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Montag, 16.09.2013: Antillectual: Interview
Gerdistan war letzten Mittwoch bei Antillectual und Timeshares in München - Bericht davon hier!
Mit Antillectual hat er dann auch direkt mal ein schönes Interview geführt! Und das könnt ohne Umschweife hier lesen:


Gerd: Hallo, hier spricht Gerd von Bierschinken, zusammen mit Antillectual aus dem Backstagebereich des Backstage in München. Könnt ihr kurz eure Namen sagen, damit ich das hinterher besser auseinandertüdeln kann?
Willem: Ich bin Willem, Sänger und Gitarrist.
Riekus: Riekus, Schlagzeug.
Glen: und Glen, Bassist.

Gerd: Also, ich hatte zwei Optionen wie ich dieses Interview durchziehen könnte. Entweder recherchieren, Fragen vorbereiten, das ganze hier ernst nehmen... oder zwei Liter Bier trinken und gucken was passiert. Ihr dürft raten, für welche Variante ich mich entschieden habe. Also, erste Frage, wir fangen mit dem Offensichtlichen an. Eure Band heißt Antillectual - ist das nicht etwas widersprüchlich, sobald man sich mal mit eurer Musik und euren Texten beschäftigt und feststellt, dass es was ganz anderes ist als der stumpfe Punk, den man bei dem Namen erwarten würde. Eure Musik ist nicht "anti-intellektuell", oder verstehe ich das falsch?
Willem: Nein, du hast recht, es ist anders gemeint. Es heißt nicht anti-intellektuell oder dumm oder sowas, wie viele Leute es verstehen. Es bedeutet eher, auf eine "anti"-Art intellektuell zu sein. Auf eine kritische Art. Kritisch sein, aber dein Gehirn benutzen. Rational sein, über das, wogegen man sich positioniert und was man kritisch betrachtet. Nicht einfach den Meinungen von anderen Leuten hinterherlaufen, keinem "Hype" folgen. Das Gehirn benutzen.
Riekus: Aber eine Menge Leute verstehen das falsch.
Willem: Ja, das stimmt. Ist nicht deine Schuld, du bist nicht der erste, der das falsch versteht.

Gerd: Alles klar, nächste Frage: Ihr seid aus den Niederlanden, sagt auf der Bühne aber immer "Holland". Die meisten Deutschen setzen Holland und die Niederlande gleich, das stimmt aber nicht, seid ihr also wirklich aus dem Holland-Teil?
Riekus: Keine Ahnung, ich glaube es ist einfach leichter auszusprechen.
Willem: Und so viele Leute benutzen einfach beide Begriffe gleichwertig. Ich glaube, Holland ist einfacher auszusprechen und mehr Länder kennen Holland als Hollanda oder sowas. Mehr Leute erkennen das wieder. In Frankreich ist es natürlich pays-bas, die Niederlande... keine Ahnung. Vielleicht sollten uns Leute von außerhalb der Niederlande sagen, wie wir es nennen sollen, aber du hast recht, wir sind nicht aus dem Holland-Teil der Niederlande.

Gerd: Da mir schon mal ein paar Niederländer gesagt haben, man sollte Holland und die Niederlande nicht gleichsetzen, habe ich gedacht, zumindest die Niederländer selbst würden das auch nicht tun, versteht ihr?
Riekus: Vielleicht sollten wir auf die Bühne gehen und einfach sagen, dass wir Antillectual aus Nijmegen sind.
Willem: Und aus Eindhoven! Aber es ist kompliziert. Du bist entweder aus Holland oder den Niederlanden, du redest "dutch", du bist "dutch", es gibt so viele Missverständnisse. Ich glaube, Holland ist einfacher auszusprechen, zu verstehen, zu hören.

Gerd: Wo wir gerade von Missverständnissen sprechen: Ich hab ein paar Leuten erzählt, dass ich ein Interview mit einer niederländischen Band machen würde und die haben dann mit der uralten Deutschland-Niederlande-Rivalität angefangen. Gibt es das noch, in der Punk-Szene, auf Tour, irgendwo? Also genau das, worüber die Heideroosjes das Lied "Wurst und Käse" geschrieben haben.
Willem: Überhaupt nicht.
Riekus: Besonders in Deutschland nicht.
Willem: Aber es gibt sowas bei uns, ich meine... wie sagt man das. "Minderwaardigheidscomplex"?

