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Donnerstag, 17.05.2018: Oli (Cross X, Sick of Society) im Interview!


Sowohl Sick of Society ("Perlen für die Säue") als auch Cross X ("What we can get...") haben in diesem Jahr neue Alben rausgehauen. Zufälligerweise kommen beide aus Augsburg und Ulm und haben auch noch Besetzungsüberschneidungen. Alles Gründe genug, den gemeinsamen Schlagzeuger Oliver mal zu Wort zu bitten.



Kiki: Hi Oliver! Habt ihr im Süden nichts zu tun oder wie schaffst du es, gleich in zwei Bands zu spielen und dabei Arbeit und Privates plus zahlreiche Live-Auftritte unter einen Hut zu bringen?
Oliver: Erst einmal schönen, guten Tag und Danke für die Möglichkeit ein paar Fragen beantworten zu dürfen.
Ob Du es glaubst oder nicht, auch bei uns im Süden hat der Tag nur 24 Stunden und das Jahr 364 bzw. 365 Tage. Somit müsste das von Dir angesprochene Pensum jeder anderen Person, egal wo auch immer diese lebt, auch möglich sein.
Aber grundsätzlich hast Du schon recht. Manchmal ist es nicht ganz einfach, alle Termine optimal aufeinander abzustimmen. Da ich geschäftlich weltweit unterwegs bin und meine Freundin im Ruhrgebiet lebt, ist ein angepasstes Zeitmanagement in jedem Fall ein absolutes Muss. Ich versuche, dabei alle mir wichtigen Dinge unter den sprichwörtlichen Hut zu bringen, ohne dass dabei jemand zu kurz kommt. Leider klappt das für Cross X nicht immer, aber daran arbeite ich bzw. der Rest der Band. Zum Glück hat man in der heutigen, modernen Zeit Mittel zur Verfügung, die es einem möglich machen, dass nicht alle gleichzeitig zum Proben anwesend sein müssen. Dies gilt für Cross X und Sick of Society gleichermaßen.

Kiki: Sick of Society gibt es nun ja auch schon ewig. Ihr seid mit der Band auch schon weit rumgekommen. Was waren die Highlights? Ich hatte u.a. etwas über eine Tour in Indonesien gelesen. Da waren ja jetzt schon einige europäische Bands. Was kannst du uns über die dortige Szene berichten?
Oliver: Naja, nicht nur Sick of Society. Auch Cross X ziehen mittlerweile auch schon seit 21 Jahren ihre Kreise – leider mit etwas weniger Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit als bei Sick of Society.
Im Lauf der Zeit gab es für beide Bands sicher etliche Highlights in Form von Veröffentlichungen oder besonderen Konzerten. Aber wie Du schon so treffend bemerkt hast, stellt die Tour mit Sick of Society in Indonesien sicher etwas ganz Besonderes in der Historie der Band dar und auch für mich persönlich war diese Konzertreise äußerst inspirierend und wichtig.
Aus meiner Sicht heraus habe ich es während unseres Aufenthalts als eine gesamte, große Szene wahrgenommen. Nicht so vereinzelt und gesplittet wie bei uns, sondern als eine große Musikszene. Wir haben dort jeden Abend mit den unterschiedlichsten Bands gespielt … von Elektro bis Grind und von Stoner Rock bis Death Metal. Die Leute haben dort keine Berührungsängste und feiern alles gleich ab. Hauptsache Livekonzert! Was für uns auch neu war, ist die Tatsache, dass man auch in Proberäumen interessante und coole Konzerte spielen kann und das barfuß, weil die Schuhe draußen bleiben mussten.
Falls es jemanden interessieren sollte … hier gibt’s ein paar mehr Details zu der Tour: http://www.ox-fanzine.de/web/itv/5735/interviews.212.html
Ansonsten war unsere Show in Birmingham auch etwas, an das wir uns gerne zurück erinnern. Leider mussten wir eine geplante UK-Tour 2014 aus gesundheitlichen Gründen kurz vor der Abreise absagen. Das war zu dem Zeitpunkt natürlich extrem ärgerlich, aber wir hoffen die Sache irgendwann nachholen zu können. Sonst hätte ich ja in Zukunft nichts auf solche Fragen zu antworten …

