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Riez Open Air, Freitag: Masked Intruder, Ducking Punches, Ignite, Giver, Alex Mofa Gang, Kramsky, Philosophical Warlords And The Kiss, 26.07.2019 in Bausendorf, Riez - Bericht von Fö

Riez Open Air Freitag, 26.07.2019 in Bausendorf

Irgendwann mal hab ich ja den Vorsatz gefasst, jedes Jahr zumindest ein "neues" Festival auszuprobieren - keinen Bock auf immer die gleichen Ackerflächen mit immer den gleichen Bands (okay, gilt nicht für alle, aber ich wollte mal polemisch sein). Das Riez Open Air hatte ich schon länger ins Auge gefasst, es hatte die letzten Jahre eigentlich immer ein ganz gutes Lineup zu bieten, zumindest wenn man auf Amibands steht. Ich hörte außerdem von überschaubarer Größe und netten Leuten, was mich ja auch immer sehr anspricht. Nur Mitfahrer hier aus der Gegend lassen sich zunächst nicht finden, aber kurzfristig schließt sich Nele zumindest für einen Tag an, und wir stoßen zur Truppe der Darmstädter (+ weitere irrelevante Herkunftsorte). Ist dann also doch ne schön bunte Truppe!
Wegen Arbeit verzichten wir allerdings auf den Warmup-Donnerstag, an dem Commando (Ramones-Cover) und Renegades of Funk (RATM-Cover) zum Tanze aufspielten. Nicht so schlimm, Ramones-Coverbands habe ich schon genug gesehen und in Sachen Rage Against The Machine zehre ich noch vom Original. Wie berichtet wird, dachten allerdings Teile der am Donnerstag Angereisten, es würde eine mexikanische Thrash-Metal-Band namens Comando spielen - na, wegen sowas hätte ich dann aber doch blau gemacht!
Anreise mit der Bahn nach Koblenz, wo uns Maddin und Carmen aufgabeln. Just angekommen, öffnet sich der Himmel und ein Regenguss nebst Sturm vernichtet die Innenstadt, wir sind die einzigen Überlebenden. Ob wohl das Festival noch steht, wenn wir da ankommen?
Sieht gut aus! Und ja, es wurde nicht zu viel versprochen, hat wirklich alles ne schöne Größe hier. Auch auf dem Zeltplatz ist noch ausreichend Platz. Gerüchteweise war das Riez Open Air schon letztes Jahr kurz vor der Pleite wegen der geringen Besucherzahlen, konnte sich aber, dank des neu gegründeten Riez e.V., wieder aufraffen - gut so!
Verpasst haben wir die erste Band YOUR INNER DURDEN - halb so wild, hab ich schon mal gesehen, geschenkt. Dafür trotten wir dann zu KRAMSKY aufs Gelände. Zu denen weiß ich im Vorfeld zwei Details:
1. Hießen vorher Herr Berlin, benannt nach ihrem Sänger Jimi Berlin, aber das war ihnen wohl zu narzisstisch.
2. Ihr Album heißt "Zuviel Licht" und als Rechtschreibpedant kommt mir jedes Mal die Galle hoch, wenn ich den Titel irgendwo lese. Die Schreibweise "zuviel" gibt es seit 1996 nicht mehr! Aber das zeigt vielleicht nur, wie alt die Bandmitglieder sind.
Zu hören gibt es Indie-Pop-Rock und teilweise klingt das tatsächlich ein wenig nach in die Jahre gekommenen Deutschrock (also Westernhagen und Konsorten, nicht dieser neumodische Harte-Männer-Scheiß). Haut mich nicht vom Hocker, aber so für den Auftakt ganz angenehm. Aber muss man wirklich "Eisbär" covern? Also ich meine, vielleicht muss man das tatsächlich, wenn man solche Musik macht, vielleicht steht das ja in irgendwelchen Statuten, kenn mich da nicht so aus.
