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Hamburg Crash Fest: NoFX, Bad Religion, Slime, Mad Caddies, Montreal, 22.08.2013 in Hamburg, Trabrennbahn - Bericht von Gerdistan

Hamburg Crash Fest, 22.08.2013 in Hamburg

NOFX geben sich mal wieder in Deutschland die Ehre, der Rest des Lineups ist auch nicht zu verachten. Hamburg ist, naja, nicht das Ende der Welt, aber verschleudern wir mal ein paar Urlaubstage und machen eine kleine Rundreise durch Norddeutschland. Reiseplan: Münster -> Delmenhorst -> Kiel -> Hamburg -> Delmenhorst -> Münster.
Die zwei Tage in Kiel vergehen erstaunlich geruhsam mit Aktionen wie Marmelade kochen, Navigationsgeräte frisieren, Döner essen, Zombie-Spiel spielen, Filme gucken (They Live!, Revenge of the Nerds, Let Them Know, One Nine Nine Four, Samba in Mettmann). Donnerstag morgen ab nach Hamburg, Schwester besuchen, Nichte begutachten, Sachen ausladen, ab zur Trabrennbahn. Auf dem Weg zur Trabrennbahn nutze ich mein VVK-Ticket als Busfahrkarte, ein Novum für mich. Auf der Karte steht allerdings auch die Hamburger Morgenpost als Sponsor, FKP Scorpio als Veranstalter und gekostet hat sie fast 40 Euro... heieiei.
Pünktlich um halb fünf fängt die erste Band an: Montreal. Ich bin noch ganz irritiert, weil das Ganze hier Open Air ist, und muss mich erst mal setzen. Ich war nämlich schon mal auf ner Veranstaltung mit angegebenem Ort "Trabrennbahn Bahrenfeld", da haben allerdings Knochenfabrik im Keller gespielt. Und ich dachte, das Ganze hier wäre im selben Gebäude in nem größeren Raum. Weit gefehlt! Hier ist ein riesiges Gelände, Pferderennbahn halt, und man muss auch von der gleichnamigen Bushaltestelle erst mal ne Weile latschen. Auf dem Weg versuchen einem dann diverse Leute, Dosenbier für 2€ zu verkaufen und so Sachen.
Naja. Auf der Bühne steht neben Montreal mittlerweile auch Pensen von den Monsters of Liedermaching bzw. Das Pack. Kurz darauf gesellt sich auch noch der Sänger von Sondaschule dazu und alle zusammen singen ein Lied über einen Bankräuber. Montreal bestechen wie üblich durch Ansagen, bei denen man sich fragt, ob sich die Fans nicht verarscht vorkommen ("Jetzt alle mitklatschen! Ich will die Peter Maffay-Hände sehen!"), die aber dennoch ziemlich lustig sind und über die leider recht poppig gewordenen Songs der neueren Alben ein kleines bisschen hinwegtrösten können.
Obwohl die Band ja aus Hamburg kommt und darauf auch diverse Scherze aufbaut, ist es recht leer vor der Bühne, was vermutlich zum einen daran liegt, dass es werktags und noch nicht mal 17 Uhr ist, andererseits am leicht überzogenen Eintrittspreis. Oder weil Montrealfans nicht so viel Geld für die alten Herren von Bad Religion ausgeben. Weiß man nicht, ist ja auch wurst. Vor der Bühne pogt ein angegrauter Chad Kroeger-Verschnitt mit einem Dreadlock-Hippie. Die ersten drei Reihen singen inbrünstig mit. Der Rest guckt sich das Ganze eher kritisch an. Bei den älteren Sachen wippe ich auch vorsichtig mit dem Fuß, bei den Ansagen muss ich gelegentlich kichern.
Ich bin übrigens ganz alleine angereist, in der Annahme ich würde hier sowieso genug bekannte Gesichter treffen, um mich nicht zu langweilen. Zu Beginn schien dieser Plan nicht aufzugehen, dafür labern mich alle paar Meter fremde Leute wegen meines Belvedere-Shirts (ratet mal, woher..) an, unter anderem ein Kanadier, der mir direkt einen Button von seiner Band "Copsicle" schenkt. Das Gespräch geht leider nicht sehr lange, weil dann die Mad Caddies anfangen.
Die Mad Caddies machen ziemlich genau dasselbe wie letzte Woche in Münster, allerdings scheint die Band heute etwas lustiger drauf zu sein. Das Banjo wird angekündigt als "the instrument you play if you wanna have sex with your relatives" und ähnlich derbe Zoten. Die Setlist ist leider genau so schwach wie in Münster, nur dass noch mehr von den guten Sachen ausgespart wurden - All American Badass zum Beispiel. Aber für ne Auftaktband am späten Nachmittag doch zeitweise ganz brauchbar.
