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Sex Pistols feat. Frank Carter, Slime, The Damned, 05.07.2026 in Köln, E-Werk - Bericht von Peter

Sex Pistols feat. Frank Carter, 05.07.2026 in Köln

Im vergangenen Jahr sorgte die Ankündigung, dass die Sex Pistols mit Gastsänger Frank Carter nach Deutschland kommen und hier auf einem Festival im Ruhrpott spielen sollen, für leichte Furore und Diskussionen in der hiesigen Punk-Bubble. Leider konnte ich mir kein eigenes Bild machen, da wie so oft die Lohnarbeit dem Spaß im Wege stand. Im Nachhinein war die Rückmeldung dann zwar gemischt, in der Mehrzahl aber recht positiv. Sodass ich mir nun, wo sie in der näheren Umgebung spielen sollten, die Möglichkeit wahrnehmen wollte, mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Vorgruppe sollten THE DAMNED sein, irgendwann am Anfang dieses Jahres kamen dann noch SLIME hinzu. Irgendwann im Juni wurde das Konzert dann vom Open-Air-Gelände "Südbrücke" direkt am Rhein ins E-Werk verlegt. Gründe dafür wurden nicht genannt, ich gehe mal davon aus, dass nicht genügend Tickets verkauft wurden, um das großzügige Open-Air-Gelände ausreichend zu füllen. Wie sich schnell herausstellte, ist ein Konzertabend als Eltern eines schulpflichtigen Kindes an einem Sonntag auch gar nicht mehr so erstrebenswert. Ein Anflug von Hochmut und naivem Optimismus ließ uns nämlich gleich Karten für beide Elternteile kaufen. Es kam, wie es kommen musste: Wegen des Fehlens eines Babysitters, musste kurzerhand die Oma importiert und ihr ein Nachtlager eingerichtet werden. Alles machbar, aber ständig bräuchte ich es auch nicht. Die Fahrt an einem Sonntag, verlief dagegen mal ganz reibungslos und auch ein Parkplatz war schnell gefunden, und zwar im Parkhaus vom angrenzenden Carlswerk Viktoria. Erwähnenswert dabei wäre noch, dass hier ohne Schranke und Karte geparkt werden kann, was die Abreise arg verkürzt.  
Als wir reinkommen, spielen SLIME seit ein paar Minuten, und im ersten Augenblick denke ich, dass die Drums vom Band kommen, da ich niemanden hinter dem Schlagzeug entdecken kann. Kurz darauf merke ich dann, dass man Alex mit seinem Drum-Kit in die linke Ecke der Bühne verfrachtet hat. Das macht das Bühnenbild leider etwas unruhig und unübersichtlich, wie ich finde. Das heutige soll mein erstes SLIME-Konzert nach dem Abgang von Diggen sein, und ich bin gespannt, wie sie in der neuen Zusammenstellung schlagen werden.
Sänger Tex hat eine wirklich coole, voluminöse Stimme, und die neuen Songs, die textlich aus seiner Feder stammen, kommen alle gut an und halten sich heute von der Anzahl mit den alten aus der Diggen-Ära die Waage.  
  Bei den älteren Songs (es gibt Religion, Alptraum, Störtebeker, Alle gegen Alle und, worüber ich mich sehr freue, Schweineherbst zu hören), kommt er stimmlich aber manchmal irgendwie nicht immer hinterher, heute. Kann aber auch sein, dass die Einschätzung von mir falsch ist und bei mir dieser Eindruck entsteht, weil die Stimmen der beiden sehr unterschiedlich sind.
Von den neuen Songs gefallen mir am besten die Stadionrock-Nummer "Evolution" und "Armes Deutschland" vom aktuellen Album. Zu "Sein Wie Die" vom Debüt wird die Akustik-Klampfe ausgepackt, was kurz für Lagerfeuer-Stimmung sorgt und das Set im positiven Sinne etwas aufbricht. Alles in allem war's okay, nett, aber so ganz konnte die einstige Flamme, die mal für diese Band in mir glühte, nicht wieder entfacht werden.
Nach einer Umbaupause geht es weiter mit THE DAMNED. Die habe ich das letzte Mal auf dem Ruhrpott Rodeo am frühen Abend gesehen. Was mir damals sehr unpassend erschien. Daher freue ich mich, sie heute noch mal unter anderen Bedingungen zu sehen.    
  Die Band ist heute "on fire" bis in die hinteren Reihen, also bis zum Keyboarder, der sich etwas abseits neben dem Schlagzeug versteckt. Gespielt werden heute alle Hits vom Debüt und dem dritten Album "Machine Gun Etiquette". Mit dessen besten Track "Love Song" sie das Konzert eröffnen und an das sich der Titeltrack der LP anschließt. Dazwischen gibt es noch einige Lieder von der "Strawberries" mit der ich, bis auf den Song "Generals", der heute auch gespielt wird, nicht so vertraut bin. Da sie da schon mehr in Richtung Goth-Rock und Psychedelic-Rock gingen, womit ich nicht so viel anfangen kann. 
Jedoch merkt man gerade bei den ruhigeren Sachen, welche Bandbreite Dave Vanian stimmlich abdecken kann. Daneben beeindruckt Gitarrist Captain Sensible mit seinem virtuosen Gitarrenspiel. Am Ende wechselt er sogar einmal die Gitarren, als er ganz zum Schluss "Smash it up" Part 1 und Part 2 spielt, was vom Publikum sehr gefeiert wird. Köln ist halt nah an Düsseldorf, sodass heute einige Toten-Hosen-Fans anzutreffen sind, die diesen Song besonders feiern. War er doch auf deren "Learning English Lesson 1". 
