerte spielen, wenn ich eingeladen werde. Aber ich werde nicht mehr für längere Zeit in einen Van steigen. Tourbus - kein Problem. Festivals - kein Problem. Van-Tours: No! Es wird Städte geben, in die ich wohl nicht mehr wieder kommen werde. Ich sagte den Leuten von Me first and the gimme gimmes, dass sie mich jederzeit anrufen dürfen. Meine Booking-Agentur weiß Bescheid, Festivals oder einzelne Konzerte sind ok.

BS: Bereitest du dich speziell auf das Touren vor? Z.B. gesunde Ernährung, Sport…?
CJ: Ich versuche generell, gesund zu bleiben. Zuhause gehe ich mehrmals die Woche laufen, ins Fitness-Studio und aufs Fahrrad. Auf Tour kann ich nichts davon machen. Es ist so hart, wieder dahin zu kommen, wie es vor der Tour war. Auf Tour rauche und trinke ich. An diesem Punkt bin ich zu alt. Manche Leute sagen, schau, wie lange Lemmy tourte, oder z.B. die Rolling Stones. Für sie ist das Tourleben bequemer als zuhause, für mich ist es das genaue Gegenteil. Wenn ich auf Tour gehe, kann ich meine Familie nicht mitnehmen. Ich verließ mein Zuhause am 24. Mai und ich werde nicht vorm 26. August zuhause sein. Es ist eine lange Zeit, um von meiner Familie getrennt zu sein. Ich denke, dass ich in all den Jahren des Tourens viel von mir dem Tourleben und den Fans gegeben habe. Ich möchte Tätowieren lernen und einen Motorradtrip quer durch die USA machen. Ich habe viele Dinge in meinem Tagebuch stehen, die ich machen möchte. Mit 53 fühlt es sich gut an, etwas ganz anderes zu machen, jenseits von dem, was ich jetzt mache.

BS: Also ist bei dir keine Post-Tour-Depression zu erwarten?
CJ: Nein, überhaupt nicht. Ich habe schon so viel für das neue Album geschrieben. Und werde weiterhin Platten aufnehmen und herausbringen. Was das Touren betrifft, muss ich es allerdings etwas ruhiger angehen lassen.

BS: Wenn es für dich OK ist, würden wir dir gerne vier Fragen zu den Ramones aus unserer Fanperspektive/Neugier heraus stellen. Wenn das ein Problem für dich sein sollte, dann brauchst du nicht zu antworten.
CJ: Nein, gar kein Problem.

BS: Wir und viele andere unserer Freunde mögen den Ramones-Song Poison Heart. Es ist ein sehr guter Song und der einzige Ramones-Song, den man in Kneipen hört. Aber Bands wie Marky Ramone oder die Ramonas, keiner dieser Band spielt ihn - planst du diesen Song heute zu spielen?
CJ: Ich liebe diesen Song. Und für mich ist es einer der poetischsten Texte die DeeDee jemals schrieb. Und ich denke, dass er den Text an einem Punkt in seinem Leben schrieb, da wusste oder ahnte er wahrscheinlich schon, dass er nicht mehr lange unter uns sein würde. Ich habe noch darüber nachgedacht, ihn live zu spielen. Aber es ist ein sehr trauriger Song. DeeDee beschreibt darin seine Einsamkeit in der Welt. Ich liebe den Song. Wenn ich live spiele, ist es mein Ziel, dass die Leute strahlen und tanzen. Aber wir spielen z. B. Outsider. Outsider ist ein großer Fanfavorite und mein Lieblings-Ramones-Song und damit rechnen nur wenige. Wir spielten schon immer „Baby I love you“ und jetzt hat auch Marky angefangen, ihn live zu spielen, weil auch er verstanden hat, dass es ein toller Song ist. Die Leute sollen Spaß haben und relaxen.

