Razzia:
Am Rande von Berlin
Nach nunmehr 15 Jahren Schaffenspause, lässt man die beiden Best of Alben mal außen vor, melden sich die Altpunker aus dem hohen Norden zurück auf dem Punkrock-Parkett in Form eines neuen Tonträgers.
Sänger Rajas Thiele ist wieder mit an Bord und anscheinend hilft auch eben jene Tatsache (neben dem Songwriting) über das mehr als fade letzte Album "Relativ sicher am Strand" hinweg, welches noch mit anderem Sänger und anscheinend anderem Songwriter (???) das Licht der Welt erblickte.
Nach dem gefühlt sehr langen Intro ("Nitro") folgt mit "Nicht in meinem Namen" schon direkt der erste Hit des Albums. Dudelt erstmal ruhig daher, bleibt aber kleben nachdem der Song dann Fahrt aufgenommen hat. Vielleicht auch weil der Refrain gefühlt 100 mal (pro Song) wiederholt wird.
"Am Rande von Berlin" ist dann auch mit 2:46 Minuten der kürzeste Song auf dem Album. Was mir beim mehrmaligen Durchhören auch immer wieder auffällt; dass die Songs gefühlt kein Ende finden bei Spielzeiten um die 4 Minuten und mehr. Das gibt direkt einen Vermerk im Punkrockpolizei-Register. Der Track geht aber dennoch gut nach vorne.
Mit "Berchtesgaden" und "Wenn die Stadt erwacht" wird dann das Fuß vom Pedal genommen, was allerdings auch das ganze Album über nicht durchgetreten wird. Zwar bollert alles im Uptempo hier durch, Geschwindigkeitsrekorde werden aber Razzia-typisch eher nicht aufgestellt.
Tatsächlich plätschert dann die Platte (beim ersten Mal durchlaufen) etwas vor sich hin. Nach mehrmaligem Hören bin zumindestens ich warm geworden.
Es folgen noch ein paar richtig starke Songs ("Märchenstunden" und "Rotweingürtel") und nach über einer Stunde Spielzeit (ufff) ist es dann nach "Rezeptur der Angst" auch geschafft, wenn man so will.
Das Album klingt als wäre es in den 80er geschrieben und auch aufgenommen worden; Kein kaputt getriggertes Drumset, Metal-Klampfen oder nervige Soli Gitarren, sondern eine sehr homogene Punkrock-Wand, die einem da entgegen schlägt.
So richtig gepackt hat mich das Album allerdings erst nach dem dritten, vierten mal Hören, aber seitdem dreht es sich beständig auf meinem digitalen Plattenteller.
Abzug in der B-Note also nur für die arg lange Spielzeit und das super hässliche Plattencover. Da drehen sich selbst Knorkator beschämt zur Seite weg.
Anspieltipps: "Nicht in meinem Namen", "Am Rande von Berlin", "Liebe Grüße aus dem Rotweingürtel"
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