Die Toten Hosen, Sondaschule, Buster Shuffle, Thees Uhlmann, 05.09.2026 in Minden, Kanzlers Weide - Bericht von Peter
Die Toten Hosen, 05.09.2026 in Minden
Gegen 12:30 Uhr fusionieren die Einheiten aus Dortmund mit der aus Kreis Unna und begeben sich mit ordentlich Dosenbier, welches das MHD dezent überschritten hat (muss schnell weg!) im Gepäck nach Kamen. Vielen Dank noch mal für die Bier-Spende an Rainers Bruder! Wir küssen dein Auge, Brudi!
Pünktlich wie es sich für einen Pädagogen schickt, rollt Bill mit seinem Camper um 13 Uhr in Kamen auf den Vorplatz des Bahnhofs. Kurz das Bier im Kühlschrank verstauen und weiter geht die Reise. Next-Step: Minden Downtown. Fahrtzeit 2 Stunden, genug Zeit um sich dem Bier zu widmen.
Währenddessen bricht Team Hagen verstärkt durch Kräfte aus Minden auf zur Kanzlers Weide, wo Team Schwerte schon für ein Front-Of-Stage-Bändchen ansteht. Leider erfolglos. Team Schwerte schafft es noch, Zugang zum Bereich hinterm ersten Wellenbrecher zu ergattern, Team HagMin und schlussendlich auch wir, zwei Stunden später, reihen uns irgendwo dahinter ein.
Zunächst müssen wir aber erst vom Parkplatz in einem Wohngebiet, den uns Team HagMin gesafed hat, zur Kanzlers Weide laufen. Dabei tappt Jen, von quälendem Blasendruck getrieben, fies in die Falle. Vielversprechend prangt an einem Hauseingang ein Zettel mit der Aufschrift "WC 1 Euro". Nachdem Jen bereits 15 Minuten in besagtem Hauseingang verschwunden ist, gehe ich kurz schauen ob sie sich vielleicht aus dem Staub gemacht hat, dabei muss ich feststellen, dass hier jemand sein privates Klo monetarisiert, vor dem nun ca. 30 Menschen warten um diese einzelne Schüssel kurz benutzen zu können. Weitere 10 Minuten später können wir weiter und aufs Gelände.
Auf dem Gelände besuchen wir kurz Kollege Faf beim Sondaschule-Merch, der, in seiner Position als Sondaschule-Gitarrist, für Bill einen Gästelisten-Platz klar gemacht hat, auf ein kleinens Hallo und ein größeres Danke. Da der aber umringt von Fans ist, die allerlei Fan-Sachen mit ihm machen wollen, brechen wir anschließend zum Rest der Bande auf, die es sich mittlerweile links der Bühne auf einer Wiese gemütlich gemacht haben.
Endlich vereint fallen wir uns alle in die Arme und werden fortan zu Team DorHagMinSchweDüLü. Beziehungsweise für die nächsten 60 Minuten, bevor es uns wieder in alle Himmelsrichtungen verstreut.
Kurz drauf starten mit BUSTER SHUFFLE die erste der drei Vorbands. Die Briten, deren Sänger auf der laufenden Hosen-Tour bei den Düsseldorfern am Keyboard steht, das gerade bei den aktuellen Cover-Songs immer wieder zum Einsatz kommt, geben direkt gut Gas. Von der Wiese kommt man sehr nah an die Bühne heran, jedoch zur Mitte hin nur bis zu den Wellenbrecherbereichen. Aber für den Anfang begnügen wir uns mit einer Sicht von 2/10, dafür lässt sich hier mit allen gemütlich Bier trinken und quatschen.
Highlight des gutgelaunten Auftritts, bei dem ich immer wieder an MADNESS und TOY DOLLS zugleich denken muss, sind für mich "I don`t Trust A Word that You Say" und das Chuck Berry Cover "You never can tell (it was a teenage wedding)", das wirklich etwas in den Füßen juckt. Doch ich habe meine Tanzschuhe heute leider Zuhause gelassen. Während die anderen eine, im Nachhinein als unschmackhafte und sehr teuer beschriebene Wurst, essen gehen, schlagen wir dieses kulinarische Angebot aus und belassen es zunächst bei teurem Bier, das zumindest schmeckt.
