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Beton La Rouge, Kackschlacht, Loser Youth, Notgemeinschaft Peter Pan, Pauli Perlen, Scooter Kids Must Die, Side Effect, 26.09.2020 in Hamburg, Hafen - Bericht von der Redaktion

Beton De Rouge, Kackschlacht, Loser Youth, Notgemeinschaft Peter Pan, Pauli Perlen, Scooter Kids Must Die, Side Effect, 26.09.2020 in Hamburg

Kadda: Neuerdings ist ja Pandemie und inzwischen würde ich mich sämtlichen dubiosen Reisegruppen anschließen um der Monotonie des Ruhrgebiets zu entkommen. Auch entgegen dringlicher Empfehlung von Oasis - "But please don't put your life in the hands of a rock and roll band" - hocke ich mich kurzentschlossen mit ca. 20 weiteren Personen in das Kackschlacht-Mobil und befinde mich auf dem Weg nach Hamburg - 14° Grad, Regen. Ob Kackschlacht unser Leben an diesem Tage gegen die Wand fahren würden, erfahrt im Folgenden.
Coco: Fö und ich stehen brav an der Straße und warten darauf, abgeholt zu werden. Das Auto fährt vor. Ich gucke rein, öffne eine Tür und warte darauf, das irgendwer aussteigt. Steigt aber niemand aus. Naja, was Clowns können, können wir schon lange; also steigen wir ein.
Fö: In dem Moment wusste ich: Das wird der beste Tag des Jahres. Das Teufelchen auf der einen Schulter faselte was von "um den Brückenpfeiler geschlungen" und das auf der anderen Schulter was von "im Knast landen", aber ich hab sie abgeschüttelt. War ja eh kein Platz mehr.
Kadda: Selbstverständlich gehts dennoch im völlig legalen Rahmen nach Hambuarch. So sehr No Future ist dann doch bloß Vergangenheit...
Kadda: Dass aber überhaupt alles an diesem grauen, verkaterten Vormittag eine vielleicht gar nicht so gute Idee ist, kommt mir zwar in meinen restalkoholisierten Sinn - die Mitreisenden lasse ich aber erstmal nichts davon wissen. Der Unmut wird stattdessen mit einem neuen Ohrwurm, nämlich "Quallalala - Quallenfischen macht voll Spaß" (Die Stimme von Spongebob singt es zu "All Around The World" von ATC) oder so - überspielt. Außerdem lässt sich Coco wunderbar dadurch nerven. Zwei Fliegen, ihr wisst! Nach einigen Stunden bei offenem Fenster, mehreren Stau- und Wettermeldungen, die von Regen über ganz Norddeutschland berichten, finden wir uns letztlich am Ort des Geschehens ein. Noch ist es trocken.
Coco: Na danke, jetzt hab ich sofort wieder diesen scheußlichen Ohrwurm.
Fö: Angekommen und erstmal orientieren. Unsere Ohren vernehmen dezenten bis weniger dezenten Krach. Welch Wohltat! Das ist doch echt mal was anderes als Spongebob. Eine Häuserecke weiter spielen LOSER YOUTH und würfeln anscheinend soeben live ihre Setlist aus ("Wir spielen jetzt das Lied, das wir eben nicht spielen wollten")
Kadda: *orientier, orientier*...
Coco: Das war doch schon mal ganz witzig zum Einstieg. Der Gitarrist hat einen gestrickten Pullover mit einem Weihnachtsmann drauf an.
Fö: Anschließend wird irgendwoanders eine Anlage aufgebaut und SCOOTER KIDS MUST DIE bauen sich auf. Zu hören gibt es Harcore - bin jetzt mit den Subgenres zu wenig vertraut, aber gab da so NYHC-Parts, die mir weniger zusagten, während der Auftritt insgesamt echt sehr cool war. Teils politisch, teils saufisaufi (obwohl der Sänger seit nem halben Jahr straight edge ist, wenn ich das richtig verstanden habe).
Kadda: ...*orientier, orientier*...
Coco: Ich mag ja keinen Hardcore, und angebrüllt werde ich auch nicht so gerne.
Fö: Die heutige Veranstaltung soll ein bisschen darauf aufmerksam machen, dass kleine Läden und Bars einfach keine Lobby haben, um in der Gastro- und Veranstaltungs-Krise über Wasser gehalten zu werden. Anders als so Prestige-Projekte, die mit Millionen bezuschusst werden. Außerdem geht es natürlich auch um die Wichtigkeit von Kultur im öffentlichen Raum. Ich finde das ging hier ganz gut auf, der Raum wurde jedenfalls genutzt, und Platz für Abstand und Hygiene war auch. Sogar mit Markierungen auf dem Boden!
Kadda: Hey, das scheint nicht zu funktionieren mit dem Orientieren. Aber wie auch, es gibt ja nichtmal ein Ziel. Also rückt Mission Pommes auf den Plan, um diesen Mangel zu beheben.
