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Dienstag, 19.11.2019: Spende ans Gast-Haus


Am 26.10. hatten wir ja eine kleine und feine Redaktionsgala im Herzen Dortmunds, bei der erstmals fast alle Leute zusammen kamen, die in der letzten Zeit so für Bierschinken geschrieben und gewerkelt haben. Mit 55 Bierschinken-Schreiberlingen plus wenigen ausgewählten Gästen gab es eine schöne und ausschweifende Feier, über die schon an anderer Stelle geschrieben wurde (hier ein Bericht von der Anreise, hier schreibt Rilbfhpa über uns und hier berichtet die Band Pascow selbst). Von der ursprünglichen Idee, das Ganze schön protzig auf nem Schiff stattfinden zu lassen, sind wir letztendlich abgewichen und in den Rekorder gegangen, nicht zuletzt weil wir uns dachten, dass man die nicht geringe Miete für so ein Schiff doch auch in irgendwas Gutes stecken kann. Und so wurden alle BesucherInnen der Veranstaltung angehalten, einen freien Betrag ihrer Wahl zu spenden, zusätzlich gab es eine Soli-Tombola, Soli-Schnaps und Soli-Merch, was schlussendlich zu ganzen 1001,- Euro summiert werden konnte.

Als die Planungen für die Gala ins Detail gingen, waren viele Bierschinken-Mitglieder in Diskussion, wofür genau gespendet werden sollte. Einstimmig für etwas Humanitäres. Es soll etwas Lokales und Gemeinnütziges sein. Die Wahl fiel auf den Verein "Gast-Haus statt Bank - Ökumenische Wohnungslosen-Initiative e. V.".

Das Gast-Haus befindet sich im Unionviertel Dortmund, in direkter Nähe unseres Headquarters, und auch aus unserem Team sind bereits einige ehrenamtlich für die Wohnungslosen-Initiative tätig. Da liegt es doch nahe, direkt mal persönlich vorbeizuschauen, um Leiterin Katrin unseren überdimensionalen Scheck (so viel Klischee muss sein!) zu überreichen. Sie nimmt sich dann auch viel Zeit, um mit uns über die Arbeit des Gast-Hauses zu sprechen.
Das Schlimme ist ja eigentlich, dass es sowas wie das Gast-Haus überhaupt geben muss. Wenn wir hören, mit welchen Problemen das Gast-Haus und auch andere Organisationen in dem Umfeld zu kämpfen haben, fragen wir uns wirklich, was mit unserer Gesellschaft nicht in Ordnung ist. Eine neue Bauordnung schreibt vor, dass ein Speiseraum mit zwei Türen von einer Toilette getrennt werden muss. Der Umbau mit einer Tür wurde zwei Jahre vorher noch von derselben Behörde für gut befunden. Das Gast-Haus hat wohl auch mehrfach erfolglos versucht, weitere Räume zu erwerben oder anzumieten. Es ging teilweise so weit, dass Vermieter sich weiteren Kontakt komplett verbaten. Letztes Jahr hat es die Stadt Dortmund mit ihren Knöllchen gegen Obdachlose wegen „Lagern, Campieren und Übernachten auf öffentlichen Plätzen" bis in die überregionale Presse geschafft.

1996 gegründet, hat sich das Gast-Haus zum Ziel gesetzt, ein niederschwelliges Angebot für Wohnungslose in Dortmund zu schaffen, offen für alle und möglichst niederschwellig, beispielsweise ohne einen Berechtigungsnachweis zu fordern. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen kommen aus unterschiedlichen Bereichen und bringen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein, was im Laufe der Zeit zu einem breit gefächerten Angebot geführt hat, das neben Frühstück und Abendessen auch weitere Themen umfasst wie Seelsorge, medizinische und psychologische Betreuung, juristische Beratung und weiteres. Im vergangenen Jahr gab es auch erstmalig Winter-Schlafplätze, was auch in diesem Winter fortgeführt werden soll. Angedacht für die Zukunft ist beispielsweise ein Hygienezentrum nach Berliner Vorbild.
Wohnungslosigkeit ist eine extreme Form sozialer Ausgrenzung und rückt gerade in der kalten Jahreszeit in den Fokus von Medien und Öffentlichkeit. Zunehmend sind auch immer mehr Jugendliche wohnungslos. Die jungen Menschen sind obdachlos, weil sie durch das komplette soziale System gefallen sind. Es hat verschiedene Gründe wie Bildungsbenachteiligung, problematisches Elternhaus bzw. familiäre Probleme, sexueller Missbrauch, Suchthintergrund, nicht diagnostizierte psychische Ursachen, Ausbildungsabbruch, Langzeitarbeitslosigkeit, Totalsanktionierung von Hartz IV, usw. Für die Zukunft will das Gast-Haus hier auch ein Angebot auf Augenhöhe für Jugendliche anbieten. Die Überwindung, Hilfe anzunehmen und die Eingliederung in die Gesellschaft fällt vielen Jugendlichen immer schwerer. Eine unabhängige und anonyme Anlaufstelle für die Belange von obdachlosen Jugendlichen soll geschaffen werden, auch außerhalb der Streetworker-Zeiten und am Wochenende. Hierfür werden weitere ehrenamtliche Helfer im Bereich Jugendarbeit gesucht, um ein entsprechendes Programm zu erstellen. Aber auch generell werden hier immer helfende Hände gebraucht, gerne auch von jungen Menschen! Wichtige Voraussetzung für die Mitarbeit sind Offenheit und Toleranz gegenüber den Gästen.
Vom Wort "ökumenisch" im offiziellen Vereins-Namen sollte man sich nicht täuschen lassen, zwar kamen die Gründer des Vereins aus dem kirchlichen Umfeld, das Gast-Haus selbst versteht sich aber als unabhängig und offen für alle Konfessionen. Gleichwohl bietet das Gast-Haus aber auch Gottesdienste an und es gibt einen Seelsorger - was auch die praktische Bewandtnis hat, dass dieser die Bedürftigen auch im Krankenhaus oder im Gefängnis besuchen darf, was für Privatpersonen eher schwierig ist.

Die vielen Angebote sind natürlich nicht möglich ohne zeitraubende Verwaltungsarbeit, die im hauseigenen Büro durchgeführt wird. Katrin und das Team legen aber Wert darauf, dass der Großteil der Spenden direkt an die Bedürftigen geht, für die Verwaltungskosten greifen sie beispielsweise auf städtische Förderung zurück. Derzeit fließen etwa 15% der Spenden in die Verwaltung, zukünftig würden sie das gerne auf ein Minimum reduzieren. Spenden kommen von unterschiedlichen Personen und Institutionen, von Supermärkten und Firmen, aber auch von Privatpersonen. Das Team legt allen Spender*innen nah, sich auch selbst mal an der ehrenamtlichen Arbeit zu beteiligen. Ausdrücklich nicht erwünscht sind Spenden von Personen, Vereinen und Organisationen aus dem politisch rechten Spektrum, gleiches gilt auch für die zu betreuenden Gäste - keine Toleranz für Intolerante!

Alles in allem ein sehr unterstützenswertes Konzept! Wir denken, dass unsere 1001 Euro da mehr als gut aufgehoben sind und ein Stückchen mehr Menschlichkeit in diese Stadt und diese Welt bringen. Aber jetzt seid auch ihr gefragt! Geht hin, schaut nicht weg und helft!

Weitere Infos zum Gast-Haus findet ihr unter:
https://www.facebook.com/gasthausstattbank/
https://gast-haus.org/
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