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The Sensitives:
Punch

The Sensitives haben ein neues Album rausgebracht und ich kann behaupten, dass ich wohl so mit der erste gewesen bin, der das colorierte Vinyl in den Händen halten durfte. Zumindest konnte ich die Platte noch vor offiziellem Release und bevor die Band selbst überhaupt das gute Stück im Briefkasten hatte, im Don't Panic für einen schmalen Taler erwerben. Im Folgenden habe ich dann, anstatt mein Privileg auszunutzen und ganz schnell eine unausgegorene Rezi in die Tasten zu hacken, das Album zunächst mal eine Zeit auf mich wirken lassen. Außerdem musste ich erst noch mein Bettgestell von IKEA und meine polnische Billigküche reparieren. Als die Küche dann endlich wieder heile war, öffnete ich erstmal ein warmes HansA Pils (der Kühlschrank funktionierte ja erst gerade wieder). Dies empfand ich dann auch als perfekten Moment, um "Punch" nochmal eine Chance zu geben. Jedenfalls legte ich meine pinke (es gibt verschiedene Farben) Vinyl auf den Plattenteller, worauf mir Martins gebrochene und raue Stimme erstmal "Pissed at society, bored with sobriety" ins Ohr munkelte. Joa, passt, denke ich mir. Ah, Mist! Jetzt habe ich vor lauter Bierdurst den folgenden Witz versaut, in dem es darum ging, dass ich Martins Namen eigentlich gar nicht kenne. Nun gut, tatsächlich bin ich aber auch eigentlich ein fleißiger Journalist und gucke immer in den sozialen Medien, wie die Nasen hinter den Instrumenten denn eigentlich heißen. Manche Bands sind hier sehr informativ und hilfreich, während andere einfach nur irgendwelche Namen da rein schreiben, die Außenstehende dann niemals zu bestimmten Instrumenten zuordnen können oder sie schreiben halt einfach gar nichts rein. So wie auch The Sensitives (außer sie heißen in Wahrheit "Edgy", "Punk Trio" und "from Sweden"). 

Während also das Bier in meiner Hand immer wärmer wird, läuft bereits der zweite Track "Never Going Home", ein Tribut an glorreiche Touren, unterlegt von einem eingängigen Singalong im Chorus. In der zweiten Strophe geht es um "Sternburg-sticky floors", was mir wieder mal deutlich macht, dass die Sensitives zu wenig im Westen der Republik touren. 2020 wurde generell zu wenig getourt, da können die ja auch nicht wissen, dass man Sternburg nur im Osten trinkt. Ob es wohl auch eine Westvariante des Songs mit "Hansa-sticky floors" geben wird, oder eine Nordvariante mit Hemelinger?

Die Uptempo-Nummern "Life And Death" und "Punch" dürften ja bereits von den Vorabvideoreleases bekannt sein. Sie sind sehr gut und auch nicht die einzigen flotten Songs der Platte. "It's Vegan To Eat The Rich" erinnert mich stark an Martins Solo-Projekt Vraket und hier ganz besonders an den Song "King Of The Dance Floor". Verstärkt mit ganzer Band und Akkordeon hat das Ganze aber nochmal deutlich mehr Energie. Da zertrample ich im Home-Office-Pogo doch fast meine Ikea-Möbel. Oh, äh, sagte ich Ikea? Natürlich habe ich alle Möbel hier in einem hippen Loppis-/Second-Hand-Store in Falun gekauft und sie dann mit einem Rentierschlitten nach Dortmund transportieren lassen. Ist es nun gut, dass die Möbel nach dem Song noch heile sind oder nicht? Ich würde wen fragen, der reich ist, aber leider kenne ich niemanden. Also widme ich nochmal meine ganze verbliebene Restkonzentration (und meine halbe Flasche Bier) den letzten drei Songs. "Don't Follow The Blind" hat einen sehr eingängigen Chorus und geht gut nach vorne. "Lonely" ist eine 77er Punkrock-Nummer, die das Album nochmal zusätzlich auflockert und trotz treibendem Tempo fast nochmal sowas wie eine Entspannung bietet. Ein starker Kontrast ist da das zwar im 4/4-Takt geschriebene, aber über ein sehr interessantes Groove-Muster verfügende "Don't Let Me Wait". Dieses mussten The Sensitives wohl unbedingt nach dem doch eher simpel gehaltenem "Lonely" einbauen, damit wir auch ja nicht ihr musikalisches Können unterschätzen. So wird dann auch mal ganz galant die Tonart zwischen den einzelnen Parts gewechselt. Wer kann, der kann. Ist das noch Punkrock oder schon Musik? Keine Ahnung, mein Bier ist jedenfalls leer. Ich habe mich nicht verschluckt. Ein guter Tag.

Fazit: Gut durchdachte, melodiöse, wütende, aber auch eingängige Punksongs mit Folk-, Ska- und Pop-Einschlag. Ausfälle sucht man auf "Punch" vergebens.

Anspieltipp: Life And Death, It's Vegan To Eat The Rich, 

Zwen 01/2021
Hörprobe:
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The Sensitives - Punch

Stil: Punkrock, Folk
VÖ: 20.11.2020, LP, CD, Digital, Sunny Bastards


Tracklist:

1. Pissed
2. Never Going Home
3. Life And Death
4. God Knows (Nothing About Us)
5. Punch
6. Better Than This
7. Tonight Ain't Coming Back
8. It's Vegan To Eat The Rich
9. Fairy Dust
10. War
11. Don't Follow The Blind
12. Lonely
13. Don't Let Me Wait


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