Fö: Wieder zum anderen Spot, wo BETON DE ROUGE aufspielen. Coco und ich hatten uns vorher noch beraten - wir hatten die Band bereits mal in Meuchefitz gesehen, waren uns aber unsicher, wie wir sie fanden. Aber nun fällt es mir wieder ein: Das waren die, die mich eher wenig interessiert haben. Guter Zeitpunkt, um mit Mandy ein Häppchen essen zu gehen.
Kadda: Ja, mach das mal. Mir tat das sehr gut. Fö und ich schlagen uns also ab und ich übernehme mit Coco den Kommentar zur Band. Streckenweise höre ich ganz interessantes, minimalistisches  Zusammenspiel. Nicht allein weil ich die Band sympathisch finde stelle ich mich also in den Nieselregen um gespannt zu sein, ob dies hier meine neue Lieblingsband wird. Aber, da BETON DE ROUGE wirkliche Strecken an Wiederholungen zurücklegt, fehlt mir trotz Überfluss was Ganzes. Die Texte sind mir auch irgendwie zu naiv. Vielleicht verkenne ich auch das dadaistische Moment. Einer englischsprachigen Band würde dies hier wohl kaum vorgeworfen werden, aber leider stört mich das bei der Darbietung enorm.
Coco: Ich finde sie besser, als beim letzten Mal in Meuchefitz. Die Songs gefallen mir sogar teilweise richtig gut und erinnern mich stellenweise an Fehlfarben. Aber die Songs sind einfach viel zu lang! Nach drei Minuten hat man alles gehört. Und dann kommen aber noch fünf weitere lange Minuten dazu, in denen nichts Neues passiert...
Fö: Verpasst haben wir derweil, glaube ich, Performances zu den Themen Polizeigewalt und der Situation von Geflüchteten. Man merkt, heute passiert wirklich viel. Nunja, das Essen war aber auch gut.
Anschließend sind unser Fahrer und unser Beifahrer an den Instrumenten. KACKSCHLACHT heute mal mit wenig Ansagen (buhu!), dafür mehr Musik (juhu!). Hab ich nun echt schon ne Weile nicht mehr gesehen, fällt mir ein.
Kadda: Es sind aber schon ein paar Schenkelklopfer dabei: "Heute spielen wir unser bestes Konzert." zum Beispiel.
Coco: Kackschlacht sind die einzige Band, die ich in dieser trostlosen Pandemie-Zeit öfters mal live sehen konnte. Dankenswerter Weise wohnt der eine dieser zwei Hobbits in meiner Nähe und ich hab mich einfach jedes Mal mit ins Auto gemogelt, wenn Kackschlacht Konzertreise machten.
Coco: Ja, was soll ich sagen, die Kackschlacht ist einfach ein Garant für gute Unterhaltung und prächtige Rumpel-Punk-Hymnen. Wie immer freue ich mich sehr, dabei sein zu können und genieße das Konzert sehr. Viel zu kurz aber war es! Das lange Lied wurde gar nicht gespielt, dabei ist das doch mein Liebligslied.
Fö: Bunt und munter geht es weiter mit der NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN. Die immerhin habe ich dieses Jahr sogar schon mal live gesehen, vor der Pandemie. In Zeiten der Pandemie klappt das aber auch ganz gut. Der Himmel weint.
Kadda: Es schüttet aus Eimern und maskiert wird dazu getanzt. Also ist es doch möglich ausgelassen zu feiern, ohne daraus einen Vollkontaktsport zu machen. Ich ahnte es ja bereits - und mit Notgemeinschaft Peter Pan scheints besonders leicht zu fallen. Nur die Kinder haben nen Stock im Arsch und stehen wie angewurzelt vor der Bühne. Manchmal robben sie aber auch durch die Pfützen vor dem Pavillon.
Fö: Schön fand ich, als ein Kind dem anderen die Saftflasche klaute. Ein Hauch Rebellion.
Coco: Hihi, auf dem Bild sieht es so aus, als hätte die Notgemeinschaft Peter Pan nur drei dreikäsehohe Zuschauer.
Fö: Je kleiner die Zuschauer, desto einfacher ist das mit dem Mindestabstand!
Coco: Das war auch schön! Je öfter ich die Band sehe, desto besser gefällt sie mir.
Fö: Kurz die Lage sondieren. Unsere Unterkunft liegt über den Dächern von Hamburg und bietet phänomenale Aussicht für jede/n maritim-affinen Menschen. Ich bin kurz davor, mir einen Anker stechen zu lassen. Also besser wieder runter.
Kadda: Hach, ich möchte Zungenkuss mit dieser Aussicht machen! Andererseits will ich auch nach dem ersten Aufeinandertreffen mit den Pauli Perlen deren Auftritt nicht verpassen. Wir bereiten uns also auf "Rumstehen im Regen II" vor.
Fö: Mit Regenklamotten ist man auch direkt viel farbenfroher!