Gerd: Das deutsche Wort ist sehr ähnlich, Minderwertigkeitskomplex, ich verstehe was du meinst.
Willem: Also, jedenfalls beim Fußball stehen die Statistiken nicht gerade auf unserer Seite. Ich glaube, das hat damit viel zu tun und mit der ganzen Geschichte, aber ich glaube das ist klar.
Riekus: Wir machen trotzdem manchmal Witze über Fahrräder.

Gerd: Und über Holzschuhe und Käse.
Willem: Nein, die macht nur ihr. Wir nicht.

Gerd: Ok, ihr macht nur die Fahrradwitze. Auf einem eurer Alben habt ihr einen Gastpart mit Chris Hannah von Propagandhi und ihr seid ja auch Fans der Band.
Willem: Ja, auf jeden Fall.

Gerd: Ich kenne Propagandhi-Fans, die etwas arrogant sind und sich als etwas Besseres fühlen als Leute, die NOFX oder irgendwelche anderen Fun-Bands hören. Eure Musik ist auch eher ernsthaft, also was denkt ihr darüber?
Willem: Was, dass Propagandhi ernsthafte Musik ist, oder unsere?

Gerd: Beides, denke ich. Oder hab ich den witzigen Teil eurer Musik nicht verstanden? Ok, ihr habt ein paar Wortspiele in euren Songtiteln, aber...
Willem: Ja, ok, eins nach dem anderen. Wenn du Bock hast, witzige Musik zu hören, ohne Politik, ohne irgendeine Aussage, kein Problem, mach das, ich werde das nicht verurteilen. Und genau andersherum auch, wenn du Musik mit Aussage hören willst, warum ein Problem daraus machen? Warum gibt es so ein Problem, warum reden wir darüber? Gute Frage, auf jeden Fall, ich glaube nicht, dass das ein Problem sein sollte. Ich selbst höre beide Arten von Musik, ich mag Musik mit Aussage und ich glaube eine korrekte Aussage kann deiner Musik zusätzlichen Wert verleihen. Manche Bands werden eher gemocht, weil sie eine Message transportieren, andere Bands eher wegen ihres Humors. Ich hab Blink 182 gehört, ich gehe gerne auf Konzerte von NOFX, und so weiter.
Riekus: Und ich meine, NOFX sind nicht nur auf Spaß aus.

Gerd: Nein, die schaffen das ganz gut, witzig zu sein und eine Aussage rüberzubringen.
Willem: Und wie du bereits bemerkt hast, wir versuchen mit den Songtiteln witzig zu sein und ein paar Gags in den Lyrics und auf den Shows einzubauen.
Glen: Und wir hassen Adam Sandler.

Gerd: Ihr hasst Adam Sandler? Naja, wer nicht.
Riekus: Naja, und zu dieser ganzen "Band mit Aussage ist besser als Band ohne Aussage"-Sache: Das ist Bullshit. Ich glaube nicht, dass es ok ist, zu sagen "Diese Band hat eine Aussage, also sind sie besser oder mehr relevant als andere Bands". Das ist nicht richtig. Ich meine, ich bin froh dass es Bands mit Message gibt. Ich glaube nicht, dass es Bands gibt, die wirklich gar keine Aussage haben, ob sie jetzt politisch ist, oder persönlich...
Willem: oder rassistisch (lacht).

Gerd: In Deutschland gibt es da gerade eine große Debatte über die sogenannte Grauzone, ich weiß nicht ob ihr davon gehört habt...
Willem: Die sogenannten unpolitischen Bands?

