Berlin Breakout: Touché Amoré, Home Front, Pest Control, End It, Speedway, Ways Away, Ursula, Feels Like Heaven, Death Lens, Excide, Xiao, 13.06.2026 in Berlin, RAW-Gelände - Bericht von alexanderdavide
Berlin Breakout, 13.06.2026 in Berlin
...und wartet erneut mit einem prächtigen internationalen Lineup für zugängliches Geld auf. Wenn das so weitergeht, etabliert sich ein alljährlicher Berlin-Ausflug für mich.
14 Uhr: Wie letztes Jahr startet das Festival im Astra Kulturhaus, der größten der drei Bühnen, was ich durchaus mutig finde. Doch sowas hat ja gut und gerne logistische Gründe. Jedenfalls ist es noch luftig zwischen den Reihen, als XIAO einen absolut gebührenden Start hinlegen – energischer Hardcore auf den Punkt ohne große Schnörkel. Eigenartig finde ich ihren Claim "Schwedens Hardcore Band" und angesichts der Tatsache, dass heute zwei weitere Hardcore Bands aus Schweden auftreten, wirkt er umso eigenartiger.
EXCIDE aus South Carolina präsentieren Hardcore, der von Alt-Rock-Passagen mit klarem Gesang durchzogen ist. Auffallend ist das grungige Spiel von Harmonien und Dissonanzen. Es ist irgendwie sein eigenes Ding und kann beachtlich Feuer geben.
Kalt gelassen haben mich DEATH LENS. Der Punkrock mit Blick in Richtung Hardcore kommt aus Kalifornien, hält sich selbst wohl für ziemlich gut, wird dafür aber ziemlich langweilig angeboten. Wartend, ob mal etwas spannendes passiert, habe ich versäumt, das abzulichten. Stattdessen gibt es Malerei auf dem RAW. Leider stehen Räume des Kulturgeländes, darunter das Cassiopeia, unter Beschuss von Menschen, die dort lieber ein neues Stadtquartier sehen möchten. Uff.
In der Hoffnung, dass es nicht so weit kommt, stehen nun erstmal Stockholms FEELS LIKE HEAVEN auf der Bühne. Anfang diesen Jahres haben sie ihr Debütalbum Within Dreams veröffentlicht, eine Sammlung maximal wohltuender Songs im Spannungsfeld von Emo und Hardcore, außerdem ein hervorragender Beweis dafür, dass eine Band ohne Social Media funktionieren kann. Muss man bloß geile Songs schreiben.
Überraschung des Festivals sind URSULA. Gewaltiger, roher Hardcore mit einem crustigen Touch erfüllt das Urban Spree, das zurecht aus allen Nähten platzt. Beim Vorlauschen war ich ehrlicherweise gar nicht so am lodern, aber hier erwischt mich der Sound aus Kalifornien und ich praktiziere Stehtänze auf den wenigen Quadratzentimetern. Schließlich zerschießt es den Bass-Amp und das Set muss ohne beendet werden.
Mit WAYS AWAY kommt melodischer Punkrock ins Lineup. In die Musik kann man sich reinlegen, wie bereits beschrieben, aber bevor man sich einkauft sollte man sich mit den fragwürdigen politischen Standpunkten auseinandersetzen, die Frontmann Jesse laufend teilt.
Ein zweites Mal nach Stockholm geht es bei Speedway und tatsächlich liegen personelle Überschneidungen mit Feels Like Heaven vor. Ziemlich verrückt, wie man gleich zwei Bands von dieser Qualität schaffen kann. Es vergeht kein Song bis das Cassiopeia von dem rock 'n' rollenden Hardcore Punk eingenommen ist und für 30 Minuten Halli Galli geht. Freut mich riesig, dass sie demnächst Ulm aufmöbeln werden.
Es folgen END IT unter Abwesenheit jeglicher Bananenkostüme soweit ich das überblicken kann. Bananagate eine der unnötigsten Sachen, aber es ist nicht nur das: Insbesondere Frontmann Akil sorgt dafür, dass man die Band aus Baltimore aus politischen Gründen nicht bedenkenlos feiern kann. Musikalisch ansonsten Abrissbirne: heftig einschlagende Instrumente, kraftvolle Stimme, alles serviert mit maximalem Willen.
PEST CONTROL aus Leeds sind das Thrash-Metal-Hardcore-Crossover, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche. Die musikalischen Einflüsse greifen wie Zahnräder ineinander und versprühen Unmengen positiver Energie, die es gilt, in Bewegungen zu überführen.
Eine weitere musikalische Sensation sind HOME FRONT. Oi, Wave und Pop münden in Post-Punk-Hymnen, die mir das Gefühl geben, im All zu schweben. Durch die Bank eine starke Performance von den KanadierInnen, die das Astra mit Feuer quittiert.
"Somehow it's already been 10 years." TOUCHÉ AMORÉ sind auf Tour anlässlich einer Dekade ihres Albums Stage Four, das im Grunde eine musikalische Trauerbewältigung ist. Die Fünf aus LA klingen unfassbar gut, wirken absolut authentisch und können das Publikum förmlich durch einzelne Noten dirigieren. Die Anwesenden produzieren einen unheimlichen Druck nach vorne, gefühlt alle schreien die Zeilen und Stage Dive reiht sich an Stage Dive. Nach Stage Four in voller Länge runden weitere Hits wie Reminders und Honest Sleep den Auftritt ab.
Berlin Breakout #2 hat sich gelohnt. Dennoch wäre, neben all den kommunizierten Werten, auch eine kritischere politische Auseinandersetzung mit den Acts wünschenswert.



















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