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Dienstag, 21.04.2015: Antilopen Gang im Interview


Diese Promotypen haben echt immer neue Argumente, wie sie ihre Inhalte an die Medien bringen. "Ihr seid ja eher skeptisch, was die Antilopen Gang angeht, wenn man sich eure Review durchliest. Wollt ihr denn vielleicht noch mal mit denen sprechen?", wurden wir in einer Email gefragt. Also machte sich Schoko vergangene Woche auf den Weg, um etwas zu tun, was wir bisher nur vom Hörensagen kannten: Mit Jemandem sprechen.

Schoko: Hallo Antilopen Gang. Das wievielte Interview ist das diese Woche?
Panik Panzer: Es waren nicht so viele diese Woche
Koljah: Was haben wir heute? Mittwoch?
Danger Dan: Wir wissen es nicht aber heute das zweite.

Schoko: Geht euch das nicht auf den Sack?
Alle: Doch

Schoko: Auf eurer Tour waren und sind ja jede Menge Konzerte ausverkauft und es stehen große Festivals wie Rock am Ring und Rock im Park auf dem Plan. Hättet ihr je damit gerechnet, dass die Antilopen Gang mal so erfolgreich ist?
Panik Panzer: Ja! Ich hatte das immer im Urin eigentlich. Dass es soweit kommt war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Ich habe eigentlich immer gedacht, dass wir musikalisch überragend sind und dass wir auch als Typen interessant sind und dass das eigentlich ein großes Erfolgspotential hat und bin dementsprechend nicht verwundert, dass es jetzt so weit ist.
Schoko: Also gibt es auch noch Luft nach Oben?
Danger Dan: Ja klar. Wir sind die Kings.

Schoko: Reden wir jetzt von der Größe so wie Grönemeyer? So Stadionkonzerte?
Danger Dan: Größer!
Panik Panzer: Kommt darauf an, wie sehr wir uns noch selbst verraten können. Es ist ja ein Prozess. Wenn wir uns stark selber verraten können - und ich halte uns dazu in der Lage - dann kann das durchaus noch Grönemeyer-Ausmaße annehmen.
Koljah: Wir haben ja ein ganz gutes Vorbild in Form von den Toten Hosen, auf deren Label wir sind, die vorgemacht haben, wie man von den kleinsten Spelunken in die ganz großen Stadien gelangen kann und das wird geschehen mit uns.

Schoko: Ihr habt euch ja vor Kurzem den ECHO für die beste Marketingleistung selbst verliehen. Wunschdenken oder Selbstkritik, weil man in jedem Käseblatt und auf jeder noch so bedeutungslosen Website wie BIERSCHINKEN.NET ein Interview raushaut?
Panik Panzer: Wir haben uns gedacht: Sollen die ganzen Spinner doch rankommen, wir nehmen alles mit. Das ist vielleicht auch so ein bisschen aus einem Selbstgeißelungstrieb heraus. Das hat sowas sado-machistisches.
Danger Dan: Sado-masochistisches.
Panik Panzer: Sado-masochistisch? Entschuldigung. Ich höre jetzt einfach auf zu reden.
Koljah: Ich denke, es ist schon eine Form der Selbstkritik, weil wir selber schon unangenehm berührt davon sind, dass wir alles mitmachen und wir dachten, jeder weiß ja, dass wir diesen Echo natürlich nie annehmen würden.
Aber als dann diese Bekanntgabe im Internet war, haben es alle geglaubt. Meine Mutter hat angerufen und gefragt was da los ist und da sind wir dann doch zum Nachdenken gekommen, weil wir offensichtlich doch schon mehr angekommen sind, als wir selbst wussten. Nicht mal einen Echo zweifelt man noch an.

Schoko: Wie viel Ironie steckt wirklich in dem Song "Die neue Antilopen Gang", wenn man versucht von der Musik zu leben und Dinge notwendig werden, die man in seinen Texten aufs Korn nimmt? Stichwort "vermarkten nun den Widerstand gegen Vermarktungsstrategien, kapitalisieren Antikapitalismusattitüden".
Danger Dan: Da steckt keine Ironie drin. Außer in den Momenten, wo wir behaupten, dass wir schon reich sind. Das stimmt leider nicht. Wir hatten auch, wo wir das schrieben, sehr wenig Geld. Mittlerweile haben wir ein bisschen mehr, aber es reicht trotzdem noch nicht aus. Ansonsten ist es kein bisschen ironisch.
Koljah: Es ist eine Flucht nach vorne als Ironie getarnt.