Das Gelände ist wirklich übersichtlich, alles sehr gemütlich hier! Übersichtlich lässt sich dabei wirklich groß schreiben, man hat tatsächlich von fast überall ne gute Sicht gen Bühne. Hat leider den Nebeneffekt, dass sich recht wenig Leute vor die Bühne begeben, man sieht ja schließlich auch von den Hügeln was. Sowas find ich immer schade, aber darauf muss man sich hier wohl einstellen.
Gibt ein paar Stände, man kann selbst Shirts besiebdrucken, sich bei der Hardcore Help Foundation informieren und natürlich Bandmerch kaufen. Am Fressstand gibt es Imbiss-Standards (Burger, Pommes, Currywurst, Backofenkartoffel) die allerdings keine kulinarischen Highlights darstellen. An Getränken gibt es Kettenfett, Longdrinks und Bier - sogar alkoholfrei.  Über die Getränkepreise kann ich nichts sagen, da es Verzehrkarten gab und ich mir bei den 1-2 Getränken, die ich konsumiere, den ganzen Bezahlstress lieber ganz spare. Trotzdem danke an alle, deren Verzehrkarten noch Platz für mich hatten ;-)
Die nächste Band ist schon wieder was Lokales und nennt sich PHILOSOPHICAL WARLORDS AND THE KISS. "Epic Rock" nennen sie ihr Genre und, naja, ehrlich gesagt hätte ich da schon etwas mehr an epischer Breite erwartet, das hier klang dann mehr nach ner Schülerkapelle die mal eben alles zusammenpanscht, was die Bandmitglieder so an "härterer" Musik kennen. Also irgend so eine Metal-Crossover-Alternative-Suppe mit Gitarrensoli. Gut gespielt, okay, aber zu gewollt. Und dass sie offensichtlich sehr stolz darauf sind, schon saufen zu dürfen, macht die Sache nicht besser.
Nunja, lassen wir den Blick weiter schweifen. Schöne Gegend hier! Ließe sich bestimmt auch mal mit nem kleinen Eifel-Urlaub verbinden, liebe Wanderpunks!
Anschließend GIVER aus Köln, ehemals Paderborn. Kannte ich bisher nur vom Namen, dachte ich jedenfalls, aber tatsächlich hab ich die vor 4 Jahren schon mal gesehen - hoppla! Hätte ich jetzt aber auch nicht wiedererkannt. Zu hören gibt es Hardcore-Punk. Weniger der 80er-Sound aber auch kein neumodisches Metalcore-Gekeife, grundsolider und AZ-kompatibler Hardcore-Punk eben. Ich steck zu wenig in dieser Musikrichtung drin um das noch näher differenzieren zu können.
Kommt ganz gut das alles, nur eben nicht so ganz meine Musik. Dafür kommt die Band ziemlich sympathisch rüber. So wird in den Ansagen auf die Wichtigkeit der DIY-Szene hingewiesen, aber eine noch viel wichtigere Agenda scheint der Band zu sein, auf den Klimawandel hinzuweisen. Wobei sie da über das übliche Gerede hinaus gehen, indem sie konkret zum individuellen Handeln auffordern und sich auch selbst Gedanken über ihren eigenen Fußabdruck gemacht haben. So wollen sie nicht mehr zu Einzelshows Tausende Kilometer fahren, um ihren CO2-Verbrauch weitestgehend zu reduzieren, und haben deswegen bereits Anfragen abgesagt. Practice what you preach! Da gerät man selbst ins Grübeln über die eigene Verantwortung.
Gut und wichtig auch eine Ansage über Depression und den Umgang damit, darüber mehr miteinander zu reden, aufeinander Acht zu geben und Sorgen und Ängste zu teilen. Auch hier wieder Daumen hoch!
Anschließend: DUCKING PUNCHES! Erst letzten Monat in Bochum gesehen, wo ich sie überraschend gut fand. Und heute? Ebenfalls keine Enttäuschung! Angefolkter und versoffener Punkrock mit Emo-Singalongs, die mich des Öfteren an Apologies I Have None erinnern. Irgendwie so, alles keine schlechten Zutaten, aber wirklich nicht!
