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KAZ Open Air: Egotronic, Freiburg, Disco Oslo, Alidaxo, Flexo Rodriguez, Alpha Boys, 26.08.2017 in Herne, Skatepark - Bericht von Fö

KAZ Open Air, 26.08.2017 in Herne

Scheint, als haben sich alle kleinen und mittelgroßen Veranstalter der Umgebung gedacht, der letzte Samstag im August wäre perfekt dafür, ein kleines Festival aufzuziehen. In Dortmund Westpark Flair und Hoeschparkfest, in Kamen Laut & Lästig, Rock im Pott in Gelsenkirchen, in Münster der Green Hell Lagerverkauf, Dickes G in Gevelsberg, das Rheinbrückending in Neuss, KAZ Open Air in Herne, dazu noch ein paar Konzerte - viel los heute! Was ja eigentlich ein gutes Zeichen ist: besser zu viel Angebot als zu wenig. So ganz zufrieden bin ich mit der Lage trotzdem nicht und bin schon kurz davor, einfach den Kopf in den Sand zu stecken und gar nix zu machen. Aber aus alter Verbundenheit dreht sich der Kompass dann doch Richtung Herne. Also los!
Der heutige Zeitplan wurde nicht sehr offensiv propagiert, vermutlich haben die Veranstalter gelernt und wissen, dass hier eh nicht alles minutiös ablaufen kann. Also gibt es heute nur eine grobe Reihenfolge. Dem ursprünglich propagierten Zeitplan folgend bin ich trotzdem pünktlich zu Flexo Rodriguez vor Ort (die erste Band "Belle Epoque" hätte ich eh verpasst), aber auf der Bühne herrscht gähnende Leere. Offensichtlich ein Problem mit dem Mischpult.
Dann mal gucken was sonst so geht! Eine Skatecontest zum Beispiel. Ich habe keine Ahnung von sowas, bin noch nie bewusst auf einem Skateboard gestanden und stelle aus der Beobachtersicht heute nur fest, dass offensichtlich 95% des Skateboardens daraus besteht, hinzufallen. Scheitern als Wettbewerb also, finde ich eigentlich ganz sympathisch.
Bisschen Werbung machen für kommende Veranstaltungen. Der September wird ein guter Punkrock-Monat, das steht schonmal fest!
Dann FLEXO RODRIGUEZ! Kannte ich bisher nicht wirklich. Den Namen mal hier und da gelesen, mehr nicht. Aber vor meiner Anfahrt immerhin kurz reingehört. Das KAZ beschreibt sie als "Electro-Punk", aber das hat offensichtlich irgendwer ausgewürfelt. Wo ist denn da Electro? Bulli meint, vielleicht wegen den elektrischen Gitarren. Vielleicht wollte man auch nur die leichtgläubigen Audiolith-Fans verarschen, damit die frühzeitig anreisen.
Immerhin das Attribut "Punk" kann man stehen lassen, auch wenn's schon stark in die Alternative-Ecke schielt und mit Rock'n'Roll liebäugelt. Erinnert mich hier und da an Dover, aber das kann auch an der Geschlechterkonstellation in der Band liegen.
Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt... Der Berg ist in diesem Fall der Bassist, der mit seinen Siebenmeilenstiefeln mal eben ins Publikum marschiert und dabei so einige Meter zu überbrücken hat
Das Publikum hält sich echt noch etwas bedeckt oder genießt die Sonnenstrahlen auf der Wiese, so einige dürften auch noch am anderen Ecke des Festivals hämisch dabei zuschauen, wie sich Skateboarder auf die Fresse legen.
Auftritt soweit: Okay. Kategorie "kann man sich auf nem Festival mal anschauen", aber so richtig überzeugen konnte mich das nicht. Dazu war's dann doch nicht punk genug. Wer trotzdem mal reinhören will: hier!
Nochmal Action an der Rampe. Irgendwo da ganz hinten dürfte sich auch die Hiphop-Corner befinden, aber weil das Gelände so verdammt weitläufig ist hab ich's kein einziges Mal zu irgendnem Act dort geschafft. Ich bin ein schlechter Mensch.
Hiphop gibts ja jetzt auch auf der großen Bühne. Zumindest so etwas in der Art. Electro/Rap sagt die Ankündigung. ALIDAXO heißt die Band und ich bin, nachdem ich dieses Video und diese Kritik gesehen habe, hoffentlich hinreichend gefasst auf das was da kommen mag.
Erwartet hatte ich demzufolge ganz schlimmen radiotauglichen Pop-Rap mit austauschbaren Texten. Und was hab ich bekommen? Radiotauglichen Pop-Rap mit austauschbaren Texten. Dazu eine Bühnenshow, die mit jeder Faser "rette mich!" schreit. Auf sowas fährt also die Jugend heutzutage ab!
