Ich hänge im Spagat! Ihr ahnt, wohin die Reise geht, oder? So richtig weiß ich auch nach mehr als vier Wochen nicht, ob ich hier Sekt oder Selters in der Hand halte. Truth or Consequence ist das erste Live-Album der momentan immens erfolgreichen australischen Band Amyl & The Sniffers und es könnte außergewöhnlicher kaum sein. Aufgenommen wurde es nämlich nicht auf einem ihrer weltweit gut besuchten Konzerte, sondern im kleinen Rahmen vor ihren Freundinnen und Freunden im mexikanischen Restaurant El Coyote in Los Angeles. Zudem tauschen die Vier aus Melbourne ihren bekannten Punk- und Rock-Sound gegen Country. Das Resultat daraus präsentiert sich sehr stimmungsvoll, durchaus gesellig und dabei trotzdem energiegeladen. Man kann die Exklusivität und Intimität des Konzertes regelrecht spüren. Gleichmaßen bleibt dabei aber auch wenig ungeschminkt: Amys Gesang ist zuweilen etwas schief und zum Ende sehr heiser, man hört Gejohle, außerdem wie Anwesende etwas ungelenk mitsingen und der Gesang wirkt stellenweise wie vom Wind verweht. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch in der Hinsicht, dass die Band es versteht, ihre Songs, zwei davon bisher unveröffentlicht, neu zu gewanden und sie trotzdem mit der gleichen Power und Intensität darzubieten. Alle Songs funktionieren dabei genauso gut wie ihre Original-Versionen und entwickeln rasend schnell ihren eigenen Charme, nicht zuletzt durch die clever eingesetzte Slide-Gitarre.
Der Veröffentlichung des Live-Albums ging eine Dokumentation des Abends, inklusive Backstage-Material, voraus, die weltweit in vielen Kinos gezeigt wurde. Genauso könnte ich mir "Truth & Consequences" besser zu Gemüte führen, als rein auditiv. Beim Hören der Platte stören mich die Nebengeräusche und der wohlwollend als mittelmäßig zu bezeichnende Sound, dann doch immer wieder zu stark. Ich muss aber auch gestehen, dass ich nicht der größte Fan von Live-Alben bin. Dem entgegen steht jedoch die bereits erwähnte und spürbare Intimität und die emotionale Tiefe des Auftritts, die durch diese Aufnahme vermittelt wird. Man hat wirklich das Gefühl, man steht daneben. Hinzu kommt die allgemeine Originalität des ganzen Projekts. Dass sich die Band der Kuriosität dieser Aufnahme bewusst ist und die Veröffentlichung nicht allzu ernst zu nehmen scheint, merkt man an vielen Stellen. Unterstrichen wird es zudem nochmals durch das durchaus sehenswerte Cover, das gut und gerne schnell von einer "Straßenkünstler:in" vorm El Coyote angefertigt worden sein könnte.
Außerdem wären wir ohne diese Platte niemals in den Genuss von so glorreichen Ansagen wie „I’m Amy and I’m not on cocaine“ gekommen.
Ihr seht, ich bin mit der Rezension am Ende, kann aber kein abschließendes Urteil liefern. Mein Fazit lautet daher: Schaut euch das Video vom Auftritt auf einer Videoplattform an, wenn es möglich ist, hört euch die Songs auf jeden Fall an, gern auch öfter, es lohnt sich. Eine klare Kaufempfehlung kann ich jedoch nicht aussprechen. Ich glaube nicht, dass dies ein Album sein wird, das lange bei euch im oder auf dem Player verweilt. Bei mir war es nämlich exakt so, denn gerade zum unaufmerksamen Nebenbei-Hören eignet sich diese Platte wenig.

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