Nur weiterhin das Vor-der-Bühne-ist-Lava-Problem. Zwar ist das Gelände mittlerweile deutlich mehr gefüllt, nur vor der Bühne, naja, das muss nich sein. Aber gut, Festivalbesucher sind halt faul. Und vielleicht hab ich den Bekanntheitsgrad von Ducking Punches auch zu hoch eingeschätzt, das ging mir schon damals in Bochum so...dabei spielen die Engländer heute ne relativ exklusive Einzelshow, ohne Tour drumrum.
Wie auch immer, der Band merkt man an dass sie mächtig Spaß hat, den Anwesenden auch, also alles geil! Überhit: "Big Brown Pills From Lynn", was ein Mitsing-Ohrwurm! Wobei, wo ich mir grad das Video anschaue - live hat das doch deutlich mehr Pfeffer, um nicht zu sagen kiloweise. Ansonsten ähnelt das, inklusive der Ansagen, schon etwas dem Bochum-Auftritt.
Jedes gute Festival-Lineup braucht ne Band, bei der sich alle einigen können, jetzt mal gepflegt irgendwas anderes machen zu können. Um was zu essen, das Zelt zu richten, sich die Umgebung anzuschauen, die Notdurft zu verrichten, sowas halt. Heute sind das ALEX MOFA GANG. Ich wusste ja schon vorher, dass es schlimm wird, aber ich hab die Band noch nie gesehen und bin neugierig.
Verblüffenderweise schaffen es solche Bands immer, die Leute zu catchen. Da ist doch irgendwas falsch! Ich weiß nur nicht, ob bei den Leuten oder bei mir. Zu hören gibt es so so Gute-Laune-Poprock, son bisschen Radio Havanna gepaart mit Kraftklub und dazu ganz viel Publikumsinteraktion. Ich hab irgendwann aufgegeben, zu zählen, wie oft der Sänger "kommt mal näher zur Bühne" gesagt hat. Auch sonst war alles dabei! Mitklatschen, hinsetzen und aufspringen, ich glaube sogar ne Wall of Death(?!), alles worauf die jungen Festivalgänger halt so stehen.
Von daher: Wat soll ich denen nen Vorwurf machen, sie schaffen es ja tatsächlich, die Leute vor die Bühne zu locken. Ob jetzt aus Mitleid, Neugierde oder Begeisterung, das ließ sich nicht so ganz ausmachen. Ich finde diese überdrehte Show einfach unangenehm. Aber vielleicht bin ich auch nur engstirnig. Immerhin klappt die Aktion "ich stehe 5 Minuten lang auf nem Surfboard rum" ganz gut, und sogar das Runterspringen geht klar.
Apropos springen: Das können MASKED INTRUDER auch ganz gut! Zumindest Intruder Green, wie er hier unter Beweis stellt. Masked Intruder machen auch viel Quatsch auf der Bühne, aber sie sind halt einfach cool dabei! Deswegen auch ganz unbestritten mein Highlight des Tages. Einzig abgeschwächt dadurch, dass ich sie halt erst letzte Woche gesehen hab. If a band is nice, see it twice, oder wie war das?
Intruder Purple ist übrigens die einzige nicht-männliche Person heute auf der Bühne. Schon ein bisschen traurig und mit Sicherheit verbesserungswürdig. Morgen wird der Schnitt auch nicht viel besser sein.
Auch ziemlich witzig (irgendwie): Als Masked Intruder zu "Heart-Shaped Guitar" fragen, ob eine Frau vielleicht Lust hätte, den weiblichen Part zu singen, krabbeln ausgerechnet zwei halbnackte Typen auf die Bühne. Haha! Aber wie schon beim Back To Future übernimmt Purple den Gesang.
Ansonsten gibt es eben sehr viel sehr tief in die Gehörgänge gehenden poppigen Poppunk mit Texten über Liebe und Kriminalität, also eigentlich alles was heutzutage noch bedeutsam ist. Ähnliches Set und Show wie beim Back To Future, nur etwas länger - mir persönlich dann doch etwas zu lang. Muss ja zugeben, sonderlich abwechslungsreich ist das nicht. Aber egal, macht Spaß!
Bis auf den Bullen natürlich! Aber da ich heute etwas weiter weg von der Bühne stehe, kann ich das Rumgehampel von Officer Bradford größtenteils ignorieren. Schön find ich's trotzdem nicht.
