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Dienstag, 24.03.2020: Im Interview: Akne Kid Joe

Akne Kid Joe (AKJ) sind in den letzten Monaten rasant durch die Decke gegangen - Anfang des Jahres veröffentlichte die Band als Ankündigung für ihr neues Album “die große Palmöllüge” ein Video zu dem Song “What AfD thinks we do…” und das hat stand heute 116.263 Views bei YouTube und gefühlt fast so viele negative Kommentare von rechten Spinner*innen und Nazis. Aber nicht nur der Erfolg des Videos, sondern auch dauernd unterwegs sein im Wohnmobil letztes Jahr hat sicher einiges zu dem Boost in neue Atmosphären beigetragen - und damit soll auf keinen Fall ihr Debut-Album “Karate Kid Joe” unter- oder gar abgewertet werden. Dennoch, aktuell bleibt: 116.263 Klicks, Mediale Aufmerksamkeit, Doppel-Date mit Slime, Musikexpress statt OX, Linus Volkmann statt Praktikant*in, Ruhrpott Rodeo, Booking Agentur, usw. Die Band teilt politisch links ordentlich Schellen aus und die Satirelizenz wird bis auf den letzten Millimeter ausgereizt und das Ganze mit viel Charme und Wortwitz (was für ein Kackbegriff - so wie “supi” oder “Wurstsalat”). Und irgendwie geht's bei AKJ auch viel um Alkohol. Da liegt da der Impuls nah, einfach ein lustiges Saufen-Haha-Interview zu machen, zumal von bierschinken vermutlich nichts anderes erwartet wird. Probieren wir es mal anders, denn eigentlich weisen AKJ auf viel zu wichtige Themen hin, als dass das nur Futter für Lacher sein sollte.

kraVal: Was antwortet ihr Menschen, die euch als Fun-Punk-Band bezeichnen?
AKJ: Wir erzählen ihnen einen guten Witz.
kraVal: Z.B.?
AKJ: Gibt nen Guten, da sehen sich 3 Typen beim Klassentreffen nach Ewigkeiten wieder und dann kommt ne gute Fee und alle haben jeweils 3 Wünsche. Aber da muss man auch so Pantomime-Einlagen beim Erzählen machen, deshalb geht das jetzt hier nicht, aber gern mal in real life.

kraVal: Findet ihr den Begriff “Deutschpunk” passender bzw. angenehmer?
AKJ: Ich glaube das wäre irgendwie naheliegender. Wir machen Punk mit deutschen Texten. Klassisch Deutschpunk sind wir sicher nicht, aber wenn's sein muss, stecken wir uns gerne in diese Schublade.

kraVal: Eure Platte vereint mal wieder ordentlich Politik und Disstracks. Braucht es die Mischung, damit ihr nicht wie Anti-Flag klingt?
AKJ: Als Referenz würden wir Antitainment Anti-Flag vorziehen. Aber Antitainment waren viel bessere Musiker als wir. Ich glaube Songs über Politik und Disstracks stehen in einer kausalen Verbindung. Wenn man politische Themen besingt, ist die Motivation dazu ja meistens Ärger über irgendwas. Man will niemandem einen Blumenstrauß überreichen sondern vielmehr vor die Füße schmeißen. Im Allgemeinen motzen wir aber gerne und haben an sehr vielem etwas auszusetzen.

kraVal: Habt ihr was an Deutschpunk auszusetzen?
AKJ: Nein, Deutschpunk ist von hinten bis vorne genial und alle Bands die Deutschpunk machen sind ausnahmslos richtig geil.

kraVal: Danke auch für “Was ist eigentlich dein scheiß Problem”. Super Song und leider immer noch so aktuell, dass mir manchmal die Spucke wegbleibt.
AKJ: Gern geschehen. Bei dem Typen, den wir als Sprachsample für das Intro des Songs benutzt haben, blieb uns tatsächlich auch die Spucke weg. Das ist irgendein Irrer, der in seinem Youtube-Kanal in feinster Wutbürger-Manier für all jenes steht, was einfach nur zum Kotzen ist. Der wirft tatsächlich Pippi Langstrumpf und das darin zensierte N-Wort mit der Flüchtlingskrise in einen Topf, grunzt “Danke Merkel” und denkt sich innerlich “Heil Höcke”. Wahnsinn ey.

