G'schrei in den Mai: Normahl, Jackl Und Die Bierpressen, Flausen, Violet Bloom, Steel Deal, Kittl, 01.05.2026 in Prölsdorf, Sportgelände - Bericht von Zwen
G'schrei in den Mai, 01.05.2026 in Prölsdorf
Am Gelände des SC Prölsdorf angekommen verpasse ich erstmal die Einfahrt. Egal, so bleibt mehr Zeit für Fotos von der Idylle bzw. fürs Foto machen von Menschen, die Fotos machen. Ein paar andere Leute sind ebenfalls bereits heute angereist. Trotzdem ist das alles recht überschaubar und verspricht familiär zu werden. Besonders scheinen sich die neben uns campenden Bielefelder*innen zu freuen, die es gar nicht so recht fassen können, dass ich extra aus Dortmund angereist bin.
Heute Abend gibt es bereits ein bisschen Flaschenbier, ein wenig Musik aus der Dose und einen Live-Act namens FLAUSEN. Der scheint - obwohl langhaarig - aus dem fränkischen, politischen Oi! zu kommen. Ein bisschen Politik, ein bisschen Saufen und viel Gegröle.
Nachdem eigene Songs und Cover von Gewohnheitstrinker bis Knochenfabrik gespielt wurden, wird dann Tommy Blaulicht auf die Bühne geladen und darf auch mal. Gecovert wird weiter fleißig. Das passt gut zum Biertrinken und Faustrecken. Soweit ein schöner Einstand, morgen gehts dann weiter.
Wir springen mal zum nächsten Morgen: Nach einer ordentlichen Tüte Schlaf hören wir beim Frühstück doch tatsächlich Blasmusik. Sowas gibt es nicht nur aufm Wacken oder auf dem Seepogo, sondern auch auf dem G'schrei in den Mai. Hier dürfen JACKL UND DIE BIERPRESSEN eröffnen bzw. den hier Anwesenden das Frühschoppen untermalen.
Joa, ach, scheint die Haus- und Hof-Band des Krach am Bach zu sein, von daher macht es Sinn, dass sie auch heute ein paar Hits zum Besten geben. So wird sich nämlich fleißig durch die Rockwelt gecovert u.a. bekommen wir "Bella Napoli" zu hören. Die Kapelle spielt dann auch wahnsinnig lange.
Irgendwann geht es dann aber doch im Zelt weiter. Das Festival heißt zwar G'schrei in den Mai bis jetzt war davon jedoch noch nicht viel zu hören. Das wird sich aber mit dem Auftauchen von VIOLENT BLOOM komplett ändern. Direkt von Sekunde eins an gibt es anständige Präsenz und freundliches Geschubse in den ersten Reihen. So kann man doch in den lauten Teil der Veranstaltung starten.
Von Vocals über Saiteninstrument und Drums hier passt doch schon direkt alles. Stabile Ansagen gibt es on top.
Die nächste Band, STEEL DEAL spricht sich während ihres Auftritts exakt gegen zwei Sachen aus: Gegen Instagram und gegen den Ruhrpott. Merkel wird in Ruhe gelassen. Was natürlich absolut Sinn macht, die letzte Zeche im Ruhrgebiet wurde ja bekanntlich endgültig 2018 still gelegt und Instagram ist halt eh Schrott. Aber bestimmt mögen sie dann bierschinken.net. Unsere Website gibt es schließlich schon seit 2000.
Helena verrät mir dann, dass die Band aus Darmstadt kommt. Die Einheimischen scheinen wenig Probleme mit den Standpunkten der Band zu haben, weshalb das Zelt sehr gut gefüllt ist und auch im Pit bereits sehr gute Action abgeht.
Viel gesehen haben wir aber nicht vom Auftritt, da wir erstmal den Bier- und Fressstand erkunden müssen. Die Preise sind fair und auch vegan/vegetarisch kommt hier nicht zu kurz. Den für die Region typischen Humpen Helles gibt es bereits für 4€.
Erwacht aus meinem Dornröschenschlaf und bereits wieder ein paar Kaltgetränke an der Kehle, geht es für mich mal wieder Richtung Bühne. Dort zeigen gerade KITL, was sie können. Covern können se, dat sind se. Zumindest gibt es die größten Deutschpunkhits und noch mehr von Übersee. Ich bin gerade ziemlich froh, dass kein Hardcore mehr spielt und jetzt einfach nur noch friedlich-freundliche Pogo-Action angesagt ist.
Scheint auch genau das zu sein, worauf die Meute - egal, ob aus Franken oder aus Bielefeld - gewartet hat. Zumindest werden kräftig die Finger in die Luft gereckt und fleißig mitgesungen.
Headliner des Festivals ist die Band NORMAHL. Ich habe sie vor sehr viele Jahren mal auf dem Punk Im Pott gesehen, außerdem liefen Songs wie "Deutsche Waffen Deutsches Geld" oder "Fraggles" sehr oft auf Partys, im Rattenloch oder Punk&Skin-Treffen.