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BS: Für uns als Fans ist auch interessant zu erfahren, wie deine Beziehung zu anderen Leuten aus der Ramones-Vergangenheit ist. Z. B. hatten wir vor ein paar Jahren George Dubose (Coverfotograf der Ramones u.a.) in Dortmund für eine Fotoausstellung zu Besuch. Hast du noch Kontakt zu ihm?
CJ: Ich spreche mit George jedes Mal, wenn ich hier bin. Für gewöhnlich kontaktiert er mich und kommt zur Show. George hat eine gute Geschichte mit den Ramones, er ist ein unglaublich talentierter Fotograf und er ist nicht nur für seine Ramones-Bilder bekannt, sondern für seine Fotografie im Allgemeinen. Ich rede immer noch mit Marty, ich rede mit Mitch Keller/Mr.Bubbles/Marks Drumtech, Rick Weinman, der Johnnys Guitartech war. Mein Manager ist Gene the Cop, der über Jahre Johnnys rechte Hand war.

BS: Und wie steht es um das Verhältnis zu Richy and Marky?
CJ: Richy und ich sprechen uns immer mal wieder von Zeit zu Zeit, mit Marky hatte ich lange keinen Kontakt. Ich versuchte Marky zwei-dreimal dazu zu bekommen, dass er ein paar Konzerte mit mir spielt, aber er lehnte immer ab. Ich sage nichts Negatives über ihn. Marky sagte öffentlich, dass ich und Richy keine richtigen Ramones seien, da wir nicht in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurden. So hat er eine Linie zwischen sich selbst und uns gezogen, was für mich okay ist, ich hab da kein Problem mit.

BS: Und die Leute haben ihre eigene Meinung und meine Meinung ist, ohne dich wäre das Pferd schon viel früher tot gewesen.
CJ: Das letzte Mal, dass ich die Ramones mit DeeDee sah, war ich enttäuscht, denn DeeDee wollte nicht mehr dabei sein. Er schrammelte einfach nur über alle vier Saiten, sie hatten seinen Bass am Mischpult ausgedreht, ihm war das egal, weil er keinen Bock mehr hatte. Ich sah das in einem Club in Brooklyn und sagte zu einem Freund, oh mann, das ist, als würde man einem Freund zusehen, der langsam stirbt. Sie hatten einfach keine Energie mehr, Johnny und DeeDee bewegten sich nicht mehr synchron. Aber das Wichtige, an das man sich erinnern muss ist, in den sieben Jahren, in denen ich mit den Ramones spielte, spielten sie mehr Shows als in den 15 Jahren davor und sie machten mehr Geld als in den 15 Jahren davor. Und ich sage nicht, dass das an mir lag, ich sage nur, ich war in den erfolgreichsten Jahren dabei und ich habe meinen Beitrag geleistet. Verstehst du, ich sag ja nicht, dass das nur an mir lag oder ohne mich wären die Ramones nicht erfolgreich gewesen, auf keinen Fall. Ich habe meinen Beitrag geleistet, das hat Johnny gesagt, das hat DeeDee gesagt, Tommy sagte es, Joey, Danny Fields, sie alle haben es mir gesagt. Ich habe nicht gefragt, sie haben mir gesagt, du hast einen guten Job gemacht. Weißt du, ich und Gene Frawley, der Johnnys rechte Hand war, waren zwei der letzten Menschen, die Johnny gesehen haben, bevor er starb. Und Johnnys letzte Worte an mich waren „CJ, danke vielmals, du hast einen guten Job gemacht.“ Und er hat niemals jemandem ein Kompliment gemacht, so ein Typ war er nicht. Aber das gab mir ein gutes Gefühl. Er hat es erkannt und es war ihm wichtig, dass ich es weiß, bevor er stirbt. Und deshalb kümmert es mich auch nicht, was alle anderen sagen.

BS: Und es macht definitiv mehr Spaß, sich deine Band anzuschauen als die von Marky, der zerstört gerade sein Vermächtnis.
CJ: Er zerstört sie mehr durch sein Gerede, als durch seine Band.

