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Angora Club:
...und außerdem bist du allein

Astreiner Fun-Punk mit prima Sauf-Texten! Nein, natürlich nicht. Das zweite Album „…und außerdem bist du allein.“ der Flensburger schließt bündig dort an, wo sie mit ihrem Debut „Hasenangst“ vor ziemlich genau zwei Jahren ein Zeichen gesetzt haben. Es geht melancholisch und düster zu, aber nicht kraftlos, sondern trotz Fassungslosigkeit und Resignation („Calimero“) sind die Texte immer wieder kämpferisch („Fliehender Holländer“). Spuren von Punkrock wurden hier vor allem verarbeitet (Olli und Knott waren vorher bei Mr. Burns) aber auch feinsinnige Gitarren im Sinne von Hot Water Music, Leatherface oder Jawbreaker finden hier ihren Platz.

Es ist durchgehend treibend aber nie aufdringlich oder plump. Es gibt viel Raum für zarte Melodien im schnodderigen Gewand, die ein Bett für die zum Teilen schwermütigen Texte bereiten. Duesenjaeger und Grand Griffon fallen mir da ein und natürlich werden Bands wie Turbostaat, Muff Potter etc. oft als Vergleich bemüht, aber Namedropping hilft hier nicht. Auf diese Lieder muss man sich einlassen, die leisen Zwischentöne im Rausch(en) wahrnehmen und sich mitnehmen lassen. Aus all den dunklen Stellen dringt dabei immer wieder Hoffnung wie z.B. in „Si, si, Fliegen“ oder „Baby Hübner“ und man spürt ein ‚Alles-wird-gut‘ zwischen den Zeilen.

Aber die Grundstimmung des Albums ist irgendwie wütend und irgendwie erschöpft. Es geht um persönliche Dilemmas, die von Depression („Fliehender Holländer“), Rausch („Samt“) und Familie („Walt D.“) handeln. Auch die letzten zwei Jahre und das, was die Menschen einander so antun schwingt hier stark mit („Blaue Wege“) oder die Tristesse des Scheiterns und des Alltags („Kreis“). Ein Gefühl zwischen sich hängen lassen und aufstehen wollen. Sich zusammenrollen und heulen aber gleichzeitig losrennen und alles anzünden wollen.

Vertrackt. Ähnlich wie die Arrangements, die wenig vorhersehbar sind und auf unnötigen Ballast verzichten, dabei aber auch immer wieder mit wunderbaren Details glänzen. Auch das was weggelassen wird, ist wichtig. Da wird sehr dynamisch gezupft und gewartet aber auch geschrubbt und geschoben. Muss man hören! Und muss man sehen: das Artwork der LP ist ähnlich vielschichtig wie die Musik und die Texte. Wenig plakativ und mit vielen, liebevollen Details. Da steckt viel Arbeit und Gefühl drin. In allem.

Chris Crusoe 05/2022
Hörprobe:
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Angora Club - ...und außerdem bist du allein

Stil: Punk-Rock
VÖ: 20.05.2022, LP, Tap, Kidnap Music, JanML Records


Tracklist:

01. Steppenläufer
02. Si, Si, fliegen
03. Kreis
04. Blaue Wege
05. Baby Hübner
06. Fliehender Holländer
07. Samt
08. Bad Bramstedt
09. Scheinworle / Bockholm
10. Walt D.
11. Graben
12. Calimero


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