Bühnenmaskottchen: Ein Bär oder ein Schamane oder einfach nur ein Typ in einem Ganzkörperkostüm, wer weiß das schon so genau. Außerdem gibt es drei Rapper/Sänger, einen DJ und einen Schlagzeuger.
Außerdem gibt es ab und zu eine Gastsängerin in geschlechtsspezifischer Shirtaufdruckfarbe, die, wie im Genre üblich, natürlich nur für Refrains zuständig ist. Zum Positiven: So sehr Wohlfühl-Pop wie erwartet ist das von musikalischer Seite dann doch nicht und es gibt tatsächlich hier und da Electro-Einspieler.
Die Jugend ist begeistert, die anderen skeptisch. Ich bin da wohl eher anders - aber hätte schlimmer sein können. Sag ich mal so.
Anschließend: DISCO//OSLO! Angekündigt als "Punkrock" und somit die bisher passendste Genrebeschreibung, trotz der elektrischen Gitarren. Alternative Fakten: Das nächste Disco-Oslo-Album wird radiotauglicher Rap mit austauschbaren Texten.
Disco Oslo machen immer Spaß! Heute auch. Schön geradlinig ein paar steile Punkrock-Hymnen vor den Latz geknallt. Was mir heute noch auffällt: Dass die alle konsequent am Lächeln sind. Das ist schön, das steckt an.
Ernüchternd muss ich trotzdem konstatieren, von dieser Band schon besser unterhalten worden zu sein. Auf kleinerer Bühne und näher am Publikum zum Beispiel, hier geht doch stimmungsmäßig einiges unter. Wobei sich dann doch noch einige textsichere Tänzer nach vorne trauen.
Schön auch, mal wieder Tom am Schlagzeug zu sehen. Hatte ja schon gedacht er wäre ganz raus, nachdem ich die Band zuletzt immer mit Christoph gesehen hatte. Aber die beiden wechseln sich wohl immer noch dann und wann ab.
Und sonst so? Hits, Hits, Hits! Das Liedgut hat eben doch einige Kracher zu bieten. Auch wenn, wie gesagt, das nicht der stärkste Auftritt der Jungs war, aber immer noch 40.000 Kilometer über dem Niveau anderer Truppen.
Die Band darf sogar ne Zugabe spielen! Prompt fliegen Schuhe und Bierbecher. Vor Freude natürlich, nicht aus Verärgerung. Glaube ich zumindest. Zum Glück fliegen keine Stühle, mit sowas ist bekanntlich nicht zu spaßen.
Weiter mit: FREIBURG! Sieht man die auch mal wieder. Gute Band, der nur irgendwie das gewisse Quentchen fehlt, um bei mir die totalen Begeisterungsstürme auszulösen. Manchmal find ich sie super, manchmal eher so lala - heute zweiteres. Immerhin geht auch hier die Stilbeschreibung in Ordnung. Hardcore/Punkrock, sagt die Übersicht - ja, okay.
Ist halt einfach nicht so die Band für ne Festivalbühne, behaupte ich mal. Erwähnen ja auch selbst, das mit den Ansagen nicht so rauszuhaben, weil sie schüchtern seien. Das will ich gar nicht mal so unterstreichen, mit dummen Ansagen kann man ja noch viel mehr in die Scheiße greifen als wenn man gleich gar nix sagt. Wie zum Beispiel die Ansage, keine Ansagen zu können.
Die Musik drückt halt in nem kleinen Club halt einfach mehr. Das hier hingegen, nunja, ist nett, und 2-3 Songs sogar richtig gut, aber nachdem ich Freiburg zuletzt immer besser fand, gibt's halt heute mal wieder nen kleinen Dämpfer. Macht ja nix.
Wer auch besser nichts sagen sollte: Der Moderator. Also, abseits der Bühne gerne, mag ja ein netter Typ sein. Aber ich finde Moderatoren im Allgemeinen überflüssig. Er hier redet son überflüssiges unwitziges Zeug, er könnte glatt beim Radio arbeiten.
Nächste Band: ALPHA BOYS! Angekündigt als "Reggea/Ska", was eigentlich absolut korrekt sein könnte, wenn nur der Schreibfehler nicht wäre.
Ehemals Alpha Boy School. Unter dem Namen hab ich sie ja im letzten Jahrzehnt ziemlich viele Male auf ziemlich vielen Bühnen gesehen. Mittlerweile juckt's wohl wieder im Ska-Finger und sie spielen wieder fleißig.
Vom Auftritt kriege ich aber nicht allzu viel mit. Hasky ist mittlerweile angekommen und wir verbringen den halben Auftritt damit, am Bierstand anzustehen. Lange Schlangen am Bierstand sind ja mittlerweile Tradition beim KAZ Open Air.
Ich hör ja mittlerweile eigentlich so gut wie gar keinen Ska mehr und bin deswegen auch nicht mehr ganz so empfänglich für Schluckaufmusik wie "damals". Trotzdem: Die können's noch! Unaufgeregte stimmungsvolle Sommerlieder fürs Tanzbein. Ganz geil!
