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Flaschenbecher, Steckbeckenzecken, 16.08.2019 in Dortmund , Big Tipi - Bericht von der Redaktion

Flaschenbecher, 16.08.2019 in Dortmund

Zwen: Nachdem ich nun wochenlang die Festivals der Republik unsicher gemacht habe, heißt es dieses Wochenende, mal wieder ein paar Gänge zurückschalten. So bleibe ich heute mal ganz entspannt in Dortmund. Zwar bewege ich mich schon von der heimischen Couch herunter, aber es geht von dort aus lediglich in den Fredenbaumbark. Genauer gesagt ins Big Tipi. Das Wetter ist schön und so findet das Konzert draußen statt, außerdem ist der Eintritt frei und ich habe viele Freunde lange nicht mehr gesehen.
Mandela: Die Wahl stand zwischen dem Turock Open Air und dem Big Tipi. Im Tipi spielte zumindest eine Band, die man kennt. Und dann auch noch Flaschenbecher. Also auf nach Dortmund!
Büchse: Eigentlich wollte ich auf dem Stemwede pennen, aber hat nicht geklappt. Also erst am nächsten Morgen hin. Ist aber auch nicht schlimm. Kann ich auch mal eben um die Ecke gehen in den Park. Locke gibt sich wieder ordentlich Mühe mit dem Sound. Ein bisschen verhagelt mir den Abend, dass nun auch mein Lieblingskiosk das Hansa von 50 auf 60 Cent verteuert hat.
Zwen: Die Rechnung geht auf; nur bekannte Gesichter und gut was los hier am Tipi. Das dürfte wohl vor allem an den Local Heroes von FLASCHENBECHER liegen. Die klingen mir aus der Vergangenheit noch als stark von Den Ärzten oder den Abstürzenden Brieftauben inspirierter Rumpel-Kinderpunk in den Ohren. Ist dementsprechend also eigentlich nicht so ganz meine Baustelle. Heute werde ich da aber eines besseren belehrt. Nicht nur wurde Timmy vom Schlagzeug an die Gitarre versetzt und dort durch Rudi ersetzt, auch kommt das heute deutlich druckvoller und sauberer daher. Der Sound ist richtig schön gradlinig und stellenweise haben die Songs eine ordentliche Hardcore-Kante.
Mandela: Zack, da ist man gerade da und hat sich durch den Dortmundjungle zum Fredebaum gekämpft und zack... Flaschenbecher sind natürlich schon vorbei. Also sollte sich diese Reise als sinnlos entpuppen.
Büchse: Ich komme dann auch n bisschen spät und verpassen anscheinend die besten Lieder. Habe Flaschenbecher bereits einmal bei einem gemeinsamen Konzert in Recklinghausen gesehen und fand sie da echt gut, weil sie vermutlich auch genau dahin passten. Hier auf der weiten und hellen Open-Air-Bühne geht der Punk-Effekt etwas unter finde ich, können die aber nix für.
Zwen: Leider wird gegen Ende des Sets ein wenig die Handbremse gezogen. Aber dem Publikum dürstet es nun mal nach den alten Songs wie "Liebe, Liebe, blablabla, Hansa ist zum Trinken da" oder "Mutti, darf ich spielen gehn?". Gegen Ende wird dann auch wieder rumgeholpert. Songs werden komplett oder teilweise verkackt, Einsätze verpennt und oft ist mal wieder irgendwer daneben. Kommentar der Band: "Ich glaube wir haben uns echt überhaupt nicht weiterentwickelt." Da muss ich aber mal entschieden intervenieren. Die erste Hälfte des Sets war doch richtig geil!
Mandela: Mittlerweile kann ich das halbe Set mitgrölen. Der Die-Ärzte-Akzent gerade von Timo, einer der größten Ärztefans die mir bekannt sind, kommt schon immer ganz gut zur Geltung.
Büchse: Die erste Hälfte hab ich dann wohl verpasst. Muss irgendwie eingestehen, dass mir bis auf das Hansa-Lied und "Gib mir mein Geld zurück" nicht wirklich was hängen geblieben ist. Das kratzt mich aber nicht, ich bin mit Rumpelpunk leicht glücklich zu stellen. Es spielt sogar manchmal die zweite Gitarre etwas anderes als die erste, was dann auch die zweite Gitarre legitimiert. Verdammt, ich hab echt irgendwie das meiste von dem Auftritt vergessen, liegt das jetzt an mir oder an denen?
