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Manchester Punk Festival Tag 3: Crazy Arm, Dr. Nowt, Brassick, Clayface, Pendleton, Signals Midwest, Shit Present, The Sewer Cats, Public Serpents, Cocaine Piss, Jaya the Cat, Incisions, PMX, A Wilhelm Scream, Corrupt Vision, Midwich Cuckoos, 17.04.2022 in Manchester (UK), City - Bericht von der Redaktion

Manchester Punk Festival: Tag 3, 17.04.2022 in Manchester (UK)

Obacht! Dieser Bericht hebt Multimedia und Cross Reporting auf ein neues Level: Begleitend dazu haben wir nämlich auch einen Podcast aufgenommen! Der enthält noch weitere Details und angetüdelte Sprachfetzen sowie außerdem Musik. Folge 1 über den Freitag findest du hier, Folge 2 (Samstag) hier und Folge 3 über den hier beschriebenen Sonntag folgt bald!

Fö: Dritter und letzter Tag des diesjährigen Manchester Punk Festivals! Gestern spät im Bett gewesen, wie haben wir so geschlafen? Ich erstaunlicherweise gut, obwohl ich mich entschieden habe, die Couch zu nehmen, die vor allem durch ungleichmäßig angeordnete Federn besticht und dadurch, dass man diagonal liegen muss, im in Gänze draufzupassen. Aber immerhin liege ich weder im Schnarchzimmer noch im Alkoholausdünstungsraum.
Thruntilldeath: Waren wir das Schnarchzimmer? Ich bin unschuldig! Aber ansonsten ganz ok. Gerd nimmt manchmal etwas viel Platz im Bett ein, aber der Alkohol hilft, die Nacht zu ertragen. Trotzdem etwas arg oft aufgewacht, NAJA.
Zwen: Guten Morgen aus dem Alkoholausdünstungszimmer! Götz und ich müssten vor dem Aufguss nochmal gewendet werden.
Fö: Erwischt!
Thruntilldeath: Und dabei waren wir es gar nicht!
Gerdistan: Unter einen Ruhrpottrodeo-Bericht (oder im Bericht? ich weiß es nicht mehr) hat hier auf dieser fleischfarbenen Seite mal jemand geschrieben: Festival ja, aber nur mit Buch! Und an diese Maxime halte ich mich bis heute.
Thruntilldeath: Ich mein, ist das peak humor oder nicht? Wonach riecht es in der Villa Kunterbunt? Nach Pipi. Nunja.
Fö: Erste Band des Tages sind CRAZY ARM. Leider will mich niemand begleiten, aber irgendwer muss sich ja auch um die Dezimierung des Schnapsvorrates kümmern. Obliegt mir also der journalistische Auftrag. Crazy Arm habe ich tatsächlich zuletzt vor 4 Jahren gesehen, und zwar beim Manchester Punk Festival. Eine dieser Bands, die sich auf dem Festland eh viel zu selten blicken lassen.
Fö: Gefällt mir (natürlich) außerordentlich gut. Die Band, die Musik, nur nicht die frühe Stunde. Und dass hier kaum wer reagiert, als der Sänger sich freut, auf derselben Bühne wie vor 2 Tagen Melt-Banana zu stehen. Außerordentlich schöner, mitreißender Punkrock mit Folk, aber nicht zu viel Folk. Im Gegensatz zu vor vier Jahren nicht einmal mit Geige. Wech mit dem Hippie-Schmarrn!
Thruntilldeath: Hätte ich vorher gewusst, dass der Drummer von Random Hand, Sean, auch bei Crazy Arm spielt, wäre ich wohl dahin gegangen. Eventuell hat er es mir auch am Tag zuvor erzählt, aber bei der Menge an Bands kann man auch einfach durcheinander kommen.

Reisegruppe Party Popper - das sind diese kleinen Handfeuerwerkteile, bei denen man an einer Leine zieht und aus denen dann Gummiluftschlagen geschossen kommen - machte sich auf in Richtung Zombie Shack, und weil wir noch warten mussten, versuchte Gerd erstmal, eine Drone abzuschießen. Das war wohl einer der erbärmlichsten Versuche in der Geschichte des Feuerwerks.
Fö: Und deswegen lösen sich Drones auf?