Kiki: Apropos Szene: Ihr kommt aus dem Süden Deutschlands und tretet logischerweise auch meistens dort auf. Allerdings weiß ich, dass du beziehungstechnisch auch öfter mal im Ruhrpott vorbei schaust. Butter bei die Fische: Siehst du große Unterschiede in der Musikszene im Süden Deutschlands und hier in NRW? Welche Läden kannst du einem "Punktouristen" empfehlen, wenn es ihn/sie mal runter zu euch verschlägt oder wo treibst du dich gerne rum wenn du bei "uns" zu Besuch bist?
Oliver: Stimmt, meine Freundin wohnt mit den Kindern am Rande des Ruhrgebiets bzw. Münsterlandes. Somit schaue ich da nicht nur öfters mal vorbei, sondern bin dort eigentlich schon recht häufig. Um allerdings Deine Frage hinsichtlich der unterschiedlichen Szenen beantworten zu können müsste ich a) ein Szenegänger sein und b) mich auch dafür interessieren. Wenn ich ehrlich bin, trifft weder das eine noch das andere zu. Ich bin kein Freund von „Szenen“. Das ist mir persönlich alles zu eng, aufgesetzt und limitierend.
Meine Freundin war schon immer in Musikerkreisen unterwegs und somit sind in ihrem Freundeskreis auch etliche Mucker aus der dortigen Szene (They Promised Me Ponies, May The Force Be With You, Fighting Chance, etc.) vertreten, mit denen man sich natürlich auch über Musik und den dazugehörenden Kram austauscht. Wenn ich aber bei „Euch“ bin, hat für mich nicht die Musik Prio, sondern das Familienleben. Bis dato habe ich es auch erst einmal geschafft vor Ort auf ein Konzert zu gehen (Rykers in Coesfeld). Das war’s dann auch schon … mit den Kindern daheim ist es für uns nicht ganz so einfach auf jedes Event zu gehen, auf das man vielleicht gerne möchte.
Wäre in jedem Fall trotzdem mal schön, selbst bei „Euch“, egal ob mit Sick of Society oder Cross X, zu spielen.
Tja, was ich bei uns empfehlen könnte … da fällt mir spontan unser persönliches Sick of Society/Cross X „Wohnzimmer“ in Ulm ein – die Beteigeuze! Subkultur-Institution im Süden mit netten Leuten und sensationellen Konzerten. Wir lieben den Laden!!! Ansonsten hänge ich selbst lieber in „normalen“ Kneipen ab, wo es für einen alten Herren wie mich eher entspannter zugeht und die fußläufig erreichbar sind. Einfach in ruhiger Atmo ein paar Bierchen genießen und geistreiche Gespräche führen, lediglich unterbrochen von diversen Sambucas. Das ist meine Welt …

Kiki: Mit SICK OF SOCIETY spielt ihr eher Punkrock. Mich hat bei der aktuellen CROSS X Scheibe "What we cant get" der Charme des 90er Hardcores begeistert. Wie erklärt ihr euch, dass Kapellen wie MADBALL, SICK OF IT ALL etc. (deren Sound ihr ziemlich gut widerspiegelt) (Anmerkung : Ich weiß, das hören Musiker nicht gerne ;-)) einfach nicht tot zu kriegen sind und der Sound immer noch total beliebt ist. War das der Grund, nach 6 Jahren eine neue Platte zu machen mit einem derart fettem Sound?
Oliver: Qualität gepaart mit Authentizität wird immer Bestand und Relevanz haben. Deshalb bekommst du solche Institutionen auch nicht kaputt. Und das ist gut so! Speziell SOIA sind da in jedem Fall eine Hausnummer, die ich persönlich beim gemeinsamen Konzert als absolut sympathisch und gradlinig wahrgenommen habe.
Schön übrigens zu lesen, dass Du Cross X soundtechnisch im Zusammenhang mit diesen Bands erwähnst. Das ehrt uns wirklich!
Nach der der Veröffentlichung von „This Is The Time“ hat sich unser Sänger Nico verabschiedet und wurde durch Markus ersetzt. Das hat dann schon mal etwas Zeit gekostet. Die Songs an sich waren aber schon 2016 fertig und auch die Aufnahmen waren dann relativ schnell im Kasten. Leider gab es dann beim Mix im Studio etliche Schwierigkeiten, so dass wir quasi noch einmal von Neuem starten mussten, was uns verständlicherweise einige Zeit gekostet hat … und auch Nerven! Zum Glück haben wir mit Andy Classen jemanden gefunden, der uns soundtechnisch die Kohlen noch aus dem Feuer gerettet hat und letztlich den fetten Sound auf den Silberling gebracht hat.
Ehrlicherweise muss man auch zugeben, dass Sick of Society etwas aktiver sind als Cross X und somit auch nicht ganz unschuldig an der Verzögerung sind. Ich hoffe aber, dass wir bis zur nächsten Cross X CD nur noch die Hälfte der Zeit in Anspruch nehmen müssen.

