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The Ex Fest: Riverboat Gamblers, Far From Finished, AC4, Masked Intruder, Iron Chic, Steakknife, The Flatliners, The Static Age, Antillectual, The Detectors, Cowboy Poetry, Thinner, 04.05.2013 in Trier, Ex-Haus - Bericht von Fö

The Ex Fest, 04.05.2013 in Trier

Die letzten Ausläufer des Aprils durchziehen das Land. April, das ist der Monat, in dem so ungefähr jede Band der Erde meint, auf Tour gehen zu müssen. Dieses Jahr werden halt noch ein paar Tage dran gehangen - unglaublich, wie viele Bands heute ihren Tourabschluss feiern! Möglich macht dies das "Ex-Fest", organisiert vom sympathischen Midsummer-Label. Willkommene Gelegenheit, um mal wieder auf Reisen zu gehen. Starkes Line-Up, tolle Location (ich war ja bisher nie im Ex-Haus).
Anreise heute mal mit Wochenendticket. Die Fahrt relativ harmonisch und, bis auf die Namen der Käffer, die wir durchfahren, auch eher unspektakulär. Fröhlich und gut gelaunt (diese Stimmung durchgehend zu erhalten, ist übrigens ganz einfach: immer, wenn die Laune zu sinken droht, muss nur jemand den Namen "Rabatz" erwähnen) erreichen wir irgendwann Trier.
Als erste Band um 14:30 auch direkt ein Tageshighlight: IRON CHIC starten den munteren Reigen. Wobei der frühe Zeitpunkt nicht mit Wahrnehmungsverzerrung der Veranstalter zu tun hat, sondern mit dem Umstand, dass Iron Chic in wenigen Stunden in Münster auf der Matte/Bühne stehen müssen (wollen!). Kombiniert mit der Tatsache, dass sie gestern (also erst vor wenigen Stunden) ein verschwitztes Konzert in Köln gegeben haben, lässt sich wohl nachvollziehen, dass die Band etwas in den Seilen hängt.
Erkennbar an einem durchgehend mit geschlossenen Augenlidern gespielten Auftritt. Ich habe, weil ich die Band zuvor noch nie gesehen habe, nicht so die Vergleichsmöglichkeiten, wage aber mal zu behaupten, dass sie sonst zumindest ein klein wenig agiler sind.
Etwas mehr Bewegung steckt in den 4-5 Typen vor der Bühne (Kategorie breite Schultern, Tattoos und Bart), die absolut kein Problem damit zu haben scheinen, dass es noch so früh ist. Feiern und grölen fleißig, Fäuste und Zeigefinger in die Luft, einer springt immer wieder in die ausgestreckten Arme der anderen - großartig! Insgesamt für die Uhrzeit recht gut gefüllt hier, der Großteil hält sich aber doch eher bedeckt.
Ja, Iron Chic. Wie sagt man - melodieverliebter Punkrock, rauer bis heiserer Gesang, verspielte Gitarre, der unumgängliche Hang zur Hymne, echt überzeugend. Eines der Nachfolgeprojekte von Latterman, falls noch jemand etwas Namedropping benötigt. Mit der Vorliebe, ausverkaufte Konzerte in kleinen Ranzschuppen zu geben.
Übrigens ist heute Schlossi als offizielle Bierschinken-Fotografin im Einsatz. Läuft ganz gut, man muss sie nur gelegentlich mit Sekt füttern. Sie kriegt dann auch Sachen hin, die mir heute vergönnt sind: Wie, endlich mal wieder, ein Schlagzeugerfoto. Die kommen ja bei der Bierschinken-Berichterstattung öfter mal zu kurz.
Die "Show" an sich lebt vor allem durch die Stärke der gespielten Songs. Cutesy Monster Man, Every Town Has An Elm Street, In One Ear - geil. Wird nur getoppt durch besagte 4-5 Typen vor der Bühne, die einfach mal sowas von am Feiern sind.