Gerd: Genau, sowas. Gibt es sowas in den Niederlanden?
Willem: Ich glaube, das ist kein so großes Problem in Holland, bzw. den Niederlanden (lacht), ich glaube das ist eher ein sensibles Thema in Deutschland. In Holland gibt es weniger aktive Skinheads und Nazis, und wenn du aktive Nazis irgendwo siehst, sind es meistens Deutsche die zum Demonstrieren zu uns rüberkommen. Rechte Musik in Holland - klar gibt es da ein paar Bands, und es gibt auch ein paar Oi-Bands und rechtsoffene Bands, und es gibt Bandmitglieder die hier und da schon mal mit fragwürdigen Bands gespielt haben oder sonstwie involviert sind - es kommt vor, aber es ist nicht so ein großes Thema wie in Deutschland. Vielleicht liegt es daran, dass es in den Niederlanden nicht so oft vorkommt, oder dass die Leute hier deutlich weniger sensibel sind, was das angeht - ohne zu sagen, ob das jetzt gut oder schlecht ist - aber ich glaube, das sind zwei Erklärungsansätze.

Gerd: Ok, alles klar. Zurück zur vorherigen Frage, Propagandhi, Musik mit Aussage, wen würdet ihr als eure Einflüsse bezeichnen, musikalisch gesehen. Außer Propagandhi natürlich.
Willem: Willst du Bandnamen hören oder den einfachen Ausweg? (lacht) Ich fang mal an. Ich habe durch Skateboardvideos angefangen, Punkrock zu hören, da waren Bands wie Pennywise und ich hab mir gedacht, wow, das ist andere Musik als man sie aus Radio und Fernsehen kennt. Sehr energetisch und geradeheraus, was gibt es da noch? Und so habe ich in den 90ern Skatepunk gehört, danach kam die Emowelle in den 2000ern, das habe ich mir auch angehört, der nächste Einfluss war dann der "No Idea-Gainesville-Sound", und das ist - so im Großen und Ganzen - was unsere Musik stark beeinflusst hat.
[Der Booker betritt den Raum und stellt irgendwelche Fragen wegen irgendwelcher Nummern auf den niederländischen Pässen, Willem holt seinen Pass raus und erklärt ihm was]
Gerd: So siehst du also ohne Bart aus.
Willem: Ja, und mit vollem Haar. Wollten wir nicht über unsere Einflüsse reden? (lacht) Aber das waren meine Einflüsse. Oder falls du Bandnamen hören willst...

Gerd: Ja, gebt mir fünf.
Willem: Das können die anderen machen, ich hab genug gesagt.
Riekus: Ok, wenn wir über unsere Musik reden: Rise Against, besonders die frühen Rise Against. Und ich glaube wir können uns auch alle auf Strike Anywhere und Hot Water Music einigen...Glen?
Glen: Uhh..
Willem: Er ist schlecht mit Namen. Wie wäre es noch mit den Beastie Boys?
Glen: Ja, haben wir auf der Hinfahrt im Van gehört. Und vielleicht noch das erste Album, das ich mir gekauft habe: Die Dookie von Green Day.
Riekus: Oh, ja, die alten Sachen von Green Day. Wir brauchen nur noch eine? hmmm. Nur für die Vielfalt sage ich Foo Fighters. Um ein bisschen Rock reinzubringen.

Gerd: Ja, ich glaube eine Menge Kids sind auf die gleiche Art zum Punkrock gekommen, durch Nirvana, auch wenn die nicht so richtig Punkrock waren, hatten sie doch diese DIY-Fuck off-Art, dann das Dookie-Album von Green Day...
Willem: und die Smash von Offspring, natürlich.

Gerd: Und Punk Rock Song von Bad Religion im Radio. So hab ich auch angefangen, also scheint es dasselbe Leben in den Niederlanden zu sein.
Riekus: Ja, natürlich. Du findest durch die amerikanischen Bands zum Punkrock und dann entdeckst du neues Zeug. So läuft das.

Gerd: Jau, ich bin ein ziemlicher Nerd, deshalb war es in meinem Fall Tony Hawk's Pro Skater 2 auf der Playstation anstelle von Skatevideos, aber die Musik ist ja die gleiche. Nächste Frage, es gibt ja eine Menge Punkbands aus den Niederlanden, wie die Heideroosjes zum Beispiel, oder The Apers...
Riekus: Die Apers sind wirklich aus Holland (lacht).

Gerd: Was gibt es da sonst noch so, musikalisch, in eurem Land zu entdecken?
Willem: Da gab es besonders in den 90ern eine Menge, wie zum Beispiel Undeclinable Ambuscade.

