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Feine Sahne Fischfilet, Audio88 & Yassin, 03.03.2018 in Dortmund, Phoenixhalle - Bericht von der Redaktion

Feine Sahne Fischfilet, 03.03.2018 in Dortmund

Fö: Irgendwann mal, in grauer Vorzeit, besuchte ich übrigens die fünfte Klasse des Phoenix-Gymnasiums Dortmund. Einige Jahre später, da war ich längst auf ner anderen Schule, schlug irgendein obskures Fach schon wieder die Brücke zum Phoenix-Gelände, als wir Schülerleinchens zum einen das Phoenix-Gelände besuchen durften und zum anderen Vorschläge unterbreiten konnten, wie jenes Gelände zukünftig zu nutzen sei. Grobes Thema war damals der Strukturwandel, und irgendwas musste man ja aus dieser Industriebrache machen. Ich weiß gar nicht mehr, was meine Projektgruppe damals an Ideen hatte, eine Konzerthalle gehörte aber zu unserer Schande nicht dazu. Eher son Kokolores wie Natur oder so. Aber dafür hatten wir das Gelände für uns entdeckt, hüpften dann und wann mal über die Zäune und kletterten durch die kaputten Fenster dieser monströsen Industriehallen und erfreuten uns an all dem Schutt, der da so rum lag. Wäre ich ein paar Jahre älter gewesen, hätte ich bestimmt vorgeschlagen, doch in einer von diesen alten Hallen illegale Konzerte zu veranstalten und stumpfe Trötenpunk-Bands auftreten zu lassen, aber damals hat es uns gereicht, dass wir nen Grill aufstellen konnten.
Für die Ost-Hälfte des Geländes wurde unser Vorschlag, also das mit der Natur und so, halbwegs angenommen und ein See dahin gestampft. Die West-Hälfte hingegen rottete noch ein wenig weiter, bis sich dort schließlich diverse Firmen anzusiedeln begannen und sich irgendwann bei Stadt, Financiers und Medien der Plan manifestierte, dort tatsächlich stumpfe Trötenpunk-Bands auftreten zu lassen, nur eben auf legalem Wege. Und so wurde aus unserer netten kleinen Grillhütte eine große Konzertlocation, die Phoenix-Halle. Seit einigen Monaten finden dort nun sporadisch Konzerte statt, heute ist eines dieser, also schauen wir mal vorbei. Ist sogar ausverkauft und mal eben 3600 Leute passen da rein - das ist mehr als das zehnfache (eher zwanzigfache) dessen was ich als angenehme Besucherzahl empfinde, dementsprechend habe ich ja schon etwas Angst, als wir uns auf den Weg machen.
ohlove: #firsttimephoenixhalle - Das erste Mal ist immer was besonderes, so auch heute in der Phoenixhalle. Bier in der Hand, ab ins Auto und um mit Feine Sahne Fischfilet zu zitieren: "Es geht los, es geht los heute Nacht - Alle treiben sich gegenseitig an - Es geht los, es geht los heute Nacht - Lieber ekelhaft, statt Einzelhaft" Ausverkauftes Haus heißt in dieser Größenordnung nichts Gutes. Das letzte mal FSF im E-Werk war einfach ekelig voll. Gefühlt 1000 Besucher zu viel. Ich bin gespannt, wie es heute Abend wohl in Dortmund sein wird...
Fö: Vorband: AUDIO88 & YASSIN. Angekündigt durch einen hibbeligen MC Motherfucker, wenn auch leider nur vom Band. Dafür macht uns das Band direkt darauf aufmerksam, dass man das "A" von YASSIN wie ein kurzes "E" ausspricht. Normalerweise hab ich Nat dabei um solche Details zu erfahren, nett dass das heute die Stimme aus dem Off übernimmt.
ohlove: Ich schwinge mich dann mal direkt mit der Kamera und einem großen Pils (Bierkultur wird in Dortmund noch zelebriert. Fun Fact: Die Bergmann-Brauerei ist direkt hinter der Halle) vor die Bühne. Kann losgehen!
Fö: Zu hören gibt es Hip Hop, oder Rap, ich hab keine Ahnung wo die Unterschiede liegen. Leider macht es mir das Drumherum unmöglich, mich auf die Texte zu konzentrieren, so dass ich nicht mal sagen kann, ob die gute Texte haben. Die Beats jedenfalls haben mich nicht so wirklich gekickt, einzig der Bass trat doch gelegentlich leicht aggressiv gegen das Brustbein.
ohlove: Erste positive Erkenntnis: Ein Altar macht sich gut bei einem Konzert! Blasphemie? Nein Nein.
Fö: Hatten K.I.Z. sowas nicht auch schonmal? Wer kupfert hier vom wem ab?
Fö: Ein kleines Tränchen verdrücke ich auch, weil der Rest der Tour so formidable Vorbands wie Kaput Krauts, The Movement, Alarmsignal, Missstand, What We Feel, Moscow Death Brigade, Not On Tour, Baboon Show oder Terrorgruppe vorzuweisen hat und ausgerechnet wir das Tourwochenende mit den Rappern erwischen. Aber nunja. Die Meute als Gesamtes ist, glaube ich, doch relativ angetan, zumindest machen die, was man auf Rap-Konzerten so macht, nämlich Ärmchen wedeln.
ohlove: War für mich im ersten Moment die Wahl, auf die ich am wenigsten Bock hatte. Aber zum anderen habe ich alle anderen Bands auch schon einmal live gesehen. Also schauen wir mal...
Fö: Halbe Stunde Show, da kommt eh nicht wirklich viel rüber. Es wird was von K.I.Z. gespielt, was aber nur ein halbes Cover ist, da das Lied mit der Rummelbumsdisco auch im Original Features von Audio88 & Yassin enthält. Und ansonsten, naja, ich hatte mir mehr von dieser Kombo erhofft, werden die doch gerade in linken (oder angelinkten) Kreisen ziemlich hofiert.
ohlove: Also mir hat es gut gefallen! Live definitiv besser als auf Platte. Obwohl ich bis auf Waving the Guns und Neonschwarz nur wenig deutschen Hip Hop höre, fand ich es überraschend gut. 30 Minuten ohne viel Gelaber, guten Beats und der Sound stimmte in der Halle auch im hinteren Bereich echt gut. Werde ich mir wohl mal irgendwo wieder geben.