Starker Auftritt von Iron Chic, auch wenn's zu späterer Stunde deutlich mehr Bock gemacht hätte - aber die frühe Anreise hat sich gelohnt. Die Band bedankt sich auch fleißig, entschuldigt sich für mangelnden Elan und lässt sich sogar zu ner Zugabe hinreißen - bei 30 Minuten Spielzeit auch noch ne Minute früher aufhören, hätte ich aber auch wirklich als frech empfunden.
Anschließend steht Akustik-Gedöns auf der kleinen Bühne auf dem Programm, dem wir aber wegen Wetter und wegen mangelndem Interesse an Akustik-Gedöns dann doch eher das Wetter vorziehen. Also das, was es im netten Innenhof des Ex-Hauses zu genießen gibt. Pünktlich wieder rein zu THE STATIC AGE.
Zuletzt gesehen beim Tourstart auf dem "Bierschinken eats FZW", heute das letzte Konzert der Tour. Zwei zeitliche Extrema, die doch eher ungünstig sind: Beim Start waren sie übermüdet von der Anreise, heute übermüdet von der Tour selbst. Auch Andrews Stimme hat ein klein wenig darunter zu leiden.
Aber, äh, wie auch immer. Konzentrieren wir uns auf die Musik. The Static Age haben ihre Punkwurzeln, sind musikalisch aber nicht wirklich mit den anderen Bands des Tages zu vergleichen. Popmusik, eher tragend und nicht zuletzt durch die Synthie-Sounds ziemlich wave-lastig. Geschmust wird trotzdem nicht, dazu entfaltet die Musik dann doch zu viel Stärke.
Wird auch immer wieder in den "Alternative"-Topf geworfen, aber das würde ich nie tun. "Alternative" sagen Leute, die keinen Bock haben, die Musik näher zu umreißen. Habe ich zwar auch nicht, aber immerhin gebe ich das zu. Nunja. Halbe Stunde, entsprechend kurzes Set mit 6 Liedern. Da hat einiges gefehlt!
Dafür aber doch ein ganz netter Querschnitt: "Amphibian" vom 2004er Album "Neon Nights Electric Lives", "Daughters And Sons" von der 2009er EP "I/O", "Mistages Worth Making" von der aktuellen Split-EP mit Featuring Yourself, äh, und so weiter. Wurde da überhaupt eine Veröffentlichung doppelt gewürdigt? Cool! Schöner Auftritt, etwas kurz.
Schnell rüber zur kleinen Bühne, wo man uns aber direkt wieder raus komplementiert mit den Worten "Philipp spielt im Hof". Tatsache. COWBOY POETRY spielt lieber draußen und hat dadurch deutlich mehr Zuschauer als alle Bands, die zuvor gespielt haben. Schlauer Typ. Außerdem kann er sich während dem Spielen am Stand nen Burger holen, wie er erwähnt.
Er erwähnt auch noch andere Sachen, aber die hört man mangels Mikrofon (also, äh, Lautsprecher) nur, wenn man zwei Meter vor ihm steht. Immerhin singt er lauter, die Musik versteht man dann also doch. Sing-Schrei-Akustik-Geschrammel. Statt protzigem Bühnenbanner übrigens hinter ihm ein Black-Flag-Plakat. Höhö.
Europaletten-Rock. Kommt gut an - zumindest läuft keiner weg, es applaudieren sogar die meisten, hier und da wird auch mal mitgesungen. Geil. Aber schließlich hat Philipp auch schonmal hier in Trier gewohnt. Ganz nebenbei erfahre ich im Anschluss übrigens, dass er kürzlich wieder umgezogen ist und dies demnächst wieder tut, aber noch nicht weiß wohin. Das Argument "schonmal hier gewohnt" zieht bei ihm also eigentlich eh in jeder zweiten Stadt.
