Start Shows Berichte Rezis Kalender Members Kontakt
Login: BS-Nummer oder Email: Passwort: | | Passwort vergessen?
Sheer Mag:
A Distant Call
März 2020, der Corona-Virus fegt durch Europa und Deutschland und alle (oder zumindest die meisten) Menschen stayen the fuck at home. So auch ich. Zeit also, mich ein wenig in Musik zu vertiefen und das ein oder andere Review zu verfassen. Die Band Sheer Mag ging, so heißt es, vor ein paar Jahren mit ihrem Debüt "Need To Feel Your Love" durch die Decke und das Album brachte ihnen schon früh in ihrem Bestehen einen Auftritt auf dem Coachella Festival ein. Wie so oft habe ich davon mal wieder nichts mitbekommen. Meistens geht der neueste und heißeste Shit entweder an mir vorbei oder ich ignoriere ihn bewusst und gekonnt. Die kleine und unbekannte Underground Musik-Zeitschrift "Rolling Stone" schrieb bereits im Januar 2015 über die Band "A Gang Of Punks With A Not-So-Secret Love Of Seventies Classic Rock" und packte sie in die Liste "10 New Artists You Need To Know". So so, ja denn will ich mal reinhören und schauen ob ihr zweites Album immer noch so ein Must-Hear ist.
Ich startete meine Recherche mit dem Hören des ersten Albums und arbeite mich dann ziemlich zügig zu ihrem aktuellen Output vor, während ich mir die Band-Historie im Schnelldurchlauf aus dem Internet anlese.

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass sich auf "A Distant Call" im Vergleich zum Vorgänger wenig verändert hat. Mit dem nötigen Wumms hardrockt sich die Band aus Philadelphia wieder durch die meisten der zehn Songs. Scheuen sich jedoch nicht, mal mit behutsamem, fast schon kitschigem Powerpop Radiotaugliches abzuliefern (Silver Line). Aushängeschild bleibt dabei die hohe Stimme von Sängerin Tina, bei der sich mir, und das ist ganz im positiven Sinne zu verstehen, die Haare auf den Unterarmen aufrichten. Die Referenzen an die 70er und 80er Jahre, der Hochphase des Hard-Rock, triefen dabei wie der Talg aus der Haut eines Pubertierenden, unter der eine dicke Schicht Punk-Ethos sitzt. Manchmal fühle ich mich auf die Rückbank des elterlichen Kombis zurückversetzt, in dem ich, Comic-Heft lesend, an Sonntagen zu ausgedehnten Spaziergängen durch das meist regnerische und graue Münsterland kutschiert werde. Während bei dieser Fahrt aus den schwachen Boxen des Mazdas, die Hard-Rock CDs meines Vaters (Meat Loaf, Nazareth, Steppenwolf, Deep Purple, Scorpions, Queen) laufen oder WDR 2 mit ähnlich gelagerter Musik leise vor sich hindudelt.
Ganz viel 4/4 Takt und bretzelnde Gitarren sind hierbei natürlich ein Muss, mit den ebenfalls nicht wegzudenkenden fideligen Gitarren-Solos schaffen es Sheer Mag aber, den Bogen nie so sehr zu überspannen dass es nervig wird. Ein Blick auf die Songtitel könnte den Gedanken aufkommen lassen, in ihnen würden Hard-Rock-typische Klischees bedient. Also wie auch im Metal, Songs über Fantasythemen: Drachen, Bekämpfung von Drachen, Drachenblut, zum Kampf gegen Drachen benötigte stählerne Schwerter, und so weiter. Natürlich ergänzt durch den ein oder anderen Lovesong. Doch weit gefehlt, in Christina Halladays Texte lesen sich zum einen wie ihr mit kürzlich geschehenen kleinen und großen Katastrophen gefülltes Tagebuch (die schwierige Beziehung zum kürzlich verstorbenen Vater, Jobverlust, pleite sein, Trennung). Zum anderen sind sie durchaus politisch, so soll "A Distant Call" durch Anekdoten aufzeigen, wie der Spät-Kapitalismus alles um uns herum tötet, ohne das Wort Spät-Kapitalismus dabei überhaupt zu verwenden.

Fazit: Ich könnte jetzt hier noch irgendeinen peinlichen Scheiß auf Lokalzeitungsniveau schreiben wie: Spandexhosen raus, die 70er sind wieder da und rocken wie... bla bla bla. Das lasse ich aber und schreibe bloß noch: das Album ist sehr sehr gut geworden.
Peter 04/2020
Hörprobe:
Bitte hier klicken, um diese Einbettung von Bandcamp zu aktivieren.Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.
Sheer Mag - A Distant Call

Stil: Hardrock, Punk
VÖ: 14.02.2020, LP, CD, Wilsuns


Tracklist:
01. Steels Sharpens Steel
02. Blood from a Stone
03. Unfound Manifest
04. Silver Line
05. Hardly to Blame
06. Cold Sword
07. Chopping Block
08. The Right Stuff
09. The Killer
10. Keep on Runnin'

Bitte hier klicken, um diese Seite bei Facebook zu liken oder zu teilen. Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.

Kommentar eintragen:

bisher keine Einträge

Kommentar eintragen - Anmerkung, Kritik, Ergänzung

Name:

e-Mail:

Kommentar:
Deine Eingaben werden bis auf Widerruf gespeichert und für Nutzer der Seite sichtbar.
Die Angabe der Email-Adresse ist freiwillig und sie bleibt nur sichtbar für eingeloggte Nutzer.
Weitere Infos in unserer Datenschutzerklärung.
part of bierschinken.net
Impressum | Datenschutz