kraVal: Ich lache auch gerne über die Antifa-BRD-GmbH-etc. Verschwörungstheorien der Rechten, aber ist es nicht auch krass verstörend, wie unglaublich dumm manche Menschen sind. Und die hören vielleicht auch die Toten Hosen und finden das gut. Bleibt euch manchmal das Lachen im Halse stecken?
AKJ: Uns bleibt bei den Toten Hosen auf jeden Fall das Lachen im Halse stecken.
Aber im Ernst: also diese BRD GmbH, Demogeld oder wasauchimmer Geschichten sind so dermaßen absurd. Außer darüber zu lachen bzw. sich daran zu belustigen, bleibt einem da ja gar nichts anderes übrig. Auf argumentativer Basis holt man solche Freaks eh nicht ab. Sie möglichst offensiv und humorvoll als absolut durchgeknallt zu outen, ist wohl der einzig sinnige Umgang.

kraVal: Angesichts des Hasses, der euch spätestens seit “What AfD thinks we do...” auch entgegen geschleudert wird: Wird euch manchmal mulmig zumute? Also mir würde es vermutlich so gehen.
AKJ: Es hält sich im Rahmen. Wir haben mit rechten Trolls gerechnet und erwartungsgemäß kamen die dann auch sehr schnell. Das zeigt uns, dass wir alles richtig gemacht haben. Sowas darf man nicht zu nahe an sich ranlassen. Wenn man sich unter dem Video mal die Verteilung zwischen Nazi-Kommentaren und solchen, die eben jenen Nazis entgegenhalten, vergleicht, merkt man auch, dass die vernünftigen Kommentator*innen deutlich in der Überzahl sind. Das freut uns natürlich sehr.

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kraVal: War es eigentlich schwer, so kurz nach der ersten Platte gleich wieder ne neue zu machen?
AKJ: Eigentlich überhaupt nicht. Karate Kid Joe kam im Herbst 2018, die Songs auf der Platte hatten wir fast alle bereits 1 - 1,5 Jahre live gespielt. Wir hatten total Bock, neue Songs zu machen und es ging direkt 2 Monate nach der Release von KKJ los mit neuen Ideen. Aber klar, innerhalb von 1,5 Jahren 2 Alben rauszuballern ist schon sportlich. Die Aufnahmen und der Songwriting-Prozess haben sich über einige Monate gezogen, da wir ja 2019 auch knapp 40 Konzerte gespielt haben. Es war schon alles recht viel, aber wir sind motiviert und somit konnten wir die Energie dafür auch gut aufbringen.

kraVal: Thema links sein: Was steckt da eigentlich dahinter? Was gehört dazu? Und was nicht vielleicht? Ich kenn so viele Kartoffeln, die hinter ihrem Links-sein nur ihre eigene Ignoranz verstecken wollen.
AKJ: Puh, da müsste man ja total weit ausholen. Um mal ein paar Eigenschaften zu nennen, die einer*m guten Linken nicht fehlen sollten: Ein Gespür für Empathie, Moral und Gerechtigkeit. Die Fähigkeit, solidarisch zu denken und vor allem zu handeln. Aber es gehört auch dazu, sich seinen*ihren eigenen Privilegien bewusst zu sein. Wenn man dann noch ab und an nem Fascho auf die Fresse haut, sollten alle Kriterien erfüllt sein.