Zwen: Nachdem mein Körper heute Nacht alles über meine Schweißdrüsen abgestoßen hat, hat er sich jetzt entschieden, dass dies jetzt wieder auf dem normalen Weg geschehen müssen. Dementsprechend muss ich mal ganz übel. Somit gehen Götz und ich in die Kneipe unter der Brücke, bestellen einen Shot und gehen aufs Klo.
Thruntilldeath: Um nochmal das Zombieshack zu loben: Kurz vor der Bühne gibt es einen Wegweiser in Richtung Theke. Distanz: 0,005 km. Genau. 5 m. Ihr könnt euch vorstellen, wie klein der Laden ist.
Thruntilldeath: Grund unseres Besuchs war aber der mächtige DR. NOWT, der sich aber als Scharlatan entpuppte, welcher den Doktortitel nur vorspielt. Aber wie kann mensch jemandem böse sein, der seine Musik als "Punk for people who hate punk and have awful taste in music" beschreibt? Eben.

Dr. Nowt, ein Mann und seine Gitarre, sein Pedalbrett und seine vorher aufgezeichneten Drums, arg verschüchtert und vor doch etwas leerem Haus, kann sowas gut gehen?
Thruntilldeath: Schaut euch nur das Pedalbrett an, damit sind alle Fragen beantwortet. Ja, das geht gut, das geht hervorragend gut, das ist komplett bescheuert und Drums aus der Konserve immer etwas befremdlich, aber dieser skurrile Typ und der reichlich besoffene Zwent sind einfach ein Fest für die Sinne. Selten habe ich eine größere Diskrepanz zwischen Künstler und Publikum erlebt: Auf der einen Seite ein zurückhaltender, fast schon verängstigter Typ mit Instrument, auf der anderen Seite ein paar bracke Deutsche und der Dr. Nowt-Fanclub mit passenden Shirts, die jeden Fitzel komplett abfeiern. Ob das nun die falsch eingesetzten Partypopper sind, oder die absurden Ansagen vom Doktor, die Mischung aus Punk und Hardcore zündet!
Thruntilldeath: Zwischendrin gibt es sogar eine Zwei-Menschen-Wall of death. Womit ca. 20 % des Publikums involviert sind, um das mal in Relation zu setzen. Faszinierend, wie einfach man so viel Spaß haben kann und wie dem Dr., der am Ende des Tages mit einem echten Dr. noch ein Foto machen wollte, alles etwas unangenehm war. Großartiger Auftakt!
Gerdistan: Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Zwen: Ich bin gefühlt 17,46% des Publikums. Wenn zu einer Ein-Mann-Band gepogt wird.
Zwen: Nach Dr. Nowt muss ich erstmal ganz schnell ins Union zu BRASSICK. Deren Studioaufnahme feiere ich schon sehr lange, weshalb sie von den "kleineren" Bands wohl auch die ist, auf die ich mich am meisten freue. Hauen auch sehr gut einen raus, leider wirkt das Publikum insgesamt noch etwas verschlafen und scheint noch nicht so Bock auf Blutpogo zu haben. Egal, Songs wie "They Say" oder "Pelt" gehen trotzdem richtig gut rein. Unbedingt mal reinhören.
Zwen: Ansonsten hält ähnlich wie bei In Evil Hour. Grundsätzlich ist alles top, die Band wäre jedoch im Bread Shed deutlich besser aufgehoben. 
Fö: Auf dem Rückweg vom Union treffe ich die anderen wieder, die aber wiederum irgendwas anderes sehen wollen, also schau ich dann auch mal im Zombie Shack vorbei. CLAYFACE spielen dort. Auch eine Band, die erst kurzfristig ins Programm rutschte, weil irgendwer anders absagte. Also konnte ich nicht einmal vorab reinhören und muss mich alleine auf die Feststellung verlassen, dass sie ja immerhin schöne Shirts am Merchstand haben.
Fö: Zu hören gibt es so melodischen Punkrock-Kram. Irgendwie in die Richtung Hot Water Music und Konsorten und damit auch per se erstmal gut, leider aber auch irgendwie austauschbar. War okay, rutscht aber so durch.
