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PUP, Milk Teeth, 15.04.2019 in Dunkerque (FR), Les 4 Écluses - Bericht von Zwen

PUP, 15.04.2019 in Dunkerque

Nachdem ich mit dem öffentlichen Personenzugverkehr auf dieser Tour ja eher nicht so gute Erfahrungen gemacht habe, geht es heute wieder CO2-neutral mit dem Fahrrad weiter Richtung Südwest. Mehr oder weniger immer entlang der Nordseeküste, aber so fünf Kilometer landeinwärts. Trotz dieser Distanz lässt sich aber wieder mein Eindruck aus Kindstagen bestätigen: Die belgische Küste ist echt hässlich. Das liegt weniger an den riesigen Stränden mit ihrem perfekt weißen Sand, sondern viel mehr an den grauenhaften Betonsärgen, die sich hier nahezu die ganze Küste in die Höhe ziehen. Trotzdem eine sehr angenehme Strecke und das Wetter wird auch immer besser. 
Ziel meiner heutigen Route ist Dunkerque. Dies liegt ganz im Nord-Osten Frankreichs. Dort spielen heute PUP. Die haben mich ja schon letztes Jahr in Amsterdam komplett umgehauen. Jetzt sind sie wieder mit neuem Album auf Tour und das einzige nicht ausverkaufte Konzert ist eben hier. Noch Fragen?
Immerhin stellt man sich hier schöne Häuser an die Küste. Apropos schön, Dunkerque ist auch der einzige Stop auf dieser Tour, bei dem ich nicht in einem Hostel nächtige, sondern in einem privaten Zimmerchen. Die Chambre Atypique befindet sich schön zentral gelegen in einer Garage. Mein Gastgeber scheint dieses Zimmer tatsächlich mehr oder weniger selbst zusammengebastelt zu haben und das wirklich sehr liebevoll. Nach den ganzen Übernachtungen in Mehrbettzimmern, tut es auch einfach mal wieder gut, eine Nacht für sich alleine zu haben.
Zunächst schlender ich noch ein wenig durch die Stadt. Dunkerque hat definitiv einen gewissen Charme, neben Strandpromenade gibt es einen kleinen Marktplatz und auch ein paar Paradebeispiele des Brutalismus, die mich sowohl durch Höhe als auch durch Hässlichkeit ein wenig verunsichern. Ansonsten ist der Ort ja vor allem aufgrund der Operation Dynamo 1940 bekannt. Diesbezüglich gibt es hier auch eine Museum, das ich mir sehr gerne angesehen hätte, leider wird es momentan renoviert. So muss ich mich mit den Infotafeln zufrieden geben, die hier überall rumstehen.
Ach ja, mehrere Häfen gibt es hier auch. Dunkerque wird von vielen auch zur Durchreise nach England genutzt. Umso mehr wundert es mich, dass hier so gut wie niemand Englisch spricht. In den Niederlanden und auch in Belgien konnte das jeder, dem ich begegnet bin und hier (direkt an der belgischen Grenze) plötzlich niemand mehr. Okay, muss ich mich halt mit den drei französischen Wörtern durchschlagen, die ich kann. Bonjour!
Immerhin schaffe ich es mir etwas zu essen zu holen und mich zum Laden durchzuschlagen. Dort bin ich zunächst einmal aufgrund des großen Außengeländes doch einigermaßen irritiert. Außerdem stehen hier ein paar Secus rum. Deren einzige Aufgabe es aber zu sein scheint, einem einen "Guten Tag" zu wünschen. Bonjour! Gerade nochmal gerettet!
Hier im Les 4 Écluses gibt es leckeres, frisch gezapftes Bier für 5,5€ für 0,5l. Der Preis natürlich sportlich, aber dafür ist es auch Bio und von glücklichen Gersten. Den Support für PUP übernehmen übrigens auf dieser Tour die sympathischen Briten von MILK TEETH. Eine Band, die ich jetzt auch schon etwas länger mal live sehen möchte.
Musikalisch gibt es eine Mischung aus Rock, Pop, Indie und einem ganz kleinen Spritzer Punk. Zwischendurch kann ich mir das ganz gut geben und auch als Aufheizer für PUP funktioniert die Nummer super. Tatsächlich denke ich aber, dass so eine Band sogar noch ein wenig besser in die Mittagshitze auf einem großen Festival passen würde als in so einen gemütlichen Club.
Sozusagen als Kontrastprogramm zu den poppigen Songs ist der Drummer komplett mental übersteuert. Zunächst bekommt man die klassischen Travis-Barker-Moves in Perfektion geboten: Nach vorne bangen und Stick durch die Hand drehen lassen. Dann beginnt die Nummer aber zunehmend asozialer zu werden. Es wird rumgerotzt und das Produkt dann anschließend an T-Shirt und Hose verschmiert. Höhepunkt ist dann das Nasebohren mit dem Drumstick, der dann natürlich auch noch in den Mund gesteckt wird. Na, Guten Appetit!
Dabei gibt es dann noch einen komplett irren Gesichtsausdruck und auch das Crash-Becken wird mal eben mit den Zähnen gestoppt. Habe ich so definitiv noch nicht gesehen.
Aber auch sonst sympathische Leute, die genau wie Decibelles in einer Linie zum Publikum stehen. Ein bisschen geschrien wird aber auch. Die rauen bzw. schrillen Töne kommen dann in erster Linie vom Menschen mit der Gitarre. 
Als letztes Lied gibt es dann noch das sehr gute "Brain Food". "A song about having no money and no job." 

