Aua, da habe ich mich vor lauter Vorfreude beim Öffnen am Karton geschnitten. Zum Glück wird Musik heilende Wirkung zugeschrieben und auch Spatzen mögen Heavy Metal. Also aufpassen, mit dem blutenden Finger nicht die schöne weiße Platte zu beschmuddeln und die Medizin anwerfen.
Ein sanftes Pflaster aus Dreampop legt sich über die Wunde. So wolkig-weich wie die CRACKIES auf dem Cover sitzen, ist auch die Athmosphäre, die sich auf "Love, Hate & Engelsenergie" auftut. Das Cover passt perfekt zum Inhalt: Wolke 7 mit ausgestrecktem Mittelfinger. Kitschig, trashig, umarmend melancholisch und gleichzeitig austeilend.
Der elektrobumsende Stil à la Tubbe, Frittenbude und Egotronic, der das Vorgängeralbum "Gefühle" bestimmte, ist deutlich softeren Engelsmelodien und entspanntem auf Wolken chillen gewichen. Die Mittelfinger stehen eher im Subtext und den Lyrics der nur noch drei CRACKHUREN (Lulu, Doreen und Ilay). Im Interview mit dem Plastic Bomb (#134) sagte Lulu, sie habe sowohl inhaltlich als auch musikalisch nicht so viel Lust auf Stress gehabt. So kommen die Einflüsse aus französischem Chanson, Dreampop, Country und Fotzenrap. Genau diese Mischung schafft eine freundlich fließende, schlau provozierende Melange, die gut tut.
Nach dem Konzert in Berlin hab ich mir schnell die Rezi geschnappt, weil live nicht nur der Überhit mit den Nudeln derbe gut rüberkam. Mit Band zündet vieles vom Album noch mal anders, im Wohnzimmer gerät es ein bisschen in den Hintergrund, obwohl die Texte fantastisch sind und Melodien hängen bleiben. Andererseits ist four to the floor auf Albumlänge manchmal auch anstrengend und auf "Love, Hate & Engelsenergie" gibt es laut und leise. Beim letzten Song bin ich bisher jedes Mal aufgeschreckt, weil da der Stressfaktor nochmal erhöht wird, um genügend Engelsenergie für die zärtliche Revolution freizusetzen.
Ein außen und innen stimmiges Paket Wutpop, von dem ich mir eine Live-Version wünsche zu der ich dann auf jeden Fall den gepflasterten Finger pointe.

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