Danach folgt THEES UHLMANN mit Band. Die hab ich vor vielen Jahren auf dem Area 4 Festival verschmäht, mittlerweile aber lieb gewonnen und möchte sie daher gern in Gänze sehen. Dafür machen wir uns dann auch mal auf in die Mitte. Momentan ist das durchkommen auch noch sehr gut möglich. Das soll sich aber bald schon ändern.
THEES spricht das Publikum immer wieder mit "Hey Punks" an, das ist sweet und auch ansonsten macht er stabile Ansagen, zum Beispiel dass man auch als Mann traurig sein darf und nicht zu stolz sein soll sich Hilfe zu zu suchen wenn die Sache mit der Traurigkeit Überhand nimmt. Gespielt wird einiges, im Verlauf des kurzweiligen Sets, an "Avicii" kann ich mich noch gut erinnern, sowie an das fantastische "Junkies und Scientologen", das ja auch die Hosen auf "Alles muss raus" gecovert haben. Besonders in Erinnerung geblieben ist zudem die Gitarristin von THEES' Band, die vor Energie und Spielfreude nur so zu strotzen scheint.
Doch was ist eigentlich mit Rainer los? Beim Security-Check kam er uns das erste Mal abhanden und auch sonst scheint er grad ein wenig von der Rolle zu sein. Ich glaube das mit dem MHD war vielleicht doch bedenklicher als angenommen. Gärt es vielleicht schon im armen Rainer? Treibt ein Bier-Pilz sein böses Spiel mit ihm? Irgendwie ist er ein wenig tüdelig grad, so passiert es dass wir ihn erneut verlieren und erst eine halbe Stunde später wieder finden. Dabei stellen wir fest, 5g hin oder her, telefonisch oder per Messenger erreicht man hier niemanden mehr.
Bei SONDASCHULE wollen wir etwas näher ran, vielleicht können wir kurz Faf winken. Dann freut er sich! Bill kommt dabei auch in den Genuss, sein "First-Row-Bändchen" zu nutzen, das dem GL-Ticket bei lag. Wir müssen leider draußen bleiben und gucken daher aus diesem fürchterlichen Winkel auf die Bühne. Faf kommt sogar einmal an die Ecke der Bühne wo wir stehen, wir winken kräftig, schreien laut "Huhu" und sehen damit unsere Pflicht getan.
Da unsere Truppe während des Auftritts plötzlich wieder "united" ist, lasse ich mich schnell in Gespräche verwickeln und vom Auftritt der Oberhausener ablenken. Die machen derweil ordentlich Alarm und werden dafür auch gut abgefeiert. Dabei fällt mir noch auf, dass ich mittlerweile keinen Song aus der aktuellen Setlist kenne, bis auf den mit dem Himmel und der Kneipe. Beim ersten Album war ich noch richtig doll Fan und auf jedem Konzert im Jugendzentrum zugegen, bei Album Nummer zwei wurde die Liebe schon kleiner und beim dritten Output hab ich mich für immer verabschiedet. Nicht jede Liebe hält ewig.
Dann endlich die Stars des Abends. Es ist sogar noch ein bisschen hell draußen, dafür gehen bei einigen unser Truppe langsam die Lichter aus. Sven ist gänzlich abhanden gekommen und, so erzählt man sich, schon in einer Kneipe in Minden. Später stellt sich heraus: Urban Legend! Ich verliere alle 5 Meter meinen Cap und bin so aufgefüllt mit Flüssigkeiten, dass ich eigentlich am Pinkelpilz stehen bleiben kann, so oft meldet sich meine Blase. Jen ist im Chamäleon-Modus und hat ihre Gesichtsfarbe nun das dritte Mal gewechselt, mal schauen ob sie sie gleich den Farben der Lichtshow anpasst. Agnetha wiederholt sich auffällig oft. Der Lawigator hat derweil alle Hemmungen über Bord geworfen und kann beim wildpinkeln beobachtet werden und Rainer trotzt nun schon länger mit seiner Haltung allen Gesetzen der Physik. Steht er doch wie der berühmte Turm von Pisa und nimmt dabei auch schon mal Körper-, nein, Gesichtskontakt zum Vordermann auf. Vielleicht wäre eine Wurst doch keine schlechte Idee gewesen. Auch an den Konsum von Wasser oder Limo hat niemand gedacht, außer natürlich, man hat es dem Fahrer gereicht. Nun ist es allerdings zu spät, jetzt müssen wir da so durch.