Gerd: Die sind aus den Niederlanden? Ich kenn die nur von ein paar Fat Wreck Chords-Samplern.
Willem: Ja, sie waren, um genau zu sein, es gibt sie nicht mehr. I Against I gab es noch, die waren auf Epitaph, aber die sind alle weg seit die 90er-Welle vorbei ist.
Riekus: Sogar die Heideroosjes haben aufgehört, die haben letztens nach 20 oder noch mehr Jahren ihre Abschiedsshows gespielt.
Willem: Aber es kommt eine neue Welle von Bands, Bands wie Sweet Empire, die sind viel auf Tour, oder Harsh Realms, die fangen jetzt auch an, in Deutschland Shows zu spielen.

Gerd: Bambix gibt es auch noch, die sind ja auch aus Nijmegen.
Willem: Ja, aber die spielen mehr in Deutschland als in Holland. Ihr Drummer ist ja auch Deutscher und der Bassist auch, also sind sie eigentlich zu zwei Dritteln deutsch.
Riekus: Ja, zwei Leute aus Köln und Wick aus Nijmegen. Also, mal überlegen, Sweet Empire, Harsh Realms, ...
Willem: The Road Home ist eine neue Band aus Holland, die arbeiten auch hart.
Riekus: Ja, poppiges Zeug, wie The Gaslight Anthem... The 101s ist auch ne neue Band.

Gerd: Was denkt ihr über The Gaslight Anthem, Brian Fallon und seinen Hang zum Kreationismus und so?
Riekus: Der ist Kreationist? Ich wusste nur, dass er Christ ist, aber, keine Ahnung, ich habe mich in den letzten paar Jahren nicht mehr so mit der Band beschäftigt.

Gerd: Weil er Christ ist oder weil ihre Musik scheiße ist?
Riekus: Nein nein (lacht), ich mochte die ersten Alben schon am meisten, aber dann, keine Ahnung.
Glen: Wenn wir im Bus die Musik hören, ist es schon noch okay. Wir hören Gaslight Anthem im Bus und es ist gut.
Riekus: Aber missioniert er mit seiner Meinung über das ganze Kreationismus-Ding?

Gerd: Nein, er hat mal gesagt, es würde seine Musik nicht beeinflussen. Aber in irgendwelchen Interviews hat er sich mal dazu geäußert. [Quelle: http://www.ox-fanzine.de/web/gaslight_anthem.1212.html ]
Glen: Es ist also wie mit Thrice, du kannst jetzt alle deine Thrice-Alben wegschmeißen.
Willem: Ich hab das gleiche gedacht, Justin von Thrice, er ist aus der Band ausgestiegen um ein Prediger zu werden, ein religiöser Führer oder irgendwas. Er macht jetzt christliche Rockmusik oder christlichen Singer/Songwriter, das ist noch schlimmer als das was Brian Fallon macht.
Riekus: Aber so generell, ich persönlich habe kein Problem damit, wenn Leute an etwas anderes glauben, bzw. an überhaupt irgendwas, denn ich glaube eigentlich an gar nichts. So lange mir das keiner aufzwingen will, so lange sie nicht offensichtlich darüber singen und so. Ich fand Thrice immer klasse, ich hab Stretch Arm Strong gehört, da waren ne Menge Christen in diesen Bands, aber ihre Texte waren immer eher neutral. Naja, auf den letzten paar Thrice-Alben nicht mehr. Bis zu einem gewissen Punkt ist es deine eigene Angelegenheit, was du außerhalb der Musik machst, so lange du das niemandem aufzwingst.
Willem: Ja, und es muss sich ja keiner anhören. Wenn man aus dem Grund nicht Gaslight Anthem hören will, macht man es nicht. Wenn man die Texte von einer Band nicht mag, hört man sie nicht mehr.

Gerd: Ja, ich denke es ist ein schmaler Grat. Wenn der Sänger einer Band sich als Nazi outen würde, würde das ganz anders aussehen.
Willem: Klar, aber ich denke nicht, dass Kreationismus so viel Gewalt hervorruft. Jedenfalls nicht direkt. Mit Nationalsozialismus ist das was ganz anderes, das ist eine steile Abfahrt zur Gewalt.