Keine Ahnung ob es auch eigenes Liedgut der Alpha Boys gibt, ich bekomme jedenfalls nur Lieder mit, die mir lange vertraut sind. Und das sind nicht nur Stücke von Alpha Boy School, sondern zu gefühlt 70% Coversongs. The Cure, Billy Bragg und am Ende Bob Marley - puh, na wenn sie meinen, aber etwas weniger Fremdmaterial hätte dem Auftritt auch nicht geschadet.
Vor der Bühne wird dafür mittlerweile ganz ausgelassen getanzt. Und auch wenn's hier nicht so aussieht, gut gefüllt war es eigentlich auch. Wahrscheinlich hat dieser aufblasbare Ball, der da ständig hin und her geworfen wird, die Leute aus den ersten Reihen vertrieben. Ich jedenfalls hab den einmal VOLL IN DIE FRESSE bekommen!
Anschließend weiter mit dem Headliner  EGOTRONIC! Nebenbei auch der Hauptgrund meiner Anwesenheit, nachdem der Auftritt letzten Monat im Druckluft so viel Spaß bereitet hat.
Auch heute wieder: Volle Möhre das antinationalistische Elektropunk-Brett. Stark! Dabei ist das schon ihr zweiter Auftritt heute (kommen grad vom Green Hell Lager) und laut ihren Erzählungen hängen sie eh noch etwas durch von gestern, aber auf der Bühne merkt man das nicht wirklich. Die haben Bock, das Publikum auch, also alles geil!
Kleine Änderung im Vergleich zur Oberhausen-Show: Mit Kai ist heute auch ein Bassist dabei. Als Banause kann ich ja nicht beurteilen ob das der Musik zugute kommt, finde den Sound aber heute sehr ausgeglichen und druckvoll, da kommt echt gut was rüber.
Diesmal verschüttet auch niemand Wasser auf Kilians Sachen. Wegen der Zeitplanverschiebung hatte ich ja eher Sorgen, dass Egotronic nen verkürzten Auftritt hinlegen müssen, aber anscheinend haben die Veranstalter es dieses Jahr hingekriegt, auch mal länger als 22 Uhr Lärm machen zu dürfen. Sehr schön! Zum 10-jährigen muss man ja auch mal was bieten.
Schöner Durchlauf durch die Historie der Band bis hin zum aktuellen Album "Keine Argumente!" - und bevor wer fragt: Den im Original von Alles.Scheisze dargebotenen Gastgesang bei "Scheiße bleibt Scheiße" übernimmt heute Chrü. Ich wusste gar nicht, dass er so ne megamäßige Kevin-Russel-Gedächtnis-Grölstimme haben kann <3
Zu "Deine Melodie" darf jemand aus dem Publikum Luftgitarre spielen. Kann ja nicht alles Mille übernehmen. Aber Punker-Timo sucht bestimmt nur Gründe, der Band das Bier zu klauen.
Was sonst so? Torsun bringt uns bei, wie man anständig eine Sehnenscheidenentzündung vortäuscht und erzählt, wie er heute nacht im Schlaf gekotzt hat. Ja, tatsächlich! Jetzt kenne ich endlich wen, dem das echt passiert ist. Sein Tipp: Immer in Seitenlage schlafen.
Highlight aber die Aufklärung über die asoziale Asylpolitik der ach so linken SPD, gefolgt von einem "mit dem nächsten Lied hat das nichts zu tun, ich wollte nur hetzen". Großartig!
Torsun auf Tuchfühlung! Einmal im Auge des Orkans stehen! Bei "Rannte der Sonne hinterher" lässt sich der Sänger mal eben vom Publikum überrennen. Spoiler: Er hat's überlebt!
Besuch von der Antifa in Gedenken an die in Charlottesville getötete Heather Heyer. Die ganze Mischung aus Politik, Musik, Spaß und Suff ist ist einfach das, was Egotronic immer wieder ausmacht und immer noch verdammt wichtig ist. Da können Slime und ZSK noch so viel von ihrer Relevanz faseln, Politpunk 2017 darf gerne von Egotronic besetzt werden.
Also alles geil! Egotronic setzen dem Abend eine wunderschöne Krone auf.
Insgesamt wieder sehr schön jewesen, da beim KAZ Open Air. Nicht alles nach meinem Geschmack, aber schöne Mischung, gut besucht, und auch das Wetter hat dieses Jahr gepasst. Kann so weitergehen!

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Axl Dope

30.08.2017 13:31
»Da können Slime und ZSK noch so viel von ihrer Relevanz faseln [...]«

Ähm, wo genau tun Slime oder ZSK das?!

(Fö)
30.08.2017 13:39
Ich dachte dabei an das neue Lied von Slime und deren Interview-Aussagen dazu: https://www.youtube.com/watch?v=Hy30JBkZsCw

ZSK hab ich nur genannt weil ich gerne hetze.

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