Fö: Bier macht von innen nass, Regen von außen. Was willste mehr!
Kadda: Thomas weiß es zwar nicht - denn wiederzuerkennen war ja schon längst niemand mehr in den Wetter-Kostümen - aber ich wurde mehrere Male Zeugin davon, wie er Bekannte mit dem immergleichen "Aber schön, dass es endlich aufgehört hat zu regnen" begrüßt. Ich finde den Witz aber auch ganz gut.
Fö: Es gibt da noch einen überdachten Spot, an alles wurde gedacht. Die nächste Band war auch ganz nett. Nach dem Auftritt fragte ich Häbba, ob er den Namen der Band verstanden hat. Irgendwer sagt "Side Effect" - "Side Effect? Nee, da musst du dich verhört haben! Niemand nennt sich Side Effect!"
Fö: SIDE EFFECT machen so ne Rock'n'Roll-Garage-Punk-Glam-Mischung. Find ich ganz cool! Hat man in dieser oder anderer Form zwar schon öfter mal gehört, aber für Innovationen sind wir nicht hier. Ich find's auch sehr gut, dass man selbst in Pandemie-Zeiten noch neue Bands entdecken kann, ich hatte ja schon die Sorge mangels Livekonzerten würde ich gar nichts neues mehr sehen.
Kadda: Die Pardy geht jedenfalls ganz gut ab. Mir gefällts ebenfalls, nur das Gepose befremdet mich.
Coco: Ich finde die Band ganz wunderbar! Das ist genau die Musik, die ich gern habe. Schön melancholisch, schön Melodie und eine wundervolle Stimme dazu. Ich bin instant Fan!
Coco: Allerdings wurden mir Aufnahmen bei Bandcamp versprochen. Wo sind die? Der Name der Band ist auch selbst in der Bandcamp-internen Suchmaschine nicht brauchbar. Es heißen mehrere andere Bands bereits genauso oder so ähnlich - und Alben und Lieder dieses Namens gibt es schier unendlich viele...sehr unpraktisch.
Fö: Ich meine auch, gehört zu haben, dass man sie mit etwas Suchen in diesem Internet finden würde. Bisher keine Chance.
Fö: Den Abschluss machen die PAULI-PERLEN! Wir durften zuvor schon einer kleinen häuslichen Probe lauschen und waren sofort verliebt. Es gibt, tja, wie beschreibt man das, Playback worüber eigene Texte gesungen werden, die meist von antifaschistischen/linken Themen handeln. Der große Hit scheint "Siamo tutti antifa" auf die Melodie von "Ohne dich" zu sein. Großer Spaß!
Kadda: Im Grunde lässt sich das Prinzip so beschreiben, wie das, was die deutsche Stimme Spongebobs schon auf der Hinfahrt vorgemacht hat. Nur ist das hier halt toll.
Coco: Nicht das schreckliche Lied erwähnen! Uh.
Kadda: Schaut, wie schön die Perlen sind!
Coco: Ein großer Spaß ist das!
Kadda: Pauli-Perlen: "Antifa, it could be youuuu - Das was ich will bist duuuuu..."
Feuerwerk: *peng*
Mein Herz wird heute an die Pauli-Perlen verloren.
Coco: Stimmt, es gab noch ein richtiges Feuerwerk im Hintergrund! Schöööön!
Kadda: Nach dem Happening unseres neuen Lieblingschors erscheint es mir unmöglich, unten im Regen noch was verpassen zu können. Zum urgemütlichen Nachklang ziehen wir uns wieder unters Dach zurück.
Kadda: Alle dürfen mal am Fenster sitzen, über den Hafen hinweg schwelgen und altes Punker-Seemannsgarn spinnen. Nur die Carazza teilt Timo nicht mit uns.
Coco: Bäh, davon will ich auch niemals was ab haben!
Ich wollte eigentlich noch un-be-dingt auf die Rolle gehen. Aber als ich nach einem Socken-Wechsel wieder runter komme, sind alle bereits in Kneipen oder auf WG-Partys verschwunden. Ich gucke noch in zwei Kneipen rein, sehe aber kein mir bekanntes Gesicht. Na gut, dann halt wieder hoch und mit den anderen die Aussicht genießen.
Ich danke Stemmen für die hervorragende Versorgung mit Informationen. Wir waren besser vorbereitet als die meisten Einheimischen und kannten Konzept und spielende Bands, was von Vorteil war. Danke natürlich auch an die Kackschlacht, dafür, dass wir der lästige Anhang sein dürften. Und danke an die nette WG, die gutgläubig eine zwei-Personen-Band einlädt - und dann zusätzlich noch eine Wagenladung voller Clowns mitgeliefert bekommt, die alle noch untergebracht werden wollen  - das war wirklich sehr gastfreundlich. <3
Kadda: In Seligkeit gehüllt döse ich allmählich weg und übergebe das Schlusswort an...
Coco: ...die Aussicht.
Kadda: Ok, nochmal die Aussicht.

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