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Institut für weltanschauliche Fragen
Kein Weg ist uns zu weit und kein Risiko zu hoch, wenn es darum geht, Musik in all seiner Umfänglichkeit mit dem gebührenden Aufwand zu besprechen. Für dieses Exemplar, eine Demo-CD der Band KIOSK, wagen wir mal ein etwas anderes Experiment: Gemeinsam mit 4 freiwilligen Versuchstieren schließe ich mich in eine einsame Waldhütte ein mit nichts als Bier und Chips - und dieser CD. Die Hütte darf erst wieder verlassen werden, wenn die CD durch ist. Nicht einmal zum Pissen! Um einen breiten Querschnitt durch die Bevölkerung zu ziehen, haben die anderen Probanden so gut wie keine Ahnung von der hier dargebotenen Musikrichtung, die da wäre Punk. Oder, wie wir es in Abgrenzung zum Mainstream-Punk heute nennen wollen, "blöder Punk". Zur besseren Anonymisierung werden die Probanden nicht namentlich genannt, aber jedem ist eine individuelle Nummer zugeordnet. Hier die Abschrift des Protokolls:

01. Nass allein genügt nicht mehr
5: "Für mich ist das service-orientierte Zielgruppenmusik. Also Musik für Leute die auf Demos gehen."
1: "Ich kann ihre Situation gut verstehen, bin aber skeptisch bei diesem ganzen Hass."
6: "Sowohl Regen als auch Wasserwerfer sollte man mit Würde tragen."
3: "Vielleicht haben die das Beschriebene auf ner Demo gegen Stuttgart 21 so erlebt, die kommen ja aus Stuttgart. Oder bei G20, die Fotos im Booklet deuten darauf hin."
5: "Ich glaube nicht, dass die das wirklich so erlebt haben. Das ist eher was, das die Zielgruppe ansprechen soll."
1: "'Ich hab Spaß Spaß Spaß - ich werd nass nass nass' - das wäre ein viel besserer Text."
6: "Ja, das würde die Bullen viel mehr abfucken!"
5: "Musikalisch unterhält mich das ganz gut."
6: "Ja, überfordert mich nicht. Für nen Dienstag Abend ist das okay."

02. Wenn Schmetterlinge von Doc Martens träumen
4: "Textlich besser als das erste Lied, musikalisch war das erste besser."
1: "Da werden endlich mal positive Sachen aufgezählt, das find ich gut."
6: "Mir fehlt da ein Abschluss der Story."
1: "Ja, die Story verläuft sehr linear: Es geht mir gut, es soll so bleiben, ich muss was tun - und dann fehlt einfach die Konsequenz daraus, die Aktion."
6: "Diese Refrain-Wiederholung am Ende nervt."
5: "Mir gefällt die Komposition von Sänger vs. Chorus."
1: "'Schau' ich Knospen beim Sprießen zu' - wer macht denn sowas? Das ist nun echt eine ziemlich schwache Zeile."
5: "Ich finde diese Gewaltrhetorik gegen Nazis zu einfach gedacht."
3: "Das ist ja nicht hundertprozentig so gemeint."
5: "Ah, ironisch, wie alles beim Punk?"

03. Kreislauf
3: "Hm, ganz anders als die Lieder davor."
6: "Diesmal wird im Text auch mal ne Story abgeschlossen."
1: "Ich finde das Thema gut, aber das Lied zu lang."
4: "Ich glaube das ist Absicht, Thema ist ja irgendwie die Monotonie des Alltags."
5: "Ich finde Reime und Rhythmus des Liedes einfach schlecht, häufig wirkt das so reingepresst."
4: "Dieses Whohoho, das ist nun wirklich ziemlich Tote-Hosen-mäßig."
1: "Das ist einfach qualitativ schlecht, als wenn man zwei Typen in der Garage aufgenommen hat. Hätte man noch ein wenig nachbearbeiten müssen."
4: "Autotune?"
1: "Genau. Ansonsten finde ich Kritik an Lohnsklaverei immer gut."
3: "Da ist ziemlich viel Gesellschaftskritik drin, find ich gut. Schule, Arbeit, Fernsehen..."
1: "Viele Leute machen halt einfach ihre Arbeit, ohne die Situation zu hinterfragen. Ich habe zum Beispiel die Konsequenz gezogen und arbeite weniger, dafür habe ich weniger Geld."
4: "Ich fühle mich nicht wirklich angesprochen, kann mich über meinen Wochenablauf nicht beklagen. Vielleicht sind wir einfach zu privilegiert. Auch wenn das Thema natürlich wichtig ist."
5: "Sie erwähnen ja eigentlich ziemlich viele unterschiedliche Tätigkeiten, das ist durchaus breit gefächert. Da sollten sich viele von angesprochen fühlen."

