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Jungbluth, Goldust, Sundowning, Cut, 22.11.2013 in Essen, EMO - Bericht von Fö

Jungbluth, 22.11.2013 in Essen

Heute mal son bisschen Krach. Alle Welt erzählt, wie gut doch Jungbluth wären, und da ich ja stets am Puls der Zeit bin, stetig auf der Suche nach den freshesten Trends und heißesten Acts, fühle ich mich ja fast schuldig, die erst seit nem guten Jahr existierende Band noch nie live gesehen zu haben. Na dann mal gucken ob die wat können. Don't believe the hype!
Konzert findet statt im Emo. Emo, das steht für Ernst-Moritz-Arndt-Haus. Aber keine Ahnung, ob die Abkürzung von Ernst Moritz Orndt oder von Ernst Moritz hOi!s kommt. Wie ich schon vor ein paar Jahren recherchierte, war der Namenspatron nicht unbedingt eine Person, die man heutzutage, gerade in linken Kreisen, unbedingt dulden würde. Vielleicht finden sich deswegen auf den Seiten des Emo keine Referenzen an seine Person. Wie auch immer. Der Keller vom Emo ist der Emokeller, den wir ja schon öfters besucht haben, Konzert heute findet aber ein paar Treppen weiter oben im Saal statt. Weil, da is größer, ihr wisst ja, Hype und so, und außerdem ist nicht Mittwoch. Als wir ankommen, spielt gerade die erste Band: CUT aus Köln.
Wir kriegen zu hören: Krach. Juhu! Erstmal fällt ins Auge, dass sie keinen Bass haben. Ins Ohr fällt hingegen, dass der Sound trotzdem dermaßen dicht über den Boden wabert, dass man diesen nicht wirklich vermisst. Musik, naja, irgendwie so ne Art Noise-Metal-Sludge. Recht lange Songs weitab vom dumpen Gepolter. Kommt schon ziemlich gut aufn Punkt daher, wirkt aber auch leicht verstörend ob der doch etwas ungewohnten Soundwand.
Die Songs knacken mühelos die 5-Minuten-Marke (hab die Zeit nicht gestoppt), sind, wie gesagt, ziemlich sludgig und wirken beinahe bedrohlich. Amtliches Gekloppe vom Drummer, die anderen beiden fallen durch den exzessiven Einsatz von Effektgeräten auf. Was bei der Gitarre ja gar nicht ungewöhnlich ist, beim Gesang aber dann doch etwas zu viel des Guten ist. Da jagt ein Delay-Effekt (oder wie dat heißt) den nächsten, was die Musik dann nochmal etwas mehr verstörend macht.
Musik, die man grob unter dem Banner "interessant" zusammen fassen kann. Lässt sich echt aushalten, einfach weil's mal was anderes ist. Auf Dauer ist mir das dann aber doch zu eintönig. Ich glaub ja, das muss so. Ein Ton, aber der wird gnadenlos ausgereizt. Vergesst drei-Akkorde-Punk, hier kommt die Eintonmusik.
Nächste Band: SUNDOWNING. Den Namen hab ich auch schonmal hier und da gelesen. Fallen zunächst mal schon beim Soundcheck durch exzessiven Einsatz von Kunstnebel auf. Was natürlich wichtig ist, gerade zum Soundcheck, man darf ja nicht in Versuchung geraten, irgendwas sehen zu können, wo es doch ausschließlich um den Sound geht. Ich fände ja einen Stylecheck vorm Konzert viel interessanter! Erstmal hier die Wimpern nachzupfen, dann da noch die Bügelfalte zurecht rücken, und die Frisur, ach gottchen, da muss man doch was machen. Aber der Style-Sheriff glänzt mal wieder durch Abwesenheit.
Die Musik: Naja, mal wieder sowat Düster-Getragenes. Nicht so sperrig wie zuvor Cut, aber leider auch nicht so interessant. Eher, wie drücke ich das am besten diplomatisch aus, hm, sagen wir mal: langweilig. Hatte ich mir irgendwie mehr von versprochen, aber wenn man schon so ne Musik macht dann soll die doch bitteschön auch den nötigen Druck entfalten können, um unsere Frisuren zurecht zu rücken.
Aber nee, irgendwie entfaltet sich da eher so gar nix. Dröhnt ganz nett vor sich hin, aber mehr auch nicht. Da ist ja fast das Filmchen hinten auffer Leinwand unterhaltsamer. Irgendson Schwarzweiß-Dingen mit gespaltenen Köpfen und sonstigem Spökes. Würde wunderbar die Atmosphäre untermalen, die Sundowning vermutlich entfachen wollen, aber nuja. Passiert mir ja eher selten dass ich ner Band gelangweilt den Rücken kehre, aber ich guck dann mal wie das Wetter draußen so ist. Nebenbei bemerkt, kommt mir grad in den Sinn: Willy Fog bringen bald ne Oi-Platte raus!
Nächste Band: GOLDUST! Die schlagen wunderbar die Brücke von den vorherigen Bands hin zu Jungbluth, dünkt mir. Geht eher in die Hardcore-Richtung, aber ohne die Wurzeln in düsteren Metal-Eskapaden zu vergessen. Sagt mir auch mehr zu als die vorherigen Bands. Thommy hatte ja ihr aktuelles Album hier besprochen, da kriegt man ja ne ungefähre Vorstellung davon, was einen erwartet.
