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Beatsteaks, Zugezogen Maskulin, 14.04.2018 in Dortmund, Westfalenhalle - Bericht von Fö

Beatsteaks, 14.04.2018 in Dortmund

Oh, doch mal wieder auf ein Beatsteaks-Konzert! Das war eigentlich nicht wirklich geplant, auch wenn's vor ein paar Monaten im Kölner E-Werk ganz schön war, aber diese ausufernden Größenordnungen sind einfach nicht mein Ding.
Der Tag fing auch eigentlich viel ernsthafter an. Morgens geweckt von Polizeihelikoptern, die über meinem Haus kreisten. Na, da fühlt man sich doch direkt sicher! Ja, heute ist ein wenig Ausnahmezustand in Dortmund, weil mal wieder rechte Idioten, oder auch (Eigendarstellung) internationale Nationalisten durch die Straßen ziehen. Zur Demo selbst und zur Gegendemo will ich eigentlich auch nicht viele Worte verlieren. Ein großes Polizeiaufgebot kümmerte sich akribisch darum, den Demokratiefeinden ihre demokratischen Rechte zu gewähren, auf der anderen Seite war es aber ganz schön zu sehen, dass doch viele Leute aller sozialer Schichten in der Stadt auf den Beinen waren, um den Nazis die Stirn (oder anderes) zu bieten. Etwas ausführlichere Berichterstattungen gibt es auf diversen Medien zu lesen, wobei die mit Sicherheit auch nicht weniger persönlich gefärbt sind als es meine eigene gewesen wäre.
Unter den Gegendemonstranten tummelten sich auch die Beatsteaks, zumindest Drummer Thomas und Basser Torsten konnte ich ausmachen - soweit schonmal sehr sympathisch. Kurz darauf spricht uns eine Begleitung der Band an, ob wir nach den Demostrapazen nicht noch auf das abendliche Konzert kommen wollen. Och ja, da sagt man doch nicht nein! Kurzerhand wandern ein paar Freikarten in unsere Hände. Nette Geste, sehr geil, vielen Dank!
Westfalenhalle. Uiuiui. Ist ja nun auch nicht mein erster Besuch hier, gehe eigentlich auch nicht gerne hin, ich bevorzuge ja Konzertläden die von der Größe her eher einem Toilettenhäuschen entsprechen, aber enttäuscht wird man hier eigentlich nie. Gute Akustik, angenehme An- und Abreise, für die Größe kann man da echt nicht meckern.
Okay, etwas Meckerei soll dann doch erlaubt sein: Ist ja schön und gut, dass Hiphop immer mehr Einzug in die Pop/Rock-Welt erhält und noch viel besser, wenn es reflektierte Rapper mit linkem Grundverständnis sind statt pseudoprovokante Dumpfbirnen-Battlerapper, aber das heißt noch lange nicht, dass ich mich dem Hype um diese Musikgattung anschließen muss.
Vorband heute jedenfalls sind ZUGEZOGEN MASKULIN. Kann ich nicht viel zu sagen, hab ich mich nie groß mit auseinander gesetzt. Gab mal ein Interview in der Plastic Bomb, auch sonst sind sie wohl, dem Ruf zufolge, durchaus AZ-kompatibel. Ob ihr aktueller Albumtitel "alle gegen alle" eine Slime-Anspielung ist, weiß ich aber nicht.
Kurze Recherche ergab: laut diesem Interview eher DAF. Auch okay.
Ich fühl mich eigentlich ähnlich wie kürzlich bei Audio88 & Yessin als Support von Feine Sahne Fischfilet: Eigentlich will ich das ja gar nicht schlecht finden. Aber kennt man keinen Song, wirkt das alles schnell beliebig, und das ganze Drumherum macht es einen echt schwer, sich irgendwie auf die Texte zu konzentrieren. Geht also total an meinem Gehör vorbei.
Gab immerhin 2-3 Songs die mit sowas wie ner poppigen Hookline aufwarten konnten, ebenso wie den obligatorischen Nach-vorne-Stampfer. Vollkommene Überraschung dann, als der DJ plötzlich ne Geige rausholt und losfidelt. Kann man bringen. Der imposanten Hallengröße überzogenes bis prolliges Selbstbewusstsein gegenüber zu stellen (wenn auch vielleicht nicht ganz ernst gemeint), fand ich dann bestenfalls ein wenig Schülerband-mäßig.
Gute halbe Stunde Vorband, dann gute halbe Stunde Umbaupause. Kennt man ja, alles gut getimed. Da kann ich ja mal was zu unseren Plätzen sagen! Wir wurden tatsächlich nicht mit irgendwelchen Rand-Plätzen und alleiniger Sicht auf die Bühnentraverse abgespeist, neenee, eher so auf Höhe der Logen, direkt gegenüber der Bühne, mit optimaler Sicht auf die gesamte Halle. Wenn schon Sitzplatz, dann doch gerne so! Ich war zwar noch nie in der vorletzten Reihe bei nem Konzert, aber in Sachen Aussicht und Akustik gibt es absolut nichts zu mosern. Stark! Schade nur, dass wir unsere Operngläser zuhause vergessen haben.
Ach, sagte ich Sitzplatz? Da hält es uns vielleicht die ersten 2-3 Songs, aber irgendwann stehen ja doch alle! Sind ja schließlich die verdammten BEATSTEAKS da auf der Bühne! Eine Band, der ich uneingeschränkt zugestehen würde, dass sie sich auf absolut jeder Bühnengröße zuhause fühlt.