kraVal: Mit “Sarah (Frau, auch in einer Band)“ habt ihr ja auch das Sexismus-Thema, dass auch in der vermeintlich “linken” Punkszene ständig präsent ist, aufgegriffen. Sarah: Hat schon mal ein Typ völlig selbstverständlich deinen Verstärker einfach verstellt? Und hast du als Frau überhaupt Bock, das Thema anzusprechen? Kann mir vorstellen, dass das auch mega nervt!
AKJ: Mein Verstärker wurde noch nie von jemandem einfach so verstellt, andere Vorkommnisse gab es aber natürlich schon. Generell ist es so, dass dieser Song einfach eine sehr subjektive Erzählung meiner Erlebnisse ist. Matti hatte mich gefragt, ob ich mit ihm ne Band gründen will, wir haben uns nix dabei gedacht und einfach gemacht. Im Laufe der Zeit haben mich immer mehr Leute darauf angesprochen, wie ist das denn so als Frau in einer Band zu sein? Da hab ich dann auch irgendwann darüber nachgedacht. Es ist irgendwie erstaunlich, denn ich gehe seit ich 14 bin gerne auf Konzerte und bin auch schon ewig aktiv in der Szene dabei, habe Konzerte veranstaltet, usw. Aber ich bin nie auf die Idee gekommen, selber in einer Band zu spielen. Es war nicht so, als hätte mir jemand aktiv den Weg zur Bühne versperrt. Niemand hat gesagt “nein, du hast hier nix verloren” - die Mechanismen sind viel unterschwelliger. Es gab z.B. in meiner Jugend kaum weibliche* Vorbilder für mich, so dass ich gar nicht auf die Idee gekommen bin. Es war einfach ganz normal, dass Männer auf der Bühne stehen und Frauen* nicht und als 14jährige steht man nicht davor und denkt sich “oh schade, schon wieder nur Männer”. Und klar, auch Männer sehen den ganzen Tag nix anderes außer andere Männer, die auf Bühnen stehen, für die ist das also auch einfach daily business. Daraus entwickelt sich dann so ein Kreislauf, man bekommt das Gefühl als wäre das halt einfach der Normalzustand, aber eigentlich ist das nicht der Normalzustand sondern einfach nur total bekloppt. Und dass das heute immer noch so ist, obwohl sich gerade in unserer Szene viel tut, merke ich daran, dass ich sehr oft nach Konzerten von Frauen* angesprochen werde, die mir ähnliches berichten und die mir sagen, dass sie es cool fanden, mich da heute auf der Bühne zu sehen und dass sie das mit der eigenen Band jetzt eventuell doch mal in Angriff nehmen wollen. Also dieser Vorbildcharakter ist einfach extrem wichtig und umso mehr Musikerinnen* es geben wird, umso selbstverständlicher wird das in Zukunft sein.
Ansonsten hab ich zu diesem Thema schon ein gespaltenes Verhältnis. Auf der einen Seite find ich es wichtig, darüber zu reden, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Deswegen haben wir den Song auch aufs Album gepackt, das ist unser Beitrag zur Debatte sozusagen. Auf der anderen Seite kann ich nicht leugnen, dass es mich manchmal nervt. Denn ich habe auch mitunter das Gefühl, dass durch solche Diskussionen mein Geschlecht permanent in den Vordergrund rückt und dass eigentlich genau das Gegenteil von dem passiert, was ich eigentlich will, nämlich dass es einfach scheißegal ist, was ich bin. Ich will nicht, dass AKJ als “Band mit einer Frau” gesehen wird, sondern einfach als Band wie jede andere auch. Aber bis es soweit ist, braucht es diese Diskussionen eben. Deswegen bin ich zwar ab und an genervt davon, weiß aber auch, dass das jetzt einfach auch notwendig ist, damit sich was ändert.

