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Die Ärzte, 12.05.2022 in Berlin, Lido - Bericht von Fö

Die Ärzte, 12.05.2022 in Berlin

Puh, so viel Ärzte-Content auf dieser Seite hatten wir seit 20 Jahren nicht mehr. Aber die Kuh will ja gemolken werden! Wie eventuell bekannt sind, gehen die ärzte derzeit auf Berlin-Tour und spielen einfach mal alles durch, größenmäßig geordnet vom kleinen Schokoladen (Gabi berichtete) über den Frannz Club (Caro berichtete) bis hin zum großen Tempelhofer Feld (da berichtet bestimmt keiner mehr von). Angekündigt wurde das irgendwann letztes Jahr im März, was ein wenig Aufregung in den tristen Corona-Alltag brachte und für ein paar Sekunden zumindest auch ein bisschen Nervenkitzel, als der Vorverkauf gestartet wurde. Der dann aber, zumindest für die kleinen Club-Shows, nach ungefähr 3*Pi Sekunden beendet war. Ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher, ob ich mein Ticket fürs Lido auf fairem Wege "geshoppt" habe oder ob ich dem Zufall, aus Versehen natürlich, auf die Sprünge geholfen habe. Mehr erfahrt ihr in meinem bald erscheinenden Tutorial-Video "hacking online ticket shops in 5 seconds for dummies in a nutshell". Wird eventuell auch bald für Netflix verfilmt.
Jedenfalls haben meine Skills für gerade mal 1 Ticket gereicht, was einerseits schade ist, weil keine Begleitung, aber andererseits auch ganz cool, weil keine Begleitung. Vor Ort kenne ich dann auch irgendwie kaum jemanden, freue mich aber über die Begrüßung "ich dachte du gehst nur auf Underground-Konzerten" von den Üblis (liebe Grüße, nächstes Mal gehe ich mit zum Kiosk).
Einlass ganz angenehm. Es gibt zwar bereits lange vor der Einlasszeit ne Schlange, aber man kann auch einfach warten, bis diese weg ist, und dann reingehen (Lifehacks kann ich auch).
Ich war noch nie im Lido, was natürlich mit ein Grund war, warum ich mich für diese Location entschied. Schokoladen, pff, da war ich schon öfter. Aber Lido? Premiere für mich. Angenehm großer Raum ohne Schlauch, purpurne Vorhänge, große Discokugel, geht klar, finde ich schön. Knapp 600 Menschen sollen hier reinpassen, kommt mir sogar kleiner vor. Immer noch etwas zu groß für meinen Geschmack, aber immerhin bewegen sich die Ärzte aktuell in Größengefilden, mit denen ich klar komme.
Da es heutzutage wichtig ist, sich zu positionieren, beziehe ich Stellung in der hintersten Ecke des Ladens inmitten gleichgesinnter Maskenträger*innen und neben einem Desinfektionsmittelspender, der aber nicht sehr gesprächig ist. Meinen Plan, mich alle 10 Minuten neu zu positionieren (zum einen, weil das in Internetdiskussionen auch so gehandhabt wird und zum anderen, um den sogenannten stehenden Aerosolen keine Angriffsfläche zu bieten), verwerfe ich aber und stelle mir den Wecker, so ungefähr nach einer Stunde Spielzeit weiter nach vorne zu gehen. Ich kann euch dazu gerne eine Flipchart-Präsentation mit Zeit- und Ablaufdiagramm zeigen.
Achja, da sind ja die 3 Nulpen! Alias die Erben der 3 Besoffskis. Da Gabi bereits gespoilert hat, wunder ich mich nicht über "Gute Nacht" als Opener, und alles weitere zum Set lest ihr unter diesem Link.

...