04. Summa cum laude
6: "Der Refrain hat mich voll mitgenommen, alles andere hab ich nicht verstanden."
5: "Die Strophen machen echt keinen Sinn, aber der Refrain ist super."
1: "Warum heißt das Lied so? Vielleicht brauchen wir jemanden mit Doktortitel. 5?"
6: "Warum heißt der Friseur Fred? Das macht doch keinen Sinn. Vielleicht standen die wirklich so mit Bier am Kiosk und haben einfach die erstbesten Zeilen aufgeschrieben, die ihnen in den Sinn kamen."
4: "Oder wir müssen einfach eine Ebene tiefer denken, sie haben doofe Säufer-Gespräche am Kiosk belauscht und die notiert."
1: "Guter Einwand, das könnte sein. Vielleicht haben wir es einfach nicht verstanden."

05. Stillstand
6: "Also diese künstlerische Agenda berührt mich nicht. Die Reimform ist so verwirrend: Erst ganz klassisch AABB, dann plötzlich ABAB, aber so einen Wechsel gab's bei anderen Liedern auch schon. Am Ende dann ABBCBDE, das ist dann wirklich total ungewöhnlich."
3: "Geht der Text vielleicht um Selbstmord?"
1: "Das mit dem Selbstmord macht für mich irgendwie Sinn. Der Protagonist hadert zumindest damit, das Ergebnis wird offen gelassen."
4: "Vielleicht symbolisiert die konfuse Reimform seine konfusen Gedanken, während die Reimform am Anfang eher monoton ist und damit den Stillstand zeigt."
1: "Denke das Lied ist so ein kleiner nachdenklicher Hänger auf dem Album."

06. Kein schöner Pfand (Rauschprügelprinz)
1: "Auf dem Cover sind Leute vorm Kiosk und trinken Bier. Ist das überhaupt noch erlaubt?"
4: "Je nachdem wo. Wenn da ein Stehtisch ist, hat der Kiosk vielleicht ne Außenkonzession."
3: "In Stuttgart gibt es nach 22 Uhr kein Bier mehr an der Tanke."
6: "Ich kann mir vorstellen, dass die Kioskkultur in Stuttgart katastrophal ist."
1: "Die Reimform ist schon wieder erst AABB, dann ABAB und dann total durcheinander."
4: "Der Reim von Prinz auf Pfefferminz ist auch ziemlich westernhagen."
6: Ich bin mir nicht sicher ob sie geplant haben, dass überhaupt jemand die Scheibe so weit hört."
1: "'Ich bestell gern was in Amsterdam, auch England ist dafür wunderbar' - Amsterdam okay, aber England? Wie passt das zusammen?"
6: "Was hat das alles mit dem Rauschprügelprinz zu tun? Mir fehlt da die Story."
1: "Alle sollen mal entspannen und zum Kiosk gehen? Potenzial mal wieder nicht ausgenutzt, der Titel verspricht mehr."

