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Freitag, 14.12.2018: Im Interview: Martin von SBÄM Records!


Moin! Da ich in letzter Zeit immer mal wieder gute Gespräche mit Martin von SBÄM via Facebook geführt hab, kam ich auf die Idee, einfach mal ein Interview mit ihm zu machen. Möglicherweise dürfte das Projekt SBÄM der*dem geneigten Punkrocker*in mittlerweile ein Begriff sein. Um nicht zu viel vorweg zu nehmen, wünsche ich schon mal viel Spaß mit dem Interview!

Patze: Hi Martin! Das Projekt SBÄM gibt es ja noch gar nicht allzu lange. Soweit ich informiert bin, hat dein Kollege Stefan das Projekt gestartet, als er die Gelegenheit bekam, für Joey Cape ein Tourposter zu gestalten. Hast du Lust, mal kurz etwas zu euren Anfängen zu erzählen? Wie bist du zu SBÄM gestoßen?
Martin: Stefan hat vor ein paar Jahren bei einem Wettbewerb für ein Tourposter von Joey Cape mitgemacht und gewonnen. So kam er zu seinem ersten Auftrag und danach ging es sofort weiter mit Artworks für Lagwagon, Me first and the gimme gimmes und einige weitere Fat Wreck Bands.
Ich bin lustigerweise dadurch an Stefan geraten, als ich ihn für meine eigene Radiosendung vor nicht ganz drei Jahren interviewt habe und er mir seine Pläne in Sachen Punkshows im Sommer erzählte. Da ich selbst schon früher Shows organisiert habe und grundsätzlich mich immer in der DIY Punkszene bewegt habe, war es irgendwie klar, dass ich da mithelfen will. Danach kam dann eins zum anderen und inzwischen machen Stefan und ich alles in Sachen SBÄM gemeinsam.

Patze: Ihr habt euch in letzter Zeit ja auch abseits von Grafiken und Designs einen Namen gemacht. Ich wurde das erste Mal so richtig auf euch aufmerksam, als mir auffiel, dass ihr gefühlt beinahe alle zwei Wochen ein Konzert in Linz veranstaltet habt. Wie lief das für euch?
Martin: Das war im Sommer 2016, als wir einige Leute ziemlich geschockt haben und auf einmal Acts wie „Strung out“, „The Flatliners“ oder „A Wilhelm Scream“ in der Provinz in Linz gespielt haben und nicht wie normalerweise in Wien. Das war unheimlich spannend, da solche Bands ganz selten in so kleinem Rahmen noch auftreten und die Leute haben das unheimlich abgefeiert. Immerhin waren die Shows in einem kleinen Jagdgasthof am Stadtrand. Das war sowas von nicht punkig, dass es schon wieder richtig Punk war haha.

Patze: Wie nimmst du die Punkrockszene in Linz wahr? Gibt es empfehlenswerte (DIY) Läden, Bands, Fanzines?
Martin: Da ich selber nicht in Linz lebe, bin ich wohl eher ein Außenstehender, aber ich glaube in Sachen Venues kann man sich zum einen auf die Institutionen (Kapu, Stadtwerkstatt, Ann and Pat) verlassen, aber auch kleinere DIY Projekte, wie die „Secret Location“ deren Namen nicht genannt werden darf, jedoch durch richtig gute Konzerte sich einen „Namen“ gemacht hat.
Ich denke in Linz ist es ähnlich wie in anderen österreichischen Städten, es gibt drei oder vier treibende Kräfte, die das Ganze am Leben halten und dafür sorgen, dass es Konzerte und Events gibt.

Patze: 2017 habt ihr dann das erste Mal das SBÄM Fest veranstaltet, wo namhafte Bands wie Leftöver Crack, Snuff, Not On Tour oder Nothington gespielt haben. Wie waren eure Eindrücke des ersten Festivals und wie fielen die Reaktionen der Besucher*innen aus?
Martin: Der erste Eindruck war, dass es chaotisch und stressig war, aber auch richtig genial. Das Ganze fand in Timelkam im „GEI“ statt und war alles in kleinem Rahmen gehalten mit ca 350 Zuschauern. Das Feedback war ein gutes, da es schon etwas Besonderes war so ein Lineup in dieser Region zu haben und dann auch noch in ganz kleinem Rahmen. Natürlich haben wir Fehler gemacht, aber bei unseren Festivals geht’s auch darum, Sachen auszuprobieren und dann aus dem Feedback zu lernen. Es war ein Experiment, das ganz klar gelungen ist und dann ja auch seine Fortsetzung fand.
Alles in allem war es eine sehr wichtige Erfahrung, die uns dann ja auch einen Schritt weiter gebracht hat zur 2. Ausgabe des Festivals.