Thruntilldeath: Irgendwas anderes sehen as in PENDLETON im Bread Shed. Ui, Skatepunk, schon wieder, aber auch hier wieder eine etwas andere Spielart. Pendleton existierten bis 2008 und haben nur eine EP und ein Album veröffentlicht, das ich natürlich erst nach deren Auflösung entdeckt habe. Groß war daher die Freude, als 2019 die Ankündigung kam, dass Pendleton sich für das Festival wieder zusammentun würden und letztendlich auch DER Grund, nach Manchester zu reisen. Ein Mal Pendleton live sehen stand recht weit oben auf der bucket list, und was soll ich sagen, ich hab es nicht bereut.

Pendleton stechen durch die ganz bezaubernd hohe Stimme, die hervorragend mit der Gitarrenmelodie interagiert, aus dem Wust der Skatepunk-Bands hervor. Songs im Bereich um 3 Minuten, die weder Geschwindigkeit noch Abwechslungsreichtum vermissen lassen. Und auch hier wieder: Diebische Freude auf und vor der Bühne. "I went to school with the singer" sagte daraufhin noch eines unser zwei neuen Mitglieder in der Carling Gang. Während der andere "Carling? You can't drink this fucking shit!" beisteuerte. 

Klein ist die Welt, und die Freude vom Sänger, als wir ihn nach der Songerlaubnis für den Podcast fragten, war fast noch größer als meine, die Band endlich gesehen zu haben. So einfach kann es manchmal sein.
Gerdistan: Man, hier ist schon so viel Text unter dem Foto, da mag ich ja gar nicht mehr auf meine übliche Weise in unnötig viele Worte gießen, wie toll Pendleton waren.
Fö: SIGNALS MIDWEST hatte ich eigentlich nicht auf dem Plan, will aber nicht nochmal so ne Pleite erleben wie gestern bei Martha, wo wir nicht mehr reinkamen, und gehe schon mal ins Gorilla, wenn auch eigentlich nur für die nachfolgende Band. Signals Midwest sind okay. Ich weiß nicht ob der Name eine Anspielung auf den Musikstil "Midwest Emo" ist, aber man kann es schon in die Ecke stecken. Ist okay.
Fö: SHIT PRESENT! Neben Melt-Banana die Band des Festivals, auf die ich mich am meisten gefreut hab. Noch nie live gesehen, dabei laufen die beiden EPs nach wie vor regelmäßig bei mir. Ist für sie auch die erste Show seit einigen Jahren, waren schon vor Corona etwas von der Bildfläche verschwunden - und gucken heute mal, wie das so ist und ob sie überhaupt noch wer sehen will. Ich sage mal JA JA JA! Auch wenn meine Sorge, hier nicht mehr reinzukommen, vermutlich unbegründet war.
Fö: Teile der Band waren zuvor bei Great Cynics, Gnarwolves und anderen unfassbar wichtigen Bands, die mich nie interessiert haben. Zu hören gibt es schöne melodische Punkrock-Stücke für die pop-affine Hörer*innenschaft. Wird hier gut gefeiert, und das hier offensichtlich niemand Smalltalk mag, finde ich noch viel besser.
Fö: Und, noch besser: Die Band erzählt, dass sie gestern die Aufnahmen zu nem neuen Album beendet haben. Also wird da wohl noch was kommen und dann hoffentlich auch wieder mit ner ordentlichen Tour dabei. Das fände ich sehr sehr gut! Paar neue Songs gibt es heute auch zu hören.
Thruntilldeath: Fand ich live extrem langweilig, aber ich war auch extrem müde an dem Tag. Vielleicht hör ich zu Hause nochmal rein? Manchmal hat der Fö ja doch Gespür für Musik.
Zwen: Wieder im kleinsten und sympathischsten Landen des Festivals schaue ich mir jetzt erstmal THE SEWER CATS an. Das war im Vorfeld schon witzig, weil ich mich verlesen hatte und gedacht habe, dass die Sewer Rats spielen. Das war natürlich Quatsch. Trotzdem war ich durch diese Verwechslung doch ziemlich interessiert. Außerdem spielen sie halt im Zombie und auf den anderen Bühnen spielt nichts, was ich unbedingt sehen muss. 