Schoko: Wie erklärt ihr euch, dass ihr bei den Punkern so gut ankommt? Reicht das Knochenfabrik-Zitat und die Anti-Alles-Attitüde?
Alle: Ja!
Panik Panzer: Ich glaube, dass das ganz viel dazu beigetragen hat. Also vor allem die Knochenfabrik-Referenz. Dass die Leute plötzlich denken, das ist ja doch ganz ok, was die da machen.
Koljah: wir sind gerade noch uneinig, bei welchem Genre wir uns beim nächsten Album anbiedern sollen. Da gibt es ja noch verschieden Möglichkeiten, wo man Zitate klauen kann. Wir nehmen alle Subkulturen mit.

Schoko: Ihr habt auf dem Punk im Pott gespielt, im Mai spielt ihr auf dem Ruhrpott Rodeo. Fühlt ihr euch auf Punkfestivals nicht etwas fehl am Platz?
Danger Dan: Das Problem ist halt, dass wir auf dem Splash! auch nicht zu Hause waren. Im Endeffekt mache ich aber zwischen dem Splash, dem Punk im Pott, dem Rock am Ring und dem Oktoberfest auch nicht so einen großen Unterschied. Das ist alles unter aller Sau.
Koljah: Es ist ja auch so, dass wir auf den Hip-Hop Festivals die einzige Punkband sind und auf den Punkfestivals die einzige Hip-Hop Band und wir eigentlich nirgendwo reinpassen.

Schoko: Aber ihr sagt jetzt nicht, lasst mal ein punkigeres Set spielen, weil ihr auf dem Ruhrpott Rodeo seid?
Danger Dan: Doch, ich sage das schon
Panik Panzer: Ich würde das auch sagen.
Koljah: Ich nicht. Ich sag immer: Gerade wenn wir beim Punk im Pott spielen, müssen wir mehr Hip-Hop spielen und lass mal noch 2Pac Beats klarmachen und so.
Weil ich eigentlich immer gerne das Gegenteil von dem machen möchte, was erwartet wird und den Leuten lieber vor den Kopf stoße, aber da bin ich mittlerweile ganz allein in der Band.
Panik Panzer: Ich kann beide Impulse verstehen und je nach Tagesform entscheide ich mich für eine Seite. Also ich glaube, im Prinzip bin ich eher auf deiner (Koljahs) Seite, aber ich glaube, dass man den BIERSCHINKEN.NET-Leser mehr verärgert, wenn man sagt "ja, wir biedern uns bei euch an und spielen mehr Punksongs". Deswegen bin ich da jetzt auf Daniels Seite.
Danger Dan: Aber ich meine das auch gar nicht so anbiedernd. Wenn man eh schon mal da ist und mit den Leuten auch klarkommen muss, ist es auch geil wenn wir da ein Stück aufeinander zugehen können. Es fällt auch auf, egal wo wir sind, dass die Leute zu dumm sind zum Tanzen. Wenn man pogen kann ist halt alles geil, wenn man da stehen muss und da läuft ein Beat auf 80bpm schämen sich die meisten Leute und erst da wo die schnellen Dinger kommen rasten die Leute aus und freuen sich. Von mir aus können wir live immer mehr punken.

Schoko: Danger Dan, Du hast im Interview mit RedBull.com gesagt...(Gelächter) "Ich sehe mich nicht als links, sondern als linksradikal." Später sagst du "Links sein heißt für mich viel mehr Antifaschist sein, als alles andere." (Noch mehr Gelächter) - Was ist deiner Meinung nach der Unterschied zwischen links und linksradikal sein?
Danger Dan: Ich möchte, bevor ich auf diese Frage antworte, sagen, dass ich glaube, ich wurde da nicht ganz genau zitiert. Ich kann mich aber auch nicht mehr an das Interview erinnern. Aber es ist nicht so, dass wir ein Interview einer Agentur gegeben haben und die haben das dann an Red Bull verkauft. Wir haben tatsächlich gesagt, wir wollen mit Red Bull reden.
Naja, für links halten sich sicher viele, zum Beispiel die SPD, die glauben auch, dass sie Linke sind aber ich habe eher eine Sozialisation hinter mir in irgendwelchen linksradikalen Antifa-Gruppen, die halt Probleme eher von der Wurzel her anpacken wollen. Vielleicht ist der größte Unterschied, dass ich die BRD abschaffen will und noch die Weltrevolution und nicht nur reformieren.