Patze: Ein Jahr später fand das SBÄM Fest dann in Wels statt, ging erneut über 2 Tage und es spielten Bands wie Propagandhi, Iron Chic oder auch No Fun At All. Es dauerte nicht allzu lange, bis das Festival ausverkauft war. Wie kam es zum Standort in Wels und wie zufrieden seid ihr damit? Highlights?
Martin: Also am Standortwechsel sind eigentlich nur Propagandhi schuld haha.
Wir haben die Möglichkeit bekommen, Propagandhi zu buchen und da konnten wir schwer nein sagen, da es ganz einfach eine meiner Lieblingsbands ist. Jedoch brauchten wir dazu ein größeres Venue und fanden im alten Schlachthof in Wels einen perfekten Partner. Ich glaube, jeder der schon mal dort war, weiß warum ein Punkfestival genau dort stattfinden muss. Aber auch hinter den Kulissen ist die Location für unser Vorhaben optimal.
Für mich waren so viele Dinge an dem Festival einfach unglaublich, zum einen das Lineup das wir da buchen konnten, zum anderen dass Leute aus allen Teilen Europas, Kanada, Brasilien und sogar Costa Rica zu uns kamen und das Festival so schnell ausverkauft war.
Musikalisch gab es für mich so viele Highlights, aber mein persönlicher „Gänsehaut-Moment“ war als „No Trigger“ auf die Bühne gingen und die Hütte mit ihrem Set einfach eingerissen haben. Ganz großes Kino!
Ein weiteres Highlight waren auch die Bands Backstage, da alle super easy waren und ganz egal ob große oder kleine Acts, alle einfach nett und umgänglich waren.

Patze: Mittlerweile plant ihr die dritte Ausgabe des Festivals und das Line Up kann sich mal wieder sehen lassen. Gibt es Dinge, die euch bei der Organisation eures Festivals besonders wichtig sind? Was hat sich seit dem letzten Festival verändert? Auf was freust du dich am meisten?
Martin: Also uns ist es ganz wichtig, dass wir noch immer versuchen, so viel DIY-Spirit wie möglich in der Organisation zu behalten. Wir geben nur ganz wenig aus der Hand und machen so gut wie alles selber, sprich Booking, Artwork, Ticketverkauf, Tontechnik und Stagemanagement werden direkt von uns und unseren Freunden gemacht. Das bedeutet man arbeitet mit Leuten die man gut kennt, mit denen man auch während dem Jahr mal einen Trinken geht und es macht dementsprechend auch mehr Spaß.
Ein weiterer Faktor, der uns ganz wichtig ist, ist dass wir alle Bands im Lineup selber auswählen und uns vorher ganz klar anhören und es nicht irgendwelche Social-Media-Votings gibt oder gar Pay-To-Play. Uns ist auch unheimlich wichtig, das ganze Spektrum der Punkszene aufzuzeigen und jedem eine Bühne zu geben und somit spielen lokale Bands bei uns genauso wie Größen wie Good Riddance.
Bei uns werden auch alle Bands gleich behandelt, sprich es gibt nur gemeinsame Backstageräume und keine Sonderbetreuung für manche Bands.
Für uns ist es auch wichtig, dass es keine Barrieren vor der Bühne gibt, sich Bands frei im Publikum bewegen und ich glaube dadurch entsteht bei uns auch eine gewisse „familiäre“ Atmosphäre, welche unser Publikum sehr schätzt.
Es gibt grundsätzlich zwei große Veränderungen bei der dritten Ausgabe, zum einen werden es dieses mal 3 Tage sein, was vor allem für meine Beine eine große Challenge bedeutet haha und wir werden eine second Stage machen, welche in einem Zelt am Skateplatz vor dem Venue sein wird.
Ich persönlich freu mich auf das Publikum, Freunde zu treffen, die Bands kennenzulernen, gute Gigs und dass ich am letzten Tag auf der Aftershow-Party auflegen darf (Secret Headliner)