So, alle Details abgearbeitet, Konzertbericht beendet, ab jetzt kommt nur Geschwafel!
Geschwafel hören wir auch von der Bühne. Die Humorlatte hängt tief (höhöhöhö), aber immerhin wird auf Witze über KO-Tropfen verzichtet zugunsten von Witzen über Socken. Als Punkpolizist nehme ich das wohlwollend zur Kenntnis, notiere mir aber diverse Regel-Eins-Verstöße im Publikum.
Als mein Wecker nach einer Dreiviertelstunde immer noch nicht geschellt hat, halte ich es nicht mehr da hinten aus. Ich finde es einfach extrem unangenehm, wenn Leute um mich herum nicht einmal den Anstand haben, aus Höflichkeit zur Musik mitzuwippen. Verstehe ich nicht. Soo scheiße sind die da vorne doch auch nicht, oder? Also bewege zumindest ich mich, und zwar nach vorne.
Was gibt es noch zu berichten? Zu meinem Leidwesen hat die Band tatsächlich die Frechheit gehabt, in jüngster Zeit zwei neue Alben rauszubringen, was die Anzahl "neuer" Alben mindestens verdoppelt hat. Und die neuen Sachen sitzen bei mir halt einfach nicht so. Kann ich der Band nicht vorwerfen, eher mir selbst, aber so sind dann doch zu viele Lieder im Set, die mir einfach nicht geläufig sind, so dass ich mich immer häufiger dabei erwische, wie ich mir die nächste alberne Ansage herbei wünsche.
Alberne Ansagen? Ja! Diese ganz spezielle Dynamik in der Interaktion haben zumindest Bela und Farin definitiv nicht verloren, bei Rod wünschte ich, ich hätte von dem Genuschel mehr verstanden.
Bewährter Rockstar-Move: Publikum gegen andere Städte aufwiegeln (bzw hier: Stadtteile). "Endlich wieder in Kreuzberg! Wir haben vorgestern in Latte-Macchiato-Town gespielt, da waren mehr Lastenfahrräder im Publikum als Publikum" ruft Bela, wenig später gefolgt von der etwas ernüchterten Feststellungen, dass das Kreuzberger Publikum halt schwerer zu überzeugen sei, da hier ja jeden Tag irgendne bekannte Band spielt. Da ist was dran.
Ein Running Gag, der anscheinend schon im Schokoladen geboren wurde: Angeblich lässt sich jedes Lied auf den Text von "Claudia hat nen Schäferhund" ummünzen. Ein paar Indizien, die diese These untermauern, liefert die Band im Laufe des Sets. Beispielsweise einen generischen Metallica-Song oder Klaus Lage oder auch eigene Stücke wie "Paul". Dass das Publikum mitsingt und dabei unweigerlich in die Melodie des Originals verfällt, macht die ganze Sache unfreiwillig absurd.
Spontane Heiratsanträge aus dem Publikum werden abgewiesen mit der Frage "Hast du überhaupt nen Ring dabei?", woraufhin Bela einfällt, dass er ja tatsächlich nen Ring hat, und Farin einen Heiratsantrag macht. Ich fürchte aber, der war nicht ganz ernst gemeint. Da wir uns aber im European Diversity Month befinden, weiß ich die Botschaft zu schätzen.
Sich selbst stellt die Band vor als "Hagen", "Wölli" und "HP Baxxter" (hat schon mal jemand Farin Urlaub und HP Baxxter in einem Raum gesehen?). Mein Lieblingsmoment war tatsächlich die anschließend folgende Publikumsanimation, die daraus bestand, dass die Leute vor "Hagen" die Faust heben, sich im Kreis drehen und "Hagen" rufen, während die in der Mitte ebendieses mit zwei Fäusten und dem Namen "Wölli" tun sollten - und die links einfach nur betreten und verschämt "HP Baxxter" murmeln mussten. Das alles laola-mäßig choreographiert war echt eine Glanzstunde des Nonsense-Quatsches!