Zwen: Die Band an sich ist auch ziemlich cool. Bestehen aus einer Dummerin/Sängerin und einem Gitarristen. Spielen tun die beiden richtig schön schrammligen Punkrock. Ich weiß nicht, ob das zu Hause auch funktioniert, aber hier kommt das sehr gut rüber.
Zwen: Meine konsequent All-Male-Reisegruppe und ich haben in den letzten Tag oft über oberkörperfrei und Mackertum geredet und auch darüber, dass das hier sehr souverän gehandhabt wird. Am lässigsten gehen die Sewer Cats mit dem Thema um. So macht die Drummerin gerade eine etwas längere Ansage gegen toxische Maskulinität, die auch ordentlich beklatscht wird, während der Gitarrist sein Shirt auszieht. Freue mich schon auf prüde Alman-Männer-Kommis, die hier in den Kommentaren auf deutsch erklären warum das voll sexistisch ist. Kommt ran!
Fö: Termine, Termine, Termine! Die PUBLIC SERPENTS spielen nun im Union. Die spielen zwar auch beim Bierschinken eats FZW, aber Bands zu buchen, die ich noch nie live gesehen habe, ist mir immer etwas unangenehm, also nutze ich die Chance. Und heidewitzka, was ein Spaß! Die Halle ist nicht unbedingt bei voller Auslastung, aber die Anwesenden haben definitiv ihre Tanzschuhe dabei.
Fö: Public Serpents machen diese hektischen, räudig-crustige Spielart des Skacore, den man auch gerne mal mit Crackrocksteady oder sonstigen Verballhornungen bezeichnet, so benannt, glaube ich, von der Mutterband des Genres, Choking Victim, deren Schlagzeuger Skwert hier das Mikrofon bedient und eine herrlich ätzige Stimme hat, passend zum Genre.
Fö: Die Show ist ein einziger großer Tempel der Freude. Insbesondere weil auch die Band unfassbar gut aufgelegt ist, der Bassist immer mal seine Kreise im Publikum zieht und die Zuschauer*innen im Rahmen ihrer Möglichkeiten das alles gepflegt feiern. Muss man ja auch erstmal schaffen, das nur mäßig gefüllte Union zum Tanzen zu bringen. Richtig gut! Test bestanden, werden doch nicht mehr ausgeladen.
Fö: Anschließend wollte ich eigentlich zumindest mal kurz rüber zu All Away Lou, stelle aber mit Blick auf die Uhr fest, dass das überhaupt nichts bringt, spielen doch nun COCAINE PISS. Ah, so ein Stress! Cocaine Piss jedenfalls auch schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, eine von diesen Hardcore-Punk-Bands bei denen mensch nur noch mit offenem Mund da steht. Wobei ich dachte, die seien bekannter.
Zwen: Cocaine Piss wollte ich jetzt schon länger mal live sehen, da sie mir andauernd und der Name bereits für sich spricht. Auch wenn ich mir denke, dass diese Band auch eher auf die kleineren Bühnen gehört, machen sie im Union konsequent alles richtig, indem einfach keine Gefangenen genommen werden. Vor allem die Ausrastaktionen der Sängerin werden vom Publikum wohlwollend angenommen.
Fö: Highlight der letzte Teil des Sets, als die Sängerin wild durchs Publikum springt, Leute anschreit, sich umher wälzt, unverständliche Ansagen macht und für Begeisterungsstürme sorgt. Großartig!
Gerdistan: Absolut. Vorher noch nie von der Band gehört, bei dem Namen eher rotzigen DIY-Crust erwartet und trotzdem nicht enttäuscht worden. Kann man bringen!
Thruntilldeath: Ich verstehe Cocaine Piss nicht. Ich verstehe nicht, wie ein Mensch, wenn sie denn menschlich ist, so singen kann. Und sich so bewegen kann. Und was da insgesamt passiert ist.

Ich würde mir das niemals, niemals nochmal zu Hause anhören, die Musik empfinde ich als abstrus und anstrengend, aber live? Ein Ereignis, das ich so auf dem Festival nicht nochmal erlebt habe. Unkonventionell, absurd, aber mitreißend und begeisternd und schwer in Worte zu fassen. Brutaler Auftritt.