Die Hosen starten heute mit einer komplett gleichen Setlist wie in Köln. Heißt "Opel-Gang* macht den Anfang, dann folgen mehrere schnelle Nummern wie "Wir waren nie weg" und "Auswärtsspiel". Ich besinne mich heute mehr aufs mitsingen, rumbrüllen und mit den Armen fuchteln als aufs Bühne beobachten. Diesmal ist es auch nicht so voll und eng. Zumindest nicht hier am Rand, außerdem haben wir eine Theke im Rücken, an der schnell Nachschub geordert werden kann.
Das Publikum um uns herum ist diesmal weniger nervig als in Köln, wo alle paar Minuten irgendeine Nervensäge durch eine dumme Aktion aufgefallen ist. Ausnahmen bestätigen natürlich auch heute die Regel. Direkt hinter der Theke begegne ich beim Bier holen einer Frau, die sich mir breitschultrig in den Weg stellt und mich mit meinen Bechern nicht durch lassen möchte. Alles nett bitten und anstupsen wird mit Kopfschütteln und Ignoranz beantwortet, so dass ich mich irgendwann an ihr vorbei drängle um die Becher abzuliefern. Das bringt sie so zur Rage, das mir ein Schwall an Beleidigungen hinter geschickt wird. Ich versuche es mit Humor zu nehmen, schaffe es aber nur mäßig. Ansonsten alles top, man liegt sich in den Armen, singt zusammen und manche sorgen sich sogar etwas um den schiefen Rainer.
Der Auftritt verläuft ähnlich wie in Köln, im zweiten Block gibt es dann ein paar Veränderungen. So wird, "Das Mädchen aus Rottweil" gespielt, während ich mal wieder am Pinkelpilz stehe, ein kleiner Stoffvogel dessen Name ich vergessen habe, trillert dann den Beginn von "Nichts bleibt für die Ewigkeit" ein, über das Rainer und ich uns sehr freuen. Anstatt "Willkommen in Deutschland" wie auf den letzten Konzerten der Tour, gibt es wieder das thematisch und vom Tempo ähnlich gelagerte "Was ist mit uns los" vom neuen Album, das in den nächsten Tagen als Single erscheinen wird. Außerdem spielen sie in diesem Block das ruhige "Alles was war" anstatt wie in Köln "All die ganzen Jahre".
Ansonsten hangelt man sich durch 45 Jahre Bandgeschichte, bei der die frühen Songs leider etwas vernachlässigt werden. Ihr Katalog ist aber auch mittlerweile einfach zu groß. So beschränkt man sich auch hier und heute auf die vielen Hits wie "Wünsch dir was", "Paradies", "Hier kommt Alex", "Pushed Again", "10 kleine Jägermeister", "Wannsee", "Alles aus Liebe" und so weiter. Sehr gefreut hätte ich mich noch über "Kauf mich!", den sie wohl in Bremen gespielt haben und auch über "Reisefieber". Irgendwas von der "Unter falscher Flagge" oder einen weiteren von der "Horrorshow" hätte ich ebenfalls sehr begrüßt. Jen muss hingegen auch heute ohne "Wort zum Sonntag" auskommen und Rainer kann es noch so oft fordern, "Gewissen" und "Mensch" werden auch nicht gespielt. Verwunderlich ist es nicht, bedauerlich schon.
Bei "Tage wie diese" machte es wieder "puff" und die Schnipsel werden hochgeschossen, bei "Pushed Again" zündet man dafür Pyros. Zündung ist bei uns auch angesagt ich bin in leichter Ekstase und singe mit bis die Stimme versagt, zwischendurch nur kurz mal Rainer auf Position ziehen, der immer mal wieder vom Kurs abkommt, dann wieder singen, hin und her tippeln und dabei Mark und Jen herzen die neben Lisis und Rainer die einzigen sind die von unserer Truppe übrig geblieben sind. Bill ist irgendwann seine Schwester suchen gegangen und findet sie in diesem Kuddelmuddel sogar tatsächlich, den Rest hat es mittlerweile überall hin versprengt.