Es wird auch immer mal auf Leute aus dem Publikum reagiert. Zum Beispiel, als sich jemand "Felicita" wünscht und dieses tatsächlich dargeboten wird. Weitere mehr oder weniger spontane Setlist-Variationen waren "El Cattivo", das sich der Lichtmensch nachmittags beim Soundcheck ("das ist wie ne Probe!") gewünscht hatte, und später zur Zugabe (ihr merkt, meine Erinnerungen sind nicht chronologisch) "Ihr Helden", nachdem Rod feststellte, dass die vom Publikum gegrölte "Döpdöpdöp"-Scooter-Melodie der Akkordfolge des Hass-Klassikers doch recht nah kommt.
Publikum mitunter schon recht anstrengend, ich verstehe diese Kornkreise, die vollkommen willkürlich an den unpassendsten Stellen in den Songs aufgemacht werden, einfach nicht. Ich weiß, hat seinen Ursprung vermutlich in irgendwelchen Wacken-Dokus, wirkt so aber einfach nur als Spielwiese für Selbstinszenierer. Schön war einzig der Moment, als eine Konzertbesucherin die leere Fläche nutzte, um ein-zwei-drei Rad zu schlagen, was Bela spontan dazu verleitete, den Ehering von Farin zurückzufordern. Der oberkörperfreie Bierbauch-Purzelbaum, hier im Bild, fand dann aber weniger Anklang.
Ansonsten sieht der Raum und diese Discokugel aber einfach schön aus!
Ungewöhnliche Musikinstrumente: Das Kinder-Akkordeon! Nagut, hier auf dem Foto seht ihr Rod an der Flöte. Die hatte aber auch definitiv mehr Stil als das Akkordeon, das zog sich etwas. Hihi.
Pluspunkt: Songs von der "Le Frisur" wie "No Future (ohne neue Haarfrisur)", "Der Afro von Paul Breitner" und das obligatorische "Dauerwelle vs. Minipli". Auch gefreut habe ich mich über "Die Wiking-Jugend hat mein Mädchen entführt" und "Punkbabies", und dass Klassiker wie "Westerland", "Zu Spät" und "Schrei nach Liebe" in der Mottenkiste verschwinden, finde ich zwar überraschend, aber auch nicht weiter schlimm. Totale Live-Kracher sind hingegen definitiv "Wie es geht", "Unrockbar", "Himmelblau", "Junge". Lieder, die ich eigentlich eher unter "neu" einsortiert hätte, mir aber trotzdem noch geläufig sind. Achja, das Alter.
Foto von einem T-Shirt. Passend auch eine Anmerkung von Bela (in "Achtung: Bielefeld"), in der es sinngemäß darum ging, dass eine Mutter in der Ukraine froh wäre über ein bisschen Langeweile.
"Alle auf Brille" ist, zugegeben, zwar ein neuer, aber ein wahrlich wichtiger Song! Auch wenn ich die Message nicht so ganz teile. Da ich aber als Member der Glasses Gang auf die Unterstützung britischer Schläger*innen setzen kann, sehe ich einer Konfrontation mit Belas blinden Oi-Schergen gelassen entgegen.
"So, bis zum nächsten Mal, zum Beispiel morgen im SO36. Gibt bestimmt ein paar Brillenträger, denen ihr noch Tickets abnehmen könnt!". So ungefähr die Verabschiedung, oder eine von vielen. Es gab zwei Zugabenblöcke. Die Band war auch schon mal unberechenbarer.
Abschließend noch ein Foto, das ich sehr schön finde, weil der Typ in der Mitte so wunderbar schreit. Und wie fällt jetzt mein Fazit aus? Nettes Konzert in einem schönen Laden, das stellenweise so seine Längen hatte und einfach nicht an die erhoffte Euphorie heran reichte, die ich noch beim Konzert vor 3 Jahren in Prag verspürte. Kürzeres Set und dafür ne gute Vorband, das wär geil gewesen, auch wenn ich mir gewahr bin, dass dies 90% des Ärzte-Publikums anders sieht. Aber dass Die Ärzte ein Händchen für gute Vorbands haben, das wissen wir ja, nich wahr? Shout-Outs an The Dead End Kids, so viel Schleichwerbung sei erlaubt. Gute Nacht!

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Band:
Die Ärzte
Musikstil: Rock, Punk
Herkunft: Berlin
Homepage: www.bademeister.com
Konzertberichte: 58
Rezensionen: 1

Location:

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