Jau. Netter Auftritt. Allerdings könnte der Lichtmischer die Sonne noch etwas runterschrauben. Viele Lieder dabei, die ich mal als "neu" kategorisieren würde, zumindest kannte ich nur ungefähr zwei. "Apocalypse Now" und "Still Songs to Sing" erwähne ich da mal. Guter Auftritt, schön geschrien. Können jetzt die anderen Bands bitte auch hier draußen spielen?
Anscheinend nicht. Nachdem Cowboy Poetry ausdrücklich empfohlen hat, uns ANTILLECTUAL anzuschauen, fragen diese auch direkt, ob wir uns soeben Cowboy Poetry angeschaut haben. Love is in the air, und so. Antillectual aus dem Kaaskoppe-Land. Die kleinen Propagandhi. Auch wenn der Vergleich ausgelutscht ist.
Starke Band, tolle Musik. Live irgendwie etwas zu konzentriert bei der Sache, aber die Zuschauer sind trotzdem dankbar. Hm, ich weiß ja nicht. So gut ich die Band eigentlich finde (vor allem ihr letztes Album "Start From Scratch"), live fehlte da immer ein wenig das Quentchen an überspringender Freude.
Aber gut sindse ja trotzdem. Auch hier wieder: Kurzes Set, das aber mit einigen Hits gespickt ist. "Buyer's remorse", "Some of my best friends are meat eaters", "The New Jew", "Every crisis is a moral crisis". Schon irgendwie gut. Der Sänger betont auch immer wieder, wir dürften ruhig mitsingen wenn wir den Text kennen - was einige auch fleißig tun.
Als besonderen Service hier noch ein Touristenfoto mit Mosel-Romantik. Unser "Team" hat sich ein wenig gesplittet. Musik für die einen, Sonne für die anderen. Klingt doch nach ner gerechten Arbeitsteilung. Also muss für die folgenden Bilder wieder meine Billig-Kamera herhalten.
FAR FROM FINISHED! Einer der Hauptgründe, warum ich heute hier bin. Band lange nicht gesehen und äußerst gespannt, was die mittlerweile so drauf haben. Nachdem die kürzlich erschienene EP "Let's be Frank" ja wieder Hoffnung aufkeimen ließ, dass die Bostoner zu alter Stärke zurück gefunden haben (um mal ne abgedroschene Kritiker-Floskel heraus zu kramen).
Tatsache! Vom ersten Song an wird Gas gegeben. Zugleich haben wir hier die erste Band des Tages, bei der auch vor der Bühne ordentlich was los ist. Einige brüllen quasi durchgehend das gesamte Set mit - Respekt!
Hier hätten wir die Setlist. Gute Zusammenstellung! Quasi ein Klassiker nach dem Nächsten. "Roses and razorblades", "Forgive Me Father", "A Destination Nowhere" und so weiter. Mit "Mother Mercy" auch was von der aktuellen EP. Das letzte Album wird löblicherweise gar nicht gewürdigt. Harhar.
Wer die Band noch nicht kennt: Buh. Grob gesagt so Streetpunk bis melodischer Punkrock mit Betonung auf kräftigen Singalongs. Übrigens eine der wenigen Bands heute, die NICHT ihren Tourabschluss feiern - sind noch etwa bis Ende des Monats unterwegs. Also falls wer Bock hat...
Die Lichtverhältnisse hier sind echt komisch: Die meiste Zeit, so scheint mir, strahlt das Licht die Musiker von hinten an. So dass vermutlich meine Kamera für die Bands total gut zu sehen ist, die Bands selbst für mich aber eher als Silhouetten. Naja, könnte schlimmer sein (es könnte stroboskopieren), also will ich mich da mal nicht beschweren.
Sänger Steve hat eh mehr Probleme damit, seinen Mikrofonständer auf die richtige Höhe zu schrauben. Das ist mit einer Hand nicht allzu einfach, mit Sonnenbrille nahezu unmöglich - aber er kriegt es doch irgendwann hin. Respekt!
