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Queensday Festival: Hot Water Music, The Copyrights, Nothington, Larry & His Flask, Cobra Skulls, Chuck Ragan,..., 30.04.2012 in Venlo (NL), Perron 55 - Bericht von Fö

Queensday Festival, 30.04.2012 in Venlo (NL)

Koninginnedag! Ein Wort, das ich nur fehlerfrei auszusprechen imstande bin, wenn mir gerade ne Frikandel quer im Mund liegt. Vielleicht wurde der Name ja deswegen anglizisiert. Feiertag in den Niederlanden, Festivitäten in diversen Städten, und mittlerweile im zwölften Jahr befindet sich das Queensday Festival in Venlo. War mal umsonst, kostet mittlerweile nen wirklich geringen Obolus (8,50 für die Bands? Geschenkt! So viel zahlt man ja sonst für ein Napoleon-Dynamite-Konzert!) und war schon in den letzten Jahren immer verlockend, aber für mich aus terminlichen Gründen nie wirklich machbar. Am Vorabend des 1. Mai muss man ja schließlich Steine sammeln.
Also denn. Heute fahre ich sogar mal selbst. Mit der Luxuskarre über die Grenze, juhu!
Geht schon recht früh los, quasi direkt nach der Uni, also sind Katja und ich auch schon vor Einlass da - was uns die Zeit gibt, ein wenig durch Venlos Straßen zu tingeln. Nett hier! Nur irgendwie ein wenig ausgestorben - sind die alle beim Queensday?
Zurück zum Gelände. Mittlerweile gibt's eine Schlange vorm Eingang, die wegen der vielen Ausländer (das sind die, die statt "echten" Karten nur Reservierungen haben - so wie wir) eher schleppend voran kommt. Gereizte Stimmung bei einem älteren Herren mit Schmierlappenfrisur vor uns, der wegen der Warterei Angst hat, die erste Band zu verpassen.
Erste Band: The NIMRODS aus Oberhausen! Mir bisher nicht vor die Nase gekommen, obwohl bereits seit vergangenem Jahrtausend auf den Brettern der Welt unterwegs. Drei coole Typen, Lofi-Sound, Sonnenbrillen als Merchandise - kurzweiliger Spaß! Und das Motto "3 Chords, 1 Bass String, No Talent" wird hier gnadenlos durchgezogen. Besonders der eine Bass-String ist echt ne Augenweide.
Ewig und einzige Referenz: The Ramones natürlich. Deren Sound versprühen die Nimrods mit jeder Pore - selbst wenn "My bonnie lies over the ocean" gespielt wird. Oder "Johnny [Ramone] B. Goode". Ansonsten natürlich viele eigene Stücke, einige davon haben die Nimrods als Thema, andere laden zum gepflegten Kaugummikauen ein. Super Einheizer für einen wirklich heißen Montag Nachmittag.
Oh, hab ja noch gar nichts zur Location gesagt...also, das Perron 55 ist ein nettes Kulturzentrum, das jährlich das Queensday ausrichtet. Draußen eine Open-Air-Bühne, drinnen noch eine Bühne unten im Club sowie eine kleinere oben. Alles überschaubar und gemütlich. Draußen und Drinnen wechseln sich im Programm ab, also geht's für uns jetzt rein: Die SONIC AVENUES spielen!
Poppunk/Powerpop aus Kanada. Es bleibt Kaugummi-lastig, die Lieder sind flott und beinahe zuckrig, hier und da schwingen die Sixties mit, gemischt mit Garage-mäßigem 77er Punk, Musik für Schirmchendrinks und unbeschwertes Genießerleben. Alles nicht hundertprozentig meine Musik, kommt aber gerade ganz gut.
Naja, vielleicht würde die Band auch besser zu den Sonnenstrahlen draußen passen als in den dunklen Club. Aber wat solls. Den Anwesenden gefällts. Mit "Bored Teenagers" (Adverts) bohrt sich auch noch ein Coverstück ins Programm, das im treibenden Sonic-Avenues-Gewand ne ganz eigene Note bekommt.
Wieder nach draußen. Klingt nach Stress, aber das "Gelände" ist übersichtlich klein, die Laufwege kurz, und Überfüllung sieht auch anders aus. TEN PAGE PILOT sind nun an der Reihe. Der Beweis, dass es immer noch Bands gibt, die mit einheitlicher Banduniform versuchen, Professionalität auszustrahlen.