Kiki: Das auf eurer Homepage zu sehende Video "Junk Masters" ist schon ziemlich deutlich in seiner Message. Gehört zu Hardcore/ Punk in deinen Augen immer eine so deutliche und dann auch konsequente Einstellung? Ich frage auch mit dem Hintergrund der Geschichte um zum Beispiel WOLFDOWN, da Hardcore-Bands in meinen Augen leider viel zu häufig Wasser predigen aber Wein trinken, was den Vergleich ihrer Texte zu ihrer tatsächlichen Lebensweise angeht. Wie siehst du das? Sind Musik und Texte am Ende nur Teil des Produkts "Hardcoreband" oder sollte man voll und ganz hinter dem stehen wovon man auf der Bühne singt? Bei amerikanischen Bands, die von ihrer Streetcredibility singen, muss ich nämlich immer müde lächeln, oder im Punkbereich fallen mir aus Süddeutschland zum Beispiel BUMS ein, die auch noch nie eine Demo von von vorne gesehen haben dürften, obwohl jeder zweite ihrer Texte von Straßenschlachten handelt.
Oliver: Zu den von Dir genannten Bands kann ich jetzt nichts sagen, aber grundlegend muss ich auch hier das Thema Authentizität wieder bemühen. Es geht doch letztlich nur darum, kann ich am Ende des Tages meinen eigenen Anblick im Spiegel ertragen oder wird mir davon selbst schlecht? „Practice what you preach“ … ich finde Menschen generell suspekt, die ihr persönliches Fähnchen immer schön hart am Wind halten. Opportunismus, nur um anderen zu gefallen oder um Profit daraus zu schlagen war noch nie unser Ding und wird es nie sein. Deshalb absolut ja, eine konsequente Einstellung und versuchen danach zu leben ist wichtig, wobei es mir wichtig ist zu betonen, dass konsequent in unserem Fall nicht auch gleich radikal bedeutet. „Junk Masters“ mag extrem und in gewisser Weiße auch radikal wirken, soll aber letztlich „nur“ den Konsumenten die unschönen Hintergründe bzw. Nebenerscheinungen ihres zügellosen Konsumwahns darlegen. Wir sind in keinem Fall extremistische Aktivisten, sondern wollen vielmehr mit dem was wir (egal ob bei Sick of Society oder Cross X) machen, den Leuten Denkanstöße geben und weniger bewerten. Wobei wir bei bestimmten Themen natürlich ganz klar Stellung beziehen. Das ist uns selbstverständlich auch wichtig …

Kiki: Kommen wir langsam zum Ende. Ich hoffe euch bald möglichst auch mal hier in der Gegend live sehen zu können und wünsche weiterhin viel Erfolg und noch möglichst lange sehr viel Spaß mit beiden Bands. Hast du noch was auf dem Herzen, womit du den Bierschinken löchern möchtest, dann immer raus damit. Danke für deine Zeit und bis die Tage!
Oliver: Danke, danke … können wir brauchen!
Glaub mir, das würde uns auch sehr freuen. Ich hoffe wir bekommen irgendwann die Gelegenheit die eine oder andere Show mit Cross X oder Sick of Society im Ruhrgebiet bzw. NRW zu spielen. Wir sind dort aus unserer Sicht absolut unterpräsent. Also liebe Veranstalter keine falsche Scheu, wir sind zwar Schwaben, können aber auch Hochdeutsch! Liebes Bierschinken Magazin, das darf gerne auch als Wink mit dem Zaunpfahl gesehen werden … wenn ich Euch schon mit etwas löchern darf. Euer Festival wäre sicher eine gute Gelegenheit, unser Hochdeutsch unter Beweis zu stellen … haha!!!
Danke für das sehr interessante und kurzweilige Interview. Hat mir extrem viel Spaß gemacht!!! LG in meine zweite Heimat …


kiki 05/2018
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