Und heute auch noch alle in Einheits-Shirts: "Für Dortmund - gegen Nazis" steht auf den Leibchen. Einfaches, klares und wichtiges Statement. Hach, tolle Band!
Auch wenn mich der Lokalpatriotismus und der Fußball-Bezug immer noch stört, aber die Westfalenhalle ist halt einfach kein Wunsch-AZ. Hähä.
Er wolle ein Konzert wie vor 10 Jahren, sagt Arnim. Smartphones sollen wir in der Tasche lassen, die Band sei interessanter als WhatsApp. Von hier hinten echt witzig zu sehen, wie nach und nach immer mehr Smartphone-Displays in der Halle zaghaft erlischen. Um dann nach einer Minute, als hätte es diese Ansage nie gegeben, wieder anzugehen.
Konzert selbst: Super! Ähnliche Setlist wie auf der Club-Tour, aber eben auch ähnlich ausgewogen. Schon zu Beginn "Hello Joe" und "Frieda und die Bomben" ist halt einfach mal 'ne Ansage. Natürlich auch viel neues Material, mit dem ich nicht so vertraut bin und das auch einfach zu weit weg von meiner musikalischen Sozialisation ist - aber gut genug eingebettet, um nicht als Fremdkörper zu wirken bei einer Band, die trotz aller Entwicklung ja immer noch irgendwie ne Punkrock-Kapelle ist.
Wenn auch eine Kapelle, die so langsam große Schritte in Richtung Bigband macht. Zusätzlich zur ohnehin schon opulenten Stammbesetzung mit teilweise drei Gitarren gibt es nicht nur den bereits bekannten zweiten Drummer Dennis Kern, sondern auch noch nen DJ und nen Trompeter, die bei einigen Songs Unterstützung liefern
Die Halle haben sie ganz gut im Griff. Vorne tobt der Moshpit, an den Rängen wird geschunkelt und auch in den hinteren Reihen sieht man strahlende Gesichter. Textkenntnis sowohl bei den neuen Stücken als auch bei älteren vom Schlage "Summer" oder "Let Me In". Sind ja auch Hits. Einziger Enttäuschender Song für mich hingegen "To be strong", das Stück war damals vor 15 Jahren so ne kleine geile Festivalhymne und verhallt heute irgendwie. Schade.
Auf Tuchfühlung: Immer mal wieder schaffen es Crowdsurfer nach vorne, wo sie von Arnim galant empfangen werden, mitsingen und -tanzen dürfen
Nochmal Politik: Das Sublime-Cover "Badfish" geht raus an die linke Szene in Dortmund und im Ruhrgebiet. Guter Song. Dazu auch noch ne kurze Ansage, wie sie sich freuen, dass von den Besuchern bestimmt keiner bei der Nazidemo war sondern wenn dann wohl auf der Gegendemo. Mag ja so stimmen, aber irgendwie schon komisch, wenn auf alleine die reine Besucherzahl des Konzerts die Teilnehmerzahl der Gegendemos um ein Vielfaches übersteigt.
"Hey Du" singt Peter begleitet von Trompete und Klavier. Voll schön.
Das erste Mal in der Westfalenhalle waren die Beatsteaks so um 2001 rum, erzählt Arnim, damals als Support der Toten Hosen. Und damals schon gab es seiner Erinnerung nach dieses Mitmachspielchen mit Hinsetzen und Aufspringen zu "Let Me In". Ich weiß ja nicht. Bin mir sicher das damals schon scheiße gefunden zu haben.
Bühne so: Dezent, aber wirkungsvoll. Wechselnde Hintergründe, schöne BS-Silhouette, mehr braucht es nicht. Aber als die Discokugel ausgepackt wird, bin ich dann schon beeindruckt - glitzernde Lichterflecken machen sich in der gesamten Halle breit, boah ungelogen, echt schön! Es sollte definitiv mehr Discokugeln auf Punkkonzerten geben. Aber nee, dann macht das ja bald echt jeder...
Zur Zugabe noch Überraschungsgäste: Deichkind stürmen die Bühne! Also, zumindest zwei davon. Gibt "L auf der Stirn" zu hören und das andere war, glaube ich, ein Deichkind-Song. Aber eben beides eher "aktuelles" Material, da stecke ich nicht drin. Und auch Deichkind senden Grüße an die Demo-Teilnehmer. Was mich daran erinnert, dass Deichkind mal irgendwann sogar auf ner Demo in Dortmund gespielt haben. Es sollte einfach viel mehr erfolgreiche Bands geben, die sich nicht zu schade dafür sind, auch mal ein politisches Statement abzugeben.
Und sonst so? Wirklich, großartiges Konzert! Hat mich sogar noch mehr gepackt als das "Club"-Konzert in Köln. Vielleicht, weil das mit dem "Club" auch eher Definitionssache war, während man hier wenigstens weiß, was man bekommt. Davon abgesehen, dass wir damals wegen der Vorband da waren, haha.
Ach, Beatsteaks ey, gerne wieder. Vielen Dank!
Zweite Zugabe. Arnim hat zwar das Shirt gewechselt, steht aber immer noch auf Dortmund.

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