Also: durchweg gute Show, Publikum zufrieden, ich auch. Mittlerweile hat ungefähr die Hälfte der Bands des Festivals gespielt und so langsam macht sich bemerkbar: viel voller wird es nicht mehr. In den Raum hätte bestimmt noch das doppelte gepasst - okay, als Besucher ist das eigentlich ganz angenehm, man hat Platz zum Stehen und so weiter, aber ich frag mich wirklich, was mit dem Punkrock in Trier los ist. Zumal die vielen Bands sicherlich nicht ganz billig für den Veranstalter waren.
Nunja, rüber ins "kleine Exil" alias "Schimmelkeller". Hier passt deutlich weniger rein, vielleicht 60-70 Leute, auch wenn nicht ganz so viele da sind, als THINNER ihren Auftritt beginnen. Die kommen aus Berlin, haben kürzlich ihr Debütalbum "Say It!" via Midsummer Records rausgebracht und können mich live doch um einiges mehr überzeugen als von Platte.
Oldschool Hardcore-Punk mit viel Bassgewummer, was dem Ganzen etwas Eigenständiges verleiht. Fester im Gehör verankert sich allerdings der Gesang - ziemlich hochtönig gehalten, son Geschrei wie in alten Skater-Videos von Bands, die ich höchstens dem Namen nach kenne (also verzichte ich mal auf die Vergleiche). Drischt gut nach vorne, durchgehend amtliches Tempo, geil.
Zwischendurch hat der Sänger auch noch hier und da was zu erzählen. Darüber, dass man in seinem Leben unbedingt einmal so richtig auf die Fresse gekriegt haben sollte, das reinige die Seele (wie philosophisch), man freut sich über den guten Anklang, den sie finden - und über einen Besucher, der alle Texte mitsingen kann. Sitzen solche Leute eigentlich den ganzen Tag zuhause und pauken sich durch Textblätter? Sooo verständlich ist der Gesang ja nu auch wieder nicht. Naja, wat solls.
Und wieder zurück ins "große Exil". Die RIVERBOAT GAMBLERS sind nun an der Reihe. Alter Verwalter! Fand die Band ja bisher von Platte eher ganz solide, aber was da auf der Bühne abgeht, lässt sich kaum in Worte fassen - abgefahren. Ein Feuerwerk der guten Laune, alles springt hin und her, der Wahnsinn ey. Anfangs bin ich gar versucht, zu glauben, hier ne komplett andere Band vor mir zu haben - bis mir dann doch ein paar Songs bekannt vorkommen.
Also echt mal, die Überraschung des Festivals! Wusste auch gar nicht, dass die schon so nen hohen Bekanntheitsgrad haben, aber in den ersten Reihen wird mächtig gefeiert, alle erstaunlich textsicher. Ganz gut gefüllt auch mal wieder.
Augenweide schlechthin ist der Sänger. Schon nach kürzester Zeit pitschnass, wirbelt ständig das Mikrofon oder wahlweise seinen eigenen Körper quer durch die Lüfte, scheut auch nicht den Sprint durchs Publikum und unterhalt zwischen den Songs durch herrliche Ansagen. Ein bisschen viel Selbstabfeierei dabei, aber in geil.
Als für einen Song die Bassgitarre ausfällt, lässt er sich anschließend zu einer herzergreifenden Rede hinreißen, sie würden jetzt endlich das finale und ungewöhnliche Instrument der Bassgitarre in den Rock'n'Roll einführen. Großartig!
Musik: Rock'n'Roll bis Punkrock. Vielleicht beschreibbar als ne Mischung aus Danko Jones und Hot Water Music, mit etwas Hives-Attitüde. Sehr mitreißend. Ich glaube, ich muss mir auch die Tonträger-Aufnahmen nachträglich nochmal zur Gemüte führen, vielleicht erwarten mich da auch ungeahnte Perlen.
Setlist. Ein paar Lieder habe ich zumindest schonmal gehört, bin dann aber überrascht, wie gut die live zünden. "Bite My Tongue" oder "Comedians" zum Beispiel. Andere Stücke kenne ich nicht, bin trotzdem begeistert.