kraVal: Und ihr anderen: Wie können sich Cis-Männer, die ja die Punkszene nach wie vor dominieren, sich mit FLTs solidarisieren und die gemeinsamen Räume so gestalten, dass sie sich dort wohl fühlen?
AKJ: Männer sollten natürlich in erster Linie hinterfragen, an was es liegt, dass das Geschlechterverhältnis auf Bühnen so einseitig ist, wie es nun mal ist. Wie so oft liegt der Hund hier in der Erziehung / Sozialisation begraben. Während Jungs im Kindesalter viel weniger Berührungsängste mit Instrumenten wie Schlagzeug oder E-Gitarre haben, spielen Mädchen viel wahrscheinlicher Instrumente aus der klassischen Musik oder eben Dorfkapellen-kompatibel. Dadurch, dass Bands mit Typen viel präsenter sind, hat man als Mädchen auch einfach wenige weibliche* Vorbilder. Wenn Jungs dann ihre erste Band gründen, kennen sie tausend Kumpels, die dafür in Frage kommen, aber auf die Idee auch mal eine Freundin* zu fragen, kommen die wenigsten.
Neben dem Spielen in einer Band gibt es aber auch viele andere Bereiche in der Musikbranche, die männlich dominiert sind. Auch als Konzertgruppe sollte man darauf achten, dass intern eine ausgewogene Geschlechterverteilung ist. Beim Booking dann natürlich auch. Veranstaltungstechnik ebenso, hier gibts immer mehr Frauen* die sich auch für diesen Bereich interessieren. Als Mann muss man einfach aufhören, bei Bandgründung, Booking, Technik etc immer nur an seine Geschlechtsgenossen zu denken.
Solidarisch kann man als Mann natürlich auch in tausend anderen Bereichen sein. Gebt im Pogo aufeinander acht. Lasst im Plenum alle zu Wort kommen und nicht nur diejenigen, die sich auch dem lautesten Macker gegenüber behaupten können. Versucht nicht in jedem Bereich der Klugscheißer zu sein, der alles besser weiß. Respektiert persönliche Grenzen anderer und zeigt Courage, wenn ihr seht, dass diese Grenzen von anderen überschritten werden. Das sind einfach nur ein paar Beispiele zu dem Thema.

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kraVal: Nürnberg ist ja auch Bayern und eure Ablehnung gegenüber Markus Söder habt ihr ja mehrfach betont. Mal überlegt, einfach wegzuziehen? Nach Hannover oder Marburg vielleicht? Oder vielleicht Aschaffenburg?
AKJ: Ja sicher. Aschaffenburg und Marburg standen lange Zeit ganz oben auf der Liste unser Traumstädte. Nun ist es klar eine verzwickte Sache mit diesem Bayern. Klar läuft hier einiges richtig scheiße. Wir kommen alle aus kleinen Käffern, überhaupt in einer Stadt wie Nürnberg zu leben hat ja schon eine Verbesserung gebracht. Aber wenn wir das Leben in anderen Städten teilweise mitbekommen, fühlen wir uns schon wie die größten Landeier. Allerdings ist es auch nicht cool, wenn alle Leute aus Bayern ins Berliner oder Leipziger Exil gehen. Die subkulturellen Einschränkungen in unserem Bundesland sind katastrophal im Vergleich zu anderen Städten. Aber es ist wichtig, dass es auch hier Subkultur gibt und Menschen versuchen, gegen die bajuwarische Repression anzukämpfen. Zum Glück sind wir in der privilegierten Position, oft genug hier rauszukommen haha.

kraVal: Warum dieser Off-Beat bei “Gestern Emergenza”? Warum? War das nötig?
AKJ: Haha, ja pass auf, wir erzählen dir wieso und du wirst uns zustimmen, dass es nötig war. Jedenfalls gibt es da so eine Band, die machen Ska. Natürlich auch mit einem Namen der ein schlechtes Wortspiel mit Ska ist, ganz klischeemäßig. Ok, wieauchimmer, diese Band macht auf jeden Fall den Eindruck, als sei sie recht überzeugt von dem Mist den sie so machen. Aus unserer Sicht relativ unsympathisch und kommt voll arrogant rüber. Irgendwann haben die Verstärkung gecastet, irgendjemand an der Bläsersektion, wenn ich mich recht erinnern kann. Posaune, Trompete oder irgend so ein anderes furchtbares Instrument. Die “Stellenausschreibung” war relativ rockstarmäßig formuliert. So von wegen “geiles Label, Tourbus mit Playstation, soundsoviele Gigs im Jahr”. So kams zu unserem Text. Und als kleinen Hinweis, was der Ursprung dieses Songs ist, haben wir eben einen Off-Beat eingebaut, wegen der Ska-Band als Referenz halt. Eigentlich nur ein Witz für uns selbst. Geht das jetzt klar, nach der Erklärung? Wir hassen Ska!
kraVal: Nein, geht nicht klar, aber das im Hinterkopf macht wenigstens nicht das ganze Album kaputt ;)
AKJ: Gut, das beruhigt uns. Wie würdest du deine Ska-Band nennen, wenn du eine gründen musst? Muss mit Ska-Wortspiel sein. Wir würden uns GiesSKAnne nennen, wenn wir ne Ska-Band wären und anstatt in Trompeten in so Gießkannen blasen.
kraVal: SKAninchen, aber ich bin ehrlich: die Idee ist nicht von mir, aber die ist so bekloppt, dass ich die unbedingt klauen wollte! Und Bläser sind so mega nutzlos! Außer bei Final Countdown, aber da kommen die ja aus der Dose!