Musik ist gar nicht so mies, höchstens etwas unspektakulär. Rock'n'Roll, Punkrock, Garage mit ein paar Prisen Pop und Stoner. Also allesamt Musikstile, die zur Sonnenbrille des Sängers passen. Kommen aus den Niederlanden, genauer gesagt aus der Stadt "Horst".
Publikumszuspruch: Hm geht. Die Sonne brutzelt so schön, dass mans direkt vor der Bühne nicht lange aushält. Dass die Band trotzdem an ihren Mitsing-Spielchen festhält - geschenkt. Immerhin die drei Mädels vor der Bühne freuen sich eifrig über jedes Tönchen ihrer vermutlichen Lieblingsband.
Uuund wieder rein. Die STEVE ADAMYK BAND steht nun dort auf der Bühne. Teilen sich mit den Sonic Avenues Herkunft, Tourbus sowie ein Bandmitglied und gehen auch musikalisch in ne ähnliche Richtung. Power-Pop-Punk mit catchy vocals (hey, wir sind im Ausland, da darf man auch mal Anglizismen einfließen lassen), dazu viele whuuhuuhuu-Untertöne.
Schöne Musik zum Kopf- und Fußwippen (und, achja, mal wieder Kaugummikauen). Wer ne Punkrock-Version der Beach Boys sucht, sollte echt mal ein Ohr riskieren. Einziges Manko: Nach ein paar Liedern ist mir das dann doch irgendwie zu eintönig. Ständig nur wippen geht halt auch auf die Kondition.
Die nächste Band auf der Draußen-Bühne (Brat Farrar) klemmen wir uns dann aber, schließlich muss die dritte Bühne ("upstairs") inspiziert werden. Die Treppe hoch geht es in ein kleines lounge-artiges Café. Sehr gemütlich hier. Wieviel Leute passen hier rein, vielleicht 100? Zumindest deutlich weniger als vor zwei Tagen, als ich CHUCK RAGAN zuletzt gesehen habe.
Muss auch sagen: Hier, auf kleiner Bühne und vor überschaubarem (wenn auch dicht gedrängtem) Publikum kommt die Musik auch deutlich besser als in Tausender-Hallen. Kontrabasser Joe Ginsberg und Geiger Jon Gaunt sind auch heute dabei, ebenso wie der großartige Dave Hause, der direkt zum ersten Song "Nomad by Fate" einen Platz am Mikrofon beansprucht.
Blick ins Publikum. Im Gegensatz zu mir sind die meisten hier verdammt textsicher - ich hab ja irgendwann aufgehört, mich groß mit dem Solo-Output von Chuck zu beschäftigen. Das letzte Mal Chuck Ragan in kleinem Rahmen ist für mich ja auch knapp 5 Jahre her. Live aber, mehr denn je, eine Wucht.
Das gilt insbesondere für die Lieder mit Begleitung der beiden Bart-Träger, und auch seine Mundharmonika lockert das Geschehen ordentlich auf. Countryeske Holzfäller-Balladen mit der unverwechselbaren Reibeisenstimme, ein Fest für die Sinne. Chuck fühlt sich sichtlich wohl hier und wird frenetisch bejubelt, als er eine Rückkehr der Revival Tour später im Jahr ankündigt.
Zwischendurch auch einige Stücke ohne Begleitung - klappt auch. Mich nerven nur irgendwann die Mitklatscher, das klingt einfach viel zu oft bloß nach patschen statt klatschen und zerstört so ein wenig die Magie, die der Auftritt verströmt. Egal, scheint nur mir so zu gehen. Alle anderen schweben im siebten Himmel.
Meine persönlichen Highlights: Die Stücke "Meet you in the middle" und "The Boat", einfach weil das so richtig starke Lieder sind. Großartig auch eine Ansage von Chuck: Den Refrain ohne Jons Geige zu spielen fühle sich an wie nur einen Fuß zu haben - oder so ähnlich. Boah ey, so viel Emotionen von bärtigen Hünen sieht man nicht oft.
So, dann mal wieder raus! Draußen gibt es außer der Bühne noch ein Areal mit Distro- und Merchständen sowie Futterstelle mit Pizza und Burgern. Getränke und Fressen gibt es hier gegen Wertmarken, die 2.20 Euro kosten. Getränk eine Wertmarke, Burger anderthalb, Pizza keine Ahnung. Preise, die ich durchaus bereit bin zu zahlen, wenn dafür der Eintritt so schön niedrig ist.