Fö: Dann FEINE SAHNE FISCHFILET! Ich kann's ja immer noch nicht glauben, wie es so eine Band so weit bringen kann, aber das fragen sie sich selbst vermutlich auch. Aber besser die haben Erfolg, als irgendwelche Kackbands.
ohlove: Ich erinner mich immernoch an ein Punk im Pott vor etlichen Jahren, wo wir gefühlt mit 20 Leuten vor der Bühne standen und ich mir damals schon dachte, es kann was werden. Der aktuelle Erfolg dieser Band ist vor allem auf die Konsequenz und die politische Aktivität und Präsenz zurückzuführen. Sehe die Jungs glaube ich heute zum sechsten Mal und bin selbst gespannt, wie die große Halle sich auf die Energie auswirkt.
Fö: Die Band ist mir in der Vergangenheit auch schon öfter hier und da über den Weg gelaufen. Meistens haben sie mich eher semi tangiert, genau zweimal fand ich's richtig gut (hier und hier). Und heute?
ohlove: Die Band startet direkt mit einem Song von der aktuellen Platte "Zurück in unserer Stadt" . Geht geil nach vorne, was man auch dem Publikum direkt anmerkt.
Fö: Ich schreib schonmal das Fazit vorweg: Besser als erwartet, schlechter als erhofft. Aber insgesamt schon irgendwie gut. Vor allem, weil meine größte Nemesis bei großen Hallen-Konzerten mich heute weitestgehend verschonte: volltrunkene nervige Konzertbesucher auf Ballermann-Niveau gab es zumindest in meinem Umkreis eher wenige.
ohlove:Gut gefüllt. Der erste Pogo startet direkt bei Sekunde eins.. Erster positiver Punkt für die Halle.
Fö: Monchis Taktik, um Lookism zu entgehen: Ganz viel mit Billigbier rumsauen, dann merkt auch keiner ob das auf seinem Hemd Schweiß- oder Bierflecken sind. Ein Profi.
ohlove: Hey, Bier aus Plastikflaschen ist irgendwie uncool #nowaste
Fö: Die Musik ist mir immer noch zu viel Getröte und zu viele pathosgetränkte Whohoho-Refrains. Aber wenn man sich drauf einlässt, setzt sich schon Einiges im Gehörgang fest.
ohlove: Die Band lebt davon. Ich bin auch kein Fan von vielen Whohohos...aber FSF schafft es immer wieder, auch 3600 Leute bis zur hintersten Ecke tanzen zu lassen.
Fö: Und natürlich retten sie die teils ausufernden Ansagen von Monchi zur aktuellen Gesamtsituation. Und das ist ja gerade in der Größenordnung wichtig. Auch wenn ich mal hoffe, dass der Gegen-Nazis-Konsens heute bei allen Besuchern vorhanden ist, gibt es bestimmt auch einige, die vorher noch nichts von der Demo am 14.4. gehört haben und sich noch nicht über deutsche Waffenexporte oder die Vor-Ort-Situation in Syrien Gedanken gemacht haben.
ohlove: Das frage ich mich immer wieder...ich habe ab und an Bedenken, dass einige Leute die Band als Malle-Naherholungsband sehen.
Fö: Andererseits nervt es schon hart, wenn Besucher Klatschen bereits mitten in der Ansage für ein veritables Mittel halten, ihre persönliche Ergriffenheit zum Ausdruck zu bringen. Oder wenn sie auf "Das müsst ihr nicht hier rufen, sondern bei der nächsten Demo!" mit einem weiteren "Nazis Raus"-Chor reagieren. Aber egal ey. Die Richtung stimmt ja soweit.
Fö: Phoenix-Halle sonst so? Ich find's für die Größe ganz schick hier. Viel vom alten Industrie-"Charme" gelassen, Sound zumindest in der Mitte überraschend gut (High-Five Bocky!), am Rand dafür grottig. Aber gute Entscheidung der Betreiber, die Halle nicht bis zum Bersten zu füllen, sondern ein "ausverkauft" so zu dimensionieren, dass man noch überall hinkommt.
Fö: Kritik gab es dafür für die Garderoben- und Getränkeschlangen - mir egal, hab ich beides nicht genutzt. Aber man merkt, hier muss sich noch einiges einspielen. Der Plan, dem zu erwartenden Ansturm auf den Bierausschank mit hohen Getränkepreisen entgegen zu wirken, scheint jedenfalls nicht aufgegangen zu sein.
ohlove: Alter Lachs..was war bitteschön am Getränkestand los? Ich wartete geschlagene 30 Min. auf ein Bier (obwohl direkt an der Theke). 3 Leute zapfen, einer bedient. Da müssen die schleunigst was ändern. Anderseits denke ich mir: Ja, wann bin ich denn mal wieder in der Phoenixhalle?
ohlove: Alles auf Rausch ist das Motto! Geht auch in der Mitte des Konzert weiterhin gut nach vorne. Leider spielen FSF selten bis nie was von ihrer ersten Platte, was ich bis heute nicht verstehen kann. Antifascist Action sollte jedes Mal auf der Setlist sein!
Fö: Ich vermisse keinen Song, dafür kenne ich zu wenig.
ohlove: "Komm wir reichen uns die Hand" - Man merkt den Jungs heute an, dass sie richtig Bock haben. Monchi zaubert aus seinem roten Hemd am Ende ein schwarz geschwitztes. Nice.
Fö: Das Pfeffi-Fass darf natürlich auch nicht fehlen. Feine Sahne Fischfilet haben Glück, dass sie das Thema "Nachhaltigkeit" noch nicht so in ihren Texten aufgegriffen haben, so viel wie da gekleckert wurde hätten sie sämtliche Glaubwürdigkeit verspielt.
Fö: Pathos und Saufen. Das Bild passt doch einfach perfekt zu Feine Sahne Fischfilet!
ohlove: Saufen ist Hochkultur.
ohlove: Nach zwei Stunden ist dann auch mal Schluss. Ich habe das bekommen was ich erwartet habe. Für mich eines der stärkeren Konzerte von FSF in den letzten Jahren. Werde ich mir sicherlich mit Neonschwarz wohl beim Juicy Beats nochmal geben. Die Pheonixhalle war für mich im ersten Moment erschreckend groß, aber fand die Menge der Leute noch tragbar. Die Problematik mit den Theken, Klos und der Gaderobe müssen die schleunigst in den Griff bekommen. Sonst ein echt netter Laden. Werde aber wohl nicht wieder hier sein. Es sei denn, Kiss spielen hier.