Am Ende wurden dann alle Songs, mit Ausnahme von "I just can't happy today", gespielt die ich von ihnen liebe. Zum Ende hin kommt natürlich noch "Neat Neat Neat", der hier und heute natürlich besonders abgefeiert wird. Verzichten hätte ich im Set allerdings auf den Song "Making Time", im Original von THE CREATION vom zuletzt erschienen Cover-Album, und ein wenig wundert es mich, dass sie nach dem Stooges-Song "I feel alright" von der Bühne gehen, ohne "Eloise" gespielt zu haben. Vielleicht wurde der Song, der ja auch ein Cover ist, geskippt, da sich schon zwei Cover in der Setlist befanden.  
Es folgt eine letzte kurze Umbaupause, die genau reicht, um die Süchte zu befriedigen und zur Toilette zu gehen, und dann startet der Hauptact. Sie beginnen direkt mit "Holidays in the Sun", machen dann weiter mit "Seventeen" und "New York" und sind dann auch schon bei "Pretty Vacant“, bei dem sich prompt ein unangenehmer Mensch mit Psychobilly-Frisur rückwärts, grölend und sehr aggressiv durch das Publikum nach vorne pflügt. Bekommt man direkt kurz so'n "Faustgefühl". Frank Carter liegt währenddessen stimmlich sehr nah an der von Johnny Rotten und ähnelt ihm auch (wahrscheinlich gar nicht so unfreiwillig) in Gestik und Habitus. 
Irgendwann hüpft er ins Publikum, animiert dieses zu einem Moshpit und lässt sich dann auf Händen tragen, während er weiter singt. Sofort zückt ¾ der Halle, ich inklusive, das Handy, um den Moment festzuhalten. Willkommen im Smombie-Zeitalter. Sehr sympathisch finde ich noch, dass Frank auch mal aus der „Rolle“ fällt und von seinen Auftritten mit seiner ersten Band "Gallows" berichtet, mit denen er schon im E-Werk gespielt hat. 
Vorne scheint das Publikum schon in Bewegung zu sein, in der Mitte und hinten ist es sehr statisch. Groß verwunderlich ist das nicht, immerhin liege ich mit 42 Jahren hier immer unter dem Durchschnitt. Einige Menschen haben ihre Kinder dabei, ein Herr ist am Rollator unterwegs, und einige andere, die um mich herumstehen, erklären ihren jüngeren Begleitungen ungefragt die Musik und die Bedeutung der Band und fühlen sich dabei noch mal wie mit 17. Ich gönn’ es ihnen, bin aber manchmal auch etwas genervt, wenn wieder jemand hinter mir ausholt und erklärt, was eine "Wah-Wah Pedale ist" oder laut verkündet "Geil, genau wie früher!" oder „Bester Betriebsausflug ever!"
Im ersten Drittel des Sets werden dann noch meine Lieblings-Pistols-Songs "Liar" und "Bodies" gebracht, bevor es dann mit dem Hit "God Save The Queen" weiter geht. Zum Ende hin wird dann beim erneuten STOOGES-Cover "No Fun" die Band vorgestellt. Diese Prozedur geht mir leider etwas zu lang. Danach kommen noch das großartige "No Feelings", "EMI" und "My Way" bei dem die Band bis auf Frank Carter Platz nimmt. Zum Schluss stehe ich etwas auf dem Schlauch und frage mich, was jetzt noch kommen soll, wo sie ihr Pulver doch komplett verschossen haben. Auf die Antwort muss ich dann aber nicht warten, es fehlt natürlich noch "Anarchy in the UK“, bei dem dann noch mal alle ausrasten, sodass selbst weiter hinten in der Halle Geschubse ausbricht.  Gut gepasst hätte heute noch "Great Rock 'n' Roll Swindle".
Am Ende bin ich dann ganz happy mit dem Auftritt, auch wenn ich manchmal gedacht habe, dass sich das Ganze schon etwas nach Karaoke anfühlt. Irgendwie bleibt ein Geschmäckle bestehen. Der Auftritt war an sich toll, Frank Carter hat seinen Job dabei sehr gut gemacht, aber es wirkt auf der anderen Seite auch ein wenig aus der Zeit gefallen und man hat ein wenig das Gefühl, bei einem Museumsbesuch zu sein. Der Nostalgiefaktor ist bei solchen Shows halt fast greifbar. Denn auch wenn alles ganz nett war, überwältigt bin ich nicht. Bei anderen Bands hätte ich kein Geld und schon gar nicht fast 80 Euro dafür bezahlt, sie ohne den Original-Sänger zu sehen und auch bei den Sex Pistols reicht mir dieses eine Mal. 
Feierabend ist noch vor 22 Uhr. Sehr arbeitnehmerfreundlich! Der Rückweg verläuft ereignislos, man sollte in der Hinsicht nur noch am Sonntag das Ruhrgebiet verlassen, um in die umliegenden Großstädte zu fahren. Leicht angesäuselt von vier Bechern, viel zu teurem Bier schleiche ich an Oma vorbei und falle ins Bett! Gute Nacht und bis bald!


Kommentare:

Bernd
18.07.2026 08:46
Die Süd Brücke ist vom Amt stillgelegt wurden bzgl. Konzerte.
Punk, Deutschpunk
aus Hamburg
Punkrock, Gothrock
aus UK
Punk
aus UK
Location:
Schanzenstr. 37
51063 Köln

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