Das geht dann auch nochmal gut nach vorne und schon geht es weiter zur Hauptband.
Bei der Besprechung des neuen Albums bin ich ja schon darauf eingegangen, dass PUP momentan ziemlich am Durchstarten sind. Seeehr lange Touren, Charteinstiege in mehreren Ländern und so weiter und so fort. Als ich letztens auf die U-Bahn gewartet habe, wurde mir die Platte gar auf der Werbetafel empfohlen. Sollte mir das Sorgen bereiten? Oder können die Werbetafeln jetzt endlich auswerten, wer vor ihnen steht und zeigen mir jetzt personalisierte Werbung, die ich auch wirklich sehen will?
Egal, PUP sind PUP geblieben und bauen noch höchstpersönlich ihre Tretminen auf und haben auch einfach nur Bock, mit den Anwesenden heute ein wenig zu feiern. Laden ist angenehm gefüllt. So stehen wir vorne nicht wie die Ölsardinen und die Lücke im Publikum ist eher hinten im Raum. Also da, wo sie niemanden stört.
Sänger Stefan versucht sich heute an der französischen Sprache. Heraus kommt ein wirsches Frenglisch. Im Ergebnis verstehe ich jedenfalls nicht viel, aber das ist auch egal. Die hochgezogenen Mundwinkel der Bandmitglieder sprechen Bände und was "Merci" heißt, weiß ich ja schließlich auch.
  Setlist ist natürlich vortrefflich, aber PUP haben meiner Meinung nach auch keine schlechten Songs. Natürlich gibt es "DVP", "Reservoir", "Sleep In The Heat" oder das hier zu sehende "MABU" genauso zu hören wie Songs von neuem Album wie "Kids" oder "Free At Last". Mit letzterem wurde das Set übrigens eröffnet.
Ich erwähnte gerade, dass die Band immer noch sau-sympathisch rüberkommt. Dieser Eindruck verdichtet sich, als Gitarrist Steve uns mitteilt, dass sie auf Tour immer versuchen, Geld für lokale Organisationen zu sammeln. Diesmal geht der Inhalt der Dose an Refugees Kitchen. Mega!
Da die bekannten Zugaben-Spielchen einfach nur nervtötend sind, wird erklärt, dass die Band jetzt noch ihren Zugaben-Song "Scorpion Hill" (auch vom neuen Album) spielt und dann für heute Schluss ist.
PUP wären halt nicht PUP, wenn sie nicht noch mal alles in ein ordentliches Finish stecken würden.
So, jetzt noch ein Bierchen und dann geht es auch schon wieder zurück zur Unterkunft. Ist schon etwas her, dass ich das letzte Mal von einem Konzert nach Hause bzw. zu meinem Domizil laufen konnte. Gut 10 Minuten Fußweg und schon kann ich die Füße hochlegen. Herrlich! Was ein großartiger Trip!
Diesmal fahre ich übrigens auf der anderen Seite der Betongiganten und hole mir an der Promenade noch eine Kleinigkeit zu snacken. Da heute der Frühling ausgebrochen ist, setze ich mich noch etwas in den Sand und lasse mir von kleinen Kindern Dreck auf mein Baguette werfen und mich von den Motoren herumrasender Bagger zudröhnen. Kurz vor Abfahrt erreiche ich dann in Brügge meinen Bus zurück ins Ruhrgebiet.
Zunächst heißt es aber noch Umsteigen in Rotterdam, wo ich mir eine große Pommes mit Majo (eigentlich hatte ich "Ketchup" gesagt) schmecken lasse. Dann geht es auch schon wieder weiter und als ich das nächste Mal die Augen aufmache, bin ich auch schon wieder in Deutschland. 

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Weitere Infos zu den Bands: Milk Teeth, PUP
Location:
Les 4 Écluses
Rue de la Cunette
59140 Dunkerque (Frankreich)...Umgebungsplan

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