kraVal: Habt ihr mal an nem Bandwettbewerb teilgenommen? Ich war mal mit ner Band beim SPD-Bandbattle der Jusos Hamburg. War ganz ok, haben aber nix gewonnen.
AKJ: Nein never. Alter was ist mit dir verkehrt? SPD? lol
kraVal: Emergenza war uns damals schon zu Panne (und wir hatten kein Geld für deren Startgebühr)
AKJ: Ok, das macht jetzt immerhin nicht das ganze Interview hier kaputt ;)

kraVal: Auf dem Album kam ja auch ein E-Bass zum Einsatz - habt ihr jetzt live ne*n Tourbassist*in dabei und wird es LED-Lichtwand geben? Könnt ihr deswegen nicht mehr in eurem Wohnmobil touren?
AKJ: Peter ist eigentlich Bassist. Wenn man die Kinderorgel in unseren Songs so hört, könnte man ja durchaus meinen, er sei ausgebildeter Konzertpianist. Aber nein, er spielt eigentlich Bass und live wechseln wir dann bei den Songs: Sarah Keyobard, Peter E-Bass. Klappt erstaunlich gut, hätten wir von Anfang an so machen sollen.
Mit unserem Wohnmobil wollen wir, wenn es geht, noch lange touren, aber es schmiert in zunehmender Frequenz ab. Deshalb jetzt dann bald Nightliner mit Playstation... Aber so lang die alte Schüssel noch hält, fahren wir sie zu Grunde.
LED-Lichtwand klingt gut, notieren wir uns.

kraVal: Darf Punk eigentlich Alkoholkonsum grundsätzlich glorifizieren, wenngleich wir alle wissen, wie scheiße das sein kann und es reihenweise Menschen ja schon ziemlich derbe fertig macht? Oder ist das halt Punk und dazu gehört die Leck-mich-am-Arsch-Haltung?
AKJ: Gute Frage. Auf der neuen Platte ist ja auch ein Song über “Unsere Kneipe”. Obwohl alles in einem saufgeilen Finale endet, baut er am Anfang schon halbwegs deep und selbstkritisch auf. Die geilsten Saufsongs sind eigentlich gleichermaßen reflektiert, z.B. “Filmriss” von Knochenfabrik. Ok, “Halt die Fresse ich will saufen” ist nicht so deep, aber dafür richtig geil. Also ohne abzuschweifen in Saufromantik jetzt - klar ist es scheiße, wenn Menschen durch zu exzessiven Alkoholkonsum fertig sind. Alkohol ist ne krasse Droge, das zu verharmlosen wäre naiv. Egal ob Leute durch zu viel Saufen ihr eigenes Leben nicht mehr auf die Reihe bekommen oder in besoffenem Zustand einfach zu Arschlöchern mutieren, alles scheiße. Wenn man mitbekommt, dass Personen im persönlichen Umfeld Probleme durch übermäßigen Alkoholverzehr haben, ist es auf jeden Fall wichtig zu versuchen, ihnen zu zeigen, dass man auch abseits des Tresens für sie da ist. Hilfe anbieten, Hilfe suchen und so. Aber das soll jetzt auch kein sozialpädagogischer Appell werden, du weißt auf was wir hinaus wollen. Wir saufen manchmal richtig gern einfach. Aber klar respektieren wir auch, wenn Leute eben keinen Alkohol trinken. Außer bei Andi von Sniffing Glue, mit dem wollen wir uns gerne mal betrinken, aber der zieht das eisern durch mit dem nix saufen.