Die Max-Faust.
Noch mehr Publikum. Alle Spaß. Sachtma, der Typ da hinten, filmt der das Konzert mit nem Tablet mit? Wie geil is der denn?
Bequem da oben? In einigen Läden kann es ja durchaus cool aussehen, auf den Boxenturm zu klettern. Hier, wo zwischen Boxen und Decke nur etwa 20 Zentimeter Platz sind, muss man schon son Spargeltarzan wie der Gamblers-Sänger sein, um dort überhaupt hin zu passen. Aber genau deswegen witzig, dass er die Aktion gebracht hat.
Und lässt sich natürlich auch fallen auf die Massen (okay, die mussten noch etwas zusammen rücken, bis sie wirklich massig waren). Irre gute Band, diese Riverboat Gamblers. Im Hinterkopf behalten.
Anschließend wieder rüber zur kleinen Bühne - mal gucken, was THE DETECTORS so können. Die kamen bei Gerds Groezrock-Bericht ja ganz gut weg, bei mir sind die bisher immer ziemlich vorbeigegangen, sieht man mal von diversen Sampler-Beiträgen hier und da ab. Also mal auschecken.
Neben mir steht der Tröger und flüstert mir beständig ins Ohr, ich solle denen ja keinen Verriss reindrücken. Besticht mich sogar mit Bier. Seit wann hat Bierschinken eigentlich den Ruf weg, wir würden ständig nur die Bands verreißen? Verrückt. Also ich finde ja grundsätzlich nur Bands scheiße, die ich scheiße finde. Während hingegen ich Bands, die ich total gut finde, total gut finde. So einfach ist das.
Zurück zum Thema. Detectors. Kommen aus dieser Kieler Band-Suppe. Musik ist so melodischer und oft mehrstimmiger Streetpunk. Erinnert mich verblüffenderweise an die Vaders, von denen der Gitarrist zufälligerweise ein Shirt trägt. Gerds Anti-Flag-Vergleich ist auch nicht allzu verkehrt, auch die Einstellung der Jungs scheint zu stimmen. Revolutionsfaust und so. Ich füge noch nen weiteren Vergleich hinzu: Manchmal klingt's auch wie die besseren Beatsteaks.
Und jetzt zum Verriss: Sie "sehen aus, wie das Tokyo-Hotel-Äquivalent der Skate-Punk-Pop-Szene. Seltsame Strubelpeter-Frisuren, dicke Hornbrillen und ein nicht zu überlesener 'Vegan'-Aufkleber auf dem Topteil sorgen für einen plötzlichen Brechreiz". Der war aber nicht von mir, sondern von dieser lustigen Seite geklaut. Hm. Vielleicht sollte ich mich doch mehr mit Tokyo Hotel beschäftigen. Scheint ne gute Referenz zu sein.
Meine eigene Meinung: Verdammt gut! Schönes Tempo und ein paar potentielle Hits, die ich gerne mitgrölen würde, wenn ich denn die Texte könnte. Reinhören könnt ihr übrigens bei Bandcamp. Riesenhit: "I was a teenage capitalist" ist mir auch vom Konzert her noch gut in Erinnerung geblieben.
Ein Zuschauer brüllt durch den Raum, die Band würde doch dieselben Stücke wie letzte Woche spielen (ich vermute mal: Groezrock) - ein anderer ergänzt, er könne sich an das letzte Wochenende gar nicht erinnern. Touché. Scheint also gar nicht so unbekannt zu sein, die Band. Am Ende wird auch fleißig nach Zugabe gebrüllt und, nach Rücksprache mit keine-ahnung-wem, auch gegeben: "Sabotage" von den Beastie Boys! In letzter Zeit öfter mal von irgendwelchen Bands live gesehen, aber auch die Detectors-Version knallt schön punkig nach vorne. Geil. Top!