Also genehmigen Katja und ich uns erstmal was zwischen die Kauleisten. Der Burger-Brater ist ein wenig überfordert. Belustigt beobachten wir, wie er immer genau dann frische Fleischfrikadellen auf den Grill haut, wenn ne Horde Vegetarier auf Bestellung wartet - und die Veganer-Bratlinge, wenn Fleischfresser im Anmarsch sind.
Dadurch kriegen wir dann aber auch nur den letzten Rest der nun spielenden MAISON DU MALHEUR mit. Angenehme Swing-Blues-Kapelle aus den Niederlanden. Ohne große Highlights, aber schön groovig. Nett klimperndes Keyboard, cleare und punktierte Blues-Gitarre und eine smoothe Bläser-Fraktion.
Wir vergucken uns alle in den Tuba-Spieler, schließlich trägt der einen Vollbart. Überhaupt scheint Bart heute verdammt angesagt zu sein. Netter Auftritt, eigentlich genau die richtige Kapelle, um bei knallender Sommerhitze draußen sein Bierchen zu genießen. Ups, ich wollt mir ja noch ne Nimrods-Sonnenbrille zulegen...
Auf der "Inside"-Bühne verpassen wir mal wieder irgendwas, aber nachdem es schon bei Chuck Ragan "upstairs" so voll war, sichern wir uns lieber unseren Platz dort für DAVE HAUSE. Diesmal stehen einige mehr Reihen junger Mädels vor uns - und ich freue mich mal wieder, hoch gewachsen zu sein, um so wenigstens noch was von der Bühne sehen zu können.
Geht los (ganz im Revival-Tour-Stil) mit Begleitung durch Chuck, Joe und Jon und dem Opener von Daves Soloalbum "Time will tell". Achja, Begleitung natürlich auch aus den zig Kehlen vor der Bühne, die inbrünstig die Stücke mitsingen. Und ehrlich, der Dave ist so ein sympathischer Typ, dem gönnt man jegliche Popularität!
Auftritt natürlich (wie zu erwarten) ähnlich dem vorgestern in Stuttgart, nur eben intimer. Auch das Joe-Strummer-Cover "Coma Girl" darf nicht fehlen (mir hingegen fehlt der begeistert mitsingende Dan Andriano). Wie ich später erfahren habe, eingebettet in ein Coverstück von The Hold Steady. Sachen gibts.
Ich nehme mir mal wieder vor, mich ein wenig in Daves eigentlicher Band The Loved Ones reinzuhören, von denen spielt er nämlich auch einige Stücke. Sein eigenes Album jedenfalls ist großartig und die Stücke daraus werden auch begeistert mitgesungen - nicht nur von Chuck Ragan.
Dave Hause freut sich über jeden noch so kleinen Publikums-Chor und lässt sich teilweise gar ganz von diesem leiten. Super Typ. Ebenfalls freuen tut er sich augenscheinlich über die Vielzahl an Anwesenden, die ihn erst gestern beim Groezrock gesehen haben.
Hier mal der Blick von weiter hinten. Interessante Lampenkonstruktion da oben! Den kompletten Auftritt schauen wir uns dann aber doch nicht an, denn eigentlich will ich ja auch keine Minute von Nothington verpassen, die sich mit ihm um ne Viertelstunde überschneiden.
Verpasst haben wir mittlerweile übrigens auch schon Traumahelikopter und Hits, aber bei denen fand ich ja eh schon den Namen abschreckend. Trotzdem find ichs großartig, dass man hier beim Queensday auch mal Bands entdecken kann, die man bisher nicht auf dem Zettel hatte. Trifft auf die nächste Band nicht zu: NOTHINGTON!
Mittlerweile die vierte Tour der Kalifornier, auf der ich vorbei schaue. Und das vierte Mal mit geändertem Line-Up: Neuer Drummer und neuer Basser. Mal wieder. Langsam wird das zur Gewohnheit...aber so lange die Sänger Jay und Chris noch dabei sind...
Ich steig mal direkt ein mit dem neuen Hobby schlechthin: Setlisten fotografieren. Wer's lesen kann, darf sich glücklich schätzen. Ein paar echt gute Songs dabei und auch das neue Album "Borrowed Time" sitzt inzwischen gut genug, um ordentlich zu zünden.