kraVal: Welchen Schlagerkünstler findet ihr noch ok?
AKJ: Guildo Horn. Der ist glaub echt korrekt. Hatte auch mal ne Talkshow, ich glaube die war gut, Guildo und seine Gäste. Aber eigentlich war der evtl. sogar Punk und gar kein Schlagersänger.
Kerstin Ott hatte mal nen Riesenhit, “Die immer lacht” oder so.
Die Toten Hosen sind jedenfalls Vertreter eines Schlager-Genres, mit dem wir nichts mehr anfangen können.

kraVal: Arbeiten ist leider geil - Ja, nein, vielleicht?
AKJ: Lohnarbeit ist meistens nix, aber irgendwie produktiv sein ist schon auch gut. Wenn man eine Arbeit findet, die irgendwie Sinn macht, why not. Deshalb ein klares “vielleicht”.

kraVal: Sardinien oder Mallorca?
AKJ: Egal, Hauptsache Italien.

kraVal: Terrorgruppe oder Dritte Wahl?
AKJ: Spontan: Terrorgruppe

kraVal: Dosenchampions oder Maiskölbchen aus dem Glas?
AKJ: Maiskölbchen.
kraVal: Bäh! Aber Banane auf der Pizza essen!
AKJ: Ey, so oft hab ich irgendwo “Pizza Nutella” gelesen und nie hab ich mich getraut. Einmal musste ich das einfach bestellen. Und mit den Bananen drauf war es immerhin auch noch gesund.

kraVal: Wie erklärt ihr euren Großeltern eure Musik?
AKJ: Die leben nicht mehr alle und die, die noch leben, wissen nichts davon nehme ich mal an. Die Großeltern sollen uns erstmal das mit der Nazizeit erklären.

kraVal: Dümmste/Unangenehmste Frage zu eurer Musik auf einer Familienfeier?
AKJ: Sarah wurde mal an Weihnachten von einem entfernten Verwandten gefragt, ob sie jetzt - unterm Weihnachtsbaum - eins von unseren Liedern singen kann. Ihre Mutter hat dann gleich recht energisch gesagt “Bitte mach das nicht Sarah”.

kraVal: Seid ihr nerdig, was eure Instrumente angeht? Lest ihr Fachzeitungen? (Also nicht Ox und co, sondern eher Gitarre und Bass).
AKJ: Sarah und Matti sind null nerdig, was die Gitarren betrifft. Peter ist auch kein wirklicher Nerd, sondern eher so am allgemeinen Sound und Producing interessiert. Rocky ist schon ein Nerd, der will die ganze Zeit auf irgendwas rumtrommeln. Für Fachzeitschriften fehlt im das Geld, aber er er befasst sich schon viel mit dem Themengebiet “Schlagwerk”.

kraVal: Meine Lieblingstextzeile ist übrigens “Auf meinem Shirt steht Free Hugs, doch ich hasse dich”. Großartig! Eure Lieblingstextzeile von den Toten Hosen?
AKJ: “Nie im Leben würde ich zu Bayern gehen”. Aber Peter würde da veto einlegen, der ist Bayern-Fan. Das ist auf jeden Fall ein Song, in dem die Hosen richtig Haltung zeigen hahaha.

kraVal: Braucht eine Band überhaupt noch ne Website oder tuts auch Facebook und Instagram?
AKJ: Es gibt auch Bands, die scheißen auf Facebook und Instagram und sind super angesagt, z.B. Pisse. Homepage braucht eigentlich keine Sau, wir haben nur eine, weil in der Adobe Creative Cloud, die Mattis Arbeitgeber zahlt, ein gratis Homepage-Baukasten dabei war.

kraVal: Kaffee mit Hafermilch oder schwarz?
AKJ: Gibt bandintern unterschiedliche Vorlieben bei diesem Thema.

kraVal: Ox oder bierschinken?
AKJ: Wir lesen ausschließlich die Süddeutsche.

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kraVal 03/2020
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