Gerd: Ja, sicher, das war nicht der beste Vergleich, aber irgendwo muss man eine Grenze ziehen. Man muss für sich selbst wissen, wann man eine Band aus ideologischen Gründen nicht mehr hören kann.
Willem: Wenn die Message zu klar, zu offensichtlich oder zu drängend ist, dann, wie du bereits sagtest, Musik mit einer Aussage, der man zustimmt oder eben nicht, dann kann die Aussage ein deutlicher Nachteil sein. Ein Grund, sich eine Band nicht anzuhören.
Riekus: Ich denke es ist einfach ein weiterer Grund für Leute, dass sie sich mal genau ansehen worüber Bands überhaupt singen und nicht blind ihre Texte mitsingen, sondern sich aktiv damit beschäftigen, worum es der Band wirklich geht. Aber ich bin immer noch überrascht, dass Brian Fallon Kreationist ist. Ich wusste das nicht, ich sollte häufiger Punknews [.org] checken (lacht).

Gerd: Also, da das hier mein erstes Interview mit Leuten ist, die irgendwann mal irgendwo auf einer Bühne gestanden haben, und da mir langsam die Fragen ausgehen, jetzt noch etwas, was ich persönlich gerne in Interviews lese. Witzige Vorfälle auf Tour. Gibt es da was?
Willem: Sehr originelle Frage (lacht).

Gerd: Ja, ich habe drei Interviews mit euch gelesen, und alle drei waren komplett ernsthaft.
Willem: Sie waren zu ernsthaft?

Gerd: Das habe ich nicht gesagt, nur dass sie ernsthaft waren.
Willem: Ja, du hast dir die falsche Band für ein witziges Interview ausgesucht (lacht). Witzige Sachen, die auf Tour passiert sind, lass mich mal überlegen...

Gerd: Es gibt zum Beispiel ein Interview mit Pennywise, in dem alle außer dem Bassisten auf die Frage nach sowas antworten "Das eine Mal, als sich Fletcher ein Würstchen in die Nase geschoben hat", vielleicht gab es sowas ja bei euch auch mal.
Glen: Oh, nein, wir sind ja keine Amerikaner.
Riekus: Aber wir haben mal jemandem ein Maiskorn ins Ohr gesteckt.
Glen: Ok, dieses eine Mal auf Tour ist Willem ins Bad gegangen um zu duschen, und die Katze hat auch in der Dusche ihre Notdurft verrichtet...
Riekus: Auch? (alle lachen)
Willem: Fürs Protokoll, ich habe nicht in die Dusche geschissen. Noch nicht.
Glen: Aber ich erinnere mich an sein Gesicht, als er aus der Dusche kam und die Katze von der Toilette, am selben Ort.
Willem: Hier, ich hab noch ne Geschichte, die ist nicht so witzig für mich, aber lustig zu erzählen. Wir waren in Großbritannien auf Tour und haben nach dem Konzert noch was getrunken, und dann mehr getrunken und dann noch mehr. Und ein paar Leute haben sich Käsetoast in einer Mikrowelle gemacht, was ungefähr die schlechteste Art ist, Käsetoast zu machen, das sollte man nicht tun. Aber wenn man trinkt bekommt man Hunger, also habe ich das auch gemacht. Eine Scheibe Käse zwischen zwei Scheiben Toast, in die Mikrowelle, rausgeholt und gegessen. Es schmeckte etwas komisch, aber ich dachte das sei wegen der Mikrowelle und wenn man erstmal richtig betrunken ist, isst man trotzdem weiter. Und das habe ich gemacht, wir hatten noch ne tolle Party danach, aber am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und nur noch zum Klo gerannt. Wenn ich trinke, und wenn ich zu viel trinke, dann muss ich kotzen, aber niemals am nächsten Tag, also wusste ich schon, das irgendwas nicht stimmt. Und ich habe den ganzen Tag weitergekotzt, bis zur nächsten Show, es kam nur noch das gelbe Zeug raus, was ganz unten drin ist, das allerletzte was rauskommt. Ich hab während der Fahrt im Van die ganze Zeit in eine Tüte gekotzt, ich hab Galle in die Tüte gekotzt. Am Abend hatten wir scharfes Essen und das hat mich irgendwie geheilt. Später habe ich dann rausgefunden, dass diese Scheibe Käse, die ich auf den Toast gepackt habe, eine schöne Schicht Plastik außen herum hatte. Einzeln verpackte Scheiben. Aber irgendwie hab ich das nicht mehr kapiert, oder mir war es egal, ich hab jedenfalls die Plastikfolie nicht abgemacht. Als ich das Sandwich aus der Mikrowelle geholt hab, habe ich sogar gesehen, dass der Käse irgendwie Blasen geworfen hat, aber es kam aus der Mikrowelle, es war mir egal.
Riekus: Die gute Sache ist, dass Willem jetzt eine Plastikbeschichtung in seinem Magen hat und quasi alles essen kann.