BS: Die haben auch einfach kein gutes Equipment, das ist nicht der Ramones-Sound.
CJ: Deshalb hab ich auch immer gehofft, dass Marky mich anruft und fragt, ob wir ein paar Shows zusammen spielen wollen. Denn wenn ich unterwegs bin, hab ich einen Soundmenschen dabei, die Leute, mit denen ich spiele sind alle bekannt für ihre eigenen Bands, sie waren schon viel auf Tour und sind wirklich gute Musiker. Und wir machen nicht viel Geld mit dem, was wir tun. Wenn meine Frau nicht so viel verdienen würde, wäre ich gar nicht in der Lage, das alles zu machen, weil ich mir dann keine vierköpfige Familie leisten könnte, verstehst du? Und das soll sich jetzt nicht so anhören, als wär ich so ein toller Typ, es ist die Wahrheit. Und ein Teil davon liegt daran, dass ich die Leute in meiner Band gut bezahle, ich habe einen Soundmenschen dabei, so dass ich jeden Abend gut klinge, meine Band klingt immer gut, wenn wir spielen. Und das ist kein Zufall, sondern liegt daran, dass wir proben, bevor es los geht, wir spielen die besten Songs, damit die Leute Spaß haben und wir spielen live ein wenig schneller als auf Platte, aber wir können immer noch die Harmonien singen und wir können immer noch diesen ganzen schicken Kram auf der Gitarre spielen, den man auch auf den Alben hört. Es bleibt dem original Ramones-Sound treu. Mark versucht immer noch so schnell zu spielen wie auf Loco live und ich hab schon Johnny immer gesagt, wir spielen zu schnell. „Joey kann nicht singen, weil wir zu schnell spielen, wenn wir unserer Set ein wenig verlangsamen, kann ich die Harmonien singen und Joey wäre in der Lage, noch für drei oder vier Jahre weiterzumachen. Jede Nacht schafft er es kaum durchs Set, weil er keine Zeit hat, zwischen zwei Zeilen kurz Luft zu holen, weil wir so schnell spielen.“ Aber Johnny sagte „die Fans mögen es, sie wollen slamdancen. Wir spielen schnell.“

BS: Noch eine letzte Frage: Man liest häufig, dass sich die Mitglieder der Ramones und auch andere Menschen im Umfeld über Johnny Ramone beschweren, im Buch von Monte sagte nicht einer etwas Positives über ihn. Ist das nicht etwas unfair? Musste er nicht der Chef der Band werden und dieses, von vielen als grausam bezeichnete, Verhalten an den Tag legen, um die Truppe zusammen zu halten oder hätten die anderen Mitglieder sich professioneller verhalten, hätte er dann die Chance gehabt, ein anderer Charakter auf Tour zu sein? Musste er nicht zum unnachgiebigen „Commander“ werden, um die Ramones auf Kurs zu halten?
CJ: Ich denke, wenn man irgendetwas geändert hätte, wären die Ramones nicht so bekannt geworden. Wenn irgendetwas anders gewesen wäre, hätte es nicht so gut funktioniert. Die Dreiecksbeziehung zwischen Johnny, Joey und Linda ist die klassische, dramatische Erzählung, die sich durch die Geschichte der Ramones zieht, aber die Spannung, die sie erzeugte, nährte die Band, sie war Teil der Energie und der Kraft, die die Band am Laufen hielt. Johnny wollte nicht derjenige sein, der als erstes ausstieg, ebenso Joey, und sie haben niemals miteinander geredet, aber sie blieben beieinander und wenn sie sich wirklich so sehr gehasst hätten, hätten sie jederzeit verschwinden können. Jederzeit hätte Joey sagen können „Du hast mir die Freundin ausgespannt, fick dich, ich bin raus!“, aber er wusste, die Ramones waren wichtig, und Johnny wusste es ebenfalls, die Ramones waren wichtig. Sie verstanden das. Also ließen sie all den Kram hinter sich und spielten weiter. Sie liebten und respektierten ihre Fans. Es gab nur selten eine Gelegenheit, dass jemand eine Autogramm-Anfrage ablehnte, oder eine Interview-Anfrage, sie waren wirklich sehr an ihren Fans interessiert und sie hielten die Band am Laufen, so lange es ihnen irgendwie möglich war.


Schuldenberg 09/2019
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Bunten

02.10.2019 14:44
Lange nicht hier gewesen, aber starkes Interview, Danke dafür.

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