Auch beim Publikum! Angenehm heute. Massen von Leuten vor der Bühne, aber trotzdem stellt sich keiner die Ellbogen in den Bauch, und direkt vor der Bühne ein Haufen Feierwütiger, die fleißig mitgrölen.
Hab die Band ja erst vor 10 Tagen in Wermelskirchen gesehen, wo mir der Auftritt allerdings nur bedingt Spaß gemacht hat - was wohl daran lag, dass dort keiner so wirklich was mit ihnen anfangen konnte und der Bauernpogo auch etwas nervig war. Mit ein Grund, warum ich heute hier bin: Nothington nochmal "in gut" sehen.
Klappt. Alle gut drauf, die Hits jagen sich, und der Band ist nicht wirklich anzumerken, dass sie seit heute morgen um 6 unterwegs sind (mit ner kleinen UK-Tour im Rücken). Okay, die geschlossenen Augenlider hatte Jay schon immer.
Viel Whohoho, viel melodisches Punkrock-Gewummse und ordentlich Gas, so lob ich mir das. A Mistage, Bottom Line, Last Time, The Escapist, Where I Stand - soviel zu meinen persönlichen Konzert-Highlights. Lieder, bei denen echt sprunghaft die Faust nach oben schießt. Geil.
Bin einigermaßen beruhigt, noch so ne Enttäuschung wie in Wermelskirchen hätte ich nicht verkraftet. Trotzdem nicht unbedingt der beste Auftritt von Nothington, ist halt Open Air hier, in kleinen dunklen Clubs kommt das besser - aber dafür dürften sie hier so einige neue Freunde gewonnen haben.
Einziges Manko: Zu kurz. Mal wieder. Aber auch wirklich, laut Zeitplan wären noch 5 Minuten drin gewesen. Naja, Latte. Die Meute vor der Bühne ist zufrieden und ihm hier vorne wurde sogar ein Liedchen gewidmet. Zurück zur anderen Bühne. Let me leave, let me go...
Drinnen sind jetzt BLACKUP an der Reihe. Kann mich dunkel erinnern, dass deren Album mal bei uns in der Plattenkiste schlummerte und sogar ganz nett war, live machen die Belgier aber definitiv mehr Druck.
Was auf Konserve noch nach Garage klang, bekommt live mächtig Schmieröl und artet fast in Stoner-Exzesse aus. Unterm Strich bleibts aber doch Punkrock, wenn auch mit Einflüssen aus diversesten Musikgenres - nee, keine verquirlte Kacke, eher so Hardrock-Gefilde. Hat was von "Wolves Like Us", fällt mir auf.
Ihr wisst schon, das Hobby mit den Setlisten. Bringt hier nix, weil ich die Lieder eh nicht kenne - und ihr vermutlich auch nicht. Vielleicht kann ja jemand der Anwesenden sagen, was es mit dem vorletzten Stück "Wipers" auf sich hatte - da waren wir nämlich schon nicht mehr im Raum.
Da sind wir nämlich ein paar Treppenstufen weiter oben. LARRY AND HIS FLASK sind dort an der Reihe. Um das schon mal vorweg zu nehmen: Entdeckung des Festivals! Und das ging nicht nur mir so, sondern so ziemlich jedem Anwesenden im Raum. Okay, vielleicht mal abgesehen von denen, die die Band schon vorher kannten.
Man erahnt es schon an den Bärten der Protagonisten (Musiker mit Bärten nehmen irgendwie eine herausragende Position in diesem Bericht ein): Zu hören gibt es Hillbilly-Punkrock! Definitiv die GANZ große Punk-Party. Reinhören könnt ihr hier, aber lasst euch gesagt sein: Auf CD kommt das nicht annähernd an das Inferno ran, das uns live serviert wurde.
Wir werfen die Theorie auf, dass das Tragen ausgedehnter Gesichtsbehaarung Pflicht ist für Aufnahme in die Band und fragen uns, was der Drummer beim Einstellungstest wohl für ne Perücke getragen haben muss. Aber Drazans Recherchen ergeben, dass eigentlich eher der Drummer das Originalmitglied ist und die wilde Horde sich erst später um die ursprüngliche Punkband gescharrt hat.
Will heißen: Die Band gibts schon länger, aber der Musikstil ist neu. Folk, Americana, Blues, Southern Rock, Country, alles in einen Topf geworfen, ein paar Chilischoten und kiloweise Speed dazu. Scheiße, ist das geil! Die Bandmitglieder wuseln ständig über die Bühne, Atempausen werden uns nicht gestattet, einfach durchgehend Partystimmung. Wahnsinn!