Vor "Tage wie diese" wird aus dem Publikum "Achterbahn" gefordert und darf spontan sein Tourdebut feiern. Davor oder danach gibt es noch "Halbstark", bei dem meine Stimme das erste Mal versagt. Gäste sind heute, irgendwie hatte ich es schon im Urin, leider keine am Start. Dafür gibt es mit "Wieviel Jahre (Hasta la muerte)" noch einen Song zu hören den ich noch nie live gehört habe, der einer meiner liebsten auf der "Laune der Natur" ist und heute thematisch natürlich wunderbar passt.
Das Ende des Auftritts besiegeln heute wieder "Schönen Gruß...", "10 kleine Jägermeister" und natürlich "YNWA". Dazwischen gibt es noch irgendwo "Freunde" zu hören, bei dem ich mich nochmal an Mark kuschele, außerdem kommen wir heute in den Genuss von "Eisgekühlter Bommerlunder", der in Köln viel gefordert aber dennoch ausgelassen wurde.
Seltsamerweise finden wir Bill nach dem Ende des Konzerts in wenigen Minuten wieder und brechen dann gemeinsam auf zum Camper. Der Abmarsch wird dabei zunächst von einem Menschen-Stau am Ausgang ausgebremst. Außerdem macht Rainers Rücken Probleme, der nun, wen wunderts, ziemlich schmerzt und ihm sichtlich zusetzt. Das lässt sich auch gut an seiner Stirn erkennen auf der daumendick der Schweiß steht. Da wir alle einen leichten Zick-Zack-Gang haben, bilden wir eine Kette, aus der Rainer trotzdem immer mal wieder ausbricht um dann mit Ansage zunächst in eine Bodensenke zu stürzen. Ein Stück weiter haut es ihn dann mit einem unglücklichen Flachköpper, komplett auf den Asphalt, was eine ramponierte Sehhilfe und eine lädierte und geschwollene Stirn als Resultat hat. Aua, armer Rainer. Der Alkohol war ihm heute nicht wohlgesonnen.
Wir parken Rainer an einem Stromkasten. Jen und ich halten Wache und Bill holt derweil den Wagen. In diesem verladen wir dann den desolaten Rainer, er darf heute auf der Matratze liegend reisen. Das kommt Faf sehr entgegen, der somit Platz auf der Rückbank hat und nicht auf dem Notsitz Platz nehmen muss. Denn obwohl er grad noch vor ca. 35.000 Menschen gespielt hat, gibt es keinen Tourbus der ihn nach Hause bringt und auch die viel später als wir abreisenden Bandkollegen fahren nur bis Oberhausen. Zudem war das Catering schon abgeräumt, weswegen er nun mit einem Burger von der Tankstelle vor uns steht. Ein Rockstar-Life wie es im Buche steht! Wir kommen aus dem Lachen nicht mehr raus, das steigert sich noch mit den Backstage-Geschichten die er auf der Rückreise für uns parat hält. Nach einer entspannten Fahrt, vielen Dank noch mal dafür an Bill, erreichen wir das heimische Dortmund. Dort geht es erst ab den Sandwich-Toaster und dann sofort ab ins Bett, Rainer wird auf der Couch abgelegt, das Nickerchen auf der Rückfahrt hat ihm gut getan und er kann sogar schon wieder rauchen, ganz hergestellt ist er aber nicht und eine Busfahrt bei der er auf sich selbst gestellt ist, ist heute wohl immer noch utopisch. Ja nun, bleibt er halt hier. Blutflecken fehlen uns sowieso noch auf unserer Couch-Garnitur.
Kurz darauf endet die Hosen-Tour in Wien und ein wenig bedrückt es mich. Ich hätte sie mir dieses Jahr gern noch ein oder zwei Mal anschauen können. Leider ist es mir auch nicht gelungen, Karten für das exklusive Konzert von DTH im Dortmunder FZW zu gewinnen. Falls noch jemand eine Begleitperson benötigt... oder einen Tunnelbohrer verleihen kann? Ich bin auch bereit Bestechungen in Aussicht zu stellen oder mich eine Woche vorm Konzert im Laden einschließen zu lassen. Also, ihr wisst wie ihr mich erreichen könnt! Weiter geht's nämlich für mich erst mit den Konzerten in Gelsenkirchen und Braunschweig im nächsten Jahr, bevor es dann im Düsseldorf auf die Zielgerade geht. Aber das ist, irgendwie zum Glück und gleichermaßen auch bedauerlicherweise, noch lange hin.






























Kommentare:
bisher keine Einträge