Schoko: Aber kann man Leute aus einem linken Umfeld ausschließen, weil sie Antifaschismus nicht als höchste Priorität haben?
Danger Dan: Die Frage habe ich nicht verstanden

Schoko: Du meintest in dem Interview: Links sein heißt für mich viel mehr Antifaschist sein, als alles andere.
Danger Dan: Nicht viel mehr als alles andere. Ich glaube, die Frage war irgendwie "Was heißt das, links zu sein?"
Die Linke spaltet sich ja gerne nochmal ab und debattiert auch gerne und ich glaube das ist auch spannend und wichtig, dass da debattiert werden darf, aber ich würde mich da keiner politischen Partei unterordnen, auch keiner NGO. Wenn man es ganz runterbricht bin ich wahrscheinlich tatsächlich am ehesten Antifaschist anstatt ELZN-Sympathisant.
Koljah: Es war tatsächlich ein Interview wo wir danach sagen mussten: "Warte mal, du hast alle Antworten vertauscht." Erstmal mussten Grundsätzlich Kolja und Danger Dan ausgestauscht werden. Aber an dieser Stelle keinen Disrespekt gegen den Mann der das geschrieben hat, der ist eigentlich ein guter Journalist.
Danger Dan: Jetzt habe ich erst gepeilt, wie du das gelesen hast. Ich brauchte etwas länger. Aber ich find das gar nicht so falsch. Das ist wie in Adornos Pädagogik nach Auschwitz, wenn das erste Ziel der Pädagogik ist, dass Auschwitz sich nie mehr wiederholt. Vielleicht kann man das auch so lesen.
Vielleicht ist das tatsächlich auch so ein Grund-Ding von mir. Vielleicht ist das doch gar nicht so falsch. Ich kann zwar trotzdem ein normaler Idiot sein und machen was ich mache, zum Beispiel mit der Antilopen Gang spielen, Leute ausnehmen, Gen-manipulierte Shirts an EMP-Punker verkaufen, aber trotzdem bin ich schon in erster Linie Antifaschist oder so.

Schoko: Eine lebende Legende meinte neulich, der Außenseiter-Pathos der Antilopen Gang erinnert ihn an die Bösen Onkelz. Seht ihr selbst Parallelen?
Alle: Ja!
Koljah: Das war die lebende Legende, so wurde sie zumindest mal in einem Song einer uns bekannten Band genannt, die diesen Verriss für das Format BIERSCHINKEN.NET geschrieben hat. Das hat die lebende Legende aber ganz richtig erkannt. So sind wir an dieses Lied rangegangen. Böhse Onkelz-mäßig ein Kollektivgefühl erzeugen, wo alle was mit anfangen können. Dann stellen sich alle hin und sagen: "hey, wir sind anders, wir sind Außenseiter."
Danger Dan: Es gibt auch keinen, der sich damit nicht identifizieren kann.
Koljah: Es ist natürlich sehr kalkuliert. Aber man muss ja sehen, wo man bleibt.

Schoko: Abschließend eine Frage, die die komplette Bierschinken-Redaktion endlich beantwortet haben möchte: Hat Campino Mundgeruch?
Koljah: Nein! Campino riecht ganz angenehm nach Leder. Weil er eine Lederjacke trägt.

Panik Panzer: Ich muss zwei Sachen feststellen, zwei Unwahrheiten, die auf BIERSCHINKEN.NET standen.
Das eine war bei diesem Festival vor Jahren im AZ Mülheim
Panik Panzer: Genau! Da wurde gesagt, wir hätten uns divenhaft benommen und eine halbe Stunde für den Soundcheck gebraucht, ich kann das jetzt nicht genau zitieren. Die Leute haben nicht gepeilt, dass die Techniker vor Ort nicht in der Lage waren, unsere Mikros anzubekommen. Das fand ich schade, dass das nicht erkannt wurde.
Das andere: BIERSCHINKEN.NET war auch auf dem Juicy Beats. Da wurde gesagt "Songs darüber, dass man stagedived und dann stagediven gehen, naja" - das checken Punker nicht, dass man auch spontan einen Text ändern kann und es in dem Text nicht um Stagediven geht sondern um was anderes. Ist aber nicht schlimm. Aber ich wollte es kurz anmerken.

Danger Dan: Kannst du uns fragen, ob wir die Kings sind?
Schoko: Seid ihr die Kings?
Alle: Ja


Schoko 04/2015
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Bönx

22.04.2015 11:54
Boah, gehen mir die auf den Sack!


23.04.2015 01:09
ich liebe die !
Hoof

29.04.2015 17:54
Warum durfte die lebende Legende das Interview nicht führen?
Schoko
(Schoko)
29.04.2015 22:24
Die lebende Legende hatte an dem Tag keine Zeit. Sonst hätten wir das zusammen gemacht.

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