Kontrabass hamse auch. Aber nicht einfach schüchtern irgendwo in der Ecke, der Typ wirbelt sein Instrument nur so durch die Lüfte, marschiert sogar damit ins Publikum und lässt so einige Zuschauer verschreckt zurückweichen, als er den mächtigen Bass-Korpus an ihnen vorbei schleudert.
Und der Rest der Band ist nicht minder agil. Der Gitarrist läuft ebenfalls quer durch die Reihen, malträtiert die Saiten in einer atemberaubenden Geschwindigkeit und setzt dabei konstant den verrückten Blick auf. Ich sag euch, nach ner Show von Larry And His Flask habt ihr nachts im Wald nicht mehr Angst vor verrückten Holzfällern, sondern freut euch drauf.
Riesenparty. Instrumente werden auch mal durchgewechselt, man weiß gar nicht wo man hingucken soll, plötzlich tauchen irgendwo Blasinstrumente auf oder dann auch mal ne Mundharmonika, und alles geht verdammt fließend ineinander über. Echt ey, müsst ihr euch mal geben. Hoffentlich bald wieder in der Gegend! Am 16.5. übrigens in Krefeld.
Ach komm, ein Foto noch. Weil sie so gut waren.
Aber, ohwei, es gibt mal wieder ne Überschneidung. Diesmal mit den COBRA SKULLS, die draußen spielen und wegen denen ich dann doch auf die letzten paar Minuten Larry & His Flask verzichte - dafür habe ich aber auch immer noch dieses Hillbilly-Zucken in den Beinen, als ich draußen vor der Bühne stehe und sich die Cobra Skulls so etwa in der Mitte ihres Sets befinden.
Also denn, Cobra Skulls. Auch bereits vorgestern beim Pirate Satellite Festival gesehen. Aber trotz der vielen Lineup-Überschneidungen bereue ich keinstenfalls, auf beiden Veranstaltungen anwesend gewesen zu sein, dafür ist das Drumherum einfach zu anders. Heute spielen die Cobra Skulls zu späterer Stunde und auf kleinerer Bühne, was ihnen deutlich besser steht.
Wenn ichs richtig verstanden hab gabs auch neues Material zu hören, fiel aber nicht wirklich aus dem Rahmen, da im üblichen Cobra-Skulls-Uptempo dargeboten. Muss ja sagen, die Musik ist zwar wunderbar treibend, aber so wirklich abwechslungsreich ist das nicht.
Am meisten Spaß bereiteten mir noch die älteren Stücke à la "Faith is a Cobra" oder das herrliche "The Streets of Cairo", damals waren die Cobra Skulls eh irgendwie verspielter. Großartig auch das spanischsprachige "Hasta los Cobra Skulls siempre" am Ende, mit seiner zynischen Che-Guevara-Konsumkritik.
Viel Spielfreude auch vom Gitarristen, der sich ein wenig wundert, heute als fast einziger ein orangenes Shirt zu tragen (da will man sich schon mal integrieren...). Tja, vielleicht ist oranje auf Festivals, deren Logo eine Königin als Zombie ziert, doch nicht ganz so angesagt. Ja, schöner Auftritt der Cobra Skulls, aber irgendwie, naja, fehlte da was.
Noch ein wenig rumpalavern, bis es irgendwann wieder nach drinnen geht. Hier ist es bereits gut gefüllt und THE COPYRIGHTS spielen schon. Verdammt. Wieder eine Band, die ich irgendwie immer nur beiläufig mitbekommen habe - aber was hier geboten wurde, lässt in mir den Wunsch aufkeimen, mir direkt alle Platten zu kaufen. Aber das sind echt einige.
Seit 10 Jahren gibt es die Band aus Carbondale, Illinois (danke Wikipedia) mittlerweile schon, haben mittlerweile 5 Alben und diverse EP's rausgebracht und machen den Eindruck, als würden sie nichts lieber machen, als live zu spielen - umso mehr wunder ich mich, die Band bisher nie gesehen zu haben. Gibt aber Personalüberschneidungen mit Dear Landlord, zumindest die sagen mir ja was.
Dafür feiert das Publikum ordentlich - darunter auch einige Protagonisten anderer heute auftretender oder bereits aufgetretener Bands. Allesamt schön textsicher und bei jedem zweiten Song denke ich mir anhand der Publikums-Reaktionen, dass das hier jetzt bestimmt d-e-r Hit sein muss...