Gerd: Ok, ich glaube damit können wir "lustige Tourerlebnisse" auch abhaken.
Willem: War das ne gute Geschichte?

Gerd: Ja, perfekt. Sie enthält Käse und Kotze, was will man mehr. Ich kann das hier im Internet veröffentlichen, ja?
Willem: Klar, tausch nur Willem durch Glen aus und es ist cool (lacht).

Gerd: Okay, letzte Frage: Was sind eure Lieblingstiere?
Willem: Glen, du bist dran.
Glen: Äh... Katze.
Riekus: Er hat einen Hund, also erzähl das nicht seinem Hund.

Gerd: Wenn du einen Hund hast, warum ist dann die Katze dein Lieblingstier?
Glen (zu Willem): Was ist denn dein Lieblingstier?
Willem: Wieso ist das hier überhaupt ne relevante Frage?

Gerd: Heute morgen beim Frühstück habe ich erzählt, dass ich ein Interview führen muss und gefragt, ob jemand noch eine Idee hätte, was ich die Leute fragen kann. Und einer hat das mit den Lieblingstieren gefragt, und ich fand die Frage gut.
Riekus: Immerhin besser als die Horoskop-Fragen.

Gerd: Die andere Option wäre Lieblingsfarbe gewesen, aber ich glaube, da hätte ich nicht so viel rausholen können.
Glen: Grün.
Riekus: Schwarz.
Willem: Also, mein Lieblingstier, vielleicht das "Kweekvlees", der Labor-Hamburger. Wenn du ein Wissenschaftler oder Physiker oder was auch immer bist, musst du das doch kennen, die züchten Fleisch im Labor.

Gerd: Ja, ich hab davon gehört, die machen das in Holland, oder?
Willem: Ja, wir sind ziemlich groß darin. Bisher gab es zwei Hamburger und sie haben 560000 Euro dafür ausgegeben.
Riekus: Teure Burger. Bezahlt hat das übrigens Sergej Brin von Google. Und mittlerweile haben sie sogar irgendwie vegane Eier hingekriegt, eine komplett pflanzliche Alternative zu Eiern.
Willem: Ja, also woraus auch immer das Zeug gemacht wird, das ist mein Lieblingstier.
Riekus: Wahrscheinlich aus Kühen. Also, mein Lieblingstier ist das Schnabeltier, aber hauptsächlich weil in Porto Allegre in Brasilien ein Typ zu uns gekommen ist, der ein Wort auf Niederländisch sagen konnte: "Vogelbekdier", was wörtlich übersetzt Vogelschnabeltier bedeutet.
Willem: Und einer unserer früheren Bassisten hatte auch den Spitznamen Schnabeltier. Ich glaube, das hat die Lieblingstierfrage ganz gut beantwortet.

Gerd: Ja, ich glaube das reicht jetzt auch für das ganze Interview, wir sind jetzt bei 26 Minuten und ich muss das alles hier noch mal abtippen. Zum Glück habe ich eine achtstündige Busreise vor mir, da kriege ich das sicher hin. Also danke fürs Interview, es war mir eine große Freude, ich hoffe meine Fragen waren nicht zu dämlich und vielleicht können wir das alles ja nochmal irgendwo machen.
Willem: Ach, so schlimm war es nicht. Dir auch vielen Dank.




Gerdistan 09/2013
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