Weiter geht's mit der letzten Band des Abends: IGNITE! Nicht unbedingt meine Lieblingsband, aber diesen Auftritt werde ich definitiv in Erinnerung behalten. Selten so gut unterhalten worden! Was weniger an der Musik lag...
Von Sänger Zoli hört man ja so einiges. Dass er ein kleiner Patriot und ein großer Egomane sei, sowas halt, aber heute kriege ich wirklich mal live und in Farbe mit, wie der Typ wirklich drauf ist. Wobei ich natürlich nicht weiß was so alles hinter den Kulissen ablief und nur interpretieren kann, was von vorne zu sehen war - aber da gab's eigentlich wenig misszuverstehen.
Fing damit an, dass Zoli sich zunächst mal über den Bühnensound mokierte und so weit ging, die Monitore umzuschmeißen oder auszustöpseln. So weit so verständlich, auch wenn es ein wenig an ein kleines Kind erinnert, das seinen Willen nicht bekommt.
Der nächste Akt: Zoli geht von der Bühne - und kommt erst mal nicht wieder! Anscheinend gar nicht so ungewöhnlich, der Rest der Band überspielt das eigentlich ganz gut und macht ganz normal weiter, lenkt das Publikum ab, den Gesang muss dann eben Bassist Brett mit Unterstützung des Publikums übernehmen.
Und irgendwann kristallisiert sich heraus, was Zolis Problem ist: Der Staub! Weil die Fans so doll tanzen, wirbelt das zu viel Staub auf. Fortan stolpert er nur noch hastig über die Bühne, nippt an seinem Kokoswasser und zieht sich das Shirt vor die Atemwege. Zwischendurch latscht er immer mal von der Bühne und diskutiert wild mit der örtlichen Crew.
Zolis heldenhafte Lösung: Die Crew soll gefälligst nen Wasserschlauch in die Menge halten. Ganz schön raffiniert, das bindet den Staub! Ist nur leider mega-asozial wenn das ohne Vorwarnung geschieht und wenn es außerdem nicht in praller Mittagshitze, sondern eher so um Mitternacht mit leichtem Westwind passiert. Und halt mitten im Set und nicht mal eben in ner Pause, in der die Leute zumindest die Chance hätten, weg zu gehen. Wieder und wieder holt er Leute ran, die Wasser in die Menge spritzen sollen. Aus der Entfernung beobachtet wirkt das alles echt wie in nem verunglückten Slapstick-Film.
Brett wird das auch irgendwann zu viel und er gibt zu verstehen, den Wasserschlauch wieder auszustellen - doch kurz darauf kommt Zoli wieder angehoppelt und hat ne ganz andere Meinung. Boah ey. Immerhin die Band versucht, den Auftritt irgendwie zu retten und die Stimmung oben zu halten. Klappt sogar so leidlich, nur Zoli muss sich von nun an eben gefallen lassen, die Lachnummer der Punkrockwelt zu sein.
Ist auch zeitweise wirklich unangenehm das alles, für alle Beteiligten. Ich bin so sehr mit Fremscham und Lachsalven beschäftigt, dass ich vom restlichen Auftritt eh nicht mehr viel mitkriege. Auch gut: Wie Zoli sich mit Brett darüber streitet, wer denn nun dieses alte Lied von 1994 singen darf. Das kann doch echt alles nicht euer Ernst sein! 25 Jahre Ignite, und sie benehmen sich wie 6jährige Bengel.
Zum Runterkommen gibt es anschließend noch die Aftershowparty im Bierzelt, aber allzu lange halte ich es da auch nicht mehr aus. Morgen geht das Riez Open Air weiter, mal schauen was wir da erleben!

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Zwen
(Zwen)
01.08.2019 17:36
Ob Fletcher wohl darauf hinauswollte als er uns auf den Punk Rock Holiday sagt: "Pennywise is about brotherhood, Ignite is just about Zoli?"

Naja, egal, beide im Geiste auf dem Alter von Präpubertierenden stehen geblieben.

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