Der Gitarrist der Cobra Skulls hatte uns schon eben viel Spaß mit den Copyrights gewünscht und sie als seine favourite band angepriesen. Dafür wird er kurzerhand auf die Bühne gezogen und darf mitsingen. Erwähnte ich schon, dass ich Kollaborationen dieser Art mag?
Achja, die Musik: Poppunk, in ordentlicher Geschwindigkeit dargeboten, sehr melodisch und viele Singalong-Parts, nicht zu glatt sondern schön rau, also irgendwie die optimalen Zutaten für die perfekte Amipunk-Band.
Echt gut, alle begeistert, ich ebenso (wie man vielleicht merkt). Ein Kerl stürmt direkt auf die Bühne, hebt den Gitarristen kurz in die Höhe und schmeißt ihn auf die ausgestreckten Hände der feiernden Meute. Geile Aktion!
Echt mal, ich gelobe Besserung und werde mich mehr mit der Band auseinandersetzen. Wer sie schon länger kennt, hat vielleicht Verwendung für diese Setlist. Oder zumindest für das Foto davon.
Anschließend wieder raus, mal gucken was der mir bis dato ebenfalls nicht wirklich bekannte Headliner THE LEGENDARY SHACK SHAKERS so kann. Ein wenig Rock'n'Roll bis Rockabilly, gemischt mit Blues und Punk. Bestimmt auch schon längere Zeit unterwegs, aber halt nicht wirklich meine Musik.
Kommt alles recht versiert und verspielt, auch die obligatorische Mundharmonika darf nicht fehlen. Fühlt man sich irgendwie direkt zurück versetzt in die 60er Jahre - des 19. Jahrhunderts, haha. Vergleichbar vielleicht mit The Reverend Horton Heat, im weitesten Sinne noch Kings of Nuthin (nur gemäßigter) - aber da hören meine Referenzbestände schon auf.
Jau. Nett und zu fortgeschrittener Stunde eigentlich genau das Richtige, um die müden Beine nochmal zur Bewegung zu bringen. Kann mich aber gerade nur bedingt mitreißen - der Abend ist schließlich noch lange nicht zuende...
Außerdem spielen drinnen gleich HOT WATER MUSIC. Boah ey. Hat mich ja bisher immer ein wenig gewurmt, diese Band nie in nem kleinen Rahmen gesehen zu haben - und jetzt, ganz unverhofft, ist es so weit, auf nem 8,50-Euro-Festival im Nachbarland. In den Club des Perron 55 passen laut Homepage bis zu 280 Leute, hat damit so in etwa die Größe des alten FZW in Dortmund. Genau richtig!
Wird dann natürlich auch ein deutlich intimeres und schwitzigeres Konzert als dies große Bühnen überhaupt möglich machen würden. Wobei das Geschubse und Gedränge während der ersten paar Lieder echt etwas zu viel war. Respekt an den Rollstuhlfahrer, der sich den Großteil des Auftrittes von der ersten Reihe aus gegeben hat!
Steigen wir direkt mal ein mit der Setlist. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war die beim Pirate Satellite Festival in Stuttgart ganz ähnlich und demzufolge beim Monster Bash und Groezrock ebenfalls. Viele dieser Hits, die auf keinem Konzert von Hot Water Music fehlen dürfen - aber auch einige, die fehlen. Tja.
Und auch wieder 3 Stücke des in Kürze erscheinenden neuen Albums "Exister". "State of Grace" und "Drag my Body" werden wie erwartet stürmisch abgefeiert, "Drown In It" ist wohl für alle hier neu. Ein etwas ruhigeres Stück, bei dem auch endlich mal die Stimme von Chris Wollard zur Geltung kommt - das restliche Set ist ja irgendwie schon ziemlich Chuck-lastig.
Da isser! Chuck Ragan, vor wenigen Stunden noch oben in der Lounge akustische Melodeien versprüht, badet er mittlerweile in Schweiß. Ich bin echt erstaunt von dem Mann. Spielt zwei Konzerte am Tag, findet aber trotzdem die Zeit, sich zwischendurch Bands anzuschauen. Herrlich sein Engagement während Larry & His Flask, als er sich kurzerhand für die Kommunikation zwischen Mischer und Gitarrist empfahl. Was ein Kümmerer!
