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Lingua Nada:
Djinn
Die Band, deren Debutalbum "SNUFF" von 2018 so schön hat geprickelt in mein Bauchnabel, ist endlich mit dem Nachfolger an Land gekommen. Aber was heißt hier "Nachfolger"? Im Prinzip hat "Djinn" nicht mehr viel mit "Snuff" zu tun.
Das wars im Übrigen auch, was mich im Vorfeld etwas abgefuckt hat. Schon innerhalb der letzten Tourphase zu "Snuff" verkündet. Richtig schade, da das nicht irgendwelche Songs sind, sondern Hits und die haben das Wort "Hit" jetzt mal wirklich verdient. Sie könnten auch "Punch" genannt werden oder "Knock-Out". Was soll denn bitte nach einer solchen Platte kommen? Es war mir ein Rätsel...

...welches dann vor ein paar Monaten mit dem Erscheinen des ersten Vorboten aus dem Album auf Youtube gelüftet wurde. Es war eigentlich unvorstellbar, aber "Salam Cyber" klang tatsächlich wie die nächste Entwicklungsstufe der alten Lingua Nada Stücke. Autotune Vocals, Synthesizer, die bekannten flirrenden Gitarren. Dazu absolut perfekte und innovative Bassläufe. Soll ich noch kurz von den Drums schwärmen? Ok, also die sind auch supergeil. Travis Barker mäßige Fills, megageile Breaks. Tight wie ne Jeans. Ja ich war begeistert.

Besonders angetan war ich von der unüberhörbaren R'nB-Edge, welche sich auch in der darauf folgenden Single "Habiba" durchsetzte. Das ist genau die Welle auf der ich surfen möchte. Ich feiere vor allem die Tatsache, dass Lingua Nada mit diesem Sound die sonst von der immer gleichen Emo/HC/Punk-Jauche beschallten Bühnen bespielen und damit ohne Ende Horizonte erweitern dürften. In einer gerechten Welt wären sie natürlich schon längst auf dem Coachella angelangt, aber wahrscheinlich gäbe es in einer gerechten Welt gar kein Coachella. Oder nur noch Coachellas überall. Ja, eher das. Luxus für alle!

Das komplette Album Djinn bietet neben den beiden Singles allerdings auch Songs, welche die Hörerschaft etwas mehr herausfordern. Der Opener Proto ist ein dancy Beatmassaker mit unfickbarem 70s Disco-Charme im Teil, welcher sowas wie der "Refrain" sein könnte, und endet dann in diesem böse groovenden "Ding". Das fühlt sich ein bisschen an, als würde dich die Band verprügeln, aber nicht mit Faust, sondern mit Tönen. Ganz schön cool.
Im folgenden Song "Baraka" hab ich dann tatsächlich das Gefühl, 1Live in einem Paralleluniversum angeschaltet zu haben. Mein guter Freund Maz sagte dazu: "Klingt wie Justin Timberlake, der im Glasfasernetz um sein Leben kämpft". Stimmt auf jeden Fall!

"These Hands are Loyal" bringt dann so Tarantino-Stimmung. Wenn der mal einen Animefilm macht, am besten noch mit Weltraumzeug und so, dann wäre das ein guter Soundtrack. Erinnert mich aber auch ein wenig an Britney Spears in ihrer Toxic-Zeit. Also kurz bevor sie sich die Haare abrasiert hat. Das hat Lingua Nada Mastermind Adam Lenox Jr. ja zum Glück bereits hinter sich. Der macht das schon etwas länger.

Aus der dritten Singleauskopplung "Dweeb Weed" hätten andere Bands mal wieder ein ganzes eigenes Album gemacht. Ach was, Jahrzehnte hätten daraus eigene Genres mit dazugehörigen Sub-Genres gemacht. Für Epileptiker ist dieser Song zwar ein absolutes Risiko, aber ansonsten doch sehr inklusiv, da so ziemlich alles was Rockmusik kann, hier in 5 Minuten passiert und wunderbar ineinander funktioniert.

Mein absolutes Highlight der Platte ist "Yalla Yalla", da dieser Song den R'n'B Vibe vorzüglich auf die Spitze treibt. Gigageil!
Habe gestern Nacht dazu den Arm aus dem Fenster eines geleasten AMG gehalten und bin Schrittgeschwindigkeit an der örtlichen Diskothek vorbei gefahren. Ich kann das nur empfehlen.

Insgesamt viel weniger Gitarren als auf den anderen Veröffentlichungen der Band, bzw. lassen sich die Gitarren nicht immer als solche erkennen dank massivem Einsatz exotischer Effektgeräte. Die Synthesizer dominieren das Soundbild und beim Aufnehmen des Gesangs hat Adam anscheinend vergessen, dass er ein Mensch ist. Mal klingt er wie ein kleiner Flaschengeist ("Djinn"), mal wie ein Roboter ("Gucci Mekka") und dann wie so ein Außerirdischer ("Taxiheim"). Vielleicht würde außerirdische Musik wirklich so klingen, wenn die Außerirdischen versuchen würden, irdische Popmusik zu kopieren.
Ein Wunder, dass die billiarden Ideen der Band auf LP-Länge doch so homogen wirken. Dazu braucht es schon einen roten Faden und auf "Djinn" ist das dieser orientalische Flair, welcher sich durch Artwork, Songtitel, Musikvideos und Soundbild zieht. Wäre diese Platte ein Urlaub, dann ein richtig schön ereignisorientierter Trip nach Marrakesch, selbstverständlich mit viel LSD.

Das ist Popmusik aus der Zukunft. Die Gorillaz haben es schon lange versucht, Lingua Nada haben es auf diesem Album einfach gemacht. Was soll bitte nach so einer Platte noch kommen? Es ist mir ein Rätsel...
mrks 09/2019
Hörprobe:
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Lingua Nada - Djinn

Stil: Future-Pop, Indie, Alternative, R'n'B
VÖ: 27.09.2019, LP, Kapitän Platte


Tracklist:
01. Proto
02. Baraka
03. Habiba
04. Salam Cyber
05. These Hands are Royal
06. Dweeb Weed
07. Djinn
08. Ex Colonialist Super Machine
09. Yalla Yalla
10. Gucci Mekka
11. In Limbo
12. Taxiheim

Für Freunde von:
Delta Sleep Tiny Moving Parts
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