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Fjørt, Ashes Of Pompeii, 20.03.2026 in Dortmund, FZW - Bericht von Oberbüscher

Fjørt, 20.03.2026 in Dortmund

Freitagabend. Wochenende. Fjørt. Ich glaube zum dritten Mal im FZW. Das erste Mal vor 10 Jahren. Damals noch in der kleinen Halle. Seitdem haben die Aachener eine beachtliche Entwicklung hingelegt, Genregrenzen gesprengt, Fans gewonnen, Fans verloren, und sind trotzdem irgendwie immer ein bisschen größer geworden. Zu groß? Das muss vor Ort entschieden werden.
Wir stolpern mitten in die Vorband ASHES OF POMPEII rein. Die große Halle ist schon voll und das Konzert wohl auch ausverkauft. Deswegen stehen wir auch sehr weit weg von der Bühne und machen uns gar nicht erst die Mühe uns durch die Menge zu kämpfen.
AOP waren schon beim ersten Fjortkonzert im FZW dabei. Wenn ich mich recht erinnere war das damals schon sone Art Reunion. Seitdem aber auch nichts wieder von denen gehört. Er erklärt das auch irgendwann nochmal, aber wir kriegen nicht viel mit.
Trotzdem kann die Vorband auch die große Bühne gut füllen. Auf die Ohren gibt es Postrock, bisschen -core. Viel Gitarre. Gutes Handwerk, schafft es aber nicht meine Aufmerksamkeit ungebrochen zu halten. Der Sänger ist emotional, könnte aber mehr schreien. Außerdem klingen die Texte trotz englischer Lyrics irgendwie deutsch.
Nach langer Umbaupause, wird es dunkel im Saal und es folgt ein Disclaimer, mit dem alle notwendigen Minderheiten begrüßt und alle, die damit nicht d’accord sind, ausgeladen werden. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, ist heutzutage aber leider nötig und bei sowas haben Fjort immer schon sowas wie eine Vorreiter-Rolle eingenommen. Danach folgt ein noch längeres Intro, auch dafür sind die bekannt. Irgendwie zündet dieser Spannungsbogen bei mir noch nicht.
Lichtshow wird gefühlt jedes Mal krasser und als die Halle dann endlich in tiefes Blau gehüllt wird, ist es Zeit für Anthrazit. Zweite Album, erster Banger. Die Band nimmt Fahrt auf und segelt südwärts zurück in eine Zeit in der man noch unter der Woche ins FZW gehen konnte.
Auf dem vorherigen Album „nichts“ gab es mehrere solcher Rap-Parts. Damit haben die sicherlich viele neue Fans gewinnen können und die Message war auch immer stabil, aber ich muss gestehen, dass das für mich nie so richtig mit dem frühen Postcore/Emo-Sound zusammengepasst hat. Klar kann darf man sich künstlerisch weiterentwickeln, aber dann muss man auch damit Leben, dass man auch ein paar frühere Anhänger:innen auf der Strecke lässt. „kolt“ ist einer dieser Songs und der besagte Bassist schreit wütend ins Publikum: „David, fick dich!“ Geht es da wirklich nur um die Selbstreflexion?
Das neue Album gefällt mir echt besser. Da gibt es zwar auch Rap-Passagen, aber auch ganz viel Black Metal. Generell scheint die Band zurück zu früher Härte gefunden zu haben und das steht ihnen sehr gut. Zwischendurch gibt es ein düsteres Schattenspiel auf der Bühne. Die Gitarren hämmern dazu gnadenlos. Das war bei denen schon immer sehr gut, wirkt jetzt aber noch akzentuierter und sorgfältiger eingesetzt. Vollends entfaltet sich diese Dramatik in „lot“.
Wir stehen jetzt deutlich näher vor der Bühne, aber hier muss man wohl damit leben, dass man alle 5 Sekunden ein Smartphone-Display vor der Nase hat. Kann man das nicht irgendwie im Disclaimer am Anfang aufgreifen? Machen andere Bands in der Größenordnung doch auch. Zudem wird regelmäßig geklatscht, und zwar im Gleichklang mit den Händen überm Kopf. Wir verlassen die wundervolle Subkultur des Postcores und landen im Dadrock. Das ist schon alles sehr deutsch, aber gehört wohl dazu, wenn man die großen Hallen füllen will.
Aus großer Kraft folgt große Verantwortung. Irgendwann hebt David komplett ab und schwebt über unsere Köpfe durch die Halle. Sehr, sehr lange Ansage. Klare Kante, aber auch viel Dankbarkeit. Er erzählt von früheren, viel kleineren Shows, befreundeten Bands und dass er selbst oft auf der Visions-Party im FZW war. Da blüht mein Herz auf und ich muss schmunzeln, wenn ich an Kosslowski oder an Longing for Tomorrow zurückdenke. Wie jung wir waren. Wie jung die waren.
Vergleichsweise ruhig erscheint mir heute der Gitarrist und Sänger Chris. Ist vermutlich abgesprochen, dass David die ganzen Ansagen und das Drama macht. Eigentlich aber schade, weil ich Chris immer als Mastermind hinter dem ganzen Zirkus verstanden habe und auch schon auf Fjort-Shows war, auf denen er deutlich mehr aus sich herausgekommen ist. Postcore-Riffs und Stimme aber ganz oben!
Weitere Highlights sind Couleur und Valhalla, was leider der einzige Song vom ersten Album bleibt. Nichts von der EP. Naja, wer so ein Repertoire hat muss wohl Abstriche machen. Dafür viel vom vorletzten Album, das scheinbar noch nicht vollends verarbeitet worden ist.
Bei der Zugabe dann nochmal drei aktuellere Songs. yin ist mir ruhig, feivel heute zu poppig, nacht sehr gut. Wirkt alles sehr reif und lange reflektiert. Das Konzert ist aber auch sehr lang und wir lassen uns Song für Song langsam nach hinten drängen. Hinter den (überschaubaren) Pit, vorbei am Mischpult (tolle Arbeit), in Richtung Bar (Wochenende).
Zu groß? Zu viel? Für mich ja, aber für viele hier definitiv nicht. Das ist vielleicht die größte Hardcore-Band Deutschlands. Zumindest in Deutschland und auf deutsch. Ist schon ok. Das haben die sich lange erarbeitet und wir werden alle älter. Ich muss jetzt aber gehen.
Im FZW findet im Anschluss sowas wie ein Aftershowparty statt, die aber 9 Euro kostet! Bei den Ticketpreisen hätte man den Eintritt ruhig mal inkludieren können. Die meisten sind doch eh von außerhalb und der Rest kommt über Getränkepreise rein. Wie war das nochmal auf der Visions? 2 für 1 mit Bändchen?


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Location:
FZW
Ritterstr. 20
44137 Dortmund

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