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Jandaba Festival Tag 2: Aguna, Little Rocks, Tape Visitors, Lucid Lust, Never bite!, Izmir, Magistros, 31.07.2026 in Kutaissi (GE), Riff Raff - Bericht von Dr_Lü-Ken_moderiert

Jandaba Festival Tag 2, 31.07.2026 in Kutaissi

Gamarjoba vom Hangout „Riff Raff“ in Kutaissi! Eigentlich waren meine Reisepläne für heute bereits anders geplant und ich wollte schon in die Berge fahren, aber angesichts dieses tollen diy-Festivals bin ich doch noch einen Tag länger hier. Die nächsten zwei Tage haben einen deutlich stärkeren Metal-Hintergrund, sodass ich diese guten Gewissens skippen kann. Ich bin deutlich später als gestern vor Ort und sehe noch die letzten Songs der Metal-Band Magistros. Kartoffelbedingt und aufgrund netter Gespräche verpasse ich die nächste Metal-Band Kremaster komplett. 
Die Band Never bite! sehe ich als erste des Abends komplett. Auch hier gibt es eine deutliche Metal-Note zu hören, aber eher in Richtung Nu-Metal. Die Sängerin ist zwischenzeitlich sehr genervt von dem ihrer Meinung nach zu wenigen Moshen und will mich in die Mitte ziehen. Ich wehre mich mit aller Kraft, um nicht noch einen weiteren Bänderriss zu erleiden. Wir quatschen kurz nach dem Auftritt und können die Situation aufklären. 
Erstes Highlight des Abends: Aguna aus Tiflis. Das Trio gründete sich, wie ich aus Gesprächen erfahre, aus der Protest-Bewegung gegen die Wahl des georgischen Traums, einer russlandfreundlichen Partei, die durch zahlreiche Ungereimtheiten bei der Wahl und einer großen Social Media Kampagne an die Macht gekommen ist. Aguna spielen einen mitreißenden Mix aus Grunge, Stoner und Punk. Treibender Bass, Schlagzeug mit vielen technischen Finessen, starke Gitarre. Viele Songs beginnen langsam und enden in einem sphärischen Mix. Toll!

Die kurze Pause nach Aguna nutze ich, um oben frische Luft zu schnappen. Ich komme ins Gespräch mit ein paar locals. Schnell wird eine Runde selbstgebrannter Chacha, ein georgischer Grappa mit über 50 Prozent, ausgeschenkt. Leider stellt sich einer der Metal-Dudes als ziemlicher Burzum-Fan heraus, der mir die angeblich völlig chaotische Lage in den deutschen Städten ausgelöst durch Migration erklären will. Ich versuche noch kurz dagegen zu argumentieren, gehe dann aber irgendwann weiter. Denn eine Band will ich nicht verpassen. 
Lucid Lust! Einzige all female*-Band des Festivals. Dem Burzum-Typen sei Dank, verpasse ich ein paar Songs. Aber das, was ich sehe, weiß durchaus zu überzeugen. Es ist ein deutlich poppiger Mix, der sich immer mal wieder bei anderen Genres wie Grunge, Nu-Metal und Punk bedient. Dabei haben Lucid Lust einen eigenen Sound, der durch Saxophon und Keyboard sehr eigenständig klingt. Sie sind auch wohl erst seit Kurzem in dieser Formation zusammen, nachdem fast alle Mitglieder die Band verlassen haben. Davon ist der Band aber nur wenig anzumerken. Insgesamt ein erfrischender Act zwischen all den eher hardcorelastigen Bands. Die nächste Hardcore-Band Zombie Orc verpasse ich. 
Nächste Band: Little Rocks, ein Duo aus Tiflis, das eine Mischung aus Rock, Alternative und Grunge zum Besten gibt. Die zwei schaffen es nur mit Gitarre und Schlagzeug eine solche Wand zu erzeugen, die unglaublich gut klingt. Etliche Songs starten eher langsam und ruhig, um schließlich in einem großen repetitiven Finale zu enden. Groß!
Das Logo des Clubs überzeugt mich sehr, wie das Festival im Gesamten. Es gibt ein Banner gegen Rassismus und eins gegen Russland sowie die Sankt-Pauli-Flagge. Ich habe am Ende mit allen Veranstalter*innen gesprochen, die super tolle Menschen sind. Unglaublich, wie viel Herzblut die Leute in das Festival stecken. Fast vierzig Bands in vier Tagen, Übernachtungen in dem Hostel über dem Laden. Sie kochen, organisieren, schenken Getränke aus und tanzen während der Gigs unten und haben immer wieder ein offenes Ohr für die Leute. Dabei ist das Festival zum ersten Mal in Kutaissi. Letztes Jahr fand das Festival mit ähnlichem Engagement in Baghdati, eine halbe Stunde südlich von Kutaissi statt, allerdings mit deutlich weniger Besucher*innen. Magnus hat auf seinem YouTube Kanal soundtrack of georgia Songs von jeder Band veröffentlicht und für einen anderen Kanal namens loudsociety ein making of Video zum Festival gedreht. Auch dieses Jahr werden einige Aufnahmen vom Festival veröffentlicht werden. 
Vorletzte Band des Abends: Tape Visitors. Sie wurden mir angekündigt als eine Indie-Band und kommen aus Tiflis. Nach den ersten paar Minuten kann ich das Label Indie durchaus nachvollziehen, spielt die vierköpfige Band doch schon ein paar Songs mit Off Beat. Aber das tut der Sache keinen Abbruch, weil sie wirklich raue Töne spielen und das gar nicht glatt und poppig klingt. Ich fühle mich durch die Sängerin an Placebo erinnert. Der Sound der Band, der durch Grunge, Alternative und Indie geprägt ist, versetzt mich doch glatt in die 90er. Ein bisschen lang kommt mir der Auftritt vor, es kann aber auch an der deutlich fortgeschrittenen Zeit liegen, so ist es schon 1:30 Uhr und ich seit 19 Uhr vor Ort. Es kommt aber noch eine Band. 
Letzte Band des Abend sind Izmir aus Kutaissi. Von allen Locals werden mir die Jungs als die Band des Abends vorgestellt. Zu hören gibt es einen super düsteren Post-Punk, der mich gesanglich an Interpol oder the National erinnert. Aber der Sound ist nicht so poppig, schneller, treibender. Insgesamt merke ich aber, dass mich das nicht mehr so abholt und ich freue mich, endlich ins Bett zu fallen. Danke für alles, Jandaba <3


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Location:
ედუარდ როძევიჩის ქუჩა
4600 Kutaisi (GE), Georgien

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