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The Sounds, Viktor & The Blood, 17.11.2013 in Bochum, Matrix - Bericht von Fö

The Sounds, 17.11.2013 in Bochum

Da haste Töne! Heute mal wieder ein Konzert der Sparte nicht-ganz-so-punk. Wobei sich die Hörerschaft von The Sounds auch aus diversen Subkulturen rekrutiert. Welche Indie-Kapelle kann schon von sich behaupten auch auf Festivals der härteren Gangart à la Devilside oder Vainstream gespielt zu haben? Tja, eben! Und ich kann mich einer gewissen Faszination für die Schweden auch nicht verwehren. So vor etwa 10 Jahren, als mein Musikgeschmack noch etwas offener war, kamen The Sounds mit ihrem Debütalbum "Living in America" genau richtig. Und im Gegensatz zu vielen anderen Gruppierungen aus der Ära (ich nenne mal Franz Ferdinand, Maximo Park, Bloc Party, The Kooks und wen es da noch so alles gab) ist mein Interesse an The Sounds nie wirklich abgeklungen. Nur live gesehen hab ich die Truppe bis heute nicht, und das wo ihnen doch der Ruf einer hervorragenden Liveband voraus eilt! Also, Gelegenheit beim Schopfe ergriffen!
Sonja und ich betreten exakt zwei Minuten vor offiziellem Beginn den Konzertraum, da hat die Vorband gerade begonnen. Das mag ich an Pop-Konzerten, hier sind immer alle ü-ber-pünktlich! Sogar gut Publikum ist schon anwesend, um der Musik von VIKTOR & THE BLOOD zu lauschen. Na, dann machen wir das doch auch mal!
Wir hören, naja, Indie-Rock. Liest man sich die aktuelle Bandinfo durch und streicht jegliche Standardphrasen, erschließt sich ihre Daseinsberechtigung daraus, dass da wer von Sugarplum Fairy mitspielt. Was nicht unbedingt tiefgrüne Lorbeeren sind, schließlich waren diese der breiten Öffentlichkeit auch nur bekannt wegen Schippschwagerschaft mit Mando Diao, und die wiederum, naja, haben das Rad auch nicht grad neu erfunden. Höchstens neu aufgepumpt. Aber wenn man so oft damit fährt, ist halt irgendwann die Luft raus.
Drei Leute sinds. Was ich vermisse: Nen Bass. Ist bei dem gewohnt unterirdischen Sound in der Matrix nicht wirklich von Belang, aber so allgemein stell ich mir das in ner Besetzung die etwas näher am Standard liegt schon besser vor. Wenn Sänger Viktor Norén (Bruder von irgendwem) den Bass nur halb so gut bedienen könnte wie die Luftgitarre oder den Schellenkranz, wäre er doch der perfekte Typ für den Posten!
Musik, naja, es bleibt nicht wirklich was hängen. An den technischen Fähigkeiten hab ich erstmal nichts auszusetzen. Der Drummer kloppt ganz ordentlich, und ein transparentes Schlagzeug-Set gibt auch optisch einiges her - und der Gitarrist, tja, der spielt direkt für zwei. Baut immer mal son paar Soli in die Songs ein, was dem Sound doch irgendwie gut tut. Aber leider ist mir das Ergebnis trotzdem zu gewöhnlich. Stinknormaler Rock. Keine festsetzenden Melodien, kein überragender Hit, nichts was man sich merken müsste. Aber wer weiß, das ist ja auch nicht unbedingt Grundvorraussetzung um in den Charts zu landen.
Nach ner halben Stunde Umbaupause mit unerträglich lauter und unerträglich schlechter Party-Pop-Musik dann schließlich die Band, auf die wir alle gewartet haben: THE SOUNDS! Geht los mit "Living in America" und "Hit Me" vom Debütalbum, was mir schonmal Gewissheit verschafft, dass wir heute ein gut ausgewogenes Set bekommen werden. Ich krieg ja immer Panik wenn Bands direkt mit nem aktuellen Song anfangen, das verheißt selten Gutes. Heute also nicht. Fein!
Ja, Tatsache, wenn ich das jetzt schonmal vorweg loswerden darf: Beinahe gleichberechtigt wurden die fünf Alben gewürdigt. Gefühlt eher wenig von der letzten Platte "Something To Die For", vielleicht weil man sich vom dort vorherrschenden Elektro-Sound wieder etwas abgewandt hat. Was Multiinstrumentalist Jesper Anderberg hier für ein Sammelsurium an Synthie-Keyboard-Gedöns aufgefahren hat, ist aber trotzdem der Rede wert. Dass dem nicht die Hände abfallen!