Zwen: Am Ende wird dann noch drei Mal gesagt, dass nun der letzte Song käme, dann aber doch einfach weitergespielt. Als dann aber die "Zugaben!"-Rufe einsetzen, wird einfach zusammengepackt. Schön, nach dem Motto "Wir sind Punker und beenden das Set wann wir das wollen!". Herrlich!
Büchse: Ja stimmt. Die hätten noch 16 Minuten gehabt, aber das Set war dann durch. Wo andere Bands anfangen, sinnlos was zu covern *hust* mach ich auch gern mal *hust*, packen die einfach zusammen. Nunja, allzu viele Zugabe-Rufe gab es dann doch nicht, ich glaube alle von mir. Bühnenzeit vergeuden ist mir irgendwie zuwider. Hätte in dem Moment noch gern was gehört.
Mandela: Herlich wilkommen im Big Tipi
Büchse: Wow, das ist mal ein nichtschönes Bild, Marv :D 
Zwen: Wer spielt heute eigentlich sonst noch? Ach ja, DIE STECKBECKENZECKEN. Von denen erreichte mich auch mal was. Ich habe die Musik als sehr furchtbar klassifiziert und die Mail ganz schnell wieder gelöscht. Von sich selbst sagt die Gruppe, dass sie "Schlagerpunk" machen würde. Live ist das eher ein ganz schlechter J.B.O.-Verschnitt inkl. trällerndem Sänger.
Mandela: Ganz schlechter JBO-Verschnitt. Das "R" wird kontinuierlich vom Sänger gerollt. Über Kunst lässt sich ja bekanntermaßen streiten. Verstehen tue ich es zumindest nicht.
Büchse: Tja, Zwen, wärste mal besser Kuchen essen gegangen :P. Ich verstehe auch nicht, warum er das R immer rollt. Macht man das im Schlager so? Die Jungs sind aus Leverkusen. Habe die vor ein paar Wochen schon mal gesehen und fand sie da sehr gut. Dachte mir schon, dass Flaschenbecher und die nur bedingt zusammen passen, aber Rumpelpunk (oder was machen Flaschenbecher) und Schlagerpunk teilen sich zumindest das Punk.
Zwen: Schreiben sie in ihrer Bandbeschreibung noch, dass sie humoristische Lieder über Liebe, Frohsinn und das Wandern schreiben würden, geht es live eigentlich größtenteils um Fickificki. Songtitel wie "Lecker Mädsche" sagen ja schon alles. Besonders peinlich ist übrigens der Song, in dem es darum geht, dass der "Ritter mit der Lanze" selbige in die "holde Maid" steckt. Uff, da fühle ich mich persönlich wirklich ganz böse in die Weichteile getreten. Aus dem Publikum fliegen auch ein paar Becher und Feuerzeuge. Ansonsten wird die Band mit Desinteresse bedacht.
Mandela: *Der Ritter der Romanze mit seiner Lanze. Muss man nichts mehr zu sagen.
Büchse: Also dann muss ich die Jungs wohl mal in Schutz nehmen. Ich sehe das Problem nicht, auch nach langem Nachdenken. Ich halte das für 100% Satire, daher wundern mich Zwens und Marvs deutlichen Worte. Christian Steiffen mit seinem "Sexualverkehr" feiern alle und in die Kerbe stechen die auch (mit ihrer Lanze, die ich für die hier breche). Alles bleibt im Subtext und das ist bei sehr vielen Schlagern so. Und ich denke das ist das Konzept der Band. Ähnlich G.G. Andersons "Nein heißt ja", was man heute garantiert nicht mehr so singen dürfte. Was ist mit (absichtlich oder einfach weil geil) provozierenden Texten von den Kassierern, Eisenpimmel, Rammstein? Ja, ich ziehe diesen Vergleich. "Ich will dich f..." von Casanovas schw... Seite? ich weiß nicht wo man nun die Grenze zieht. Bei "Lecker Mädsche" geht es wenn ich es richtig verstanden habe darum, dass sich eine Frau zu Recht gegen aufdringliche Männer wehrt. Find ich voll ok. 
Mandela: Für die 4 feiernden Gäste, hätte man sich die Luftballongeschichte jedoch wirklich sparen können. Und ich spreche aus Erfahrung *Zwinkersmiley!