Und (was ein Stress, ey) wieder zur großen Bühne. Die Bühnen liegen übrigens quasi-gegenüber, getrennt durch einen Flur mit Toiletten, Bar und Merch-Utensilien - also halten sich die Wegstrecken durchaus in Grenzen. Gut so. Auf der Bühne: AC4! Die aktuelle Hardcore-Kapelle von Dennis Lyxzén, die sich ihre Vorschusslorbeeren daher geholt haben, dass Dennis auch bei Refused und The (international) Noise Conspiracy gesungen hat. Und bei der Lost Patrol Band, mittlerweile Invasionen.
Von AC4 hat man ja einige Zeit nichts gehört, insbesondere im Rahmen der Refused-Reunion, aber nachdem diese abgearbeitet und alle Bandmitglieder genug Geld gescheffelt haben, sind sie wieder da - mit neuem Album "Burn The World" im Gepäck. Leicht veränderte Besetzung: Ein neuer Bassist mit vielen Tattoos sowie ein Schlagzeuger, der als 12jähriger in einer Straight-Edge-Band war. Informationen, die Dennis offensichtlich nicht nur uns mitgeteilt hat, wie Gerds Bericht aus Münster offenbart hat.
Musik: Geil! Hardcore-Punk mit einer Geschwindigkeit, bei der Dennis sich häufig selbst fragt, ob das in seinem Alter noch sein muss. Achja, so ganz allgemein ist das Alter der Bandmitglieder ziemlich oft Thema. Steckt da etwa grad jemand in der Mitlife-Crisis? Naja, irgendwie müssen 45 Minuten Show ja gefüllt werden - gar nicht so einfach, wenn ein Lied maximal 1-2 Minuten dauert.
Gerd hatte ja auch schon vermutet, dass sich die Band im Vorfeld mit der Geschichte der Stadt, in der sie spielen, zu beschäftigen scheint. In Trier fällt der Zugang leicht: Dennis vertieft sich auf die Tatsache, dass Karl Marx hier geboren wurde, und erzählt das große Geheimnis, warum dieser so verdammt wütend war, als er "Das Kapital" geschrieben hat: Er hatte Hämorrhoiden. Mit brennendem Arsch kann man seinen Hass auf die aktuelle Gesellschaft also besser los werden - gut zu wissen!
Konzert: Verdammt gut! Gar nix von diesem "alte Männer wollen nochmal Punk machen", das uns die Ansagen glauben machen wollen. Schön wütend, schönes Gebrüll, schönes Sammelsurium aus Liedern der beiden Alben. "Where Are The Kids" wird dem verstorbenen Slayer-Gitarristen Jeff Hanneman gewidmet, weitere Kracher wie "This is It" oder "Let's Go To War" dürfen auch nicht fehlen, ebenso wenig wie Stücke vom aktuellen Album wie "Curva" oder "Breakout". Was für Kracher!
Publikum. Zwischen begeistert (während der Songs) und andächtig (während der Ansagen). Am Auftritt nix zu meckern, ne Zugabe wurde sogar auch noch gegeben, gerne wieder!
Danach erstmal raus, Luft schnappen. Beziehungsweise will ich mir noch einen von diesen ziemlich leckeren veganen Burgern schnappen, da mein Magen so langsam Bedarf anmeldet. Aber, schwupps, ausverkauft. Mist. Dadurch verpasse ich dann auch den Auftritt von "Ashes of Pompeii", aber irgendwann muss man ja mal Pause machen. Pünktlich wieder rein zu THE FLATLINERS.
Erst vor wenigen Tagen auf dem Queensday Festival gesehen. Leider unvermeidlich, dass ein paar der heutigen Bands auch in den Bierschinken-Berichten der vergangenen Wochen ne Rolle spielten, denn, wie eingangs schon erwähnt, die sind halt quasi alle gleichzeitig auf Tour. Aber manche Bands kann man sich ja ruhigen Gewissens zweimal anschauen.