Fö: Foto von Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Zwen: Gut, dass ich mich hier gar nicht wegbewegen muss, dann als nächstes spielen JAYA THE CAT. Long time no see, gehören Jaya The Cat für mich zum Festivalsommer wie Dosenbier. Chillige Songs, die aber viele Leute zum Tanzen oder Crowdsurfen bringen. Vor der Bühne ist die Stimmung großartig und die Band bewegt das Publikum ohne große Mühe.
Zwen: Es wird viel vom letzten Album "A Good Day For The Damned" gespielt, wie "Huddersfield Rain" oder "Amsterdam". Hits der anderen Album wie "Hello Hangover" oder "Here Come The Drums", was naütlich zum krönenden Abschluss gespielt wird und von einem richtig schön dröhnenden Basssound aus dem Synthi begleitet wird.
Zwen: Jau, Stimmung war super, Songauswahl auch. Würde ich gerne mal wieder in einem kleineren Rahmen und dann auch mit längerem Set sehen. 
Fö: Es spielen zeitgleich Jaya The Cat, Ancst und Incisions, die sich vermutlich alle drei lohnen, aber bei INCISIONS schätze ich die Gelegenheit, sie in absehbarer Zeit wieder zu sehen, am geringsten ein. Das letzte Mal ist für mich immerhin 4 Jahre her und war, tada, hier beim Manchester Punk Festival, wo sie im Zombie Shack voll überzeugten. Mittlerweile haben sie ein gefeiertes Album draußen und füllen mal eben das Gorilla. So läuft das hier!
Fö: Brachialer Hardcore-Punk aus von hier, schön wütend und rau, sehr schön! Den Ansagen zufolge sehr von sich überzeugt, was ich mal als Selbstironie deute und entsprechend abfeier.
Thruntilldeath: Beim Gespräch am Merchtisch entpuppte sich der Sänger dann als einer der nettesten und bescheidensten Menschen, die ich aufm Festival getroffen habe. Macht die Ansagen im Nachhinein noch besser, als sie es ohnehin schon waren.
Thruntilldeath: Ich habe selten eine Band erlebt, die sich so gnadenlos selbst abfeiert und als beste Band des Festivals bezeichnet wie Incisions. Aber ich ärger mich an dieser Stelle maßlos, den Auftritt 2018 verpasst zu haben. Brachial ist wahrscheinlich das beste Adjektiv für diese Art von Hardcore, die gleichzeitig keine Spur von Stumpfheit aufweist. Ich war hin und weg, auch wenn der Körper eigentlich schon nach dem Bett schrie, aber das war einfach zu mächtig, um diesem Verlangen nachzugehen.
Fö: Anschließend PMX, die mich eigentlich nicht so wirklich interessieren. Aber jetzt das Gorilla verlassen, wo doch gleich A Wilhelm Scream spielen, das muss doch auch nicht sein. Zumal die Christmas-Meute uns tatsächlich ihre Sitzplätze überlässt! Ahh, das tut dem geschundenen Rücken gut. Sound ist hier oben in der Loge zwar nicht ganz so gut, aber das ist mir grad egal.
Thruntilldeath: Dem Sound entsprechend waren PMX dann auch echt langweilig. Selbst "Falling Apart", absoluter Knallersong vom aktuellen Album, hat mich nur minimal mitgerissen. Lag das jetzt am Sound, an meinem Körper oder an der Band? Schwer zu beschreiben, PMX machen jedenfalls... melodic skate punk. Tja, vielleicht war es auch die Sättigung dieser Musikrichtung? Letztes Mal im Zombieshack (s. Incisions) hatte mich das noch komplett vom Hocker gehauen. Das Publikum wirkte ähnlich begeistert, aber direkt vor A Wilhelm Scream ist das auch ein undankbarer Slot.
Zwen: Ich komme zur zweiten Hälfte des Sets und bekomme dann sogar noch einen Platz auf der Rentner*innen-Tribüne über der Bar angeboten. Geil, Strategie voll aufgegangen. PMX sind langweilig und interessieren mich null, aber der Sitzplatz ist einfach klasse. Leider tritt irgendwer (vermutlich ich selbst) mein Bier um. Niemand vom niederen Volk unten möchte mir eins hochreichen. Mist! 