Büchse: Diese 4 Gäste waren dann wohl drei meiner Freunde und ich. Aber ja, die Ballons brauchte es nicht. Uns haben die echt wieder mal Spaß gemacht. Am besten ist "Hatschi, Gesundheit", kommt gut live rüber. Die machen ne gute Show, der Frontmann haut n paar Sprüche raus wie man es als Frontmann eben so macht. Okok, Sprüche über sein nasses Höschen müssen nicht sein, vielleicht war das der Auslöser. Bitte mal entspannen, Freunde. Seit wann sind Punks so empfindlich? Musikalisch sind ein paar Ohrwürmer dabei, wie ich finde. Man kann sich alles schön auf den gängigen Streaming-Plattformen anhören und das mache ich auch. Wenn die Band schlimm wäre, hätte man die nicht wiederholt(!) eingeladen, ganz sicher nicht. Allenfalls banal, wenn man meinen Vorrednern Glauben schenken will. Ich halte sie für eine sehr angenehme Stimmungsknaller-Band die ich mir beim Karneval wünsche.
Zwen: Abschließend gab es sogar ein kleines Statement von Flaschenbecher, in dem sich ausdrücklich von "Sexismus, Chauvinismus und Männergeilheit" und den Steckbeckenzecken distanziert wurde. Kann man machen, wirkt aber vor der Tatsache, dass an dem Abend bis auf einen Becherwurf nicht so viel passiert ist und dass die Band den Auftritt mit den Kassierern immer noch im Header ihrer Social-Media-Page feiert, nicht so wirklich konsequent. Aber so ist das eben, Sexismus kannste nur bringen, wenn du darauf Platzrecht hast. Als alte Ruhrpott-Band, die sowieso von allen gefeiert wird okay, aber wehe du gehst mit ner jungen Band an den Start, da biste halt noch angreifbar. Puh, habe ich jetzt die Steckbeckenzecken in Schutz genommen? Falls ja, muss ich mich mal eben gründlich mit Holzwolle reinigen. Übrigens hier das Statement vom Veranstalter*innen-Team und hier das Statement der Steckbeckenzecken.
Mandela: Schwierige Situation, aber ich würde es auch nicht überbewerten. Eine gewisse Arroganz war schon zu erkennen, aber als die ersten Buh-Rufe kamen, nach einer doch etwas fragwürdigen Ansage, wurden die Signale schon klar erkannt und der Sänger hat sich direkt entschuldigt. Das Ganze würde ich jetzt nicht überbewerten, aber ich glaube die Message kam klar an und wurde auch entsprechend zu Kenntnis genommen. Ich will jetzt hier keine politische Diskussion lostreten, aber das Publikum wirkte allgemein etwas demotiviert und ich glaube nicht, dass man jemanden hier diskreditieren sollte und die Statements der Band, samt der Entschuldigung, sind auch gut und richtig. Damit sollte sich die Sache eigentlich gegessen haben.
Büchse: Hoffe ich auch. Wie die Bands mit der Sache umgehen, bleibt denen zu überlassen. Ich denke und hoffe, dass es sich abkühlt und die Zecken sich nicht genötigt fühlen, ihr Bandkonzept zu überdenken. Lieder übers Wandern und Liebe begrüße ich! Egal, ich hatte einen schönen Abend und wenn ich kein scheiß Facebook hätte, hätte ich nichts von dieser Kritik mitbekommen und wäre glücklich gewesen.
Mandela: Alles in allen doch ein sinnloser Besuch, danach ging es weiter in die Hirschkuh und die Villa nach Bochum L.A., wodurch der Abend noch gerettet werden konnten. Ave Maria!
Büchse: Jo, die Villa war auch mein Plan B, aber da am nächsten Tag Stemwede und Goldstein Musikfest in Hamm anstehen, bleibe ich bei ner kleinen Aftershow-Party bei einem von uns. Die Lockeren Schrauben hätte ich mal gern gesehen, Trashgeflüster finde ich so lala. Gut, dass Geschmäcker verschieden sind... Tschö!

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Vince

21.08.2019 22:45
Danke jedenfalls für die genaue Erklärung, was denn da nun los war an dem Abend. Die halbgaren Andeutungen auf Facebook haben mir (und vermutlich einigen anderen auch) dann doch ein paar Fragezeichen über den Kopf gezaubert...

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