07. #yolo ;)
6: "Da sind doch endlich mal textliche Zusammenhänge drin! Klares Thema. Die Bridge ist etwas zu lang, aber sonst gut."
1: "Etwas zu platt, alle PC-Smartphone-Socialmedia-Klischees ausgebreitet."
6: "Ja, aber das Feindbild wird klar benannt. Selfiesticks, Likes et cetera. Ja, nimmt mich mit."
6: "Da gibt es eigentlich nicht viel zu diskutieren, weil es eben ne klare Message ist."
1: "Naja, es fühlt sich zunächst mal keiner direkt angesprochen, weil jeder nur denkt 'ach, die anderen sind viel schlimmer'."
4: "Es geht ja eher gegen einen gesellschaftlichen Trend und weniger gegen konkrete Personen."
1: "Gibt es überhaupt einen Trend? Mir greift die Kritik zu kurz. Es gibt halt mehr als nur die Leute deren ganzes Leben vom Smartphone bestimmt wird."
4: "Darum geht's doch bei Klischees, da wird überspitzt und übertrieben."
1: "Man könnte es schon subtiler und tiefgreifender darstellen. Mir gefällt das so nicht, weil es einfach zu knapp ist. Es fühlt sich halt niemand direkt angesprochen, das stört mich. Es verleitet nicht zur Selbstkritik."
5: "Okay, ich kann dir folgen."

08. Kalter Wind
6: "Klare Message: Überall fremd, nur im Kiosk zuhause."
1: "Der Ankerpunkt Kiosk hilft dir. Gut und solide, der Song gefällt mir fast schon am besten."
4: "Schön, dass das Kiosk-Thema immer wieder auf dem Album aufgegriffen wird."
5: "Ich verstehe nicht was die immer mit ihren Reimen haben, das ist alles so holprig."
3: "Beim Refrain hätte ich mir zwei Sänger gewünscht, aber vielleicht übernehmen das beim Konzert die Zuschauer."
5: "Nach einem Verriss bei Bierschinken haben die doch gar keine Zuschauer mehr."
1: "Das Lied passt so, als Abschied und letztes Lied."
6: "Die Orientierungslosigkeit des Albums hat sich aufgelöst, der Kiosk ist einfach der zentrale Punkt."


Fazit
1: "Musikalisch kann ich das nicht so bewerten, textlich wäre mehr Potential da gewesen."
5: "Sie können ja eine zweite Auflage mit verbesserten Texten rausbringen"
4: "Musikalisch nichts neues, aber sie kennen ihre Vorbilder."
6: "Das Album macht schon Bock darauf, zum Kiosk zu gehen."
1: "Vielleicht hat das der Bundesverband der Kioskbesitzer in Auftrag gegeben."
11/2018
Hörprobe:
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Kiosk
Musikstil: Punk
Herkunft: Stuttgart
Homepage: https://kiosksuperstar.bandcamp.com
Kiosk - Institut für weltanschauliche Fragen

Stil: Punk
VÖ: 2018, CD


Tracklist:
01. Nass allein genügt nicht mehr
02. Wenn Schmetterlinge von Doc Martens träumen
03. Kreislauf
04. Summa cum laude
05. Stillstand
06. Kein schöner Pfand (Rauschprügelprinz)
07. #yolo ;)
08. Kalter Wind

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Kiosk

22.11.2018 23:14
Das ist doch was: eines unserer Lieblingsforen (Ergebnis einer repräsentativen Umfrage innerhalb der Band) nimmt uns mit in eine Waldhütte! Wir könnten uns im Urlaub durchaus schöneres vorstellen, als unser Demo zu hören. So nahe sind wir unseren Hörer*innen auf jeden Fall selten. Deshalb: dickes Dankeschön an alle Beteiligten, insbesondere an Proband Nr. 6, der im Fazit das Leitbild unseres Schaffens erkannt hat. Die Assoziationsketten zu den Textinhalten lassen wir natürlich unkommentiert, ein „Kunstwerk“ entsteht ja auch im Auge des Betrachters bzw. im Ohr des Hörers. Die Reimschemata gehören definitiv so. Wir sind durchaus bereit, das auch im Rahmen eines Germanist*innenkongresses oder eines Literaturcafés zu vertreten. Oder bei einer gemeinsamen Diskussion am Kiosk. Bis dahin: Cheers! Die vier vom KIOSK

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