Fö: Zu A WILHELM SCREAM geht es natürlich wieder runter und vor der Bühne. Noch ist alles ruhig! So ruhig, dass Zauberkünstler Götz einen Becher auf dem Kopf balancieren kann. Der bleibt sogar, obwohl ich mir sehr viel Zeit mit dem Foto lasse.
Thruntilldeath: Ich saß weiterhin oben, gönnte dem Rücken mal etwas Ruhe und schlief fast ein. Hätte ich mal den Gang nach unten angetreten. Aber auch der Gerd saß etwas lädiert neben mir, den wollte ich nicht alleine lassen.
Götz: Zwischen Jeff Rosenstock und A Wilhelm Scream zu entscheiden war so ziemlich die gemeinste Entscheidung, die ich je treffen musste. Aber es fühlte sich eben falsch an, extra nach England zu reisen und nicht AWS zu sehen, also mache ich schon mal beide Hände frei
Gerdistan: Zwischen Jeff Rosenstock und A Wilhelm Scream zu entscheiden war so ziemlich die einfachste Entscheidung, die ich je treffen musste. Nix gegen Jeff, ich fand Bomb the Music Industry! auch mal gut und glaube auch, dass der gutes Zeug am Start hat, aber warum soll ich mich in irgendwas reinhören, wenn AWS parallel spielen?
Fö: Wirklich schwere Entscheidung und mich musste mit meinen Vorsätzen brechen. Entscheidend war für mich dann wirklich eher, dass das Gorilla der kleinere Laden mit dem besseren Sound ist.
Fö: A WILHELM SCREAM. Alias das Nachher-Foto. Dieses undefinierbare etwas da mittig im Bild ist Götz, der sich im Ausrastmodus befindet und einfach KEINEN Becher mehr balancieren kann! Höchstens sich selbst auf den Köpfen anderer. Auch ein Zaubertrick, aber ein schwächerer.
Zwen: Während Fö und Götz unten KOMPLETT ausrasten, ziehe ich mich zu den anderen auf die Rentner*innen-Plätze direkt über der Bar zurück. Stundenlang zu stehen ist gar nicht mal so gut. Auch von hier oben ist der Auftritt extrem druckvoll und man kann schön das Gewusel da unten beobachten. Diese Vorteile machen dann für mich auch den bescheidenen Sound hier oben wieder wett. 
Gerdistan: Eine Hit-Band!
Götz: Eine Wohltat. Gab neben den neuen Singles auch eine ausgewogene Hit-Auswahl aus allen Alben.
Zwen: Kann ich mich nur anschließen. Ich glaube zu diesem Zeitpunkt war noch niemand von uns so richtig warm mit dem ganz frisch erschienen neuen Album der Truppe aus New Bedford, trotzdem kicken auch diese Songs live ordentlich!
Fö: Einfach beste Band. Auftritte von A Wilhelm Scream machen einfach durchweg Spaß, trotz oder wegen dem ganzen Gefrickel und Gefuchtel da. Die Ansagen sind mir mitunter zu pathetisch, es geht viel um Szene und Zusammenhalt und so, aber ich denke, in einer Pandemie und mit Krieg um die Ecke kann man sowas durchaus mal bestärken.
Thruntilldeath: Ja, die Ansagen waren komplett mit Pathos gefüllt, aber das nehm ich dem ab. Das meinte Nuno genau so, das ist halt der Spirit dieses Festivals. Und A Wilhelm Scream waren sich auch nicht zu schade, vor 30 Leuten in der Schaubude in Kiel zu spielen. Tolle Band, grundsympathisch, grandioses Werk und trotz meines vorher immer wieder eingetretenen Sekundenschlafs hab ich während des Auftritts nicht ein Auge zugemacht.

Neben Götz auch ganz oft in der Luft gesehen: Dr. Nowt, der gar nicht wiederzuerkennen war. Was ist der Kerl durchgedreht und gesurft, allein das spricht schon dafür, was A Wilhelm Scream in Menschen auslösen kann. Mördersound übrigens auch oben, da biste fast nach hinten weggeweht worden.
Fö: Ich kann anschließend eigentlich gar nix mehr. Füße tun weh, Beine machen nichts mehr, Rücken schmerzt, langsam machen sich wohl die Strapazen der letzten Tage bemerkbar. Außerdem wird uns zu Plot32 im Zombie Shack kein Einlass mehr gewährt. Wir verbringen die Zeit damit uns ein wenig auszuruhen und pünktlich zu CORRUPT VISION wieder vor einer Bühne zu stehen.