Auch die ruhigen Sounds, äh, Töne wollte ich sagen, dürfen nicht fehlen. "Wish you were here" kann auf Platte mitunter nerven, kommt live aber doch irgendwie richtig gut. Und Sängerin Maja Ivarsson gibt es die Gelegenheit, genüsslich an ner Kippe zu ziehen. Was schon irgendwie witzig ist: Sämtliche Zigaretten raucht sie etwa nur bis zur Hälfte und schmeißt sie dann auf den Boden. Vielleicht aus Solidarität mit dem Publikum, vielleicht auch überspitzte Kritik an einer festgefahrenen Konsumgesellschaft, vielleicht auch nur weil sie's kann.
Trotzdem hätte ich zwischen den Zigarettenpausen etwas mehr Aktion erwartet. Wie war das noch mit der herausragenden Livekapelle? Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch, aber zwischendurch hat das Konzert doch so seine Längen, in denen ich mich wünsche, es würde einfach mal irgendwas passieren. Ich glaub das war während der Songs des für mich schwächsten Albums der Band, Crossing The Rubicon - also vielleicht doch nur persönliches Empfinden.
Das sonstige Publikum: Durchaus angetan. Und wie zu erwarten - vorne die euphorischen kleinen Mädels, drumherum die nicht minder euphorischen großen Typen, und weiter hinten die desinteressierten Begleitungen, die warten, dass ihr Liebster/ihre Liebste endlich mit dem Tanzen aufhören. Achja, vorne in der ersten Reihe (nicht im Bild) sogar ein Typ mit freiem Oberkörper, warum auch immer der das macht, soo warm ist es ja doch nicht, und bewegen tut er sich auch eher wenig, aber Personen mit HIM-Tattoo haben vielleicht andere Vorstellungen davon, wann was angebracht ist.
Und natürlich gibt's auch viel Mitklatsch-Action und sowat. Aber is halt Pop, da ist man vor sowas anscheinend nicht gefeit. Die Zuschauer machen nen ganz glücklichen Eindruck, die Band auch, also alles gut. Maja bedankt sich auch noch das ein oder andere Mal bei den Fans, speziell bei zweien die anscheinend irgendwo ganz vorne stehen, hab nicht mitbekommen wofür. Vielleicht fürs Konfetti-Werfen?
Neben dem Schlagzeug sind noch so E-Pads aufgebaut, die keine andere Funktion haben, als da eben so rum zu stehen. Irgendwann, ganz unspektakulär irgendwo in der Mitte des Sets, schwingen sich die beiden Gitarristen dahin und kloppen ein wenig darauf rum. Kommt eigentlich ganz geil, so ne Percussion-Session zwischendurch, aber wirklich ausgeufert ist das nicht.
Ansonsten, tja, der Sound der Sounds, oder sagen wir eher, der Sound in der Matrix - ein beliebtes Thema, wenn man "beliebt" durch "gehasst" ersetzt. Die Röhre hier sorgt halt einfach nicht für ausgewogene und differenzierte Akustik, da hilft es auch nicht die Boxen bis zum Anschlag aufzudrehen. Mit Ohrstöpseln geht's, ich hab sogar den Eindruck dass die Instrumente direkt besser abgemischt klingen sobald ich die Stöpsel drin hab. Verrückt, nicht wahr? So insgesamt kommt immerhin der Gesang ganz gut rüber. Vielleicht hat man sich ja gedacht, dass bei female-fronted-bands der Rest egal sei.
Songauswahl, wie erwähnt durchaus überzeugend. "Something To Die For", "Painted By Numbers", "Shake Shake Shake", "Outlaw", "Tony The Beat" und so weiter. Natürlich gab's auch das Standardspielchen mit dem von-der-Bühne-gehen und der Zugabe. Bei "bekannteren" Bands merkt man doch immer wieder, wie ungeheuer aufgesetzt sowas doch ist. Weiß doch eh jeder, dass die wiederkommen. Und wenn dann die Zugabe sogar noch ein eigenes Intro serviert bekommt, Ker ey. Rock'n'Roll ist halt doch Zirkus.
Hinweisen möchte ich noch auf die wunderschönen Stöckelschuhe der Frontfrau. Wie kann man denn mit sowas noch auf Boxen rumklettern? Ich frag mich ja, was der Stylesheriff zum Outfit sagen würde.
Insgesamt: Tolles Konzert, etwa 75 Minuten Spielzeit inklusive Zugabe. Hatte zwischendurch trotzdem so seine Längen, aber ich kam auf meine Kosten. Der Rest des Publikums, schätze ich mal, auch. Oder kapitulieren die hier grad alle?

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