Auch die Flatliners. Wobei, so wirklich anders war der Auftritt im Vergleich zum Venlo-Auftritt nicht wirklich. Und war ich da noch hellauf begeistert von der Band, sehe ich das Ganze heute etwas nüchterner (also jetzt nicht, was den Alkohol betrifft - da ist die Nüchternheit ungefähr gleichwertig). Immer noch geil, aber mittlerweile liegt mir der Tag doch etwas in den Knochen. Und mein Magen will nen Burger.
Band gut drauf, Publikum auch. Man freut sich über einen Zuschauer mit Sonnenbrille, der Sänger fragt ihn warum er diese trüge - er antwortet mit "I saw you last week". Das ist die verdammt nochmal beste Begründung die ich je gehört habe! Auch wenn er vermutlich nur die Frage nicht verstanden hat. Egal.
Man muss es der Band ganz einfach mal lassen: Die haben Hits. "Mother Teresa Chokeslams The World", "Filthy Habits", "Monumental", "Count Your Bruises" und so weiter. Und natürlich "Eulogy", ziemlich am Anfang gespielt. Vermisst habe ich hingegen "This Respirator" und "July! August! Reno!" - aber die gab es schon in Venlo nicht zu hören. Die aktuelle Platte ist halt wichtiger.
Gen Ende darf der Sänger dann mal die Gitarre abgeben - an den Gitarristen der Riverboat Gamblers. Gemeinsam wird "Don't Darlene" von Rocket From The Crypt dargeboten. Mittlerweile kenne ich das Lied ja sogar, hähä. Anschließend stellt er, mit Blick auf den Gamblers-Sänger, fest, wie anstrengend das sei, ohne Gitarre zu singen. Guter Auftritt der Flatliners, kein Highlight aber mehr als ordentlich. Jau. Nu aber langsam zurückziehen...
...und rüber in den Schimmelkeller, der sich nach und nach weiter füllt, bis schließlich MASKED INTRUDER auf der Bühne stehen. Die Band besteht aus Green, Blue, Yellow und Red (erkennbar an Masken-, Gitarren- und Schuh-Farbe) und sind derzeit wohl sowas, was man einen "Geheimtipp" nennen mag. Entsprechend bin ich auch ein wenig gespannt, was die live so drauf haben.
Oh, Gitarre auf dem Rücken. Und davor die Kamera von Marc Gärnter. Dessen Fotos und Erlebnisse könnt ihr übrigens hier begutachten! Zur Musik: Poppunk, aber der guten Sorte. Ramones in bunt, könnte man sagen. Vergleiche mit Chixdiggit oder Teenage Bottlerocket lassen sich auch nicht von der Hand weisen. Bloß dass die genannten Bands alle nicht maskiert sind.
Konnte mich von Platte anfangs nicht so recht mitreißen, dafür ist mir da irgendwie zuviel Surfpop drin. Aber nun, nach dem Live-Erlebnis sieht das anders aus, das gleichnamige Debütalbum läuft hier eigentlich ständig. Klarer Fall von Band, deren Konservenmaterial besser wird, wenn man sie live gesehen hat.
Dabei ist der Sound hier nicht einmal so wirklich optimal, insbesondere der Gesang kommt nicht wirklich zur Geltung, so zumindest mein Eindruck. Dabei ist doch gerade der poppig-catchy Gesang so wichtig, ebenso wie die herrlich unbeschwerten Texte, von denen ich heute so ziemlich nichts verstehe. Der Auftritt insgesamt zwar echt gut und mitreißend, aber könnte besser sein. Vielleicht war nach den ganzen Vorschusslorbeeren auch nur meine Erwartungshaltung zu groß.
Setlist! Und man sieht einen Schuh von Blue (reimt sich). Die meisten Songs vom Album, kombiniert mit ein paar Stücken der vorher gegangenen EP's, dazu noch ein Coversong: Outfield - Your Love. Überhaupt liegt hier mal wieder ziemlich viel Liebe in der Luft.