Wieder Umbaupause, ich telefoniere mit meinem Fahrradhändler (300 Euro? Ich will das Rad doch nicht heiraten!) und hole mir ein Bier (4€ + 1€ Becherpfand? Cola das Gleiche, Wasser 3,50?? Widerliche Halsabschneider, aber naja, Scorpio, hätte man wissen können) und dann läuft mir der Bassist von Robinson Krause über den Weg, der ein Gästelistenbändchen hat und deswegen wieder rausgehen darf (das kann der Normalsterbliche Gerd natürlich nicht) und deshalb draußen Bier kaufen kann. Beneidenswert! Nach ein paar Anekdoten über Dicken guck ich mir mal ein bisschen Slime an.
Als Opener wurde direkt ACAB verheizt, dann folgte ein bunter Strauß an Melodien aus alten und neuen Tagen. Ich muss ja zugeben, dass ich das neue Album auch ganz ok finde, dementsprechend werde ich hier ganz gut unterhalten. Vor der Bühne ist allerdings nicht soo viel los, vermutlich war der Eintrittspreis für die jüngere Generation von Parolenpunks etwas zu hoch. Die Songauswahl war ganz gut, die Bühnenperformance für eine derart betagte Band auch noch annehmbar. So richtig ins Mitfiebern komme ich nicht, aber dafür bin ich vielleicht zu jung oder zu wenig radikalisiert.
Sich fügen heißt Lügen, Schweineherbst, Bullenschweine und natürlich Deutschland muss sterben. Da bleibt kein Deutschpunkerauge trocken, dazwischen Ansagen über aktuelle politische Zwischenfälle. Jau, Slime, kann man machen, hatte ich mir irgendwie beknackter vorgestellt. Hier noch schnell die Infos über den ganzen Reunion-Quatsch: Originalmitglied Dirk am Gesang, Nichtoriginalmitglied Herr Schwers an der Trommel, Rest keine Ahnung, sahen aber alt aus.
Zack, wieder Umbaupause und langsam geht mein Plan auf, erst treffe ich die Nasty Jeans (arrogante Wichser, jetzt auch auf nem Majorlabel!) und dann auch noch Nüsschen-Nils und eine handvoll Kieler Fratzen. Für tiefsinnige Gespräche abseits der Konzerte ist also gesorgt, da kann ich mir erstmal beruhigt Bad Religion reinziehen. Die Herren treten auch in etwas veränderter Besetzung auf, es steht eine desinteressiert wirkende Witzfigur mit Lederjacke und Schal an der zweiten Gitarre und kaut Kaugummi.
Ein Typ im Publikum verrät mir, dass das der Ersatzgitarrist ist, weil der Originalgitarrist von seiner Frau mit einem Hockeyschläger verdroschen wurde. Ein älterer Herr mit grauem Haarkranz verrät mir wiederholt, was für eine absolute Frechheit der Sound ist. Der Bassist scheint da seiner Meinung zu sein, gestikuliert dauernd irgendwas in Richtung Mischer und wirkt dezent genervt. Die anderen scheinen aber einigermaßen klar zu kommen, Dr. Graffin macht seine Sache auch ganz ordentlich.
Ab der Mitte des Sets wird der Sound auch etwas weniger breiig. Die Songauswahl hingegen kann sich sehen lassen, richtig fies altes Zeug wie "Fuck Armageddon, This is Hell" mischt sich da mit neuen Sachen wie "The easiest thing to do is to say fuck you", zu Nils' Leidwesen werden auch die bekannteren Stücke wie Raise Your Voice und Punk Rock Song eingestreut. Letzterer in einer kruden Deutsch-Englisch-Mischung, dennoch höre ich das Lied immer wieder ganz gerne, weil es eine nicht unerhebliche Rolle in meiner musikalischen Primärsozialisation spielte.
Pyrotechnik ist kein Verbrechen! Bescheuert hingegen ist, die brennenden Dinger einfach hinter sich in die Menge zu werfen. Spackos. Wir sind hier doch nicht im Fußballstadion. Jo, Bad Religion, seit über 30 Jahren auf den Bühnen dieser Welt, immer wieder gerne. Schönes Ding, ja, doch. Nächstes Mal auch sicher gerne mit Monitorboxen.