Thruntilldeath: Die standen auch oben auf meiner Liste, aber der Körper wollte einfach nicht mehr. Schade, aber wir sind jetzt in einem Alter, in dem wir auf unseren Körper hören müssen. Also ab nach Hause, zumal ich um 1:30 eh wieder aufstehen musste, um mit dem Gepäck zum Hotel der Hamburger zu latschen, von dort mit dem Uber zum Flughafen zu fahren, von 3 bis 5 zwischen Gepäckabgabe und Sicherheitskontrolle anzustehen und um 9:30 vollkommen erschöpft zu hause anzukommen. Was ein Ritt.
Fö: Musik ist schon wieder so ein Crackrocksteady-Kram, aber diesmal noch ne Ecke räudiger als zuvor Public Serpents (auch wenn deren Bassist hier auch mal mit ans Mikro darf). Geiles Gebretter, bei dem ich nicht weiß ob das jetzt noch Skacore oder schon Grindcore ist. Herrlich böse das alles! Schön!
Fö: Dem Sänger kauft man ab, dass er sehr wütend ist. Zum Beispiel als er mit einem Bierbecher beschmissen wird. Ob Absicht oder nicht, keine Ahnung, aber zumindest hatte ich den Eindruck dass er sowas gar nicht cool findet, vielleicht auch wegen dem großen X auf seiner Hand. Ist aber auch egal. Mehr als ordentlicher Abriss jedenfalls!
Zwen: Letzter Halt Zombie Shack! Macht ja auch Sinn im schönsten Laden des ganzen Festivals den Endspurt einzuleiten. Die MIDWICH CUCKOOS machen richtig schön energischen Punkrock-Roll und fallen bereits zu Beginn sehr positiv auf, da sie einfach ein sehr gutes Bühnenbild abgeben und eine wild durchgewürfelte Truppe zu sein scheinen. Außerdem passen sie alle gar nicht auf die kleine Bühne, da die Band zu sechst ist und über drei Gitarrist*innen verfügt. Nun könnte man meinen das wäre nun in Anbetracht der späten Stunde einfach die totale Reizüberflutung. War es wahrscheinlich auch, aber ich brauche das gerade einfach, um wach zu werden.  
Zwen: Den ersten Eindruck unterstreichen die Cuckoos dann auch bei jedem gespielten Ton. Sängerin und Gitarrist mit Iro stehen die ganze Zeit vor der Bühne, während die Gitarristin der Band ununterbrochen ins Publikum springt oder auf diesem wortwörtlich auf Händen getragen wird.
Fö: Ich komme so zu den letzten zwei Liedern der MIDWICH CUCKOOS rein und bin auf Anhieb begeistert, das macht tatsächlich viel Laune! Schade, dass ich nicht mehr sehen konnte, aber so ist das halt mit 5 Bühnen. Danach muss ich aber dann echt ins Bett...
Zwen: Ich schließe mich an. Midwich Cuckoos haben alles an Reserven, die sich noch irgendwo in meinem Körper befunden haben restlos und ohne Rücksicht verbrannt. Was soll jetzt auch noch groß kommen!? Ich versuche irgendwie einen Fuß vor den anderen zu setzen und mich in Richtung Unterkunft zu schleppen. Zum Glück unterstützt mich Fö bei diesem Vorhaben, weshalb ich mich nicht verlaufe und mitten in der Nacht am Fußballmuseum strande. Ich bin sehr froh, dass mein Flieger morgen etwas später geht und ich nicht so bekloppt war einen zu einer lächerlich frühen Uhrzeit zu buchen. So kann ich noch mit Gerdi ein ganz kleines bisschen aufräumen, klarkommen und zum Airport fahren. 