Der Anfang von "Wish you were mine" wird a capella dargeboten und das Publikum höflich gebeten, nicht mitzusingen, um Green nicht aus dem Takt zu bringen - was dem Publikum aber egal ist. Witzig. Und überhaupt, ich hab das Gefühl dass 90% des Publikums die Texte kennen. Kann aber damit zusammen hängen, dass ich relativ weit vorne stehe, und die Textsicheren dies ebenfalls ganz gerne tun.
Bei einem Lied ("Heart Shaped Guitar") soll das Publikum sich in zwei Hälften teilen - Jungs hier und Mädels da. Und dann jeweils die Jungs- bzw. Mädels-Parts vom Lied singen. Klappt so ungefähr zur Hälfte.
Gut gefüllt, der Raum.
Ja. Masked Intruder. Wer mit obig irgendwo hingeschmissener Beschreibung was anfangen kann, sollte da mal reinhören oder, noch besser, die Band live begutachten. Werde ich bestimmt auch nochmal tun, nachdem das Zeug von Konserve jetzt auch gezündet hat. Schade nur, dass heute der letzte Auftritt der Tour ist - im nächsten Jahr wollense aber wieder nach Europa kommen...
Auf der großen Bühne alsbald an der Reihe: STEAKKNIFE! Schockiert sind wir aber zunächst mal von dem, was Coco später als "Paralleluniversum" bezeichnet - der Raum hat sich beachtlich geleert. Und das, wo wir hier doch eigentlich den Headliner vor uns haben. Ein merkwürdiges Publikum. Aber ich gebe ja zu, Steakknife passen auch nicht unbedingt zum Rest des Programms. Wobei dank AC4 ja auch durchaus Hardcore-Publikum anwesend war - nur war das vermutlich zu jung.
Moment, darf man Steakknife überhaupt als Hardcore bezeichnen? Schließlich haben die ein Keyboard! Naja, zugegeben, das hört man kaum. Auch sonst geht die Musik nicht ganz so nach vorne wie zuvor AC4, ist eher etwas "rockig", ohne das jetzt böse zu meinen.
Und überhaupt: Deutlich vielseitiger als beispielsweise bei den Spermbirds, wo Lee Hollis ja sonst das Mikrofon bedient. Steakknife gibt mir da irgendwie mehr, auch wenn ich nur das 2007er Album "Parallel Universe Of The Dead" kenne (da isset wieder, das Paralleluniversum).
Der Bass fällt hier direkt zu Anfang gleich mal aus. Hoppla. Abhilfe schafft ein neuer Amp, der irgendwo hinter der Bühne rumliegt. Lee Hollis versucht gar nicht erst, die entstandene Pause durch Gelaber zu füllen.
Publikum. Wie gesagt, verhältnismäßig wenig los - so für Steakknife-Verhältnisse. Die munteren Tänzer vor der Bühne haben trotzdem ihren Spaß.
Aber et is ja auch spät. Steakknife ganz geil, aber relativ unspektakulär, das wäre mit Massen an feiernden Menschen besser gewesen, hier hat man ein wenig den Eindruck, lediglich ne Rausschmeißerband statt ne Punk-Legende vor sich zu haben. Wobei Band wie Zuschauer durchaus ihren Spaß an der Geschichte haben.
Bericht beende ich dann mal an dieser Stelle, war ja lang genug.
Für uns bleibt anschließend noch ein wenig Rumhängen, bis ich irgendwann das Flomobil durch die Straßen Triers steuern darf. Die neverending story "Flo hat nen Schlüssel für eine Wohnung, deren Bewohner nicht da sind" endet diesmal in einer Wohnung, deren Bewohner alles andere als erfreut sind, dass sich plötzlich ein Schlüssel an ihrer Tür zu schaffen macht. Naja, sorry. In einem Paralleluniversum wäre das bestimmt die richtige Tür gewesen!

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Kommentar eintragen:

locki
(locki)
09.05.2013 16:37
ja, es gibt leute, die sich durch textblätter pauken. deshalb ist man doch nicht gleich'n freak. oder?

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