Hier der Gewinner meines internen T-Shirt-Contests, trotz Regel 1-Verstoß konnte er sich knapp gegen ein Soul Doubt-Shirt von 93 und zwei Shirts der Band "Jughead's Revenge" durchsetzen. Es fließt ein weiteres überteuertes Bier in meine ausgetrocknete Kehle und das Ziel der Reise ist nah. All die Strapazen erscheinen auf einmal nichtig und klein.
Es erklingt das mittlerweile wohlbekannte "Everyone's a little bit racist"-Intro, allerdings auf deutsch, und dann ist es so weit: NOFX stehen leibhaftig auf der Bühne! Fat Mike wirkt mit seinem blauen Iro ziemlich besoffen, fängt sich aber recht schnell und spielt den Bass wie ein Großer.
Und dann wird hier ein musikalisches Feuerwerk abgeschossen, welches jeden Kilometer Anreise rechtfertigt (4€-Bier allerdings nicht, ihr Wichser). Die Band hat aus ihrem letzten Open Air in Hamburg, bei dem sie so voll waren, dass gar nichts lief, wohl ihre Schlüsse gezogen (oder wollten sich nicht vor Bad Religion blamieren) und macht das heute mal einigermaßen ordentlich.
Was nicht heißen soll, dass man nicht mitten im Set mit der Begründung, pissen zu müssen, die Bühne verlassen kann. In der Zeit können die verbliebenen Musiker ja ihr Black Eyed Peas-Cover anstimmen. Oder dass man keine Witze über Pädophile und Behinderte macht.
Erstaunlich, wie unterschiedlich man dieses Punkband-Ding nach 30 Jahren durchziehen kann, wenn man sich hier BR und NOFX direkt hintereinander reinzieht. Bei NOFX gabs auf jeden Fall mehr zu lachen. Dafür auch mehr Keyboard.
Dieses Instrumentallied, zu dem auf der letzten Tour immer Witze erzählt wurden, wird kurzerhand auf Hamburg umgedichtet. Es folgen B-Seiten und andere seltenere Songs wie "Insulted by Germans (again)" oder "I'm a huge fan of Bad Religion". Klassiker wie "Bob" oder "Stickin' in my eye" dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Neues Hobby: Wenn direkt vor/neben mir jemand mit seinem Handy beim Konzert mitfilmt, versuche ich, so laut wie möglich in meiner gekonnten Singstimme mitzubölken, damit derjenige auch besonders viel von seinem Scheiß Handyvideo hat. Irgendwann finde ich sowas mal bei Youtube und lache mich tot.
The Brews, Eat the Meek, Kill all the White Men, What's the Matter with Parents today. Einziger Kritikpunkt an der Setlist könnte sein, dass das unsägliche 72 Hookers gespielt wurde. Aber irgendwas ist ja immer.
Don't Call me White, Franco Un-American, Seeing Double at the Triple Rock, und so weiter und so fort. Die Menge macht entsprechend gut mit, wenn nicht gerade einzelne Mitglieder von der Band beleidigt werden. Aber das gehört dazu!
Als einzige Band des Abends wird bei den Kaliforniern das Zugaben-Spielchen gespielt. Was solls. Gute Setlist, der Fokus lag vielleicht etwas zu sehr auf den letzten drei-vier Alben, aber naja, die sind ja eigentlich auch alle ganz geil. Nach 75 Minuten kommt irgendein Outro vom Band und ich verpisse mich zum Bus.
Kurz nach 23 Uhr falle ich bei meiner Schwester aufs Sofa. Nächster Tag: Hagenbecks Tierpark. 30€ Eintritt. When in Rome, do as the Romans do. Dafür gibt es immerhin Walrösser mit 1,8t Lebendgewicht, Dampfschiffenten, Kofferfische, Geigenrochen, Minischweine, Nasenbären und und und. Bis zum nächsten Mal, euer Gerd

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Kabl

26.08.2013 09:37
Hast du in Delmenhorst Sarah Conner penetriert?
Gerdistan
(Gerdistan)
27.08.2013 09:24
Nein, die wohnt da nicht mehr. Übrigens hat sich bei NOFX mit "The Moron Brothers" noch ein Geggen Gaggas-Cover ins Set geschlichen, das wollte ich eigentlich in den Bericht geschrieben haben. Vergessen, schade.
Kabl

27.08.2013 10:43
Waren die echt so dreist und haben das geklaut? Ich werds den Attenberg-Brothers erzählen. Auch AC/DC haben schon von den Geggen Gaggas geklaut.
Gerdistan
(Gerdistan)
30.08.2013 17:35
Fö, die doppelten Textfenster sind jetzt weg, dafür aber alle Sonderzeichen im Mors!

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