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Berichte auf anderen Webseiten:

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Asti

07.03.2018 00:52
Schöner Bericht! Wäre gerne da gewesen. Nur eins: "Antifascist Action" ist nicht auf dem ersten FSF Album "Backstage Mit Freunden" sondern auf dem Nachfolger "Wut Im Bauch, Trauer Im Herzen".
M.

14.03.2018 15:39
Kurz zur Klärung zwischen HipHop und Rap. Rap gilt eine der vier Grundsäulen des HipHops. Die anderen sind Djing, Breakdance und Writing bzw. Graffiti. Es wird immer wieder diskutiert wozu das Beatboxing zu zählen ist.

Bestes
M.
Zwen
(Zwen)
14.03.2018 16:56
Hey M.,

ja, das ist die Definition, die u.a. auch das HipHop-Lexikon. Rap, Breakdance, Writing & Co: Das Kompendium der HipHop-Szene heranzieht.

Ich denke aber auch, dass man beachten sollte, dass das eben wandelbare Begriffe sind und teilweise von Szenegrößen auch in anderen Sinnzusammenhängen benutzt werden (manchmal sogar synonym). Ist also auch so ein bisschen wie bei Genres generell.
M.

16.03.2018 18:08
Ah, dann habe ich das wohl.im Artikel falsch verstanden. Ich war von einer generellen Unteracheidungsschwierigkeit zwischen Rap und HipHop ausgegangen. Dass diese Begriffe einem steten Transformationsprozess unterliegen ist klar. Rapper*innen haben ja einen ganz anderen Stellenwert als zu Beginn der Szeneentwicklung.

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