Patze: Da ihr mit Grafikdesign, Konzert- und Festivalorganisation anscheinend noch nicht genug ausgelastet seid, habt ihr kürzlich SBÄM Records gegründet. Ihr habt direkt mal Platten für Bands wie Frenzal Rhomb, No Fun At All oder Get Dead veröffentlicht. Nebenbei macht ihr aber auch Platten für jüngere Bands wie beispielsweise Swallow’s Rose. Auch wenn das Label noch recht jung ist – für was steht SBÄM Records? Was ist euch wichtig bei Bands, mit denen ihr zusammen arbeitet? Würdet ihr mit bestimmten Bands nicht zusammen arbeiten, auch wenn die Musik voll klar geht?
Martin: Ja so nach dem Motto die 3 Stunden Freizeit pro Woche nehmen wir uns auch noch und starten ein Label!
Die Idee, ein Label zu gründen, hatten wir irgendwie schon länger, jedoch war der Anstoß dass „Consumed“ gesagt haben wir bringen bei euch unser neues Album raus und wir meinten wir haben ja nicht mal ein Label, aber man könnte ja eins gründen. 8 Monate später haben wir inzwischen einige Releases und auch Re-Releases gemacht und auch da sind wir gerade sehr viel am Lernen, da auch das Labelbusiness ein komplexes ist.
Ich denke, wir versuchen eine gute Mischung zwischen jungen aufstrebenden Bands und international bekannten Künstlern zu schaffen. Natürlich helfen uns da unsere Kontakte durch Artworks und dem Festival.
Was uns zu allererst wichtig ist bei den Bands, ist dass uns gefällt was sie machen und wir die Platten auch selber horchen würden. Zum Beispiel die CD von „Swallow’s Rose“ läuft bei mir derzeit immer im Auto, wenn ich in die Arbeit fahre und ich habe sie noch immer nicht satt.
Ich glaube in Sachen Bands, mit denen wir nicht arbeiten würden, ist es ähnlich wie mit Bands die wir nicht buchen würden, da kommt zum einen natürlich der politische Kontext. Wir würden natürlich nie mit einer offen rassistischen, sexistischen oder homophoben Band zusammenarbeiten, aber auch nicht mit Bands die sich irgendwie mit Aussagen oder Verhalten selbst ins „Aus“ bringen oder ihre Bühne mit politisch schwierigen Bands teilen. Ich denke da hat man als Promoter oder Labelinhaber auch eine gewisse Verantwortung, sich mit den Künstlern auseinanderzusetzen.

Patze: Was sind die nächsten Pläne für SBÄM? Irgendwelche Bands, mit denen ihr unbedingt mal was machen wollt?
Martin: Natürlich gibt es viele Bands mit denen wir gerne arbeiten würden, sowohl Stefan in Sachen Artworks, aber auch ich in Sachen Label und Festival bzw. Klubshows.
Wir sind derzeit dabei, ein paar richtig gute Releases für 2019 zu planen und sollten unsere Pläne aufgehen, wird das Frühjahr 2019 nicht nur wegen unseres Festivals eine spannende Zeit.
Zusätzlich wird es auch am 1. November 2019 wieder die „Fall Edition“ geben, für die wir schon einen Headliner haben, aber der genaue Rahmen ist noch nicht ganz klar.

Patze: Deine 5 Platten des Jahres 2018?
Martin: Meine Nummer 1 ist ganz klar „Chaser – Sound The Sirens“, da es mich zum einen unheimlich stark an den late 90s Sound erinnert den ich als Jugendlicher so gerne gehorcht habe, aber auch ganz klar einen modernen Vibe drinnen hat. In Sachen „Deutschpunk“ ist mein Favorit heuer ganz klar „Alarmsignal – Attaque“ da kaum eine Band politische Messages so gut auf den Punkt bringt und auch mit der gewissen Mischung aus Härte und „Singalong-Charakter“ rüberbringt.
In meinen Top 5 auch ganz klar „Antimanifest – Am Ende aller Tage“ als vermutlich bestes Release aus Österreich und weil es einfach ein unheimlich gutes Ding ist!
„Spanish Love Songs – Schmaltz“ darf wohl heuer auch in keiner meiner Toplisten fehlen! Das ist musikalisch einfach zu genial was man da um die Ohren gehauen bekommt.
Als letztes würde ich noch eine 3-Song-EP ins Rennen werfen, die ich erst vor Kurzem zu hören bekam, mich aber sofort so richtig gepackt hat. Nämlich „Goodbye Blue Monday – Misery-Punk ruined my life“. Es ist einfach faszinierend, wie viele gute Bands derzeit aus der UK-Szene hervorkommen und die Band ist ein Paradebeispiel dafür.

Patze: Danke für das Interviews und bis demnächst!


Patze 12/2018
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