Heute werden all diese Hits gespielt und noch vieles, vieles mehr. Das Konzept, die politischen Songs in der ersten Hälfte und dann die Sauf- und Party-Songs später zu spielen, halte ich für eine sehr gut Entscheidung. Tatsächlich hat die Band, die ich als "is ganz nett" abgespeichert heute, zumindest mich auf ganzer Linie überzeugt.
Sänger Lars Besa erklärt uns heute erstmal die Bedeutung vom Tag der Arbeit. Ich wünschte Markus Söder könnte nicht nur diese Ansage sondern auch die zwei Cover von Hannes Wader hören. Gespielt wird "Auf, auf zum Kampf" und "Es ist an der Zeit". Beide Songs könnten nicht aktueller sein! Während am Sozialstaat und an Arbeitnehmer *innen-Recht gespart wird, als gäbe es kein Morgen (und Reiche sich immer mehr bereichern) und zeitgleich Unsummen ins Militär gesteckt werden um die nächste Generation elendig zu verheizen, ist mir persönlich der passive Widerstand gegen eben diese Maßnahmen aktuell fast noch ein wenig zu gemäßigt.
Auch der neue Song "Schwäbisch Gmünd" funktioniert sehr gut. In dem Song geht's übrigens um den Ort mit dem bescheuerten Namen. Genauer gesagt darum, dass dieser Ort Scheiße ist, weil Normahl dort noch nie gespielt haben.
Dann zum Schluss nochmal "Fraggles" und "Biervampir" und das ganze Zelt ist einfach nur hart am Feiern.
Fazit: Was ein absolut tolles Festival! Nicht zu 100% seriöse Insiderquellen haben mir gesagt, dass das Krach Am Bach in diesem Jahr wohl zum letzten Mal stattfinden wird, sich dafür aber das G'schrei in den Mai etablieren soll. Vielen Dank an dieser Stelle an den Sportverein und an alle Helfer*innen. Super Bier, Umsonstfestival, toller Platz, gute Orga, nette Bands und das Essen war auch top. Ach ja, außerdem gab es Spülklos. Top! Top! Top!
Eigentlich ist es auch gar nicht so schlecht, dass das Festival nur an einem Tag stattfindet. So sind wir am Samstag ordentlich platt, haben aber noch genug Zeit um uns das Umland anzuschauen. Dankenswerterweise ist Helena mit meinem Vorschlag, die Gegend um Hirschbach (ca. 50 km von Nürnberg entfernt) genauer in Augenschein zu nehmen, einverstanden und so (ver)fahren wir uns am Samstag in eben diese Richtung.
Hier gibt es in der Nähe eines kleinen Wirtshauses einen Wanderparkplatz, wo man für einen kleinen Obolus die ganze Nacht mit dem Camper stehen darf. Dementsprechend erklären wir diesen Spot für unser Lager für die nächsten 24 Stunden.
Wir gehen direkt mal die Gegend erkunden. Das Frankenjura überrascht mit einer unglaublichen Vielfalt an Wäldern, Feldern, Höhlen, Hügeln, Türmen, Felsen und jeder Menge Grün.
Nach Beendigung unserer heutigen Tour kehren wir noch im Gasthof "Goldener Hirsch" ein und trinken jeweils zwei Halbe. Danach falle ich ins Bett, damit ich morgens nicht komplett im Arsch bin. Schließlich habe ich da noch was vor.
Das mit dem Aufwachen klappt so semi-gut. Zwar stehe ich ungefähr zur gewünschten Zeit auf, merke aber die letzten Tage sehr deutlich in Lunge und Knochen. Na, das kann ja heiter werden, v.a. wenn man bedenkt, dass ich mich heute am Höhenglückssteig, den angeblich schwersten Klettersteig nördlich der Alpen, probieren möchte.
...und was soll ich sagen?! Dieser Steig trägt seinen Titel wirklich mit Recht! Zumindest finde ich die Routenführung, v.a. aufgrund der absolut abgetretenen oder besser gesagt glatt geschmirgelten Steine, wahnsinnig anstrengend. Mehrmals rutsche ich mit den Füßen weg und kann mich nur mit den Armen wieder hochstemmen. Das geht so lange gut, bis ich versuche ein als "extra schwer" gekennzeichnetes Wegstück zu bezwingen und meine Füße komplett wegrutschen. Ich schaffe es noch mich ein paar Sekunden am Drahtseil zu halten und versuche mehrmals meine Füße irgendwo einzuhaken. Das klappt jedoch alles nicht und so gebe ich mich meinem Schicksal hin und lasse mich in den Gurt fallen.
Verletzt habe ich mich nicht, dafür hänge ich ziemlich blöde in der Luft und komme auch aus eigener Kraft nicht mehr zurück auf den Weg. Zum Glück haben genug Leute mein lautes "Fuuuuuck!" gehört und heben mich wieder an den Steig. Glück gehabt! Und so endet unser kleiner Ausflug in diese Gegend und wir machen uns wieder auf den Weg Richtung Norden.
































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