Götz: NECK machen Irisch-Punk und spielen als letzte Band vermutlich das längste Set. Zum Ende hin, um 2 AM, sind noch ca. 20 Leute im Bread Shed, aber die tanzen dafür, als gäbe es morgen kein Irland mehr
Fö: Ist noch Platz für ein Fazit? Manchester Punk Festival ist einsame Spitze! Großartig, wie viele bekannte und unbekannte Bands sich da die Klinke in die Hand geben, auf wie viele Neuentdeckungen man stoßen kann und wie sympathisch das alles organisiert ist. Für die Statistik: Hab 39 Bands gesehen. 11 im Gorilla, 10 im Zombie Shack, 9 in The Union, 8 im Bread Shed, 1 im Yes. 21 All-Male (gelesen), 18 mit FLINTA*-Beteiligung. Ausgewogenes Lineup - leider etwas zu gut, weil man eh nicht alle Bands sehen kann. Unbedingte Empfehlung!
Thruntilldeath: Einsame Spitze wird oft benutzt für Dinge, die sehr gut sind. Das Manchester Punk Festival ist für mich persönlich aber wirklich einsame Spitze. Da kommt kein Festival mit. Diese Mischung aus unbekannten Bands und abstrus guten Headlinern, die Locations, die Leute, die teilweise anstrengenden Türsteher*innen, die einen dann doch mit Partypoppern reinlassen, Carling aus der Dose, Fußmärsche, 1000 verschiedene Menschen, die alle eine große Familie sind (bis auf Andy Dazzler, der gehört nicht dazu), und und und. Vielleicht ist diese Lobhudelei auch der Tatsache geschuldet, dass ich zwei Jahre auf sowas warten musste und dank Corona fast das Festival doch noch verpasst hätte, aber genau dieses Gefühl hatte ich nach dem ersten MPF auch. Gnadenlos gut, toll organisiert, extrem stressig, aber ich liebe es. Die Karte für 2023 liegt schon im Postfach. Statistik: 20 Bands. Wie Fö das genau macht, weiß ich auch nicht, aber egal wieviel, es gab quasi KEINE Ausfälle. Fahrt da bitte hin, schaut es auch an, nehmt etwas vom Spirit mit, bucht mehr FLINTA*-Bands, es gibt nämlich genug da draußen, seid keine Arschlöcher und vor allem habt keine Angst, Arschlöcher auch beim Namen zu nennen. Da ist teilweise noch viel Luft nach oben.
Zwen: Ich hatte übrigens noch die tolle Idee von Manchester nach Dublin zu fliegen und mich noch ein paar Tage in Irland aufzuhalten. Am Montag nach dem MPF bin ich mir aber überhaupt nicht mehr sicher und beneide doch tatsächlich Gerdi, der jetzt einfach nach Hause fliegt und seine Ruhe hat. Naja, ich hab's mir ja so ausgesucht und sich über ein paar Tage Urlaub zu beschweren ist ja auch irgendwie bekloppt. Trotzdem habe ich in den letzten Tagen Manchester gefühlt jedes bisschen Endorphin und noch den ein oder anderen Stoff, der so in meinem Körper steckt, verbannt. Was war das für ein großartiges Festival?! Wo soll ich anfangen? Vielleicht bei den großartigen Bands? Der tollen Orga? Den klasse Menschen? Ich weiß es nicht, ich hatte auf jeden Fall den Spaß meines Lebens und möchte in den nächsten Jahren unbedingt wieder nach Manchester zurückkehren um mir dieses großartige Festival nochmal zu geben. Außerdem: Wer auch immer für de Songauswahl aus der Dose zuständig war: Klasse Job!
Zwen: Der erste Tag in Dublin war dann auch nicht so klasse. Ein stinkendes Moloch, dass vor allem auf Touristen und ihr Geld aus ist und ihnen letzteres in den Pubs und Giftshops aus den Taschen ziehen möchte. Außerdem habe ich den Kater des Todes und komme gar nicht mehr klar. Außerdem scheinen die Leute hier - ganz anders als in Schottland oder Manchester - ziemlich streitlustig zu sein. Es wird gerempelt ohne "Sorry" zu sagen und an einem Abend laufe ich innerhalb von einer Viertelstunde an zwei Schlägereien vorbei. Ich entscheide mich auch sodann, die nächsten Tage eine Klippenwanderung an der Halbinsel Howth zu unternehmen und dann am nächsten Tag in die andere Richtung zu fahren und mir die Berge bzw. die Tibradden-Wälder anschauen. War beides sehr schön, ein bisschen froh, dass es dann nach Hause geht, bin ich aber doch. Ein absolut großartiger Trip!

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