Darf auch nicht zu kurz kommen: Die Rhythmussektion Jason Black und George Rebelo. Muss ja sagen, ich finde nicht nur diesen popelgrünen Bass total faszinierend, sondern auch die charakteristischen Bassläufe, die der Heißwassermusik nochmal das gewisse Etwas geben.
Mächtig Abfeierei, alle glücklich wie Sau. Geil. Hab auch keinen Bock, hier noch großartig viel zu schreiben. Einziger Wermutstropfen mal wieder: Der Auftritt war deutlich zu kurz. Angesetzt waren anderthalb Stunden, gespielt wurden vielleicht 50 Minuten.
Dafür darf in der Zugabe Dave Hause nicht fehlen, der sich direkt in und auf die Zuschauermassen schmeißt und "Trusty Chords" zelebriert, mit einer bemerkenswerten Leidenschaft. Super Dingen, das alles!
Scheiße ey, ich schreibe zuviel! Tut mir leid, Leute! Und das wo ich eigentlich keine Zeit habe. Aber was raus muss, muss raus. Raus gehen wir noch lange nicht, oben spielen schließlich noch zwei Bands. Zunächst THE PUSSYWARMERS. Aus der Schweiz kommend und auf Voodoo Rhythm beheimatet, gibt es bluesigen Swing-Rock'n'Roll, Musik der 20er und 60er Jahre vermischt - sage ich mal so.
Ganz nett und zum Fußwippen, mir gerade zu ruhig um den Abend abzuschließen, weswegen ich innerlich bereits entschließe, doch noch bis zur allerletzten Band durchzuhalten. Die Pussywarmers gefallen aber trotzdem, auf ihre zurückhaltende Art und durch ihr Geschick, den Sound durch immer wieder neue Elemente zu bereichern. Guter Auftritt.
Anschließend ne halbe Stunde Umbaupause überstehen (auf den anderen Bühnen läuft mittlerweile nichts mehr) - und das nur, um die Band mit dem wundersamen Namen THE MURDERBURGERS noch zu sehen. Derzeit auf Tour mit The Copyrights, und neben personellen Überschneidungen kommt mir auch diese Bassgitarre bekannt vor - bloß dass die Mörderbörger aus UK kommen.
Wie sacht man? Geil! Poppunk, aber herrlich schnell dargeboten. Auf seine Art ein recht eigener Sound. Als würde man diese ganze Collegepunksuppe der 90er hinten an einen Rennwagen ketten und über den Schnellweg ziehen. Noch dazu erlauben sich die drei kaum Pausen, spielen immer direkt 4-5 Lieder am Stück und erlauben sich und uns kaum Atempausen.
Allzu bekannt sind sie wohl noch nicht, aber 4-5 Leute vor der Bühne (offensichtlich Freunde der Band) feiern gnadenlos alles ab, singen fleißig mit und tanzen sich die Restreserven aus dem Leib. Sogar ein Stagediver ward gesichtet...
...und verlor bei der Aktion seinen Schuh in der Lampenkonstruktion. Großartig! Fast so großartig wie die Murderburgers. Echt starke Show, schön runtergezockt und definitiv einen Blick wert. Reinhören könnt ihr hier.
Die Lieder sind maximal 2 Minuten lang - reicht aber auch, kurz und knackig, dafür schmeißen sie halt auch direkt immer nen ganzen Packen davon auf die Meute. Als die Band sich am Ende berät "spielen wir noch einen?", meinen sie damit auch tatsächlich nen ganzen Packen und nicht einfach nur einen Song. Irgendwie witzig.
Nochwat? Nee. Anschließend hauen wir ab, mit neuen Mitfahrern. Queensday Venlo - das war der Hammer! Fantastisches Line-Up, auch die mir vorher nicht bekannten Bands waren jede Sekunde wert, die Bühnen angenehm klein, alles herrlich familiär - ich schäme mich ja fast, bisher nie hier gewesen zu sein! Nächstes Jahr unbedingt wieder hin. Falls diesen Bericht tatsächlich wer komplett gelesen hat - Respekt! Nächstes mal dezimiere ich den Wörterfluss...

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Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
05.05.2012 20:43
Reinhören find ich prinzipiell scheiße, aber die Murderburgers sind ja mal richtig gut. Nu muss ich für die auch noch nach Hamburg fahren, was ich NOCH beschissener finde als Reinhören. Naja, Prinzipien sind auch beschissen.

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