Für mich heißt das zunächst mal: Keine Musik, die ich mir zuhause auf den Plattenteller legen würde. Aber live kommt das Geballer doch ganz geil rüber, inklusive dem nötigen Druck der Sundowning zuvor gefehlt hat, allzu eintönig wirds auch nicht, also alles schön. Der Sänger brüllt und keift sich sämtliche Stimmbänder aus dem Leib, eine wahre Freude.
Für ihn vielleicht eher weniger. Das Gebrülle scheint sich massiv auf die Speichelproduktion auszuwirken. So rotzt er zwischendurch das eine oder andere Mal an die Bühnendecke (die auch nicht gerade niedrig ist) oder stiert mit meterlangen Sabberfäden auf den Boden. Falls der Speichelfluss überwiegt, ist neben der Bühne sogar ein Eimer aufgestellt. Man hat an alles gedacht! Schlossi und ich kommen auf die Idee, die Sache mit dem Eimer zu vermarkten und auf Mallorca-Partys als "Sauf & Kotz" an die willige Kundschaft zu bringen. Welches Detail genau unseren Marktlücken-Radar ausgelöst hat, verrate ich euch aber nicht. Ätsch!
Zurück zur Musik. Goldust, jau, kann man sich durchaus mal geben. Schöner Lärm, fähige Typen an den Instrumenten, geiles Rumgekotze am Gesang, wat willste mehr!
Anschließend Pause. Hinten im Raum gibt es vegane Hotdogs. Ich frage mich ja, wenn in "richtigen" Hotdogs schon keine Hunde verarbeitet werden, ob die veganen Fake-Hotdogs dann wenigstens Canis-Carne enthalten, so nach dem Prinzip der doppelten Verneinung. Ich trau mich dann aber doch nicht, das an der Theke in Erfahrung zu bringen.
Außerdem gibt's ne Fotoausstellung! Ja wirklich, es gibt heute ne Fotoausstellung, in dessen Rahmen das Konzert stattfindet, oder vielleicht eher umgekehrt, keine Ahnung. Stattdessen hier mein Beitrag zur Fotoausstellung. Ich nenne es "unscharf". Grund ist, dass ich heute, natürlich aus Respekt vor der Fotoausstellung, nur meine kleine 50-Euro-Billo-Kamera dabeihabe. Die ist garantiert ohne Hundefleisch, dafür sind die Einstellungsmodi nicht so umfangreich wie gewohnt. Nunja, wat solls. Ihr seid ja nicht auf dieser Seite, um Fotos zu gucken - oder?
Kommen wir zur letzten Band des Abends: JUNGBLUTH! Hardcore-Punk, etwas crustig, aber volle Granate Dampfwumme und so, eher in düsteren Sektionen agierend aber trotzdem, oder gerade deswegen, schön brachial und aggressiv. Ist ja quasi die Nachfolgeband von Alpinist, nicht ganz so metallastig, was uns aber nicht weiter stören soll. Im Gegenteil.
Publikum geht ganz gut steil. Was eigentlich nur heißt, dass sie alle senkrecht stehen und zahlenmäßig durchaus viel los ist hier. Die Musik von Jungbluth scheint zu der Sparte Hardcore zu gehören, der man eher mit nickendem Kopfe lauscht, um dann zwischendurch, immer nur so für 5-6 Sekunden, nen derben Kuddelmuddel-Moshpit zu starten, indem irgendwer durch die Massen läuft, sich alle fleißig rumschubsen, und nach besagten paar Sekunden doch wieder ruhig da stehen. Das ist ne Unterart von Konzerttanz, die ich nie so recht verstanden hab. Gibt dieser Überraschungsmoment, dass einfach urplötzlich geschubst wird, nen zusätzlichen Kick? Steckste nich drin, ey.
Musik: Sau gut. Schön auffe Fresse, aufm Punkt und auf was sonst noch alles. Mal wieder nix, was ich mir zuhause in der stillen Kammer gebe, außer ich hab gerade Bock einfach mal mit bloßer Faust durch die Wand zu hauen - dann vielleicht. Hab ich aber eher selten. Wie auch immer, live echt empfehlenswert. Auf Konserve könnt ihr euch das übrigens hier anhören und runterladen, bei Interesse. Achja, zwischendurch gabs noch ne Ansage (konsequent ohne Mikrofon), sich doch mal dieses Video über den Überfall polnischer Nazis auf einen Squat in Warschau zu geben. Alter Falter, da wird einem ja doch anders.
Durchaus engagierte Band also, nicht nur was das Vortragen ihrer Lieder betrifft sondern auch darüber hinaus. Der Sänger bedankt sich auch noch dafür, so viel Support erhalten zu haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens. Kommt alles sehr sympathisch rüber, auch wenn mir die Ansagen so ohne Mikro irgendwie etwas zu nonkonform sind. Oder, naja, eigentlich sind mir eher die Leute neben uns zuwider, die in den Ansagen konsequent quatschen, so dass man von dem Gesagten eher wenig versteht. Trotzdem: Tolle Band, diese Jungbluth! Etwas zu kurzer Auftritt, immerhin eine Zugabe, aber hätt ich mir gerne noch länger gegeben. Nujo, nächstes Mal. Gute Nacht.

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